Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Talmud - Erste Seite

Talmud

Diskussionsfreudigkeit

„Wenn sich zwei Juden treffen, gibt es drei Meinungen“ heißt es in einer jüdischen Witzessammlung. Wieso soll das eigentlich ein Witz sei? Warum soll ein Mensch nicht zwei Meinungen zu ein und demselben Sachverhalt haben? Abgesehen davon, dass man seine Meinung auch ändern kann. Eigentlich ist das auch der Sinn einer Diskussion, dass man die Meinung des anderen ändert. Eine Konversation unter Juden gibt es kaum, es kommt fast immer zu einem Disput, der zunehmend angeregter und leidenschaftlicher wird, bis man friedlich auseinander geht, ob man sich überzeugen ließ oder auch nicht.

Für das jüdische Recht (möglicherweise überhaupt für das jüdische Dasein) war die Diskussionsfreudigkeit ein Lebenselixier. Ohne diese wäre das jüdische Recht erstarrt und verkümmert und die Juden hätten im Laufe von wenigen Jahrhunderten Dasein in der Diaspora ihre Besonderheit eingebüßt und sich unter den Völkern verloren.

Einer der Gründe für die bekannte Diskussionsfreudigkeit der Juden liegt sicherlich in der Struktur und der Geschichte des jüdischen Rechts. Die ursprüngliche Quelle des jüdischen Rechts ist die unveränderbare göttliche Offenbarung, die in den fünf Büchern Moses dokumentiert ist. Diese Schrift musste jedoch im Verlauf der Geschichte jeweils durch Auslegung aktualisiert werden, was notwendigerweise zu Streitereien zwischen unterschiedlichen Strömungen führte, insbesondere zwischen Fundamentalisten und Modernisten.

Näheres zum Thema Diskussion ist in einem Beitrag zur Einführung in den Talmud zu lesen: http://www.juedisches-recht.de/Talmud-Einfuehrung.html


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