Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
Schriftgröße verkleinern Trennstrichnormale Schriftgröße wiederherstellen Trennstrich Schriftgröße vergrößern

Suchen in dieser Webseite

Studium - Protokoll Sommersemester 1999

Studium

Semesterplan für das Sommersemester 1999

Seminar Grundlagen des jüdischen Rechts

1. Woche

Geschichtlicher Überblick. Verbindung von der Frühzeit zur Gegenwart: Beispiele, um das Interesse der heutigen Juristen für das jüdische Recht zu erklären.

2. Woche

Quellen des jüdischen Rechts:
Die Bibel als Erkenntnis-, Entstehungs- und historische Quelle des j.R.
Die Zeit vor der Gesetzgebung. Welche Rechtsnormen waren gültig? Nach den jüdischen Rechtsgelehrten: die 7 Gesetze Noahs (eine Art Naturrecht). Parallelen zu den Gesetzen Hammurabis, z.B. Rechtsfälle im 1. Moses (Kap. 23, 31, 38).
Ein Umriss der jüdischen Geschichte bis zu Moses.

3. Woche

Die Bedeutung der Bibel als Entstehungsquelle des j.R. Der jüdische Glaube als Grundnorm des Rechts. Eine pragmatische Unterscheidung zwischen jus divinum und jus humanum für das Studium des j.R. Der verfassungsmäßige Grundsatz in 5. Moses Kap. 17. Weitere Gesetze 2. Moses 20-23, 3. Moses 18-21, 25, 4. Moses 27, 5. Moses 1, 4, 5, 16, 17, 19-25.

Die Idee des Bundes zwischen Gott und seinem Volk (2. Moses 34, 27, 5. Moses 29, 13ff).

Die Idee der Gleichheit vor dem Gesetz. (Anfängliche Demokrartiegedanken?) Die Entwicklung von Hammurabi bis Moses. (Auge um Auge, Gleichheit vor dem Gesetz, Problematik der Todesstrafe.) Schabbatgesetzgebung - Einmaligkeit und Originalität.

Das Volk als Souverän? Die gesetzliche Stellung des Königs. König David und das Gesetz Hammurabis. Parallelen in Geschichte und Gegenwart. (2. Samuel 12). Das Gesetz steht über dem König: Der Fehlgriff des Königs Achaw (1. Könige 21),

4. Woche

Geschichtlicher Überblick von der babylonischer Gefangenschaft bis zur Zeit Jesus.

Als weiterer Grundsatz des j.R. gilt die Fortsetzung der gesetzlichen Autorität und die Gesetzgebung durch die Überlieferung. Diese ist in der Bibel verankert und begründet im Talmud: Lesung Sprüche der Väter Kap. 1.

Das Gerichtswesen, die Rechtsprechung und Gesetzgebung. Das Synhedrion. Die Zeit des Königtums in den zwei Jahrhunderten vor der Zeitrechnung. Der Gegensatz zwischen der königlichen und der geistlichen Autorität.

Systematik in der Rechtsprechung. Die Regeln der Hermeneutik. Beispiel: Ausbau eines Grundsatzes: Schädigungen (2. Moses 21, 33-36; 22, 4-5: Baba Kama 1 a.).

5. Woche

Pharisäer und Sadduzäer: Rechtsschulen. Das Wort und die Idee - was ist wichtiger? Ähnliche Auseinandersetzungen im römischen und im deutschen Recht.

Zwei Schulen der Rechtsauslegung: Schamai und Hillel.

Die Vereinheitlichung des Rechts. Wir lesen aus dem Talmud die Diskussion über den Schlangenofen (Baba Mezia 59 b,). Eine dramatische Geschichte, die
1. die Herrschaft des Rechts begründet,
2. das Rechtswesen der göttlichen Sphäre entzieht (Gottesurteil, Weihwassererdale),
3. den Grundsatz der Mehrheitsentscheidung verteidigt und
4. über die einflussreiche Stellung der Frau sowie den Frevel der Beleidigung eine Aussage macht.

