Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Talmud - Inhalt und Struktur

Talmud

Inhalt und Struktur

Der Talmud besteht aus der Mischna und ihrer Diskussion, der Gemara. Beide gemeinsam bilden den Talmud. Sie sind der Grundtext des Talmuds.

Die Mischna (Wiederholung, Lehre) entstand aus der rabbinischen Forderung, die mündliche Lehre stärker zu beachten. Diese Lehre bestand aus Religionsgesetzen für alle Bereiche (Halacha) und aus ergänzendem Material, bestehend aus Geschichten, Gleichnissen und Begebenheiten ethischen Charakters (Agada).

Rabbi Jehuda Ha-Nassi ordnete die mündliche Lehre und hielt sie schriftlich fest (ca. 200 n.d.Z.), damit sie nicht im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerät. Die Sammlung der mündlichen Lehre wurde in sechs Ordnungen aufgeteilt.

Eine Skizze des Talmudaufbaus

Diese Ordnungen enthalten  folgende Traktate, deren Inhalt im wesentlichen wie folgt ist:

1. Seraim (Saatgut) enthält alle Gesetze, die mit der Landwirtschaft zusammenhängen, besonders Vorschriften über die Verzehntung, über verschiedene Abgaben, das Sabbatjahr, wann das Land brachliegen muss usw. Da verschiedene Segenssprüche besonders vor dem Essen von Früchten und anderen landwirtschaftlichen Produkten vorgeschrieben sind, beginnt die Ordnung Seraim mit einem ausführlichen Traktat über das Gebet insgesamt und die verschiedenen liturgischen Vorschriften.


ORDNUNG SERAIM
(Saatgut)

Traktat Inhalt
Berachot (Segens-sprüche) Das Schma Israel Gebet, Segenssprüche.
Pea (Eckenlass) Verordnungen über Eckenlass in der Landwirtschaft und milde Gaben.
Demaj Zweifelsfälle und Mischungen von Getreide, bei dem nicht sicher ist, ob es verzehntet wurde.
Kilajim (Mischungen) Mischungen verschiedener Saaten, Bäume und Tiere.
Schewi’it (Siebentjahr) Gesetze über die Aufhebung des Bodenbesitzes und Schuldenerlass im Siebentjahr.
Terumot (Heben) Abgabe von Heben an die Priester.
Ma’asrot (Zehnte) Abgabe des Zehnten an die Lewiten und Abgaben an Arme.
Ma’aser Scheni
(Zweite Zehnte)
Abgabe des zweiten Zehnten und sein Hinbringen nach Jerusalem.
Chala (Teighebe) Abgabe der Teighebe an die Priester.
Orla (Ungeweihte) Verbot von Baumfrüchten bis zum vierten Jahr.
Bikurim (Erstlinge) Abgabe der Erstlingsfrüchte und ihre Darbringung in Jerusalem.

2. Mo'ed (Festzeiten) enthält zuerst eine ausführliche Regelung der Sabbatruhe und der am Sabbat erlaubten Arbeiten, außerdem liturgische Vorschriften für Pessach, den Versöhnungstag Jom-Kipur, Neujahr, das Laubhüttenfest und andere Fasttage und Halbfesttage. Dazwischen steht ein eigener Traktat über die Tempelabgaben, die den Gottesdienst im Tempel zu finanzieren hatten.


ORDNUNG MO'ED
(Festzeiten)

