Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Talmud - Lektüre / Übungen - Arbeitsrecht

Talmud

Lektüre - Übungen

Rechte der Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Vorbemerkung:

Kapitel sechs im Traktat Baba Mezia beschäftigt sich mit arbeitsrechtlichen Fragen. Im besonderen geht es um das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei kurzen Arbeitszeiten oder kurzen Arbeitsaufträgen. In solchen Fällen werden zwischen den Parteien in der Regel keine ausführlichen Vertragsbedingungen ausgehandelt. Dieses Kapitel behandelt zunächst die Frage, welche Verpflichtungen die Parteien bei solchen arbeitsrechtlichen Beziehungen eingehen und welche Sanktionen eine Partei hat, wenn die andere sich nicht an die Abmachung hält.

M i s c h n a

Hat jemand Handwerker gemietet und einer den anderen getäuscht hat, so können sie gegeneinander nur Groll hegen. Hat jemand einen Eseltreiber oder einen Wagenbesitzer gemietet, um Baldachinträger oder Flöten für eine Braut oder für einen Toten zu bringen oder Arbeiter, um Flachs aus der Beize zu holen oder für irgend etwas, das zu Grunde geht und sie sind zurückgetreten wenn es an diesem Ort keinen Menschen gibt, kann er auf ihre Kosten mieten oder sie täuschen.

 

(Fettdruck = Text des Talmud; Dünnschrift = meine Erläuterung)

Hat jemand Handwerker gemietet - um eine bestimmte Arbeit zu verrichten. Handwerker in dieser Mischna kann einer sein, der eine bestimmte Aufgabe auf eigene Verantwortung ausführt, also auch ein Tagelöhner.

und einer den anderen getäuscht hat - Die Gemara erklärt im folgenden, was mit dem Wort Täuschung gemeint ist. Jedenfalls handelt es sich zunächst nicht um den speziellen Fall, daß die Handwerker vom Auftraggeber getäuscht wurden oder umgekehrt..

so können sie gegeneinander nur Groll hegen - und haben keinen Anspruch auf Entschädigung oder Verdienstausfall.

Hat jemand einen Eseltreiber oder einen Wagenbesitzer gemietet, um Baldachinträger oder Flöten für eine Braut oder für einen Toten zu bringen - Der Baldachin wurde auf Holzträgern aufgebaut, und unter dem Baldachin wurde die Trauung des Brautpaares vorgenommen. Musikinstrumente wurden verwendet, um die Brautleute zu erfreuen, außerdem wurden sie für die Klagelieder bei Beerdigungen eingesetzt.

oder Arbeiter, um Flachs aus der Beize zu holen - Oder hat jemand Arbeiter angeheuert, um den Flachs rechtzeitig aus der Beize herauszuholen, da er sonst verdirbt und für den Besitzer Schaden entstehen kann,

oder für irgend etwas, das zu Grunde geht - Oder jemand hat Arbeiter für eine bestimmte Arbeit angeheuert, die dringend oder vollständig gemacht werden muß, da sonst - wenn sie nicht bald durchgeführt wird oder auf halbem Wege liegen bleibt - dem Besitzer Schaden entsteht,

und sie sind zurückgetreten - Die Arbeiter haben die Arbeit eingestellt, ohne sie auftragsgemäß durchzuführen.

wenn es an diesem Ort keinen Menschen gibt, - Wenn der Auftraggeber (ob Flachsbesitzer oder der Mieter des Eseltreibers) an jenem Ort keinen Ersatz zum selben Lohn und für die gleichen Bedingungen, die mit den ersten Auftragnehmern ausgehandelt wurden, für diese Arbeiter findet,

kann er auf ihre Kosten mieten oder sie täuschen - der Auftraggeber hat das Recht, andere Arbeiter, selbst wenn sie teurer sind als die ersteren, zu verpflichten, wobei diese die Differenz zu zahlen haben; oder er darf sie täuschen. Die Gemara wird im folgenden erklären, was mit dem Begriff „täuschen“ gemeint ist.

Hat jemand Handwerker gemietet und sie sind zurückgetreten, sind sie unterlegen. Ist der Hauherr zurückgetreten, ist er unterlegen. Wer abändert, ist unterlegen und wer zurücktritt, ist unterlegen.

Hat jemand Handwerker gemietet und sie sind zurückgetreten, - Die Handwerrker sollten einen bestimmten Auftrag ausführen, einen bestimmte Arbeit bis zu ihrem Ende durchführen, und sie weigern sich, die Arbeit vereinbarungsgemäß zu vollenden,

sind sie unterlegen. - Die Handwerker müssen den entstandenen Schaden tragen. Mußte der Auftraggeber andere Handwerker engagieren, die mehr Lohn als die ersteren bekommen, kann er die Differenz von dem abziehen, was die ersteren für die von ihnen geleistete Teilarbeit zu bekommen haben.

Ist der Hausherr zurückgetreten, ist er unterlegen. - Wenn der Eigentümer, also der Auftraggeber, die vereinbarten Bedingungen nicht einhält, wenn er z.B. die Handwerker mitten in ihrer Arbeit entläßt und andere Leute engagiert, weil die anderen evtl. billiger sind, so muß er den ersteren ihren Lohn für die von ihnen geleistete Arbeit bezahlen und zusätzlich den Betrag, den er bei den billigeren Arbeitern erspart hat.

Wer abändert, ist unterlegen - Derjenige, der einen Arbeits- oder Werkvertrag nicht einhält, muß mit Verlust rechnen.

und wer zurücktritt, ist unterlegen. - Dies scheint eine Wiederholung des früheren Satzes zu sein. Die Gemara wird im folgenden diese Stelle erörtern.

 

G e m a r a

 

Es heißt nicht: eine der Parteien ist zurückgetreten, sondern der eine hat den anderen getäuscht, also die Arbeiter einander getäuscht haben. Wie war es denn? Wenn der Hausherr zu einem gesagt hat: gehe und miete mir Arbeiter, und dieser ging und täuschte sie. Wie war es denn? Wenn der Hausherr zu ihm vier und er zu ihnen drei gesagt hat; Groll - weshalb sollten sie ihn haben? Sie überlegten ja und akzeptierten es.

 

Es heißt nicht: eine der Parteien ist zurückgetreten, sondern der eine hat den anderen getäuscht, - Die Gemara will zunächst klären, was der erste Satz in der Mischna bedeutet und stellt fest, daß es sich nicht darum handelt, daß die Arbeiter (= Handwerker) oder der Arbeitgeber (= Eigentümer) von ihrer Abmachung zurückgetreten sind, sondern daß

also die Arbeiter einander getäuscht haben. - Nun fragt die Gemara:

Wie war es denn? - Wie soll es gewesen sein, oder vielmehr unter welchen Bedingungen soll eine Partei die andere getäuscht haben, wobei die getäuschte Partei keine Forderungen gegen die andere haben soll, sondern sich lediglich mit Grollen zufrieden geben muß. Die Gemara bietet hierfür einige Konstruktionen an, die nun diskutiert werden.

Wenn der Hausherr zu einem gesagt hat: gehe und miete mir Arbeiter, - Der Hausherr beauftragte einen Arbeiter, für eine bestimmte Arbeit andere Arbeiter anzuheuern.

und dieser ging und täuschte sie. - Dies ist eine der Täuschungsmöglichkeiten. Die Gemara hakt jedoch gleich weiter mit der Frage nach, welche Art Täuschung war das?

Wie war es denn ? - Wie hat er sie getäuscht? Denn es gibt auch hier zwei Möglichkeiten.

Wenn der Hausherr zu ihm vier und er zu ihnen drei gesagt hat - Erster Fall: Der Hausherr wollte den Arbeitern vier WE (= Währungseinheiten) geben, sein Bote bot ihnen jedoch bloß drei.

Groll - weshalb sollten sie ihn haben? Sie überlegten ja und akzeptierten es. - Nehmen wir an, daß ihre Arbeit tatsächlich vier WE wert ist, sie waren aber mit dem Angebot des Boten einverstanden. Nun meint die Gemara, da sie mit dem Angebot einverstanden waren, haben sie auch keinen Grund, sich zu beklagen. Also - so die Schlußfolgerung der Gemara - kann die Mischna nicht diesen Fall gemeint haben, als sie vom berechtigten Groll der Arbeiter sprach.

Wenn der Hausherr zu ihm drei gesagt hat und er ging und sagte ihnen vier. - Eine andere Täuschungsmöglichkeit: Die Arbeiter rechneten mit vier WE, aber am Abend bekamen sie vom Hausherrn nur drei ausgezahlt. Für die Gelehrten der Gemara entstehen aber auch hier zwei Möglichkeiten:

Wie war es denn? - Wobei es darum geht, daß die Arbeiter lediglich einen Grund zum Grollen, jedoch keinen Anspruch auf Entschädigung haben.

Wenn er ihnen gesagt hat, euer Lohn auf mich, muß er ihnen von seinem geben. Wenn der vermittelnde vom Hausherrn geschickte Bote zu den Arbeitern gesagt hat, daß er für die Zahlung von vier WE hafte, muß er ihnen die Differenz aus der eigenen Tasche zahlen.

Denn es wird gelehrt: - Dies können die Gemara-Gelehrten aus einer Bereita schlußfolgern, in der ein ähnlicher Fall beschrieben (Baba Mezia Bl. 111 und 118) wird. Nun wird diese Bereita erörtert.

