Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Talmud - Workshop

Talmud

Workshop

Gemara zum Lernen und zum Lehren

Ankündigung des Workshops:

Der Talmud ist eigentlich ein Gesetzeswerk; als solches wurde er immer verstanden. Anhand von in wenigen Worten zusammengefassten und scheinbar nebenbei erzählten Anekdoten zum Thema Kränkung und Beleidigung, soll eine kritische Textanalyse vorgenommen und versucht werden, insbesondere den Unterschied zur Midrasch-Deutung herauszuarbeiten. Für das Verständnis des Jüdischen Rechts ist diese Art der Hermeneutik wesentlich.

Was lernt man?

Man lernt, was mit den Begriffen: Halacha, Agada, Midrasch (= gesetzliche Norm, Legende oder Sage; Auslegungen der Schrift durch Geschichten) gemeint ist. 

Das Thema, das im Zentrum des Workshops steht, ist die Beleidigung, vielmehr die Verschonung des Mitmenschen vor der Beleidigung.

Eine Tugend, die in der Gemara an mehreren Stellen hervorgehoben und gerne behandelt wird. Die Autoren der Gemara berichten von Ereignissen, in denen es darum geht, seinen Nächsten vor der Beschämung, Beleidigung, Peinlichkeit und Erniedrigung zu bewahren, ihn möglichst vor solchen Situationen, insbesondere in der Öffentlichkeit, zu schützen. In der Tat wird bereits in der Bibel diese Tugend als eine Norm, und zwar als ein ethisches Gebot behandelt. 

Die Methode:

Man liest kurze Texte und analysiert sie in der Gruppe.

Die Gruppe:

Insgesamt bis zu 15 Teilnehmern. Der Leiter führt in das Thema ein, auch in die einzelnen Abschnitte, und leitet die Diskussion. 

Überblick:

Diese Skizze schildert methodisch, welche Texte gelesen werden und auf welche Teile der oben genannten Begriffe sie sich beziehen. Es ist nützlich, wenn man diese Skizze vor Augen hat; sie erleichtert die Navigation durch die Texte.

Mischna - Text:

Jeder Teilnehmer liest für sich die 1. Mischna von Sanhedrin. Es ist ein rein halachischer Text und behandelt richterliche Zusammensetzung für die verschiedenen rechtlichen Probleme; in der heutigen Juristensprache nennt man das Gerichtsverfassungsgesetz.. Es lohnt sich hier nicht, auf die Einzelheiten der Mischna einzugehen. Von Interesse ist die Tatsache, dass die Interkalation (Bestimmung der Schaltjahre und -monate) von Richtern vorgenommen wurde, und dass im Rahmen der Behandlung dieser Problematik die Gemara nebenbei auf Seite 11a in Form einer Agada das Thema der Beleidigung anschneidet.

Gemara - Erster Text:

Die Anekdote von R. Schimon b. Gamliel und Schmu’el der Kleine...

Gemara - Zweiter Text:

Diese Anekdote zog weitere ähnliche nach sich, an die man sich bei dieser Gelegenheit nun erinnerte... 

Gemara - Dritter Text:

Um eine Verbindungskette herzustellen zwischen den Anekdoten, an die man sich hier reihenweise erinnerte, stellt die Gemara nach jeder Anekdote die rhetorische Frage: von wem lernte es dieser? Als ob jeweils der betreffende Gelehrte seine edle Handlung von einem früheren gelernt hätte. Man kann darüber diskutieren, ob in einem weiteren Sinne die Gelehrten jeweils das Verhalten ihrer Vorgänger nachahmten. Jedenfalls soll R. Me'ir von Jehoschua, dem Nachfolger Moses, gelernt haben... 

Hier wäre der erste Teil des Workshops zu Ende. Eine Pause wäre angebracht.

Der zweite Teil ist eine Fortsetzung des Themas. Auch die weiteren Texte beschäftigen sich mit der Kränkung, wobei die Texte und die Analysen  etwas schwieriger werden. 

Gemara - Vierter Text:

Die ethische Maxime, Mitmenschen nicht zu kränken, wird hier als eine Halacha (als gesetzliche Norm) behandelt, da dies bereits in der Tora verkündet wurde. Im weiteren geht die Gemara auf das Thema mit Midrasch-Intepretationen ein, wobei der Phantasie großer Platz eingeräumt wird...

Ich gebe zu, dass der vierte Text nicht einfach ist. Es sollte mich nicht wundern, wenn man bei der Textanalyse etwas unsicher wird. Ich würde mich freuen, Fragen (per Mail) zu beantworten.

Gemara - Fünfter Text:

Dieser Text folgt der vorigen Mischna und ist eigentlich eine Agada, also eine Sage oder Legende. Eine Auflehnung der Gelehrten gegen Gottes Stimme bedeutet eine ungeheure Zivilcourage und begründet ein wichtiges Prinzip im Jüdischen Recht, das als "Herrschaft des Rechts" bezeichnet wird. Dieses Beispiel zeigt, welch eine wichtige Rolle die Agada bei der Formulierung von Rechtsgrundsätzen und Rechtsverständnis spielt.