6. Woche

Der Talmud: inhaltliche Aufteilung in Halacha (Recht, Gesetz) und Agada (Geschichten, Fabeln, Historie), in Mischna (früherer Teil) und Gemara (späterer Teil) und in Ordnungen (Themen).

Beispiele für die Entwicklung von gesetzgeberischer Autorität und Schaffung von neuen Rechtsnormen: Prosbul (5. Moses 15 1-2 und 9). Die geistigen Führer stellten sich den sozialen und politischen Veränderungen und den neuen Erfordernissen für das Volk. (Wir lesen Gittin 36 b).

Wird dadurch nicht das Prinzip der Rechtssicherheit tangiert? Schranken für die Einführung von neuen Halachot.

7. Woche

Die humane Einstellung im Härtefall: Abweichung von der Rechtsnorm (Equity im englischen Recht). (Wir lesen Baba Mezia 24 b und Baba Mezia 30 b):

Diese Regel wurde später zu einer Norm, die vom Gericht erzwungen werden konnte, sie ist nicht absolut, wird nicht automatisch eingesetzt, sondern nur bei extremer Ungerechtigkeit.

Weiteres Beispiel: Baba Mezia 83 a. Begründung: "Damit du wandelst auf dem Weg der Guten" (Sprüche 2, 20).

(Art. 20 III GG)

Rechtssicherheit - Gerechtigkeit

GVG 132 (4), praeter legem und contra legem.

Die Halacha: der Grundsatz der Rechtsprechung und der Gesetzgebung.

Die Diskussion zwischen R. Jischma’el und R. Akiva bezüglich der Durchsuchung von Spendern im Tempel.

Und tu, was recht und gut ist in den Augen des Ewigen (5. Moses 6 17-18).

"Nach der Weisung, die sie dir weisen und nach dem Recht, das sie dir verkünden, sollst du tun, du sollst nicht abgehen von dem Wort, das sie dir verkünden, zur Rechten oder zur Linken." (5. Moses 17, 11)

8. Woche

Beispiele für gesetzgeberische Akte:

Rücknahme der Schätzung (wir lesen Baba Mezia 16 b, 35 a-b).

Anlieger Vorkaufsrecht (wir lesen Baba Mezia 108 a-b).

Die Überlieferung der Rechtsnormen durch die Erziehung. Das Rechtsbewußtsein und das freiheitliche Denken als Folge der Rechtsstellung des Menschen in der Gemeinschaft und als Teil des Gott gehörenden Volkes. Schulpflicht in 2. Jhdt. v.d.Z.

9. Woche

Der Brauch: historische Quelle des j. Rechts.

Der normative Charakter des Brauchs in der Bibel. Das Recht der Parteien bei der Gestaltung des Kaufvertrags. Das Recht der Gemeinschaft, eine allg. Regel zu bestimmen. Die Bedeutung des Entschlusses bei Geschäften. Die Interpretation der Gemara: Sitomta ( wir lesen Baba Mezia 74 a).

Der Brauch entscheidet bei alternativen Möglichkeiten. "Alles nach dem Landesbrauch" (Baba Mezia 86 a-b). Parallelen zur heutigen Rechtsprechung in Israel.

Kontrolle des Brauchs durch die Gelehrten. Vernünftige und unvernünftige Bräuche.

10., 11. und 12. Woche

Wir behandeln allgemeine Rechtsfragen unserer Zeit und verfolgen die Lösungen, die das israelische Recht bietet, vergleichen diese mit dem deutschen Recht und prüfen die Einstellung des jüd. Rechts zu diesen Fragen und die Lösungsmöglichkeiten, die dieses bietet. Wir wollen gleichzeitig nach Berührungspunkten zwischen israelischem und jüdischem Recht suchen und Einflussmöglichkeiten und Antagonismen aufzeigen.

Wir informieren uns durch Lektüre aus Talmud und Responsen.