Wer einen Arbeiter bei sich zu arbeiten gemietet hat, - A vereinbart mit einem Arbeiter für eine bei sich zu leistende Arbeit einen bestimmten Lohn (z.B. vier WE),

ihn aber angewiesen hat, bei einem anderen zu arbeiten, - Der Arbeiter wird vom Auftraggeber angewiesen, bei B zu arbeiten, wobei B auch die Kosten tragen wollte. Insofern ähnelt dieser Fall dem unseren. In beiden Fällen handelt es sich um einen Vermittler, der dem Arbeiter gegenüber die Verantwortung für den vereinbarten Lohn übernimmt,

zahlt er ihm den vollständigen Lohn und erhält vom Hausherrn den geleisteten Nutzen. - Wenn der Nutzen für B nur bei drei WE liegt, zahlt B dem Arbeiter drei und A ersetzt die fehlende eine WE für den Arbeiter aus eigener Tasche. Diesem Analogfall entsprechend müßte auch in unserem Fall der Arbeiter, der im Auftrag des Hausherrn die anderen Arbeiter gemietet und für den Lohn die Verantwortung übernommen hat, ihnen das fehlende Geld erstatten. Die Arbeiter können somit das Geld von ihm beanspruchen und es bleibt ihnen nicht lediglich ihr Groll. Also kann es sich in unserer Mischna nicht um solch einen Fall gehandelt haben.

Es ist nicht dieser Fall. - Die Mischna behandelt hier einen anderen Fall.

Er sagte ihnen, euer Lohn ist auf den Hausherrn. - Der Arbeiter-Bote sagte den anderen Arbeitern, daß für die Lohnzahlung der Hausherr verantwortlich sei. Nach geleisteter Arbeit stellt sich heraus, daß der Hausherr weniger zahlt, als vom Boten zugesagt wurde. Da er sie bezüglich der Höhe des Lohns getäuscht hat, haben sie keinen Anspruch auf den Rest, sondern können nur Groll empfinden.

Somit wäre die Frage beantwortet, von welchem Fall die Mischna handelt. Doch diese Antwort ist für die Gemara-Gelehrten noch nicht befriedigend. Sie fragen weiter:

Laßt uns sehen, wie die Arbeiter gemietet werden - Man könnte sich doch erkundigen, wie der Brauch ist, wie hoch der Lohn der Arbeiter an jenem Ort üblicherweise ist. Wenn der Lohn in der Regel vier WE beträgt, so muß er ihnen vier geben, wie wir es aus der oben erwähnten Bereita entnehmen. Wenn der übliche Lohn drei WE beträgt, so erhalten sie einen angemessenen Lohn, weshalb sollten sie noch einen Grund zum Grollen haben?

Es ist nicht dieser Fall. - Die Gemara widerspricht diesem Gedankengang und trägt ein Alternativfall vor.

Es gibt manche, die sich für vier vermieten und es gibt solche, die sich für drei vermieten. - In dem Fall haben die Arbeiter einen Grund, Groll zu empfinden.

Sie können ihm sagen - Hättest du uns nicht vier zugesagt, wären wir nicht einverstanden gewesen.

Wir hätten uns bemüht und uns für vier vermietet. - Und wenn sie auch keinen Anspruch auf den vollen Lohn haben, da der Bote nicht die Verantwortung übernommen hat und der Hausherr den Auftrag lediglich für drei WE erteilte, so sind sie darauf beschränkt, Groll zu hegen.

Wenn du willst, sage ich, -  Die Gemara bietet noch eine weitere Möglichkeit, die auf Groll beschränkt und somit die Regel in der Mischna erklärt.

hier handelt es sich um einen Hausherrn. - Der Arbeiter ist ein selbständiger Handwerker, der in der Regel nicht für andere arbeitet, es sei denn, er bekommt ein höheres Honorar als das bei Arbeitern übliche.

Sie können ihm sagen, - Die Handwerker können dem Boten sagen,

hättest du uns nicht vier gesagt,

hätten wir es verschmäht, uns zu vermieten. - Dieser Satz kann mit einem Fragezeichen gelesen werden und würde dann bedeuten: Hättest du uns nicht vier zugesagt, hätten wir uns denn soweit erniedrigt, wie Tagelöhner zu arbeiten? Der Satz kann auch anders gelesen werden (Da der Talmud ohne Interpunktion (auch ohne Vokale) geschrieben wurde, ist das Studium des Textes nur durch die Überlieferung möglich. Diese kann kleine Abweichungen, wie in diesem Satz ersichtlich, haben, der Sinn bleibt jedoch der gleiche.): Hättest du uns nicht vier zugesagt, hätten wir es als Schmach empfunden, uns zu vermieten. In beiden Lesarten empfinden sie Schmach und sind auf das grollen beschränkt.

Wenn du willst, sage ich - es handelt sich tatsächlich um Arbeiter. - Wenn man die Erklärung, es handelte sich um selbständige Handwerker, unwahrscheinlich finden sollte, so bietet die Gemara eine weitere Möglichkeit. Es handele sich tatsächlich um Arbeiter, die von Boten getäuscht wurden.

Sie können ihm sagen, da du uns vier gesagt hast, haben wir uns bemüht und bessere Arbeit geleistet. - Und wenn sie auch keinen Anspruch auf mehr als die üblichen drei WE haben, so können sie wenigstens Groll empfinden.

So laßt uns ihre Arbeit sehen. - Daraufhin argumentiert die Gemara, die Arbeit kann doch geprüft werden, ob die Arbeiter sich tatsächlich bemüht und bessere Arbeit geleistet haben.

Es handelt sich um einen Graben. - Die Antwort lautet, daß es sich um einen Graben handelt, den die Arbeiter um ein Feld herum gegraben haben, wobei die Qualität der Arbeit nicht erkennbar ist.

Auch bei einem Graben ist das erkennbar. - Die obige Antwort war für die Gelehrten nicht befriedigend und sie wandten ein, daß auch bei einem Graben die Qualität der Arbeit zu erkennen sei.

Wenn er voll Wasser ist und nichts erkennbar ist. - Es handelt sich also um einen Fall, antwortet die Gemara, wo der Graben bereits mit Wasser gefüllt ist, was die Art der Arbeit nicht mehr erkennen läßt.

Wenn du willst, sage ich, - Die Gelehrten sind mit den bisherigen Erklärungen nicht sehr zufrieden und bieten eine weitere.

Tatsächlich handelt es sich um einen Hausherrn, der ihm vier gesagt hat, und dieser ging und sagte drei. - Die Gemara kehrt zum ursprünglichen Modell der Mischna zurück: Der Hausherr sagte dem Boten, er solle die Arbeiter für vier WE engagieren. Dieser aber engagierte Arbeiter, die bereit waren, für drei zu arbeiten.

Wenn du aber einwendest, sie waren damit einverstanden, - Dieser Einwand wurde bereits oben gebracht. Und da hieß es, wenn sie mit dem ausgemachten Lohn von drei einverstanden waren, welchen Grund sollten sie haben, Groll zu empfinden?

sie sagen ihm: Hältst du nichts vom „versag nicht Wohltat dem, dem sie gebührt“? - Die Antwort lautet: die Arbeiter haben trotzdem Grund, Groll zu emfinden. Sie können dem Boten Vorwürfe machen, daß er ihnen eigenmächtig den höheren Lohn, den der Hausherr zu zahlen bereit war, mißgönnt hat. Dabei wird der Bibelvers aus Sprüche 3, 27 zitiert.

Somit wurde der erste Fragenkomplex der Gemara befriedigend gelöst. Es war zu klären, welchen Fall die Mischna mit den Arbeitern, die sich gegenseitig täuschen und keinen Anspruch auf Entschädigung haben, sondern lediglich grollen können, gemeint hat. Dieser Fall ist dann gegeben, wenn der Arbeiter-Bote die Arbeiter täuscht, sie keine Entschädigung verlangen können, aber ärgerlich sind, weil der Bote ihnen die Wohltat, die der Arbeitgeber ihnen zukommen lassen wollte, also mehr Lohn, versagt hat.

Nun wenden sich die Gelehrten einem anderen Problem zu.

Klar ist es: - Über folgenden Fall waren sich die Gelehrten einig.

Wenn der Hausherr zu ihm drei gesagt hat und er ging und sagte ihnen vier, - Der Hausherr beauftragte den Boten (oder Vermittler), Handwerker für den Lohn von drei WE zu mieten, dieser bot ihnen jedoch vier,

und sie ihm sagten: wie der Hausherr gesagt hat, - Die Handwerker (oder Arbeiter) erwideten dem Boten, daß sie die Bedingungen des Hausherrn akzeptieren,

so ist in ihrem Sinn der höhere Lohn. - Obwohl der Hausherr nur drei WE zahlen wollte, sind die Arbeiter mit weniger als die vier WE, die vom Boten zugesagt wurden, nicht einverstanden. Im Gegenteil, sie rechnen vielleicht sogar mit mehr. Deshalb bekommen sie vier WE, wenn ihre Arbeit es wert ist, ist ihre Arbeit jedoch nur drei WE wert, bekommen sie drei.

Wenn aber der Hausherr zu ihm sagt: für vier; und er ging und sagte ihnen: für drei, und sie sagten: wie der Hausherr gesagt hat;  - Die Gelehrten hatten Zweifel bezüglich dieser Konstruktion: Der Hausherr ist bereit, vier WE zu zahlen, der Bote sagt den Arbeitern jedoch nur drei zu,

wie ist es dann? - Wie lautet die Regel in diesem Fall?

