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JÜDISCHES RECHT

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Talmud - Lektüre / Übungen - Der Fund

Talmud

Lektüre - Übungen

Der Fund

Eine kurze Beschreibung der Institution "der Fund" im jüdischen Recht findet man im Jüdischen Lexikon. Insbesondere wird dort der für das jüdischen Recht eigentümliche Begriff der Dereliktion (Desperation, Entsagung, Verzicht) erläutert.

Bemerkung: Die Kursivschrift ist meine Erklärung zum Talmudtext. Die Kleinbuchstaben sind Fußnoten.

Mischna

Folgende Funde gehören ihm, dem Finder, und andere wieder, die er bekanntmachen muss (Der Fund, der vom Finder nicht behalten werden durfte und dessen Eigentümer nicht bekannt war, musste in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Im Hebräischen lautet das Wort „ausrufen“.) muss. Folgende Funde gehören dem Finder: Wenn jemand verstreute Früchte, verstreutes Geld, Garben auf öffentlichem Gebiet, Feigenfladen, Bäckerbrote, Fischgebinde, Fleischstücke, Wollflocken, wie sie aus ihrem Lande kommen, Flachsbündel oder Purpurstreifen findet, gehören dem Finder, da alle diese Gegenstände kein besonderes Kennzeichen haben, das sie von anderen ihrer Art unterscheidet. Folglich kann sie der Verlierer nicht identifizieren. Dies ist die Meinung des R. Me’ir. R. Jehuda sagt: Jeder Gegenstand, der ungewöhnlich ist, der sich von seiner allgemeinen Art unterscheidet, muss vom Finder bekannt gemacht werden. Hierzu Beispiele: wenn er einen Feigenfladen findet, in dem sich eine Scherbe, oder einen Laib Brot, in dem sich Geld befindet. R. Schimon b. Elasar sagt: Jede gefundene Handelsware (Was darunter zu verstehen ist, wird in der Gemara weiter unten erklärt.) muss vom Finder nicht bekannt gemacht werden, da solche Waren sich gleichen und kein besonderes Kennzeichen aufzuweisen haben, kann sie der Finder behalten.

Gemara

Die Gemara beginnt damit, die einzelnen Aussagen und Bestimmungen der Mischna der Reihenfolge nach zu erforschen. Zunächst muss die Frage gestellt werden: „Wenn jemand verstreute Früchte findet etc.“, wie viel? Wie muß das Verhältnis zwischen Früchten und Raum, auf dem sie verstreut sind, sein? R. Jizchak gab hierzu an: eine Menge von einem Kaw (Das entspricht 2,2 Liter) auf einer Fläche von vier Ellen (Gemeint sind 4 x 4 Ellen, also 16 qe). Diese Antwort wirft wieder Fragen auf. Wie ist das gemeint? Liegen die Früchte wie hingefallen, so sollte der Finder sie behalten dürfen, selbst wenn die Menge größer ist als ein Kaw. Liegen die Früchte wie hingelegt, was dafür spricht, das sie nicht verloren wurden und der Eigentümer sie abholen wird, so sollte dies, daß sie dem Finder gehören, auch dann nicht gelten, wenn die Menge im Vergleich zur Fläche geringer ist. R. Uckwa b. Chama sagt zu der Frage: Es handelt sich hier um die Zeit, wenn die Ernte von den Feldern eingefahren wird, d.h. daß die Früchte weder gefallen noch hingelegt sondern liegen gelassen wurden. Demnach, wenn das Verhältnis zwischen Menge und Fläche einen Kaw zu 4 mal 4 Ellen beträgt, ist das Einsammeln der Früchte mühsam, und niemand wird sich die Mühe machen, umzukehren und sie zu holen; der Eigentümer verzichtet auf sie. Wenn sie sich aber auf einer kleineren Fläche verstreut befinden, so gibt man sich die Mühe umzukehren und sie aufzulesen, und man verzichtet nicht auf sie.

R. Jirmja konstruiert vier Fälle von unterschiedlichem Verhältnis zwischen der Menge der Früchte und der Verstreuungsfläche, um die Motive der Eigentümer, die ihre Früchte liegen lassen, zu erkennen. Ist es die Mühe oder der geringe Wert, die den Eigentümer veranlassen, auf die Früchte zu verzichten? Er fragt:

Wie verhält es sich mit einem halben Kaw auf einer Fläche von 2 Ellen (Gemeint ist, dass die Relation die gleiche bleibt wie im oberen Fall)? Gehören die Früchte dem Finder oder muss er den Fund bekanntmachen? Bei einem Kaw auf einer Fläche von vier Ellen durfte der Finder die Früchte behalten, weil wir sagten, die Mühe sei zu groß. Bei einem Halben Kaw auf einer Fläche von zwei Ellen (wobei die Relation zwischen Menge und Fläche die gleiche ist) ist die Mühe nicht so groß, da könnte man annehmen, dass der Eigentümer auf die Früchte nicht verzichtet. Oder aber ist es nicht vielleicht deshalb so, dass der Eigentümer auf die Früchte verzichtet, weil die Menge gering und nicht viel wert ist? Wäre deshalb eine Menge von einem halben Kaw auf einer Fläche von zwei Ellen noch weniger wert und der Eigentümer verzichtet darauf?

