Talmud
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Joreh? Joreh! - Jadin? Jadin!
Die Autorisation (die Bestallung, auf Hebräisch "Smicha") eines Gelehrten zum Rabbiner, der rituelle Entscheidungen trifft und das Richteramt ausübt, erfolgt laut dem Talmud durch die Genehmigung des geistigen Oberhaupts. Diese Zeremonie wird folgendermaßen beschrieben: Ein Rabbi fragt, "soll er Lehren?" (joreh?) und das Oberhaupt antwortet: "Er soll Lehren! (joreh!)". Dann wird gefragt: "Soll er richten? (jadin?)" und die Antwort lautet: "Er soll richten (jadin!)". Die Gemara (Sanhedrin 5b) wirft eine Frage auf: Wenn der Betreffende ein Gelehrter ist und infolgedessen rituelle Entscheidungen treffen könnte, wozu braucht er noch autorisiert zu werden? Darauf antwortet die Gemara:
Wegen eines Ereignisses. Einst ging Rabbi Jehuda Hanassi in eine Ortschaft und beobachtete, dass da die Leute den Teig mit verunreinigungsfähigem Wasser kneteten. Er fragte sie, warum sie so handelten und sie erwiderten: Ein Jünger kam hierher und lehrte uns, dass Sumpfwasser (Hebräisch mej-bitza) nicht verunreinigungsfähig sei. Er lehrte es jedoch von Eiern (Hebräisch mej-betza), sie aber glaubten, er lehrte es vom Sumpfwasser. Es wird gelehrt: Damals ordneten sie an, dass ein Jünger nur dann lehren darf, wenn er die Autorisation von seinem Meister erhalten hat.
Es reicht also nicht aus, dass jemand die Gesetze studiert und ein Gelehrter (talmid chacham) ist um Rabbiner zu sein und lehren zu dürfen. Er muss auch richtig sprechen können, er muss die Lehre übermitteln können, dass die Zuhörer ihn auch richtig verstehen. Er muss also auch pädagogische und didaktische Kenntnisse und Eignungen haben.
Und da die Rede von den Rabbinern ist, die auch richten dürfen, noch eine Anekdote aus dem selben Traktat (Sanhedrin 33a). Es geht darum, dass Richter für Fehlentscheidungen haften sollen: Einst brachte man Rabbi Tarfon eine Kuh, der die Gebärmutter entfernt worden war, zur Prüfung, ob sie gegessen werden dürfe (also koscher sei). Da die Kuh einen Schaden aufwies (mumm), befahl er, sie den Hunden zum Fressen zu geben. Als die Sache vor die Weisen in Jawne gebracht wurde, erlaubten sie den Verzehr, da die Kuh nicht krank, sondern aus Alexandria importiert worden war. (Die Ägypter pflegten nämlich den exportierten Kühen die Gebärmutter zu entfernen, damit ihre Zuchttiere nicht von anderen Völkern nachgezüchtet würden, was diese erstaunlicherweise überlebten). Als Rabbi Tarfon von dieser Entscheidung erfuhr, dachte er, dass er Schadensersatz leisten müsse, und da sein gesamtes Vermögen aus einem Esel bestand, sprach er: Dein Esel ist hin, Tarfon!
Gabriel Miller