Verlassen sie sich auf seine Worte und meinen: du bist uns glaubwürdig, daß der Hausherr es so gesagt hat, - Sagen wir in diesem Fall, daß die Arbeiter dem Boten vertraut haben und sie nur drei WE bekommen, selbst wenn sich später herausstellt, daß der Hausherr ursprünglich vier geben wollte? In diesem Fall könnten sich die Arbeiter lediglich beschweren und Groll hegen, jedoch keine Ansprüche stellen.

oder aber verlassen sie sich auf die Worte des Hausherrn? - Die Arbeiter könnten auch gemeint haben, daß sie zu den Bedingungen arbeiten wollen, die der Hausherr dem Boten nannte. In solchem Fall würden sie nach getaner Arbeit vier WE bekommen müssen. Die Gemara hat hier zwei Auslegungsmöglichkeiten für die Worte der Arbeiter angeboten.

Komm und höre: - Die Gemara versucht diese Frage zu lösen, indem sie einen Vergleich mit einem anderen Thema anstellt. In einer Bereita (Traktat Gittin, Blatt 62) wird der Zeitpunkt der Scheidung behandelt.

Laut der Bibel (Deut. 24) wird die Ehefrau geschieden, wenn sie den Scheidungsbrief vom Ehemann erhält. Der Scheidungsbrief kann aber auch durch einen Boten übergeben werden. Laut der Gemara gibt es zweierlei Boten.

1.    Der Ehemann beauftragt einen Boten und schickt mit ihm den Scheidungsbrief. Sobald dieser den Scheidungsbrief der Ehefrau übergeben hat, ist sie geschieden. Dieser Bote wird „Überbringerbote“ genannt. Er kann nur vom Ehemann beauftragt werden, nicht jedoch von der Ehefrau.

2.    Die Ehefrau beauftragt einen Boten, den Scheidungsbrief abzuholen. Sobald dieser den Scheidungsbrief in die Hand bekommen hat, ist die Ehefrau geschieden. Dieser Bote wird „Empfangsbote“ genannt. Er kann nur von der Ehefrau beauftragt werden, nicht jedoch vom Ehemann.

Bring mir meinen Scheidungsbrief, - In der erwähnten Bereita wird folgende Frage erörtert: Die Ehefrau bat eine Person, den Scheidungsbrief abzuholen. Man muß hier den Text der Gemara genau differenzieren. Die Ehefrau hat die bestimmte Person nicht beauftragt, für sie den Scheidungsbrief in Empfang zu nehmen, sie hat sie also nicht zum Empfangsboten ernannt, was sie hätte tun können, sondern sie bat ihn vielmehr, dem Ehemann zu sagen, er möge diese Person zum Boten machen und mit ihm den Scheidungsbrief schicken, was bedeutet, daß der Bote vom Ehemann beauftragt würde. Sie würde geschieden werden, sobald sie den Scheidungsbrief vom Boten erhielte.

und deine Frau sagte: empfange für mich meinen Scheidungsbrief, - Der von der Ehefrau geschickte Bote sagte dem Ehemann fälschlicherweise, die Ehefrau habe ihn gebeten, den Scheidungsbrief für sie abzuholen, d.h. daß sie ihn zum Empfangsboten gemacht hat.

und dieser sagt: da hast du ihn, wie sie gesagt hat - Der Ehemann gibt dem Boten den Scheidungsbrief und sagt ihm: so wie die Ehefrau verfahren will, soll es sein.

R. Nachman im Namen des Rabba b. Abuha im Namen Raws sagt: selbst wenn der Scheidungsbrief in ihre Hand gekommen ist, ist sie nicht geschieden. - Die Entscheidung Raws, die Ehefrau sei nicht geschieden, ist der Ausgangspunkt für die Überlegung der Gemara-Gelehrten, wie die Worte des Ehemanns zu dem Boten zu verstehen sind.

Hieraus ist zu entnehmen, daß er sich auf seine Worte verläßt. - Der Ehemann verläßt sich also auf die Worte des Boten. Der Ehemann geht davon aus, daß die Ehefrau diese Person zum Empfangsboten ernannt hat, weshalb er selbst, der Ehemann, diese Person nicht zum Überbringerboten benennt. Somit hat diese Person von keiner der Parteien einen Auftrag erhalten.

Denn wenn du denken solltest, er verlasse sich auf ihre Worte, so sollte sie ja geschieden sein, sobald der Scheidungsbrief in ihre Hand gekommen ist. - Wenn der Ehemann sich nach den Worten, gemeint sind die Absichten, der Ehefrau verhalten und den Boten zum Überbringerboten gemacht hätte, wäre die Scheidung gültig geworden. Tatsächlich hat er sich auf die des Boten verlassen und ihm den Scheidungsbrief überlassen, woraufhin die Ehefrau nicht geschieden wurde.

Analog zu unserem Fall würde das bedeuten: Die Arbeiter verlassen sich auf die Worte des Boten. Wenn der Bote entgegen der Absicht des Auftraggebers anstelle von vier WE den Arbeitern nur drei zugesagt hat, so haben sie keinen Anspruch auf vier, und können lediglich grollen.

R. Aschi sagte: - R. Aschi akzeptierte diese Schlußfolgerung nicht und erwiderte,

Ist es wirklich so? Würde es umgekehrt geheißen haben: - R. Aschi versucht einen Umkehrschluß. Wenn es in der eben zitierten Bereita anders gelautet hätte, nämlich:

Empfange für mich meinen Scheidungsbrief, - In diesem Fall hätte die Ehefrau den Boten zum Empfangsboten ernannt,

und deine Frau sagte: bringe mir meinen Scheidungsbrief, - Der Bote verdreht die Worte der Ehefrau und behauptet, sie wollte, daß der Ehemann den Boten zum Überbringerboten ernennt.

und dieser zu ihm sagt: da hast du, wie sie gesagt hat!

und dann R. Nachman im Namen des R. Abba b. Abuha im Namen Raws sagte: wenn er den Scheidungsbrief erhält, ist sie geschieden, - d.h. daß die Frau geschieden wäre, sobald der Bote den Scheidungsbrief in Empfang genommen hat - dann würde man sagen können,

hieraus, daß er sich auf ihre Worte verlassen hat. - Da der Ehemann sich nicht auf die Worte des Boten verlassen hat und die Angelegenheit im Sinne der Auftraggeberin erledigt wissen wollte, hat er den Scheidungsbrief dem Boten als Empfangsboten übergeben. Deshalb tritt Scheidung in Kraft mit dem Empfang des Scheidungsbriefs durch den Boten.

Oder auch: „Wenn der Scheidungsbrief in ihre Hand gekommen ist - ist sie geschieden, - Oder wenn im Namen Raws gesagt worden wäre, daß die Ehefrau mit dem Empfang des Scheidungsbriefs geschieden sei, d.h. daß der Bote als Überbringerbote des Ehemanns fungiert hat.

hieraus, daß er sich auf seine Worte verlassen hat. - In diesem Fall müßte man sagen, daß der Ehemann sich auf die Worte des Boten verläßt. Der Ehemann glaubt dem Boten, daß die Ehefrau gewünscht habe, der Ehemann möchte den Boten zum Überbringerboten machen. Dem Boten war es offensichtlich recht, seinen Botendienst für die Ehefrau aufzugeben (wozu er jederzeit berechtigt ist) und für den Ehemann als Überbringerbote zu fungieren.

Wenn die Bereita, meint R. Aschi, so gelautet hätte, dann könnte man entweder im ersten Fall sagen, daß man sich auf die Worte des Auftraggebers, im zweiten Fall auf die Worte des Boten verläßt. Jedoch so wie die Bereita zitiert wurde, meint R. Aschi, kann sie für unsere Problematik nicht als Analogie und nicht als Beweis dienen.

Jedoch dort, - So wie es dort in der Bereita beschrieben wird, gibt es für die Stellungnahme des Raw einen anderen Grund. Es handelt sich dort nicht darum, ob der Ehemann sich auf die Worte des Boten oder auf die Worte der Ehefrau verläßt.

weil der Bote seinen Dienst ganz und gar aufgegeben hat, - Der Bote ist weder der Bote der Ehefrau noch des Ehemannes.

denn er sagt: Ich bin Empfangsbote, ich bin kein Überbringerbote! - Damit, daß der Bote die Worte der Ehefrau dem Ehemann falsch vorgetragen hat, wollte er zum Ausdruck bringen, daß er nicht bereit sei, Überbringerbote des Ehemannes zu sein (was für ihn die Angelegenheit möglicherweise beschwerlich gemacht hätte, denn in diesem Fall hätte er den Scheidungsbrief zur Ehefrau tragen müssen), sondern wollte als Empfangsbote der Ehefrau fungieren (wobei die Ehefrau mit der Übernahme des Scheidungsbriefs durch den Boten geschieden wäre). Der Ehemann kann den Boten nicht als Empfangsboten nominieren und die Ehefrau, die es gekonnt hätte, hat es nicht getan.

Diese Stelle aus dem Traktat Gittin hat uns in unserer Diskussion nicht weitergebracht.

Die Gemara setzt die Behandlung der Mischna fort.

Wenn du willst, kannst du auch sagen, - Bisher sind wir davon ausgegangen, daß in unserer Mischna mit dem Wort „getäuscht“ gemeint ist, daß die Arbeiter sich gegenseitig täuschen. Wir können aber auch sagen, daß dieses Wort auch die Täuschung von Arbeitern durch den Hausherrn und umgekehrt impliziert.

der Lehrer versteht unter täuschen auch zurücktreten. - Der Lehrer unserer Mischna benutzt das Wort „täuschen“ auch wenn er „zurücktreten“ meint.

Denn wir haben in einer Bereita gelernt, - Den Beweis für diese Annahmen liefert uns die folgende Bereita, in der vom Täuschen die Rede ist, dieses Wort aber gleichzeitig „zurücktreten“ bedeutet.

wer Handwerker mietet und sie den Hausherrn getäuscht haben, oder der Hausherr sie getäuscht hat, - Die Handwerker oder der Hausherr wollen sich an den abgemachten Werkvertrag nicht halten.

so können sie gegeneinander nur Groll hegen. - Der Hausherr kann den Handwerkern sagen, sie sollen sich eine andere Beschäftigung suchen, und die Handwerker können dem Hausherrn sagen, er möge andere Handwerker verpflichten. Das kann unter Umständen viel Arbeit und Ärger verursachen, berechtigt aber nicht zu Entschädigungsforderungen.