Bezüglich dieser Fragen wurde von den Gelehrten keine Entscheidung getroffen.

Nun beginnt eine lange Diskussion zwische Abaje und Rawa über die Institution der Desperation. Zuerst aber einige klärende Worte hierzu von Marcus Cohn:

Eine gefundene Sache darf ausschließlich dem Eigentümer ausgehändigt werden, der durch Bekanntgabe von Kennzeichen sich zu legitimieren vermag. Fehlte dem verlorenen Gegenstand jedoch ein Kennzeichen, so brauchte die Bekanntgabe des Fundes nicht zu erfolgen, es durfte vielmehr angenommen werden, dass der Eigentümer die verlorene Sache wieder aufzufinden endgültig aufgegeben habe.  Dieser Verzicht des Eigentümers Je'usch, wörtlich Entsagung (eine Art Dereliktion), erfährt, da er eine der formellen Voraussetzungen für den Erwerb eines Fundes ist, eine besondere Ausprägung im j. Recht. Er darf vermutet werden, wenn der Gegenstand unter außergewöhnlichen Ereignissen (z. B. Überschwemmungen) abhanden gekommen war oder wenn sich trotz des Ausrufens kein Eigentümer gemeldet hatte. In all diesen Fällen darf sich der Finder die Sache nach strengem Recht aneignen.

Bei der folgenden Diskussion geht es um die Desperation, die bewusst oder auch unbewusst erfolgen kann. Also um die Möglichkeit, auf einen verlorenen Gegenstand zu verzichten, selbst wenn man nicht weiß, dass man ihn verloren hat (eine so genannte rechtliche Fiktion). Ob man nämlich davon ausgehen sollte, dass der Verlierer des Gegenstands bereits bevor er von dessen Verlust erfahren hatte, diesen aufgegeben und somit herrenlos gemacht  und der Finder sich ihn rechtmäßig angeeignet hat.

Es wurde gelehrt: Die unbewusste Desperation (Wenn der Eigentümer zur Zeit des Findens von dem Verlust nichts wusste, aber vorauszusetzen ist, dass er, sobald er den Verlust merkt, sich davon lossagt. Dem Finder ist die gefundene Sache nur dann zu eigen, wenn der Verlierende sich davon losgesagt d.h. die Hoffnung auf Wiedererlangung derselben aufgegeben hat.) gilt, wie Abaje sagt, nicht als Desperation, und wie Rawa sagt, wohl als Desperation. Bei einer Sache, an der ein Kennzeichen ist, stimmen alle überein, dass sie nicht als Desperation gelte; und auch wenn man später (nachdem die Sache in die Hand des Finders gekommen ist) vom Verlierer hört, dass er die verlorene Sache aufgegeben hat, gilt dies nicht als (eine vom Gesetz normierte) Desperation, weil die Sache in den Besitz des Finders auf verbotene Weise gekommen ist (sie war nämlich nicht herrenlos), denn hätte der Verlierer gewusst, dass er sie verloren hat, würde er sie nicht aufgegeben haben, vielmehr würde er sich gesagt haben: Ich habe daran ein Kennzeichen, und wenn ich es nenne, erhalte ich es zurück.

Es werden zahlreiche Beispiele konstruiert, um die Meinung des Abaje oder des Rawa zu bekräftigen. Es folgt zunächst ein Beispiel, das nicht einfach zu verstehen sein wird, umso mehr aber die subtile Diskussionsweise der Gelehrten demonstriert.