Traktat Inhalt
Schabat Am Schabat verbotene Arbeiten und weitere Schabatgebote.
Eruwin
(Vereinigung)
Wie man verschiedene  Bereiche und Höfe miteinander verbindet.
Pessachim
(Pessachfest)
Gesetze über gesäuertes und ungesäuertes Brot (Maza), das Pessachopfer und den Sederabend.
Schekalim
(Tempelsteuer)
Abgabe des Halben Schekel an den Tempel, Verwendung der Tempelgelder, Arbeit im Tempel.
Joma
(Versöhnungstag)
Opfer und Fasten am Jom Kipur (Versöhnungstag).
Suka
(Festhütte)
Bau der Suka, die "vier Arten", Festfeierlichkeiten im Tempel.
Bejza
(Jom Tow, Festtag)
Allgemeine Gesetze der Festtage.
Rosch HaSchanah
(Neujahrsfest)
Bestimmung der Monate und Jahre, Schofarblasen, Gebete am Neujahrsfest.
Ta’anit
(Fasttag)
Allgemeine Fasttage und solche, die zur Rettung aus Not verkündet werden.
Megila
(Esther-Rolle)
Gebote für das Purimfest.
Mo'ed Katan
(Halbfeste)
Gesetze über die Halbfeiertage sowie über die Trauerzeit für Verstorbene.
Chagiga
(Festopfer)
Gesetze über die festtägliche Pilgerfahrt nach Jerusalem.

3. Naschim (Ehen- und Familienrecht) regelt die Rechtslage kinderloser Witwen, die Schwagerehe, sowie das gesamte Heirats- und Scheidungsrecht einschließlich der Vermögensfragen und des Erbrechts. Da die Geltung von Gelübden bei Frauen, die nicht voll über sich verfügen können, besondere Probleme aufwirft, wird die gesamte Problematik der Gelübde, auch solcher, die nur Männer ablegen können, hier behandelt.


ORDNUNG NASCHIM
(Frauen)

Traktat Inhalt
Jewamot
(Schwagerehe)
Schwagerehe, Eheverbote, Zeugnis über den Tod des Ehemannes.
Ketubot
(Ehelichung)
Ehevertrag und besondere Vereinbarungen der Ehepartner.
Nedarim
(Gelübde)
Verschiedene Gelübde und die Wege zu ihrer Auflösung.
Nasir
(Nasirat)
Gesetze über das Nasirat (Asketentum).
Sota
(Ehebruchsverdächtigte)
Gesetze über eine Ehebruchsverdächtigte, einen Mord, bei dem der Täter nicht gefunden wurde, Gesetze für den Krieg.
Gitin
(Ehescheidung)
Ehescheidung, Schreiben und Verschicken des Get (Scheidungsbriefes).
Kiduschin
(Antrauung)
Die Heirat und Heiratsbedingungen, Verwandtschaftsbeziehungen.

4. Nesikin (Beschädigungen; Zivil- und Strafrecht ) umfasst das Schadens- und Strafrecht, Bestimmungen über Gerichte, Strafen, Schwur und Zeugenschaft sowie Folgen irriger Rechtsentscheidungen. Doch auch die Bestimmungen über den Götzendienst und den Umgang mit Heiden sind hier eingereiht, sowie, was noch auffälliger ist, der einzige nichtgesetzliche Traktat der Mischna, Pirke Awot ("Kapitel der Väter") genannt, der den Zusammenhang der rabbinischen Tradition von Mose bis zur Zeit der Mischna aufzeigen will.


ORDNUNG NESIKIN
(Schäden)

Traktat Inhalt
Baba Kama
(Erste Pforte)
Verschiedene direkt oder indirekt verursachte Schäden.
Baba Mezia
(Mittlere Pforte)
Fundgut, Darlehen, Arbeits- und Mietverträge.
Baba Batra
(Letzte Pforte)
Teilhaberrecht, Verkäufe, Verträge und Erbschaften.
Sanhedrin
(Synedrium)
Verschiedene Gerichte, Strafrecht, Glaubensgrundsätze.
Makkot
(Geisselung)
Die Strafe der Geißelung und die Übertritte, für die man mit ihr bestraft wird.
Schewuot
(Eid)
Der Gelübde- und der Zeugniseid.
Edujot
(Bekundungen)
Sammlung von Zeugnissen und Bekundungen in verschiedenen Angelegenheiten.
Awoda Sara
(Götzendienst)
Fernhalten vom Götzendienst und Götzendienern.
Awot
(Sprüche der Väter)
Moral und "Derech Erez"
Horajot
(Entscheidung)
Irrtümer der zentralen Gerichtshöfe und ihre Berichtigung.