Das war die Bereita, die jetzt von der Gemara analysiert wird.

In welchem Fall? ­- Meint denn die Bereita, daß in jedem Fall die Arbeiter nur grollen und keine Geldansprüche stellen können? Wohl nicht!

Nur, wenn sie nicht hingegangen sind, - Wenn die Handwerker, noch bevor sie sich am Morgen auf den Weg zur Arbeitsstätte gemacht haben, die Absage vom Hausherrn erhielten.

wenn sie aber gegangen sind, - Wenn die Handwerker zur Arbeitsstätte gegangen sind, wie z.B.,

Eseltreiber, und haben kein Getreide vorgefunden, Arbeiter, die ein feuchtes Feld vorgefunden haben, - Eseltreiber wurden bestellt, um Getreide zu transportieren, als sie zur Stelle waren, gab es aber kein Getreide. Arbeiter sollen ein Feld pflügen, konnten ihre Arbeit wegen der Feuchtigkeit des Bodens jedoch nicht durchführen. In solchen Fällen bestehen seitens der Getäuschten Verdienstausfallforderungen. Es ist aber zu klären, wie hoch die Entschädigung sein soll:

gibt er ihnen den vollständigen Lohn, - Der Auftraggeber muß ihnen ihren vollen Lohn bezahlen; jedoch mit Einschränkungen:

jedoch ist nicht gleichzustellen der, der beladen geht, mit dem der leer geht, - Wenn der Eseltreiber mit einem unbeladenen Esel zurückgeht, kann er nicht den gleichen Lohn beanspruchen, wie wenn er mit einem beladenen Esel seinen Auftrag erfüllt hätte.

und der, der arbeitet, mit dem, der müßig dasitzt. - Der Eseltreiber und der Arbeiter wären bereit, auf einen Teil des Lohnes zu verzichten, wenn sie die Arbeit nicht durchführen müßten. Dieser Vorzug, nicht arbeiten zu müssen und trotzdem entlohnt zu werden, kann von einer neutralen Stelle in einen Geldbetrag geschätzt werden, und diesen Betrag kann der Auftraggeber vom vollständigen Lohn abziehen.

Diese Beispiele behandeln den Fall, daß der Auftraggeber die Arbeiter getäuscht hat und sie nicht nur Groll empfinden können, sondern auch Anspruch auf Lohn haben. Nun folgen Beispiele für den Fall, daß die Arbeiter oder Handwerker zurückgetreten sind und es nicht beim Grollen bleibt, sondern Geldansprüche entstanden sind.

In welchem Fall? - Wann bleibt es lediglich beim Grollen?

Wenn sie die Arbeit noch nicht begonnen haben, - haben sie keine Geldansprüche,

haben sie aber die Arbeit begonnen, schätzt man ihnen das, was sie gemacht haben. - Der Auftraggeber muß ihnen die geleistete Arbeit entlohnen.

Wieso? - Die Gemara bringt Beispiele für die Art der Entlohnung.

Wenn sie übernommen haben, das Getreide für zwei Sela zu mähen; die Hälfte mähten sie und die andere Hälfte ließen sie zurück, - Der Auftraggeber muß andere Arbeiter suchen, um die zweite Hälfte des Feldes zu mähen.

ein Gewand für zwei Sela zu weben; die Hälfte webten sie und die andere Hälfte ließen sie zurück, - Die Frage ist, wieviel man ihnen zahlen muß.

man schätzt ihnen das, was sie verrichtet haben. - Sie bekommen den vollen Lohn für die geleistete Arbeit. Für die halbgeleistete Arbeit bekommen sie einen Sela.

Ist es sechs Denar wert? - Ist die Restarbeit, die noch zu verrichten ist, sechs Denar (= 1 ½ Sela) wert, d.h. obwohl die Arbeiter die Hälfte der Arbeit verrichtet haben, würde die Beendigung der Arbeit 1 ½ Sela kosten, weil die Arbeit sich in der Zwischenzeit z.B. verteuert hat, bekommen sie trotzdem ihre volle Leistung bezahlt.

Gibt er ihnen einen Sela, - Der Hausherr kann dadurch, daß er für die zweite Hälfte der Arbeit mehr zahlen muß, einen Schaden erleiden. Die Gelehrten dieser Bereita kümmern sich nicht um die Kosten der Restarbeit. Für sie ist maßgebend, was geleistet wurde, und demnach wird entlohnt. Ihre Einstellung unterscheidet sich auch von den Gelehrten unserer Mischna, denn da heißt es, daß derjenige, der zurücktritt, unterlegen ist und sich den von ihm angerichteten Schaden anlasten lassen muß.

oder sie beendigen ihre Arbeit und erhalten zwei Sela, - Dieser Satz ist überflüssig da selbstverständlich. Er wird deshalb von der Gemara noch erörtert.

und ist es einen Sela wert, gibt er ihnen einen Sela. - Ist die Restarbeit, die noch zu verrichten ist, einen Sela wert, muß also der Hausherr für die zweite Hälfte der Arbeit nur einen Sela zahlen (und nicht wie im früheren Beispiel 1 ½), bekommen auch dann die ersten Arbeiter einen Sela. Dieser Satz ist ebenso selbstverständlich wie der frühere, und auch er wird deshalb noch behandelt.

R. Dossa sagt: man schätzt ihnen das, was noch zu leisten ist. - R. Dossa ist anderer Meinung als die Bereita. Seine Einstellung entspricht der Mischna, daß derjenige, der zurücktritt, mit einer Entschädigung des anderen zu rechnen hat. Im vorliegenden Fall muß man berechnen, wie hoch die Kosten für die ausgebliebene Arbeit sein werden, und diese werden auf die ersten Arbeiter umgelegt. Die Arbeiter müssen nach dieser Meinung ihr mutwilliges Verhalten notfalls bezahlen.

Ist es sechs Denar wert, gibt er ihnen einen Schekel, - Ist die Restarbeit, die noch zu verrichten ist, sechs Denar (= 1 ½ Sela) wert, bekommen sie für die halbe Arbeit nicht einen Sela, sondern lediglich die Hälfte eines Sela - einen Schekel.

oder sie beendigen ihre Arbeit und erhalten zwei Sela, und ist es ein Sela wert, gibt er ihnen einen Sela.

In welchem Fall? - Wann gilt die Regel, daß der zurücktretende (nach R. Dossa) einen Schaden in Kauf nehmen muß, oder den Wert der von ihm geleisteten Arbeit (nach der Meinung der Bereita) erhält?

Wenn eine Sache nicht zugrunde geht. - Wenn das zurücktreten der Arbeiter zwar dem Auftraggeber Umstände verursacht und selbst wenn das Einstellen von anderen Arbeitern teurer wird, insgesamt aber die Sache dem Hausherrn nicht verloren geht und er keinen Schaden erleidet.

Aber wenn die Sache zugrunde geht, - Wenn durch das Einstellen der Arbeit dem Hausherrn ein irreparabler Verlust droht,

mietet er andere auf ihre Kosten oder er täuscht sie. - In diesem Fall hat der Hausherr das Recht, andere Arbeiter (auch teurere) auf Kosten der zurücktretenden Arbeiter zu engagieren, oder er darf sie täuschen.

Wie täuscht er sie? - Auf welche Weise, fragt die Gemara, kann er sie täuschen?

Er sagt ihnen: Ich habe euch einen Sela zugesagt, kommt und nehmt zwei. - Die Arbeiter haben für einen Sela gearbeitet und diesen auch verdient. Normalerweise hätten sie für die Fortsetzung ihrer Arbeit einen weiteren Sela erhalten. Der Hausherr verspricht ihnen jedoch für den Rest der Arbeit zwei Sela, gibt ihnen aber nach getaner Arbeit insgesamt nur zwei Sela und nicht drei.

Bis zu welcher Höhe mietet er auf ihre Kosten? Wenn der Hausherr andere Arbeiter mieten muß, um nicht Verluste zu erleiden, wie hoch darf der Betrag sein, den er auf die ersten Arbeiter abwälzt?

Bis vierzig und fünfzig Sus. - Da ein Sus gleich einen Denar ist, so geht es hier um einen Betrag von zehn bis zwölf Sela, den die Arbeiter evtl. zahlen müßten, was sehr hoch ist.

In welchem Fall? Wenn da keine anderen Arbeiter zu mieten sind, - Wann darf der Hausherr teure Arbeiter auf Kosten der zurückgetretenen mieten? Nur wenn er an jenem Ort keine billigeren findet.

sind da aber andere Arbeiter zu mieten, - Wenn es da andere Arbeiter gibt, die zu den gleichen Bedingungen arbeiten würden wie die ersten,

und er sagt: geh und miete diese, - und der zurückgetretene Arbeiter dem Hausherrn sagt, er könne als Ersatz für ihn auch einen billigeren Arbeiter mieten,

kann er nur Groll gegen sie hegen. In solchem Fall kann der Hausherr keine Geldansprüche an die Arbeiter stellen. Für die verursachten Unannehmlichkeiten kann er den Arbeitern grollen, aber nichts weiter unternehmen.