Komm und höre: Ein weiterer Versuch, aus einem Beraita- (Mischna) Text die Frage zu klären, ob eine nachträgliche Desperation gilt oder nicht.
Wenn ein Strom jemandem Balken, Holz oder Steine weggeschwemmt und auf das Feld eines anderen gebracht hat, so gehören sie diesem, weil der Eigentümer sie aufgegeben hat.
Aus dem Schluss dieses Satzes ist zu schließen, dass der Fund dem Finder nur gehört, wenn der Eigentümer das Weggeschwemmte aufgegeben hat, sonst aber, wenn er es nicht aufgegeben hat, gehört es dem Finder nicht. Folglich, wenn der Eigentümer das Verlorene nicht aufgegeben hat, kann es sich der Finder nicht aneignen. Es muss also eine bewusste Aufgabe des Eigentums seitens des Eigentümers stattfinden.
Wenn diese Schlussfolgerung stimmt, so hat Rawa unrecht, wenn er den Lehrsatz äußert, dass eine unbewußte Desperation wohl als Desperation gelte.
Die Gemara versucht, wie auch sonst immer, Widersprüche so lange aufzuheben, bis es nicht mehr weitergeht und lediglich eine einzige Erklärung möglich erscheint.
Um den Widerspruch dieser Beraita zu Rawa zu beheben, erklärt die Gemara, dass es sich in diesem bestimmten Beispiel aus der Beraita
um den Fall handelt, dass der Eigentümer sein Weggeschwemmtes retten kann.
Wenn also der Eigentümer sein weggeschwemmtes Eigentum retten kann, sich aber nicht die Mühe macht, dieses zu retten, bringt er damit zum Ausdruck, dass er es aufgibt bzw. preisgibt, was einer Herrenlosigkeitserklärung gleicht. Demnach kann dieser Fall nichts zur Diskussion um die unbewußte Desperation beitragen. Es sei ein klarer Fall von Eigentumsaufgabe.
Nun kann aber diese Erklärung nicht so ganz stimmen, denn in der zitierten Beraita heißt es weiter, wenn aber der Eigentümer hinterherläuft, muß er sie zurückgeben.
Wenn also der Eigentümer hinter dem weggeschwemmten Gut herläuft, muß der Finder dieses zurückgeben. Mit anderen Worten: Wenn der Eigentümer sein Weggeschwemmtes retten kann, hat er es nicht aufgegeben, es ist immer noch sein Eigentum.
Entscheidend ist also, folgert die Gemara, daß der Eigentümer sein Gut retten kann. Demnach müßte es egal sein, ob der Eigentümer hinterher läuft oder nicht. Auf jeden Fall ist das weggeschwemmte Gut nicht aus dem Eigentum des Eigentümers ausgeschieden, da er es nicht aufgegeben hatte.
Oben wurde jedoch argumentiert, daß es sich hier um den Fall handelt, wenn der Eigentümer sein Weggeschwemmtes retten kann und dies nicht getan hat, so er es aufgegeben hat. Ein offensichtlicher Widerspruch!
Die Gemara kann aber auch diesen Widerspruch auflösen. Hier handelt es sich um den Fall, so die Gemara, wenn der Eigentümer sein Gut nur mit Mühe retten kann. Läuft er hinter seinem Weggeschwemmten her, so hat er bewiesen, daß er es nicht aufgegeben hat. Läuft er nicht hinterher, so hat er zu erkennen gegeben, daß er es aufgegeben hat.
Der Widerspruch zwischen diesen beiden Stellen wurde aufgehoben. Diese Beraita konnte also weder zur Widerlegung von Rawas Meinung noch zur Bestätigung von Abajes Meinung dienen.

Eine Anekdote:
In Zusammenhang mit der Diskussion über die Geltungsmöglichkeit von rückwirkenden Entscheidungen fällt den Gelehrten folgende Anekdote ein:

Einst kamen Amemar, Mar Sutra und Rav Aschi in den Obstgarten des Mari bar Isak. Während die drei Gelehrten auf den Besitzer warteten, holte sein Pächter Datteln und Granatäpfel und setzte sie ihnen vor. Amemar und R. Aschi aßen von diesen, Mar Sutra aber aß nicht (den er überlegte, der Besitzer könnte damit nicht einverstanden sein, und in diesem Fall würde er unterschlagenes Obst essen). Als Mari b. Isak kam und die Gelehrten antraf, sprach er zu seinem Pächter: Weshalb hast du für die Gelehrten nicht von jenem besseren Obst geholt? Mar Sutra nahm aber trotzdem nichts von dem aufgetischten Obst zu sich. Hierauf sprachen Amemar und R. Aschi zu Mar Sutra: Weshalb ißt der Meister jetzt nicht, es wird ja gelehrt, wenn bessere Früchte vorhanden sind, sei die Absonderung der Hebe für das Heiligtum gültig (denn der Besitzer hatte damit bekundet, dass der Pächter in seinem Sinne gehandelt hat)? Da erwiderte er ihnen: Wenn es um die Absonderung der Hebe geht, die eine gottgefällige Handlung ist, will der Besitzer dem Heiligtum das schönere Obst geben, in solch einem Fall kann man die Bemerkung des Besitzers als ein rückwirkendes Einverständnis zur Handlung des Pächters betrachten. In unserem Fall könnte der Besitzer dies aus purer Höflichkeit gesagt haben und in Wirklichkeit nicht ganz damit einverstanden sein.

Wir folgen der Fortsetzung der Diskussion um die unbewusste Desperation.

Vorbemerkung:
Torabestimmungen über die Unreinheit von Lebensmitteln und Früchten:
„Allerlei erdenes Gefäß, wo solches Aas darauffällt, wird alles unrein, was darinnen ist, und sollst zerbrechen. Alle Speisen, die man isset, so solch Wasser darankommt, ist unrein“ (3. Moses 11, 33-34).

„Wenn aber Wasser über den Samen gegeben wird und es fällt danach ein Aas darauf, so wird es euch unrein“ (3. Moses 11, 38).

