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Forschungsstelle für jüdisches Recht - Marcus Cohn

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Talmud - Lektüre / Übungen - Bet Hillel und Bet Schamai

Talmud

Lektüre - Übungen

Bet Hillel und Bet Schamai

Zwei nach ihren Gründern Schamai und Hillel benannte Gelehrtenschulen, die im 1. Jhdt. n. Z. in Jerusalem blühten und den Grundstein zur Entwicklung des Halacha- (Rechts-) Studiums gelegt haben. Die Meinungsverschiedenheiten vermehrten sich schließlich dermaßen, dass es hieß: "Aus der einen Lehre sind zwei entstanden". Während die Hilleliten das Leben mit der Lehre lockern wollten, übertrieben die Schamaiten die Strenge der Gesetzesauffassung. Im Laufe der Zeit setzte sich die Schule Hillel wegen ihrer milden und menschenfreundlichen Einstellung gegenüber der Schule Schamais durch.

Zu den Unterschieden zwischen den beiden Schulen einige Beispiele:

Wer die Absicht hat, sich an einen Depositum zu vergreifen (eine Unterschlagung zu begehen), ist, wie die Schule Schamai (B-S) sagt, haftbar; die Schule Hillel (B-H) sagt, er sei erst dann haftbar, wenn er sich daran vergriffen hat. B-S sagt, dass er wegen der Absicht wie wegen der Tat schuldig sei; B-H sagt, er sei nur schuldig, wenn er sich vergriffen hat (b. Baba Mezia 44a).

Wenn jemand einen Balken geraubt und ihn in ein Gebäude eingebaut hat, so muss er, wie B-S sagt, das ganze Gebäude niederreißen und den Balken seinem Eigentümer zurückgeben; B-H sagt, der Beraubte kann nur den Wert des Balkens beanspruchen (b. Gittin 55a).

Wie erfolgt der Tanz vor der Braut? B-S sagt, je nach der Beschaffenheit der Braut. B-H sagt, man spreche "schöne Braut und liebreiche". B-S sprach zu B-H: Wie sollte man, wenn sie lahm oder blind ist, über sie sagen: schöne Braut und liebreiche? Die Tora sagt ja, von einer Lüge halte dich fern. B-H erwiderte: Hat man, nach eurer Ansicht, wenn jemand einen schlechten Kauf auf dem Markte gemacht hat, die Ware in seinen Augen zu loben oder herabzusetzen? Doch wohl zu loben! Hierauf bezugnehmend sagten die Weisen: Stets passe man seine Sinnesart der seiner Mitmenschen an. Als R. Dimi nach Babylonien kam, sagte er: Im Westen (Judäa) singen sie vor der Braut: "Keine blauuntermalten Augen, keine Schminke und keine Frisur, und doch eine anmutige Gazelle." (b. Ketubot 17a)

ferner über Hillel