Ein Gelehrter (In den Lehrhäusern gab es meistens jeweils einen Tana, der ein phänomenales Gedächtnis hatte und auf Wunsch die entsprechende Mischna oder Bereita zitieren konnte, da das meiste Material nicht schriftlich vorlag. Dieser  Tana war kein Gelehrter im üblichen Sinn; er konnte keine eigenen Beiträge zur Diskussion leisten, er hatte lediglich die Funktion einer Enzyklopädie.)  rezitierte vor Raw: Er muß ihnen ihren vollständigen Lohn geben. - die Gemara berichtet, daß der Rezitator die obenerwähnte Bereita vor Raw zitierte, nämlich „Eseltreiber, und haben kein Getreide vorgefunden, Arbeiter, die ein feuchtes Feld vorgefunden haben, gibt er ihnen den vollständigen Lohn“.

Sprach er zu ihm, mein Onkel sagte: wenn ich es gewesen wäre, hätte ich ihnen nicht mehr als einem müßigen Arbeiter gegeben, - Raw erinnerte sich, daß sein Onkel, R. Chija über diesen Fall so geurteilt hätte, daß nämlich der Eseltreiber oder der Arbeiter nicht ihren vollständigen Lohn bekommen hätten, wie oben gelehrt wurde, sondern lediglich soviel, wie ein müßiger Arbeiter beanspruchen kann.

und du sagst, daß er ihnen ihren vollständigen Lohn gebe. - Raw scheint sich darüber zu wundern.

Aber hierzu haben wir gelernt: jedoch nicht ist gleichzustellen der, der beladen geht, mit dem der leer geht, und der, der arbeitet, mit dem, der müßig dasitzt. - Die Gemara antwortet, daß es für die Verwunderung von Raw keinen Grund geben dürfte, da der Ausspruch auf „vollständigen Lohn“ differenziert werden müsse.

Man trug ihm den Schluß nicht vor. - Raw wunderte sich, da der rezitierende Tana ihm den Schluß dieser Bereita nicht vorgetragen haben soll und er die erwähnte Differenzierung nicht kannte.

Manche sagen, man trug es ihm vor. Er aber sagte: Mein Onkel sagte, „wenn ich es gewesen wäre, hätte ich ihnen nichts gegeben“ und du sagst, gleich einem müßigen Arbeiter? - Eine andere Version lautet, daß Raw tatsächlich die vollständige Bereita gehört hatte und daraufhin seinen Onkel zitiete, der den Arbeitern im vorliegenden Fall nicht einmal den Lohn des müßigen Arbeiters gegeben hätte.

Also ergibt sich ein Widerspruch. - Ein Widerspruch zwischen Raw bzw. R. Chija und der Bereita. Dieser Widerspruch muß aufgelöst werden, da Raw und R. Chija zu den Amora’im gehörten (den Gelehrten der Gemara), die den Lehren der Tana’im (der Gelehrten der Mischna und Bereita, die vor ihnen lebten) nicht widersprechen, sie lediglich kommentieren durften.

Es ist kein Widerspruch. In einem Fall suchte er das Feld am Vorabend auf, im anderen Fall suchte er das Feld am Vorabend nicht auf. - Der Widerspruch löst sich wie folgt auf: Im ersten Fall sah der Arbeiter das Feld am Vorabend und merkte, daß es feucht und nicht zu bearbeiten war, oder aber er hätte wissen müssen, daß der nächtliche Regen die Bearbeitung unmöglich machen würde, weshalb die Schuld bei ihm lag (Maimonides erklärt hierzu, daß der Hausherr das Feld am Vorabend besichtigt und es als bearbeitungfähig beurteilte, weshalb ihm kein Vorwurf gemacht werden könne.). Darauf gründet die Einstellung des R. Chija.

Im anderen Fall hat der Hausherr den Arbeitern das Feld nicht vorher gezeigt. Sie konnten also nicht wissen, daß sie es evtl. nicht würden bearbeiten können. Die Schuld liegt also bei ihm. In diesem Fall muß er nach der Bereita den Lohn eines müßigen Arbeiters zahlen Nach Maimonides hat der Hausherr das Feld am Vorabend nicht untersucht, was seine Pflicht gewesen wäre, deshalb muß er den Schaden tragen.).

So sagte auch Rawa: Einer mietete Arbeiter, um zu graben, und es kam ein Regen und füllte es mit Wasser. - Es wird eine andere Stelle zitiert, wo Rawa sich in diesem Sinne geäußert hat: Einst mietete jemand Arbeiter, um sein Feld umzugraben, da kam ein Regen und überflutete das Feld, so daß die Arbeiter ihre Aufgaben icht ausführen konnten.

Wenn er am Vorabend das Feld besichtigte, haben die Arbeiter den Schaden, - Nach Raschi ist es so gemeint, daß die Arbeiter zusammen mit dem Hausherrn das Feld besichtigt haben und deshalb den Schaden davontragen, weil sie mit der neuen Situation hätten rechnen müssen. Nach Maimonides reicht es aus, wenn der Hausherr allein das Feld besichtigte, womit er seinen Pflichten nachgekommen ist.

hat er am Vorabend das Feld nicht besichtigt, hat der Hausherr den Schaden. - Aus dem oben Gesagten ergibt sich bereits, weshalb der Hausherr in diesem Fall die Arbeiter bezahlen muß. Eine weitere mögliche Argumentation der Arbeiter: Sie können ihm sagen, da sie das Feld nicht gesehen haben, konnten sie gar nicht wissen, für welches Feld sie gedungen wurden.

Ferner sagte Rawa: Einer mietete Arbeiter zum Wasserschöpfen und es kam ein Regen - die Arbeiter haben den Schaden, - Die Arbeiter sollten mit dem Fluß- oder Kanalwasser ein Feld bewässern. Wenn der Regen ihre Arbeit überflüssig machte, erhalten sie keine Entschädigung, weil sie mit dem Regen hätten rechnen können.

kam ein Fluß, hat der Hausherr den Schaden. - Ist der Fluß über die Ufer getreten und hat das Feld bewässert, was die Arbeit der Arbeiter überflüssig machte, muß der Hausherr sie trotzdem entschädigen, da die Arbeiter nicht wissen konnten, wie sich der Fluß in der Nähe des Feldes des Hausherrn verhält. Der Hausherr wußte, das dergleichen geschehen konnte und hätte mit den Arbeitern Entsprechendes vereinbaren können.

Ferner sagte Rawa: Einer mietete Arbeiter zum Wasserschöpfen, und mitten am Tag versiegte der Fluß, - Die Arbeiter sollten das Feld des Hausherr bewässern, mußten jedoch ihre Arbeit in der Mitte abbrechen, weil das Wasser versiegt ist.

wenn er nicht zu versiegen pflegt, haben die Arbeiter den Schaden, - da der Hausherr dies nicht vorhersehen konnte. Die Arbeiter hatten also Pech und bekommen nur die von ihnen geleistete Arbeit bezahlt.

wenn er zu versiegen pflegt; wenn sie aus derselben Stadt sind, haben sie den Schaden, sind sie nicht aus derselben Stadt, hat der Hausherr den Schaden. - Sind die Arbeiter aus derselben Stadt, dann kennen sie die Verhältnisse und hätten mit dem Hauherrn eine entsprechende Vereinbarung treffen können. Sind die Arbeiter nicht aus derselben Stadt und konnten demnach nicht wissen, daß das Wasser zu versiegen pflegt, so hätte der Hausherr sie darauf aufmerksam machen und mit ihnen das Entsprechende vereinbaren müssen.

Ferner sagte Raw: Einer mietete Arbeiter zur Verrichtung einer Arbeit und die Arbeit wurde in der Mitte des Tages fertig, - Diese Arbeit dauert normalerweise einen ganzen Tag, aber sie wurde bereits nach einem halben Tag abgeschlossen.

wenn er eine leichtere Arbeit hat, gibt er sie ihnen, oder aber eine gleiche, überläßt er sie ihnen - Kann der Hauherr für die Arbeiter eine gleichschwere oder leichtere Arbeit finden, so läßt er sie weiterarbeiten, damit sie ihren Arbeitstag abschließen,

ist sie schwerer, kann er sie ihnen nicht überlassen und zahlt ihnen den vollständigen Lohn. - Dies ist dann der Fall, wenn der Hausherr die Arbeiter für eine bestimmte Arbeit gemietet hat. Hat er die Art der Arbeit mit ihnen nicht im vorhinein ausgemacht, kann er ihnen für die zweite Hälfte des Tages auch einen schwerere Arbeit geben.

Weshalb denn? Soll er ihnen doch geben wie einem müßigen Arbeiter. Die Gemara versteht nicht, warum Rawa ihnen den vollständigen Lohn zusprechen will. Tatsächlich aber differenziert Rawa wie folgt:

Als Rawa dies sagte, meinte er die Bewohner von Mechosa; wenn sie nichts tun, werden sie krank. - Die Arbeiter von Mechosa in Babylon waren schwere Arbeit gewöhnt. Sie zogen es vor, eher schwer zu arbeiten als müßig zu sein. Deshalb bekommen sie den vollen Lohn. Andere Arbeiter jedoch, die normalerweise vorziehen, nichts zu tun, bekommen eben nicht den vollen Lohn.

Der Herr sagte: - Die Gemara kehrt wieder zu einem Thema, das oben behandelt wurde, zurück, und leitet es ein mit diesen Worten, wobei mit Herr der Gelehrte gemeint ist.

Man schätze ihnen, was sie gemacht haben. Wieso? War es sechs Denare wert, gibt er ihnen einen Sela. - So hieß es in der Bereita oben.

Also sind die Gelehrten der Ansicht, der Arbeiter habe die Oberhand. - Gemeint sind diejenigen Gelehrten, die in der Bereita zum Ausdruck kommen, im Gegensatz zu unserer Mischna, in der die Gelehrten die Meinung vertreten, daß derjenige, der zurücktritt, unterlegen ist.