Früchte sind also verunreinigungsfähig, wenn sie 1. von ihrem Wuchs abgeschnitten und 2. mit einer von sieben Flüssigkeiten, wozu auch Tau gehört, benäßt worden sind.

Die folgende Bereita versucht eine Analogie zur rückwirkenden Desperation zu finden und hieraus Schlüsse zu ziehen.

Komm und höre eine Lehrstelle, die zur Lösung unseres Problems führen könnte: Wir haben in einer Bereita gelernt, wenn der Tau sich noch auf den abgeschnittenen Früchten befand, alser, der Besitzer hinzukam, und sich darüber freute, so gilt dies als „wenn gegeben wird“, als ob der Besitzer selbst das Obst befeuchtet hätte und es verunreinigungsfähig sei, was bedeutet, dass es, wenn es dann z.B. mit einem toten Tier in Berührung käme, unrein und ungenießbar würde; waren die Früchte bereits trocken als er hinzukam, so heißt es nicht „wenn gegeben wird“, selbst wenn er sich im nachhinein gefreut hat.

Und nun wird das von der Gemara kommentiert: Was ist der Grund hierfür? Doch wohl weil wir nicht sagen, dass, wenn er sich im nachhinein äußert, es sei ihm willkommen, es rechtlich so behandelt wird, als ob er sich rückwirkend darüber gefreut hat. Eine im nachhinein abgegebene Einverständniserklärung gilt also nicht rückwirkend, und demnach gäbe es analogerweise auch keine rückwirkende Desperation. Das würde der Meinung von Rawa widersprechen. Dieser Widerspruch wird aber aufgelöst, indem die Gemara erklärt: Hier liegt der Fall anders. Es steht geschrieben in der Tora „wenn jemand gibt“, was bedeutet, nur wenn er selbst die Früchte befeuchtet. Sind sie ohne seinen Willen befeuchtet worden, sind sie nicht verunreinigungsfähig. Nun stellt sich aber die Frage, warum gilt das nicht auch für den Anfang der Bereita, wo es heißt „wenn der Tau etc“? Mit dieser Erklärung gäbe es einen Widerspruch in der Bereita selbst. Die Lösung ist nach R. Papa zu erklären.. R. Papa hat diese Stelle in der Bibel folgendermaßen gelernt: Die Schreibweise lautet „wenn jemand gibt“, sie wird aber gelesen „wenn gegeben wurde“. Nun stellt sich die Frage: Wie ist das zu erklären? R. Papa erklärte dies wie folgt: Das Gegebenwerden muss dem eigenen Geben der Flüssigkeit auf die Früchte gleichen; wie das Geben mit Wissen des Besitzers erfolgt, so muss auch das Gegebenwerden mit seinem Wissen erfolgen. Wenn der Besitzer von der Befeuchtung erst im nachhinein erfährt, sind die Früchte, selbst wenn Befeuchtung ihm erwünscht ist,nicht verunreinigungsfähig, da er zur Zeit der Befeuchtung keine Kenntnis davon hatte und es somit auch nicht wollen konnte.

Die Analogie zur Desperation: Selbst wenn wir sagen wollten, dass eine retroaktive Desperation möglich sei, dass ein im nachhinein geäußerter Wille rückwirkend Gültigkeit habe, so könnte hierfür keine Bestätigung für die Parallele zur Verunreinigungsregel gefunden werden, da bei der Verunreinigung der Wille des Besitzers bei der Befeuchtung nicht vorhanden war. Dies wird aus dem besonderen Wortlaut der biblischen Bestimmung entnommen.

Komm und höre eine  weitere Lehrstelle aus der Bereita, die zur Lösung unseres Problems führen könnte: R. Jochanan sagte im Namen des R. Jischmaél b. Jehozadak: Woher entnehmen wir, dass eine von einem Strom herangeschwemmte verlorene Sache erlaubt ist, d.h. dass der Finder sie behalten darf, selbst wenn ein Kennzeichen daran ist? Denn es steht in der Bibel geschrieben: „so sollst du tun mit seinem Esel, so mit seinem Gewande und so mit jeder verlorenen Sache deines Bruders, die ihm abhandengekommen ist und du sie findest“ (5. Moses 22, 3). Aus dem Wort „ihm“, das im hebräischen Text überflüssig ist, wird geschlossen, nur wenn die verlorene Sache ihm abhandengekommen ist und jeder Mensch sie finden könnte, muss man sie dem Verlierer zurückgeben. Ausgenommen sind die Sachen, die ihm abhandengekommen sind und die nicht jeder finden kann (wie z.B. wenn der Strom sie weggeschwemmt hat), diese gelten nicht als rückgabepflichtige Funde und können vom Finder behalten werden.