5. Kodaschim (Heiliges) behandelt die Vorschriften bezüglich der verschiedenen Opfer bestimmter Tiere, die Ablieferung der Erstgeburten beim Vieh an die Priester, Ersatzleistungen für Gelübde, Missbrauch geheiligten Guts; außerdem enthält diese Ordnung auch ein Traktat über Maße und Einrichtung des Tempels.


ORDNUNG KODASCHIM
(Geheiligtes)

Traktat Inhalt
Sewachim
(Schlachtopfer)
Gesetze über das Tempelopfer.
Menachot
(Speiseopfer)
Gesetze über das Speiseopfer, Zizit (Schaufäden), Tefilin.
Chullin
(Profanschlachtung)
Schächten, Speisevorschriften (Kaschrut)
Bechorot
(Erstgeburt)
Erstgeburt bei Mensch  und Tier, Makel an Mensch und Tier.
Arachin
(Schätzgelübde)
Wie man den Wert von dem Tempel Geweihtem schätzt.
Temura
(Umtausch)
Der Umtausch von Vieh für Opfermehl.
Keritot
(Ausrottung)
Übertretungen, für die man sich der Strafe der "Ausrottung" schuldig macht, und die Darbringung eines Sühneopfers.
Me'ila
(Veruntreuung)
Veruntreuung von Tempeleigentum und deren Sühnung.
Tamid
(Beständiges Opfer)
Die Opferdarbringung im Tempel.
Midot
(Tempelmasse)
Die Maße und Formen des Tempels in Jerusalem.
Kinim
(Taubenpaar)
Wie zu verfahren ist, wenn sich verschiedene Opfer vermischen.

6. Taharot (Reinheitsgebote) umfasst die komplexen Vorschriften, wodurch etwas rituell unrein wird, welche Unreinheit die Frau während ihrer Regel und nach der Geburt trifft, die Unreinheit durch Aussatz (im weiten Sinn: eine Vielzahl von Hautkrankheiten) und Geschlechtskrankheiten, ebenso die Bestimmungen über das zur Reinigung bestimmte Tauchbad.


ORDNUNG TAHAROT
(Reinheit)

Traktat Inhalt
Kelin
(Geräte)
Verschiedene Gerätearten und ihre Anfälligkeit für rituelle Unreinheit.
Ohalot
(Bezeltung)
Totenunreinheit.
Nega'im
(Aussatz)
Aussatz bei Mensch sowie auf Kleidern und im Haus.
Para
(Rote Kuh)
Zubereitung der Asche der Roten Kuh und Beseitigung der Totenunreinheit.
Taharot
(Reinheit)
Verschiedene Gesetze über rituelle Unreinheit.
Mikwaot
(Tauchbaden)
Gesetze über das rituelle Tauchbad (Mikwe), das die rituelle Unreinheit beseitigt.
Nida
(Menstruation)
Rituelle Unreinheit bei einer Menstruierenden und das Fernhalten von ihr.
Machschirin
(Empfindlichkeit)
Wie und wann Speisen für rituelle Unreinheit empfänglich werden.
Sawim
(Flussbehaftete)
Die Unreinheit der Flussbehafteten und ihre Beseitigung.
Tewul Jom
(Der Eingetauchte)
Verschiedene Arten von Unreinheiten.
Jadajim
(Händeunreinheit)
Rituelle Unreinheiten, die von Rabbinern verhängt wurden.
Ukzin
(Stiele)
Welches Zubehör unreiner Gegenstände ebenfalls unrein wird.

Den Talmud gibt es in zwei Versionen. Zunächst entstand ein palästinensischer Talmud (425 n.d.Z.). Im 6. Jh. folgte ein babylonischer Talmud (im wesentlichen von Rav Aschi redigiert), welcher als erheblich umfangreicher gilt. Er umfasst im Original etwa 6.000 Folio-Seiten. Dies liegt auch daran, dass Babylonien zur Zeit der Diaspora zum jüdischen Zentrum wurde und dies über Jahrhunderte neben anderen Zentrenbildungen bleiben sollte. In den folgenden Jahrhunderten wurden diese Texte ebenfalls  kommentiert und besprochen.