Oder sie beendigen ihre Arbeit und erhalten zwei Sela. - So heißt es dort weiter in der Bereita.

Selbstverständlich! - Die Gemara stellt eine rhetorische Frage, indem sie sagt, dieser letzte Satz ist selbstverständlich, wenn er jedoch trotzdem da steht, so hat er etwas zu bedeuten.

Nein, er wird benötigt. Wenn die Arbeit teurer wurde und die Arbeiter hörten auf zu arbeiten, - Es handelt sich hier um den besonderen Fall, daß der allgemeine Lohn der Arbeiter im Laufe des Tages gestiegen ist.

und er ging und versöhnte sie. - Der Hausherr überredete die Arbeiter, ihre Arbeit zu beenden.

Du könntest meinen, sie könnten ihm sagen: wir ließen uns versöhnen in der Voraussetzung, daß du uns mehr Lohn gibst, - Damit die Arbeiter aber nicht dieses Argument benützen können,

so lehrt er uns, - diesen Satz, und zwar, daß die Arbeiter trotz der Verteuerung des Lohns am Ende des Tages lediglich die zwei Sela bekommen, wie am Anfang des Tages ausgemacht wurde,

da er ihnen sagen kann: es war so gemeint, daß ich mich um euer Speis und Trank bemühe. - Damit wird die Forderung der Arbeiter kompensiert.

Ein Sela, gibt er ihnen einen Sela. Selbstverständlich! - Die Gemara wendet sich wieder der oberen Bereita zu, in der es hieß, „ist die Restarbeit einen Sela wert, gibt er ihnen einen Sela“, und stellt die rhetorische Frage, warum die Bereita diesen selbstverständlichen Satz lehrt.

Nein, er wird benötigt, - und zwar für den folgenden möglichen Fall:

am Anfang war die Arbeit billiger und er mietete sie für einen Sus mehr, - Als der Hausherr die Arbeiter am Morgen anheuerte, bestand der Lohn für einen halben Arbeitstag im allgemeinen aus einem Sela, weniger einen Sus. Er handelte mit ihnen jedoch einen vollen Sela aus.

am Ende verteuerte sich die Arbeit, und sie ist jetzt einen Sus teurer.  

Du könntest meinen, sie könnten ihm sagen: du hast uns einen Sus mehr gesagt, gib uns einen Sus mehr - und wenn die Restarbeit jetzt im allgemeinen einen Sela kostet, müssen wir einen Sela und einen Sus bekommen,

so lehrt er uns, er kann ihnen sagen: warum ich euch einen Sus mehr gesagt habe, da ihr sonst nicht einverstanden wäret, nun wart ihr einverstanden.

R. Dossa sagt: man schätzt ihnen das, was noch zu leisten ist. Ist es sechs Denar wert, gibt er ihnen einen Schekel,  -  Die Gemara zitiert R. Dossa, wie er sich in der obenerwähnten Bereita geäußert hatte. Daraus folgert die Gemara,

er ist der Ansicht, der Arbeiter ist unterlegen. - (wurde bereits oben erörtert.)

Oder sie beendigen ihre Arbeit und erhalten zwei Sela. - Dies ist, wie oben gesehen, die Meinung des R. Dossa, die von der Gemara hier behandelt werden soll.

Selbstverständlich! - betont die Gemara wieder rhetorisch, um die Sache genau zu ergründen.

R. Hunna b. R. Nathan erwiderte: Nein, es ist notwendig! - und zwar für die folgende mögliche Konstruktion:

Wenn sie ihm von Anfang an den Preis um einen Sus verbilligten, und am Ende wurde die Arbeit billiger.

Du könntest meinen: Um einen Sus weniger habt ihr mir gesagt, einen Sus weniger werde ich euch geben, - Der Hausherr könnte nämlich folgende Einstellung haben: Die Arbeiter haben ihm einen Nachlaß von einem Sus gewährt. Jetzt, wo die Arbeit allgemein um einen Sus billiger geworden ist, sollten sie ebenfalls einen Sus weniger als auf dem Markt üblich bekommen.

so lehrt er uns, sie könnten ihm sagen: Wir sagten dir einen Sus weniger, als du nicht einverstanden warst, nun warst du aber einverstanden, - und wir bestehen auf der Abmachung.

Raw sagte: Die Halacha ist wie R. Dossa. - R. Dossa, im Unterschied zu den anderen Gelehrten, ist der Meinung, wenn die Arbeiter zurückgetreten sind, kann ihnen der Hausherr von ihrem Lohn die Zulage abziehen, die er den nachkommenden teureren Arbeitern geben muß. Raw entschied, daß die Regel sich nach R. Dossa richtet.

Hat denn Raw so gesagt? Raw sagte doch: Der Arbeiter kann sogar mitten am Tag zurücktreten! - So ausdrücklich in unserem Traktat (Baba Mezia Bl. 10 und Baba Kama Bl. 116). Die Gemara wird nun versuchen, diesen Widerspruch aufzulösen.

Wolltest du erwidern, R. Dossa unterscheide zwischen Lohn- und Akkordarbeit, ­- Man könnte nämlich annehmen, R. Dossa unterscheide zwischen diesen beiden Arten von Arbeitnehmern. In einem Fall würde es sich um Lohnarbeiter handeln, die ohne Schaden mitten in der Arbeit zurücktreten können. Der Grund hierfür wäre die Bibelstelle, wo es heißt, daß die Kinder Israel „meine (Gottes) Knechte“ und nicht Knechte von Knechten sind. Lohnarbeiter, die ständig unter der Aufsicht des Arbeitgebers stehen, könnten Knechten gleichgestellt werden. Handwerker jedoch, die selbständig arbeiten, sind viel freier in der Gestaltung ihrer Arbeit und müßten demnach beim Zurücktreten einen Schaden in Kauf nehmen.

Wir könnten nun sagen, daß Raw in einem Fall die eine Meinung des R. Dossa vertritt und im anderen Fall die andere, womit kein Widerspruch in den Aussagen Raws bestünde.

unterscheidet er tatsächlich? Wir haben doch gelernt In einer anderen Bereita, in der Tossefta von Baba Mezia, Kap. VII, zweite Mischna): Wer einen Arbeiter mietet und dieser in der Mitte des Tages gehört hat, daß ihm jemand gestorben sei Beim Sterben von nahen Verwandten muß man sieben Tage trauern, in denen man keiner Arbeit nachgehen darf.), oder wenn er von Fieber befallen worden ist; ist er ein Lohnarbeiter, gibt er ihm seinen Lohn, ist er Akkordarbeiter, gibt er ihm seinen Akkordlohn. - Nach dieser Bereita wird zwischen einem Lohn- und einem Akkordarbeiter nicht unterschieden. Jedoch wissen wir noch nicht, wessen Meinung diese Bereita vertritt. Dies soll jetzt geklärt werden.

Wer ist es, - der diese Bereita lehrt?

sagen wir, die Gelehrten, welchen Unterschied macht es, ob ihm jemand gestorben ist oder er vom Fieber befallen wurde, - Wenn wir annehmen, daß die Gelehrten diese Bereita gelehrt haben, warum sollten sie die Tatsache der höheren Gewalt betonen,

auch ohne höhere Gewalt ist es so, da die Gelehrten sagten: der Arbeiter ist überlegen! - Also wurde diese Bereita nicht von den Gelehrten gelehrt.

wohl hat sie R. Dossa gelehrt. Somit ist hieraus zu entnehmen, daß es nach R. Dossa keinen Unterschied zwischen Lohn- und Akkordarbeit gibt. - Nach dieser Bereita ist der Arbeiter nur überlegen, wenn er wegen höherer Gewalt die Arbeit unterbrechen mußte, sonst aber ist er im Nachteil, selbst wenn es sich um einen Lohnarbeiter handelt. Auf alle Fälle gibt es hier keine Unterscheidung zwischen Lohn- und Akkordarbeit. Somit bleiben die widersprüchlichen Äußerungen von Raw bestehen. Die Lösung des Problems liefert R. Nachman.

R. Nachman b. Jitzchak sagte: Es handelt sich um eine Sache, die verloren geht. Und da sind alle dieser Meinung. - Diese Bereita behandelt nach R. Nachman den Fall, daß durch das Einstellen der Arbeit dem Hausherrn ein irreparabler Schaden droht. In diesem Fall bekommt der Arbeiter seinen Lohn nur, wenn er durch höhere Gewalt verhindert war; und diesbezüglich sind sich alle einig, sowohl R. Dossa als auch die anderen Gelehrten. Sonst aber ist R. Dossa der Ansicht, daß sowohl der Lohn- als auch der Akkordarbeiter beim Zurücktreten unterlegen ist. Hierbei folgt ihm Raw nicht, dieser bleibt bei der Differenzierung zwischen Lohn- und Akkordarbeiter, wobei der Arbeiter zurücktreten darf, wie bereits oben ausgeführt.

Wir haben gelernt: Wer ändert, ist unterlegen, und wer zurücktritt, ist unterlegen. - Die Gemara wird versuchen, den Unterschied zwischen „ändern“ und „zurücktreten“ zu klären.

Betreffend „wer ändert ist unterlegen“, so sind diese Worte, da sie anonym sind, von R. Jehuda. - Da in der Mischna selbst nicht bekanntgegeben wurde, wer die Meinung „wer ändert ist unterlegen“ vertritt, so gilt die Regel, daß die Halacha sich nach R. Jehuda (Die Regel lautet, daß eine anonyme Mischna, deren Urheber also nicht erwähnt wurde, von R. Me’ir stammt. Eine weitere Regel besagt, daß bei Meinungsverschiedenheiten zwischen R. Me’ir und R. Jehuda Hanassi, dem Kodifikator der Mischna, die Meinung des letzteren maßgebend ist. Im Traktat Baba Kama, Bl. 100, gibt es eine Diskussion zwischen diesen beiden Tana’im, wobei R. J. der Ansicht ist, daß derjenige, der ändert, unterlegen ist.) richtet.