Ferner könnte man schließen, dass das Verbotene dem Erlaubten gleicht, dass man zwischen diesen beiden eine Gleichung zieht: Genau wie im Falle des Fundes, der angeschwemmt wurde und dem Finder erlaubt, ihn zu behalten, einerlei ob ein Kennzeichen daran ist oder nicht, so ist es beim Verbotenen einerlei, ob ein Kennzeichen daran ist oder nicht. Der Finder muss die Sache dem Besitzer zurückgeben. Eine spätere Desperation habe somit keine Gültigkeit, und dies sei eine Widerlegung Rawas.

Somit ist die Diskussion zwischen Abaje und Rawa beendet, wobei Abaje sich mit seiner Einstellung durchgesetzt hat. Die Gemara fügt noch hinzu, dass dieser Fall einer von sechs Fällen ist, in denen sich Abaje gegen Rawa durchsetzte. In allen anderen Diskussionen zwischen diesen führenden Gelehrten ihrer Generation hat Rawa recht bekommen.

Eine humoristische Bemerkung im Talmud (b. Baba Batra 22 a) charakterisiert diese beiden Gelehrten. Es klingt wie ein unter den Studenten verbreiteter Spruch:
"Statt Knochen zu brechen bei Abaje, kommt lieber zu Rawa, um fettes Fleisch fu essen"; d.h. bei Rawa lernt ihr mehr und leichter als bei Abaje.

Als die Gemara kodifiziert wurde, fragte R. Acha, der Sohn Rawas (der die Ehre seines Vaters retten wollte und mit diesem Ergebnis nicht ganz einverstanden war) R. Aschi, einen der Kodifikatoren der Gemara: Wieso dürfen wir nun, wo Rawa widerlegt worden ist, vom Winde abgeschüttelte Datteln essen? Fallobst durfte man sich damals aneignen, was eigentlich der Meinung Rawas entsprach, nicht aber der des Abaje, der sagt, eine rückwirkende Desperation sei nicht wirksam. Dieser erwiderte: Da Ekel- und Kriechtiere vorhanden sind, die das Obst fressen, so hat sie der Eigentümer von vornherein aufgegeben. R. Acha fragt weiter: Wie ist es aber, wenn die Obstbäume minderjährigen Waisen gehören, die nicht verzichten können? Da sie minderjährig sind, können sie kein Eigentum aufgeben, und es könnte ja sein, dass das Fallobst gerade solchen Minderjährigen gehört. Hierauf erwiderte R. Aschi: Wir brauchen nicht von jedem Obstgarten im Tal anzunehmen, dass er Waisenkindern gehört. Wie ist es aber, fragt weiter R. Acha, wenn bekannt ist, dass bestimmte Obstbäume Waisenkindern gehören, ferner wie ist es, wenn der Baum umhegt ist, so dass er vor den Nagetieren geschützt ist? R. Aschi erwiderte, so sind sie verboten.


Vorbemerkung:
Nachdem das Problem der unbewußten Desperation gelöst worden ist, setzt die Gemara ihre Behandlung der weiteren Mischnateile fort, und zwar berichten die Kodifikatoren der Gemara, wie die weiteren einzelnen Bestimmungen der Mischna in den Lehrhäusern diskutiert wurden.

In unserer Mischna heißt es: Garbenbündel, wenn sie auf öffentlichem Gebiet gefunden wurden, gehören sie ihm, dem Finder. Rabba sagte, die Mischna sei so zu verstehen, dass selbst wenn ein Kennzeichen an den Garbenbündeln vorhanden ist, sie dem Finder gehören. Da Rabba keine weiteren Ausführungen hierzu machte, meinten die Gelehrten, Rabba sei also der Ansicht, ein Kennzeichen, das zertreten werden kann, gelte nicht als Kennzeichen, da der Eigentümer nicht darauf vertrauen kann, dass das Kennzeichen erhalten bleibt und deshalb die Garbenbündel aufgibt. Rawa ist jedoch anderer Ansicht, er sagte, die Bestimmung in der Mischna gelte nur, wenn kein Kennzeichen daran ist, wenn aber ein Kennzeichen daran ist, so muss er den Fund bekannt- und zurückgeben. Daraus folgern die Gelehrten: Rawa ist also der Ansicht, ein Kennzeichen gilt als solches, obwohl es zertreten werden kann. Manche der Gelehrten haben diese Meinungsverschiedenheit wie folgt überliefert bekommen: Bei einem Kennzeichen, das zertreten werden kann, also unkenntlich wird - Rabba sagt, es ist kein Kennzeichen und Rawa sagt, es ist doch ein Kennzeichen.

