Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Talmud - Kleinere Beiträge - Humor

Talmud

Kleinere Beiträge

Humor

Der Prophet Elija pflegte vom Himmel zu steigen und die Gelehrten zu besuchen. Als er einst R. Beroka auf dem Markt traf, fragte ihn dieser, ob es auf dem Marktplatz Menschen gebe, die in die zukünftige Welt (ins Paradies) kämen. Der Prophet zeigte ihm zwei Brüder, die gerade vorübergingen. R. Beroka ging auf sie zu und fragte sie nach ihrer Beschäftigung. Sie erwiderten: Wir sind fröhliche Menschen und erheitern die Betrübten, und wenn wir Streitende sehen, bemühen wir uns und stiften Frieden (b. Ta'anit 22a). Dass die jüdische Kultur in der Talmud-Zeit der guten Stimmung grossen Wert einräumte, braucht nicht zu wundern, dass man sich aber mit Humor das Paradies erkaufen kann, ist doch bemerkenswert.

So mancher Pädagoge könnte sich auch heute noch Rabba zum Vorbild nehmen. Rabba pflegte nämlich, wann immer er mit dem Unterricht begann, den Schülern etwas Heiteres zu sagen. Dann sass er ehrfürchtig da und begann mit dem Lehrvortrag (b. Schabbat 30b).

Der Talmud, dieses grosse literarische Werk, das aufgezeichnet wurde, um die in gesetzlichen und ethischen Normen zum Ausdruck gebrachten Werte zu erhalten, enthält viel Humor zwischen den Zeilen: Wenn z.B. von einer Diskussion zweier Gelehrter berichtet wird, dass sie vor ihrem Meister sassen, während dieser döste, so muss man über diese Situationskomik schmunzeln. Aber auch ausdrücklich gewollter Witz ist oft die Sache der Gelehrten.

Im Talmud (Babba Mezia, Kap. 8) wird die Frage erörtert, wann der Entleiher einer Sache für sie hafte, wenn sie ohne sein Verschulden zerstört wurde. Die Gelehrten ziehen Beispiele heran, um zu sehen, wie die Weisen vor ihrer Zeit entschieden haben. Eines dieser Beispiele: Einst lieh jemand eine Katze von seinem Nachbarn, um Mäuse in seinem Haus zu jagen. Da taten sich die Mäuse zusammen und töteten die Katze. Hierauf saß Rabbi Aschi und sann darüber nach: Wie ist es in einem solchen Falle? Wenn die Katze als durch die Arbeit verendet betrachtet würde, müßte der Entleiher keinen Ersatz leisten, denn zu dieser Arbeit wurde ja die Katze entliehen. Oder aber hätte der Entleiher sie nicht zu einer Stelle bringen dürfen, wo viele Mäuse vorhanden waren? Da sprach Rabbi Mordechaj im Namen Raws: Wenn ein Mann von Weibern getötet wird, so ist dies seine eigene Schuld; er sollte ihnen nicht unterliegen, selbst wenn sie in der Mehrheit sind. Ebenso war auch der Tod der Katze durch die Übermacht der Mäuse nicht vom Entleiher verschuldet. Manche erzählen eine andere Version dieser Geschichte: Die Katze soll sich mit Mäusen überfressen haben, erkrankte und verendete. Hierauf sprach Rabbi Mordechaj im Namen Raws: Wenn ein Mann von Weibern getötet wird, und zwar wenn er durch sexuelle Unmäßigkeit gestorben ist, so ist dies seine eigene Schuld.

Im Traktat Babba Kamma (Kap. 4) wird die Höhe des Schmerzensgeldes für eine Ohrfeige behandelt. In diesem Zusammenhang wird erzählt: Einst versetzte der böse Chanan einem anderen eine Ohrfeige. Als er verklagt wurde, verurteilte ihn R. Hunna zur Zahlung eines halben Sus an den Kläger. Chanan holte einen abgescheuerten Sus heraus und wollte vom Kläger einen halben herausbekommen. Dieser wollte aber den abgescheuerten Sus nicht entgegennehmen, so versetze ihm Chanan eine weitere Ohrfeige und gab ihm den ganzen Sus. Diese Geschichte diente sicherlich als Vorlage für ähnliche Witze, die in jeder Sammlung vorkommen.