Was aber bringt der Satz „wer zurücktritt, ist unterlegen“? - Welche zusätzliche Lehre ist daraus zu ziehen? Die beiden Sätze scheinen doch das gleiche zu bedeuten.

Nicht wohl um den Arbeiter mit einzuschließen, wie R. Dossa? - Man kann wohl annehmen, meint die Gemara, daß dieser Satz sich auf den Lohnarbeiter bezieht - da der frühere den Akkordarbeiter betrifft -, so daß auch er beim Zurücktreten unterlegen ist. Insofern wäre auch der Tana dieser Mischna gleicher Meinung mit R. Dossa, daß beide Kategorien der Arbeiter beim Zurücktreten unterlegen sind. Die Widersprüchlichkeit beider Sätze von Raw kommen wieder zum Vorschein.

Vielmehr sagte R. Dossa zweierlei und Raw meint wie er bei der einen und widerspricht ihm bei der anderen. - Die Gemara löst das Problem indem sie zugibt, daß R. Dossa tatsächlich immer den Zurücktretenden unterliegen läßt, wobei Raw ihm nur beim Akkordarbeiter zustimmt, aber beim Lohnarbeiter die Meinung vertritt, daß er zurücktreten darf, da „sie meine Knechte und nicht Knechte von Knechten“ sind.

Wenn du willst - wer zurücktritt ist unterlegen. - Man kann diese Mischna, meint die Gemara, auch anders interpretieren, und zwar so, daß das Zurücktreten sich auf andere Verhältnisse bezieht - nicht Arbeitgeber und Arbeitnehmer - wobei es dann auch bei Raw keine Widersprüche gebe.

Wie gelehrt wurde: „Jeder der zurücktritt“ - was bedeutet das? - In einer Bereita wurde bereits der Satz „jeder der zurücktritt etc.“ durch ein Beispiel erklärt.

Hat jemand seinem Nächsten ein Feld für eintausend Sus verkauft und hat er ihm davon zweihundert gegeben, - Der Käufer machte eine Anzahlung und blieb den Rest schuldig.

wenn der Verkäufer zurücktritt, ist der Käufer überlegen, wobei er eine von zwei Möglichkeiten wählen kann,

wenn er will, sagt er ihm: gib mir mein Geld, - was ich anbezahlt habe, zurück,

oder, gib mir Boden im Wert meines Geldes.

Von welchem nimmt er? - aus welchem Teil des Bodens nimmt er den Anteil, der ihm zusteht?

Vom besten. - Der Käufer kann sich das beste Stück Land aussuchen, da er überlegen ist.

Und wenn der Käufer zurücktritt, ist der Verkäufer überlegen. Will er - sagt er ihm: hier hast du das Geld. Will er - sagt er: nimm Boden im Gegenwert zu deinem Geld. Aus welchem gibt er ihm? Vom schlechtesten. - Wenn der Käufer zurücktritt, ist er im Nachteil und hat damit die Konsequenzen zu tragen. Demnach handelt unsere Mischna nicht von arbeits-, sondern von kaufrechtlichen Verhältnissen.

R. Schimon b. Gamliel sagt: man lehre sie, nicht zurückzutreten. Wieso? Er schreibe ihm: Ich Sowieso, Sohn des Sowieso, habe das Feld Sowieso dem Sowieso für eintausend Sus verkauft. Und er gab mir davon zweihundert. Und ich habe bei ihm eine Forderung von achthundert Sus. - Hier wird der Wortlaut eines Kaufvertrags im Namen des Tana R. Schimon b. Gamliel zitiert. Die Gelehrten sahen es als Frevel (Wenn auch rechtlich dem nicht entgegengewirkt werden konnte, so haben sie in der Regel vertragsbrüchige Personen  mit dem Schimpfwort „wer heimgesucht hat“ belegt. Der volle Satz der Gelehrten lautet: „Wer die Generation der Sintflut heimgesucht hat, der wird auch demjenigen, der seine Verträge nicht einhält, heimsuchen.“ Dieser Satz wurde immer dann ausgesprochen, wenn man die Strafe Gott überlassen mußte, da irdisches Recht nicht ausdrücklich verletzt wurde.) an, wenn man sich an Verträge nicht hielt und wollten dies möglichst vermeiden. Laut dieser Formulierung wurde der Kauf perfekt, der Boden ging in das Eigentum des Käufers über.

Den Rest gibt er ihm sogar nach einigen Jahren zurück. - Die Restzahlung galt als Darlehen (Bei beweglichen Gegeständen nutzte solch ein Vertrag nicht. Erst mit dem Übergang des Kaufgegestandes in den Besitz des Käufers wurde Eigentum übertragen.) und konnte auch nach langer Zeit zurückgezahlt werden.

Der Gelehrte sagte: Von welchem gibt er ihm? Vom besten! - Die Gemara versucht nun den oben erwähnten Satz der Bereita zu verstehen. Was ist damit gemeint?

Du könntest glauben, vom besten seiner Güter, er sollte aber nicht mehr sein als ein Gläubiger, - Nach dem Wortlaut der Bereita könnte man davon ausgehen, daß der zurücktretende Verkäufer dem Käufer vom besten Teil all seiner Ländereien geben muß. Warum aber, fragt die Gemara, sollte der Käufer besser gestellt werden als ein Gläubiger?

und wir haben gelernt: Der Gläubiger erhält vom Mittelmäßigen (Baba Kama Bl. 7 b) - wenn der Schuldner seine Schulden nicht zurückzahlen kann, er aber Boden besitzt.

und ferner: das Grundstück, auf das er Geld gegeben hat, ist vorhanden, - warum sollte also dem Käufer erlaubt sein, sich vom gesamten Gut des Verkäufers zu bedienen, wenn er eigentlich ein bestimmtes Feld kaufen wollte und seinen Anteil von diesem bekommen müßte.

R. Nachman b. R. Jitzchak sagte: Vom besten desselben und vom schlechtesten desselben. - Die Annahme, der Überlegene könne sich vom gesamten Gut bedienen, stimmt nicht. Es wird jeweils nur aus diesem Land gepfändet, das Gegenstand des Kaufgeschäfts war.

R. Acha b. R. Ikka sagte: Du könntest sogar sagen, vom besten seiner Güter. - R. Acha meint, daß die Bereita so zu verstehen ist, wie der Fragesteller verwundert gefragt hat. Und nun erklärt er, warum in diesem Fall der Vertragspartner, der den Vertrag einhält, sich vom besten der gesamten Güter bedienen kann.

In der Regel, wenn jemand Boden für eintausend Sus kauft, verkauft er billig seine Güter, - da der Käufer meistens über solch einen Betrag nicht verfügt, und da er für das Kaufgeschäft aus seinen Gütern Boden oder Gegenstände verschleudern mußte, hat er durch die Nichteinhaltung des Vertrags seitens des Verkäufers einen echten Schaden erlitten,

somit gilt er als Geschädigter. Und wir haben gelernt, die Geschädigten erhalten vom Besten. - Spätere Kommentatoren erklären, daß R. Acha nicht wirklich den Käufer mit einem Geschädigten gleichgestellt hat. Denn hätte der Käufer einen Schaden erlitten, so hätte er vor Gericht den Schaden einklagen können. Gemeint ist, daß der Käufer gleichsam ein wenig einem Geschädigten gleichgestellt wird, und wenn man ihm den Boden nach dem Wert seiner Anzahlung abzweigt, er von den besten Ländereien des Verkäufers bekommen soll.

R. Schimon b. Gamliel sagt: man lehrt sie, nicht zurückzutreten. Wieso? Er schreibe ihm: Ich Sowieso, Sohn des Sowieso etc,. - Die Gemara zitiert den obigen Satz des R. Schimon und versucht, daraus den folgenden Schluß zu ziehen:

Die Begründung dafür ist, daß er ihm so geschrieben hat. Hat er aber nicht so geschrieben - erwirbt er es nicht. - Also nur in solch einem Fall, wenn der Vertrag schriftlich wie erwähnt formuliert wurde, gilt der Restkaufpreis als Darlehen und der Boden geht in das Eigentum des Käufers über. Hätten sie keinen schriftlichen Vertrag gemacht, wäre die Vereinbarung nicht bindend und jede der Parteien hätte zurücktreten können. Gegen diese Schlußfolgerung bringt die Gemara die folgende Bereita (Baba Mezia Bl. 48 b):

Wir haben aber gelernt: Wenn jemand seinem Nächsten ein Pfand gibt und ihm sagt: wenn ich zurücktrete, so vezichte ich dir auf mein Pfand, und der andere ihm sagt, wenn ich zurücktrete, verdopple ich dir dein Pfand, so ist die Vereinbarung gültig - so R. Jossi. -  Nach dieser Bereita ist auch eine mündliche Vereinbarung bindend.

R. Jossi geht hier nach seiner Methode. Er sagt: die Zusage (Wörtlich Stütze (aramäisch Assmachta). Gemeint ist eine großzügig oder großspurig übertriebene Zusage, bei der die Parteien hoffen, daß sie nicht eingelöst werden wird. Es kann auch als eine Strafe für die Nichteinhaltung des Vertrags betrachtet werden. Die Tana’im sind sich nicht einig, ob diese Art von Zusage ein Rechtsgeschäft begründet.) ist bindend. - Eine andere Meinung vetritt R. Jehuda:

R. Jehuda sagt: es genügt, daß er im Betrag des Pfandes erwirbt. - Nach R. Jehuda ist die ausgehandelte Vereinbarung nicht gültig. Der Käufer hat den Teil des Feldes erworben, welcher seiner Pfandzahlung entspricht. Was den Rest des Feldes betrifft, so können beide Parteien zurücktreten.