Im folgenden wird die Gemara versuchen zu klären, wer von beiden recht hat, nach wem sich die Halacha richtet. In unserer Mischna haben wir gelernt: Garbenbündel auf öffentlichem Gebiet gehören ihm. Aus dieser Formulierung sei zu schließen, so meinen die Gelehrten, dass nach der Mischna, wenn der Finder sie auf Privatgebiet gefunden hat,  er es bekanntmachen muss. Die Gemara vertieft die Sache und fragt, in welchem Fall, wie ist es also zu verstehen? Wenn kein Kennzeichen an der Sache ist, warum sollte er es bekanntmachen, der Verlierer kann sie ja doch nicht identifizieren! Also muss es sich in der Mischna darum handeln, dass an den Garbenbündeln ein Kennzeichen vorhanden ist. Ferner haben wir in der Mischna gelernt, auf öffentlichem Gebiet gehören sie ihm, dem Finder. Woraus zu schließen ist, dass ein Kennzeichen, das zertreten werden kann, nicht als Kennzeichen gilt. Und somit, stellt die Gemara fest, wäre hiermit die Meinung Rawas widerlegt. Andererseits versucht die Gemara diesen Widerspruch aufzulösen, indem die Gelehrten sich in die Lage Rawas versetzen und sagen: Rawa kann dir erwidern, tatsächlich handelt es sich um eine Sache, an der kein Kennzeichen ist. Und zur Frage, was denn bekanntzugeben sei, also warum man den Fund bei fehlendem Zeichen bekanntgeben sollte, wenn er die Sache auf Privatgebiet findet, sei zu erwidern: Er gibt den Ort bekannt, an dem er die Sache gefunden hat, und der Verlierer kann erklären, was er verloren hat und somit beweisen, dass sie ihm abhandengekommen ist. Jedoch auch über diesen Tatbestand streiten sich Rawa und Rabba. Rabba sagt nämlich: der Ort gilt nicht als Kennzeichen. Es wurde nämlich an einer anderen Stelle gelehrt: der Ort gilt, wie Rabba sagt, nicht als Kennzeichen, und wie Rawa sagt, wohl als Kennzeichen.

Komm und höre eine andere Bereita, die zur Lösung des Problems beitragen könnte. Da heißt es: Garbenbündel, wenn sie auf öffentlichem Gebiet gefunden werden, gehören ihm, dem Finder, wenn auf privatem Gebiet, so muss der Finder es bekanntgeben. Gefundene Garbenhocken muss der Finder sowohl auf öffentlichem wie auf  Privatgebiet bekanngeben. Diese Bereita unterscheidet, wie wir sehen, zwischen kleinen und großen Garben. Die Gemara  fragt: Wie erklärt Rabba den Unterschied zwischen kleinen und großen Garben, und wie erklärt dies Rawa? Rabba erklärt es nach seiner Ansicht: das Kennzeichen; Rawa erklärt es nach seiner Ansicht: der Ort.

Jetzt folgt die ausführliche Erklärung.

Rabba erklärt, dass nach seiner Ansicht ein Kennzeichen an den Garben ist. Wenn also Garbenbündel auf öffentlichem Gebiet gefunden werden, so gehören sie dem Finder, da das Kennzeichen zertreten werden kann und deshalb nicht gilt, wenn sie jedoch auf Privatgebiet gefunden werden, muss der Finder den Fund bekanntgeben. Bei einer Garbenhocke haben die Gelehrten, meint Rabba, zwischen öffentlichem und privatem Gebiet nicht unterschieden, da sie groß ist und weil man nicht darauf tritt und das Kennzeichen nicht zerstört werden kann, deshalb muss es der Finder bekanntgeben.

Rawa erklärt, dass nach seiner Ansicht der Ort als Kennzeichen gilt. Garben auf öffentlichem Gebiet gehören dem Finder, weil sie, da sie klein sind, umhergestoßen werden und nicht auf dem ursprüngichen Ort liegen bleiben, auf Privatgebiet muss der Finder den Fund bekanngeben, weil sie nicht umhergestoßen werden. Hingegen bei Garbenhocken muss der Finder den Fund bekanntgeben, ob sie auf privatem oder öffentlichem Gebiet gefunden wurden, da sie schwer sind und nicht umhergestoßen werden.

Komm und höre: In unserer Mischna steht geschrieben, Bäckerbrote gehören dem Finder. Daraus sei logischerweise zu schließen, so meinen die Gemaragelehrten, dass der Finder, wenn es sich um hausbackene Brote handelt, den Fund bekanntgeben muss. Und weshalb muss der Finder den Fund bei hausbackenen Broten bekanntgeben? Doch wohl deshalb, weil sie ein Kennzeichen haben, da jeder Hausherr seine eigene Brotform bäckt, und man weiss, dass sie diesem oder jenem gehören. Er muss sie also bekanntgeben, einerlei ob sie auf öffentlichem oder privatem Gebiet gefunden wurden. Hieraus muss man schließen, dass ein Kennzeichen, das zertreten werden kann, als Kennzeichen gilt. Und somit wäre die Ansicht Rabbas widerlegt worden.