Im Traktat Babba Batra (Kap. 3) wird Rabbi Bena'a zu Fragen der Keuschheit zitiert. Bei der Gelegenheit werden einige Anekdoten von ihm erzählt. Einst hörte jemand seine Frau zu seiner Tochter sprechen: Weshalb treibst du es (beim Ehebruch) nicht diskret? Ich habe zehn Söhne und nur einer ist von deinem Vater. Als der Mann im Sterben lag, sprach er: Mein ganzes Vermögen soll meinem einzigen Sohn gehören. Sie wußten aber nicht, wen er gemeint hat und wandten sich mit dem Problem an Rabbi Bena'a. Er sprach zu ihnen: Geht, schlagt auf das Grab eures Vaters, bis er aufsteht und euch offenbart, wem von euch er sein Vermögen hinterlassen hat. Hierauf gingen sie alle hin, der eine aber, der sein wirklicher Sohn war, ging nicht. Da sprach R. Bena'a zu ihnen: Das ganze Vermögen gehört diesem. (Wahrscheinlich war dieser der echte Sohn, weil er soviel Pietät besaß, den Vater in seiner letzten Ruhe nicht zu stören.)

Im Traktat Sanhedrin, wo u.a. die Verfahrensordnung bei Gericht geregelt ist, wird (Blatt 7b) folgende Anekdote erzählt: Einst kam der Hauswirt Rabhs vor diesen zu Gericht. Rabh fühlte sich befangen und übergab den Fall seinem Schüler und Kollegen R. Kahana. Als R. Kahana dem Hauswirt anmerkte, daß er anmaßend und selbstgewiss war (da er sich auf die Autorität Rabhs verließ), sprach er zu ihm: Willst du gehorchen, so ist es recht, wenn aber nicht, so werde ich dir den Rabh aus den Ohren herausziehen (was bedeutet: ich werde dich so streng behandeln, daß du merken wirst, daß du dich auf Rabh nicht verlassen kannst).

Der Richter muß sich allen Prozeßparteien gegenüber gleich verhalten. Manchmal ist das Einhalten dieser Regel etwas kompliziert, wie im folgenden Fall (b. Schewuot 30b): Die Frau R. Hunnas hatte einen Prozeß vor R. Nachman. Da sprach er: Wie mache ich es nun? Stehe ich vor ihr auf, so wird ihr Gegner eingeschüchtert, stehe ich vor ihr nicht auf, so ist es unpassend?! Hierauf sprach er zu seinem Diener: Sobald sie hereinkommt scheuche eine Ente auf und jage sie auf mich zu, so werde ich einen Grund zum Aufstehen haben.

In Traktat Sanhedrin werden mehrere Geschichten von Raban Gamliel und dem römischen Kaiser erzählt. Eine dieser Geschichten: Der Kaiser sprach zu Raban Gamliel: Euer Gott ist ein Dieb, denn es heißt, dass er Adam während des Schlafs eine seiner Rippen entnahm. Hierauf sprach die Tochter des R. Gamliel zum Kaiser: Stelle mir einen Vogt zur Verfügung. Der Kaiser fragte sie: Wozu brauchst du ihn? Sie sprach: Räuber überfielen uns diese Nacht, sie nahmen einen silbernen Pokal und ließen uns einen goldenen zurück. Er erwiderte ihr: Mögen solche Diebe nur alle Tage kommen! Da sprach sie: War es etwa Adam nicht lieb, daß man ihm eine Rippe genommen und dafür eine Frau gegeben hat?!

Die Griechen und Römer spotteten über die Juden, weil sie alle sieben Tage einen Ruhetag einlegten. Einst fragte der römische Statthalter den R. Akiwa, indem er spöttisch auf die Heiligkeit des Schabbat hindeutete: Welcher Unterschied ist zwischen diesem Tage und den anderen? Dieser erwiderte: Welcher Unterschied ist zwischen dir und den anderen Menschen? Darauf der Römer: So gefällt es meinem Kaiser. Nun gut, sagte R. Akiwa, so gefällt es unserm Gott (b. Sanhedrin 65b).