R. Schimon b. Gamliel sagte: Wann ist es so zu verstehen, wenn er zu ihm gesagt hat, mein Pfand soll erwerben, - R. Schimon stimmt R. Jehuda zu, wenn der Käufer dem Verkäufer gesagt hat, daß durch die Pfandzahlung der Kauf des Feldes erwirkt werden soll. Denn in diesem Fall gilt das Pfand nicht als Anzahlung für das ganze Feld (wobei die Restzahlung als Darlehen anzusehen wäre), sondern als eine Absichtserklärung zur Erwerbung des ganzen Feldes und als vorläufige Erwerbung des Teilfeldes im Wert des Pfandes.

hat er ihm aber ein Feld für tausend Sus verkauft, und dieser gab ihm davon fünfhundert, hat er es erworben und den Rest gibt er ihm sogar nach einigen Jahren zurück. - In diesem Fall gilt die Zahlung nach R. Schimon als Anzahlung. Dies steht im Widerspruch zur obigen Bereita, in der R. Schimon eine schriftliche Vereinbarung fordert.

Es ist kein Widerspruch, - sagt die Gemara, denn

da, wenn er ein- und ausgeht wegen des Geldes, und da wenn er nicht ein- und ausgeht wegen des Geldes. - Wenn der Verkäufer den Käufer immer wieder wegen der Restzahlung aufsucht und bedrängt, bringt er zum Ausdruck, daß er das Geld dringend braucht und nicht gewillt war, auf Ratenzahlung zu verkaufen. In diesem Fall muß nach R. Schimon ein schriftlicher Vertrag geschlossen werden, damit der Kauf als Ganzes gelten soll. Wenn jedoch der Verkäufer das Geld nicht dringend benötigt, so gilt die erste Zahlung als Anzahlung für das Ganze Feld; das Eigentum geht über, und die Restzahlung kann auch nach Jahren erfolgen. Demnach kann das Verhalten des Verkäufers nach dem Geschäft für die Auswirkung des Geschäfts entscheidend sein. Dies wird auch hiernach noch begründet:

Rawa sagte nämlich: wenn jemand seinem Nächsten etwas verkauft hat und nach dem Geld ein- und ausgeht - hat dieser es nicht erworben, geht er nicht ein und aus nach Geld - hat er es erworben, - wobei es sich hier um eine bewegliche Sache, also eine Mobilie, handelt.
Das gleiche gilt auch für Immobilie.

Ferner sagte Rawa: wenn jemand seinem Nächsten einhundert Sus geliehen hat, und dieser ihm Sus für Sus zurückzahlt, so ist es eine Rückzahlung; er hat aber einen Groll gegen den anderen, denn er kann ihm sagen: du machst sie mir zum Verlust. - Eine allmähliche Rückzahlung von Darlehen in kleinen Raten kann dem Verleiher einen Schaden verursachen (wenn dieser das Geld z.B. anlegen möchte). Trotzdem hat er keine Handhabe gegen den Schuldner, allerdings kann ihm das Grollen nicht verwehrt werden.

Die Gemara will jetzt zu klären versuchen, ob beim Ein- und Ausgehen wegen des Geldes der Kauf auch dann nicht zustandekommt, wenn die Restschuld gering ist.

Ein gewisser Mann verkaufte seinem Nächsten einen Esel, und dieser blieb ihm einen Sus schuldig; da ging er ein und aus wegen dieses Sus. - Bei diesem Beispiel stellt sich die Frage, ob die Tatsache, daß der Verkäufer wegen dieses relativ kleinen Betrags ein- und ausgeht, darauf schließen läßt, daß er nur wegen des Gelddrucks gewillt war, den Esel zu verkaufen, somit der Kauf nicht perfekt wurde und er zurücktreten kann, oder wir wegen des geringen Schuldbetrags nicht so argumentieren würden.

R. Aschi saß und dachte darüber nach: Wie verhält es sich in diesem Fall, hat er erworben oder nicht erworben? - Ist das Geschäft zustandegekommen oder nicht?

R. Mordechai sprache zu R. Aschi: Folgendes sagte R. Awimi aus Hagronja im Namen Rawas: ein Sus ist ebenso wie viele Sus; und er hat ihn nicht erworben. - Nach Rawa soll das Verhältnis zwischen Anzahlung und Restschuld irrelevant sein.

Sprach R. Acha b. R. Josef zu R. Aschi: Wir sagten ja im Namen Rawas, daß er erworben hat! - R. Acha kannte eine andere Version, nach der Rawa in solch einem Fall den Kauf für perfekt gehalten hat.

Er sprach zu ihm: Lege diese Überlieferung so aus, daß er sein Feld wegen seiner Minderwertigkeit verkauft. - Diese letzte Aussage von Rawa betrifft den Fall, daß jemand sein Feld nicht wegen der Notlage, sondern weil er es los werden wollte, verkauft hat. Das Ein- und Ausgehen beim Käufer wird folgenden Grund haben: Der Verkäufer befürchtet, der Käufer könnte den Kauf wegen der Minderwertigkeit des Kaufobjekts rückgängig machen wollen. In anderen Fällen bleibt es bei der ersten Halacha Rawas.

Dies ist einfach: - Der folgende von den Gelehrten konstruierte Fall war für sie einfach zu beurteilen.

Er wollte für einhundert verkaufen, fand aber keinen und verkaufte für zweihundert, und da ging er ein und aus wegen der Geldes; - Der Verkäufer wollte ein kleines Feld für einhundert Sus verkaufen, da er das Geld benötigte. Er fand jedoch keinen Käufer für solch ein kleines Feld und war genötigt ein größeres für zweihundert Sus zu verkaufen. Wenn er nun wegen der Restschuld beim Käufer ein- und ausgeht, so liegt der Grund darin, daß er die zusätzlichen einhundert Sus, die er nicht benötigte, für ein anderes Feld anlegen wollte (Maimonides hat diese Stelle der Gemara anders gedeutet: Es ist die Rede von einem Verkäufer, dem es gelungen ist, ein Feld, das einhundert Sus wert ist, für zweihundert zu verkaufen. Er beeeilt sich nun mit der Eintreibung des Kaufpreises, damit der Käufer den Irrtum nicht merkt.). Deshalb, sagt die Gemara,

hat er nicht erworben. - Der Kauf ist lediglich bezüglich des angezahlten Teils perfekt.

Wenn er aber für einhundert verkaufen wollte und keinen fand, hätte er sich jedoch bemüht, hätte er gefunden, aber er bemühte sich nicht und verkaufte für zweihundert und da ging er ein und aus wegen des Geldes - was dann? Gleicht dies dem Verkauf des Feldes wegen seiner Minderwertigkeit oder nicht? -  Die Frage ist, ob die Tatsache, daß der Verkäufer sich nicht bemüht hat, das Feld für einhundert zu verkaufen, die Annahme rechtfertigt, daß ihm nicht viel daran lag und deshalb der Fall wie der des minderwertigen Feldes zu beurteilen ist (das Geschäft wäre perfekt), oder ob das Ein- und Ausgehen wie der übliche Verkauf bewertet werden soll, wobei der Käufer lediglich in der Höhe des von ihm bezahlten Betrags erworben hat und bezüglich des Restes der Verkäufer zurücktreten kann.

Dies bleibt unentschieden (Das aramäische Wort lautet „Teku“. Die genaue Bedeutung ist nicht bekannt. Es könnte heißen, „es bleibt stehen“, was bedeutet, daß die Frage, da sich keine Lösung fand, bestehen bleibt. In der Überlieferung wird das Wort als eine Abkürzung für den folgende Satz gesehen: Der Prophet Elija wird eines Tages auf die Erde zurückkommen und die unbeantworteten Probleme und Fragen lösen.). - Die späteren Kommentatoren meinten dazu, daß im Zweifelsfall (und dies ist ein solcher) das Geschäft nicht von einer Partei rückgängig gemacht werden kann.

Hat jemand einen Eseltreiber oder einen Wagenbesitzer gemietet etc., kann er auf ihre Kosten mieten oder sie täuschen. - Die Gemara kehrt zu der Mischna zurück und behandelt diese Halacha.

Bis wieviel kann er auf ihre Kosten mieten? - Bis zu welchem Betrag kann der Hausherr die Arbeiter belasten, wenn er an ihrer Stelle andere engagieren mußte?

R. Nachman sagte: Bis zur Höhe ihres Lohnes. - Unter Umständen könnten die ersten Arbeiter den ganzen Lohn, der ihnen für ihre Teilarbeit zustehet, einbüßen.

Wandte Rawa gegen R. Nachman ein: Bis vierzig und fünfzig Sus. - Rawa erinnert an die Bereita, in der es heißt, daß der Hausherr vom ersten Arbeiter diesen Betrag fordern kann, der wesentlich höher ist, als ihm für seine geleistete Arbeit zusteht. Wovon soll der Hausherr diesen Betrag abziehen? 

Dieser sprach: Wenn ihr Bündel in seine Hand geraten ist. - Haben die Arbeiter ihr Werkzeug zur Arbeit mitgebracht (was üblich war) und dieses liegt beim Hausherrn, darf er es verkaufen, um die zusätzlichen teuren Arbeiter zu bezahlen. Der Betrag von vierzig bis fünfzig Sus soll nur als Beispiel für einen hohen Betrag dienen, er ist nicht wörtlich gemeint.