Die Gemara löst hier den Widerspruch, indem die Gelehrten erklären, Rabba könnte hier erwidern: hierbei erfolgt dies aus dem Grunde, weil man auf Speisen nicht treten oder hinwegtreten darf (ein bekanntes ethisches Gebot lautete nämlich, dass auf der Erde liegende Lebensmittel aufgehoben werde müssen, damit sie nicht zertreten werden) und nicht weil ein Kennzeichen, das zertreten werden kann, nicht als Kennzeichen gilt. Nun stellt die Gemara die Frage: Es gibt ja aber Nichtjuden, die das Verbot, auf Speisen zu treten, nicht befolgen. Darauf wird geantwortet: Nichtjuden fürchten Zauberei und treten deshalb nicht auf Speisen. Die Gemara fragt weiter: Es gibt ja Vieh und Hunde, und diese könnten die Speisen, in diesem Fall die hausbackenen Brote, zertreten. Darauf wird geantwortet, dass es sich hier um Orte handelt, wo Vieh und Hunde nicht häufig sind.
 

Vorbemerkung:
Im Streit zwischen Rabba und Rawa konnte die Gemara bisher keine Entscheidung treffen.

Sie streiten sich nunmehr über drei Tatbestände:

         Das Problem                                 nach Rabba       nach Rawa

1. Ein Kennz., das zertreten werden kann         gilt nicht als K         gilt als K

2. Der Ort als Kennzeichen                                 gilt nicht                   gilt

3. Zertretung von Lebensmitteln                     werden nicht zertr.     werden zertr.

Im weiteren wird die Gemara den Versuch unternehmen zu beweisen, dass bereits die Tana’im, die Gelehrten der Mischna, sich gleichwohl über die selben Themen stritten wie ihre Nachfolger, die Amora’im Rabba und Rawa.

Man könnte anehmen, dass sie, Rabba und Rawa, denselben Streit führen wie die folgenden Tana’im. In unserer Mischna haben wir gelernt, dass R. Jehuda sagt, jeder Gegenstand, der ungewöhnlich ist, der sich von seiner allgemeinen Art unterscheidet, muss vom Finder bekanntgemacht werden, beispielsweise wenn er einen Feigenfladen findet, in dem eine Scherbe ist, oder einen Laib Brot, in dem sich Geld befindet. Die Tatsache, dass diese Meinung explizit im Namen R. Jehudas zitiert wird, läßt schließen, dass der erste Tana-Gelehrte eine gegenteilige Ansicht vertritt, und zwar dass der Finder es behalten darf.

Die Gelehrten dachten zunächst, die Meinungsverschiedenheiten wie folgt klären zu können: Alle, sowohl der erste Tana als auch R. Jehuda, seien der Ansicht, das Kennzeichen, das von selbst durch Zufall entstanden sein kann, gelte als Kennzeichen, und dass man ferner über Lebensmittel hinwegtreten darf ohne sie hochzuheben, jedoch streiten sie sich wohl darüber, ob ein Kennzeichen, das zertreten werden kann, als Kennzeichen gelten kann. Der eine Gelehrte, der erste Tana, ist der Ansicht, es gelte nicht als Kennzeichen, der andere, R. Jehuda, ist der Ansicht, es gelte wohl als Kennzeichen.

R. Sewid, der sich im Namen Rawas äußert, zeigt jedoch, dass diese Erklärung unhaltbar ist: denn sollte man auf die Idee kommen, der erste Tana sei der Ansicht, das Kennzeichen, das zertreten werden kann, gelte nicht als Kennzeichen und dass man über Lebensmittel hinwegtreten darf, würde das im Widerspruch zu unserer Mischna und somit im Widerspruch zum ersten Tana stehen, denn da heißt es ja: Hausbackene Brote auf öffentlichem Gebiet müssen bekanntgemacht werden, weil das Kennzeichen an ihnen, auch wenn es zertreten werden kann, eben doch gilt.

Vielmehr, erklärte R. Sewid im Namen Rawas, sind alle der Ansicht, das Kennzeichen, das zertreten werden kann, gelte als Kennzeichen und dass man ferner über Lebensmittel hinwegtreten dürfe, und sie streiten sich vielmehr über ein Zeichen, das von selbst entstanden sein kann. Der erste Tana ist der Ansicht, das von selbst entstandene Kennzeichen gelte nicht als Kennzeichen, und R. Jehuda ist der Ansicht, es gelte wohl als Kennzeichen. So erklärt sich auch, warum der erste Tana einen Feigenfladen dem Finder freigibt und warum R. Jehuda dem Finder nicht gestattet ihn sich anzueignen, sondern ihn anweist, den Fund bekanntzumachen.

Rawa fand somit eine Erklärung für seine Meinung, die sowohl mit der Einstellung des ersten Tana als auch mit der des R. Jehuda zu vereinbaren ist. Nun stellt sich die Frage, wie erklärt Rabba die Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Tana’im in Bezug zu seiner Ansicht. Die Gemara setzt fort:

Rabba könnte erwidern: alle sind der Ansicht, das Kennzeichen, das zertreten werden kann, gelte nicht als Kennzeichen und dass man ferner über Lebensmittel nicht hinwegtreten dürfe, die Tana’im streiten sich vielmehr über ein Kennzeichen, das von selbst entstanden sein kann. Der erste Tana ist der Ansicht, es gelte nicht als Kennzeichen, und R. Jehuda ist der Ansicht, es gelte wohl als Kennzeichen. Somit ist auch die Einstellung des ersten Tana zum Laib Brot, der nicht vom Bäcker gebacken und auf öffentlichen Gebiet gefunden wurde, zu erklären. Obschon das zertretbare Zeichen nicht als solches gilt, man jedoch nicht über Lebensmittel hiwegtreten darf, würden die Merkmale dieses Brotes nicht zerstört, und der Eigentümer könnte es wieder erkennen, also darf der Finder es sich nicht aneignen.

Manche sagen, dass die Gelehrten die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem ersten Tana und R. Jehuda in unserer Mischna anders verstanden, und zwar wie folgt:

Alle seien der Ansicht, das Kennzeichen, das von selbst entstanden sein kann, gelte als Kennzeichen, und dass ferner das Kennzeichen, das zertreten werden kann, nicht als Kennzeichen gelte, demnach streiten sie, ob man über Lebensmittel hinwegtreten dürfe. Der erste Tana ist der Ansicht, man dürfe darüber hinwegtreten und deshalb gehört der Feigenfladen mit der Scherbe dem Finder, denn das Kennzeichen kann zertreten werden, R. Jehuda ist der Ansicht, man dürfe darüber nicht hinwegtreten, weshalb solch ein Fund bekanntgemacht werden müsse.

Im folgenden wird die Erklärung des R. Sewid gebracht, wie wir sie schon oben hatten:

R. Sewid, der sich im Namen Rawas äußert, zeigt jedoch, dass diese Erklärung unhaltbar ist: denn sollte man auf die Idee kommen, der erste Tana sei der Ansicht, das Kennzeichen, das zertreten werden kann, gelte nicht als Kennzeichen und dass man über Lebensmittel hinwegtreten darf, würde das im Widerspruch zu unserer Mischna und somit im Widerspruch zum ersten Tana stehen, denn da heisßt es ja: Hausbackene Brote auf öffentlichem Gebiet müssen bekanntgemacht werden, weil das Kennzeichen an ihnen, auch wenn es zertreten werden kann, eben doch gilt. Vielmehr, erklärte R. Sewid im Namen Rawas, sind alle der Ansicht, das Kennzeichen, das zertreten werden kann, gelte als Kennzeichen und dass man ferner über Lebensmittel hinwegtreten dürfe, und sie streiten sich vielmehr über ein Zeichen, das von selbst entstanden sein kann. Der erste Tana ist der Ansicht, das von selbst entstandene Kennzeichen nicht als Kennzeichen gelte, und R. Jehuda ist der Ansicht, es gelte wohl als Kennzeichen.

Rabba könnte erwidern: alle sind der Ansicht, das Kennzeichen, das zertreten werden kann, gelte nicht als Kennzeichen und dass man ferner über Lebensmittel nicht hinwegtreten dürfe, die Tana’im streiten sich vielmehr über ein Kennzeichen, das von selbst entstanden sein kann. Der erste Tana ist der Ansicht, es gelte nicht als Kennzeichen, und R. Jehuda ist der Ansicht, es gelte wohl als Kennzeichen.

Nachdem diese lange Diskussion beendet wurde, bringt R. Sewid im Namen Rawas zwei Halachot, Regeln. Die eine Regel betrifft den Tatbestand der Desperation. Woher soll man wissen, ob der Verleiher sein Eigentum an der verlorenen Sache aufgegeben hat. So heißt es: Bei einem Verlust richte man sich nach folgender Regel: wenn der Verlierer gesagt hat, „wehe, ich habe einen Geldverlust erlitten, so hat er die Sache aufgegeben und der Fund gehört dann dem Finder.

Ferner sagte R. Sewid im Namen Rawas eine zweite Halacha: Garbenbündel, die auf öffentlichem Gebiet gefunden werden, gehören dem Finder, da sie dort von ihrem ursprünglichen Platz weggeschoben sein können und der Ort nicht mehr als Kennzeichen gelten kann. Wenn sie auf privatem Gebiet gefunden werden, so muss man unterscheiden, ob sie wie hingefallen oder wie hingelegt liegen. Im ersten Fall gehören sie dem Finder, da sie dem Eigentümer entfallen sind und er den Ort nicht wird als Kennzeichen angeben können, im zweiten Fall muss man den Fund bekanntmachen, weil er sie hingelegt hat und sich an den Ort wird erinnern können.

Für beide Halachot gilt dies nur von dem Falle, wenn kein Kennzeichen daran ist, wenn aber ein Kennzeichen daran ist, so muss er den Fund, ob auf öffentlichem oder auf Privatgebiet, ob wie hingefallen oder wie hingelegt, bekanntmachen und darf es nicht behalten.

Die Behandlung der ersten Mischna im 2. Abschnitt des Traktats "die Funde" ist hier lediglich zur Hälfte beschrieben. Eine Fortsetzung folgt.