Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Studium - Protokoll Sommersemester 2001 Teil1

Studium

Protokoll Seminarsitzungen im Sommer 2001, Teil 1

Seminar Einführung in des jüdische Recht

Protokoll 1. Woche

Gegenstand dieses Seminars ist das jüdische Recht. Jüdisches Recht ist nicht mit israelitischem Recht gleichzusetzen, es stellt quasi einen Vorläufer dar. Im Staate Israel selbst, findet das jüdische Recht zwar noch Anwendung, ihm kommt jedoch nur noch eine geringe Bedeutung zu. Jüdisches Recht ist kein gültiges Recht mehr sondern ein historisches Recht, ähnlich dem Römischen Recht.

 

Besonders wird es durch seinen Bezug zur Religion, dem Judentum und auch dem Christentum. Werte des Jüdischen Rechts wurden in die Kultur des Abendlandes übernommen. Als Beispiel hierfür kann man die zehn Gebote nennen, die Moses laut der Bibel am Berg Sinai direkt von Gott empfing. Die zehn Gebote stellen zwar den Anfang des jüdischen Rechts dar, sie enthalten jedoch nicht nur juristische sondern auch ethische Regelungen.

Die Entwicklung des jüdischen Rechts unterscheidet sich von anderen Rechtssystemen. Bei anderen Rechtssystemen handelt es sich ausschließlich um profanes Recht, das heißt, es ist durch Gesellschaftsvertrag entstanden. Das jüdische Recht hat einen ganz anderen Anknüpfungspunkt. Es ist in dem Willen Gottes begründet, ist aber nicht mit dem kirchlichen bzw. kanonischen Recht gleichzusetzen. Das jüdische Recht hat seinen Ursprung in der göttlichen Natur und regelt nicht nur kirchliche Belange.

 

Bestandteile              IUS HUMANUM

des JR                IUS DIVINUM

 

Das ius humanum umfasst alles, was sich in der menschlichen Gesellschaft ereignet.

Das ius divinum dahingegen ist durch eine Mensch-Gott Beziehung geprägt und entspricht dem kanonischen Recht. Hier finden sich z.B. Feiertagsregelungen und Opferbestimmungen.

 

Dieses Seminar wird sich ausschließlich mit dem ius humanum beschäftigen.

 

Einführung in die Geschichte

 

Der Beginn des ersten kodifizierten und uns noch überlieferten Rechts ist in der Umgebung des persischen Golfs anzusiedeln. Die Ursprünge der Menschheit kamen aus Afrika. An der Küste entlang verlief ein Wanderpfad. Durch die Flüsse Euphrat und Tigris war das Zweistromland immer sehr fruchtbares Land. Deshalb verwundert es nicht, dass Mesopotamien (Zwischenstromland) zur Kulturgegend wurde.

1901 wurde das Gesetz von König Hammurapi, der sogenannte Kodex Hammurapi, in Basalt gehauen, gefunden. Er umfasst ca. 280 Paragraphen und ist sehr gut schematisch organisiert.

Allerdings ist Hammurapis Kodex nicht das älteste Recht. Jedoch das älteste uns vollständig überlieferte. Vor Hammurapi gab es dort das ursemitische Recht.

 

Das Alte Testament, was dem jüdischen Recht entspricht, hat sehr große Ähnlichkeit mit dem Fund aus der Stadt Ur, trotz der großen räumlichen Distanz.

 

 

Auch wenn der Anfang des Kodex Hammurapi lautet „mit der Hilfe des Gottes...“ handelt es sich hierbei nicht um ein göttliches Recht. Es fehlen die ethischen Bestimmungen, wie sie in der Bibel zu finden sind. Die Grundnorm, wie sie Kelsen definiert, ist nicht auf Gott zurückzuführen.

 

Im jüdischen Recht ist Gott das entscheidende Rechtsprinzip. Letztendlich handelt es sich allerdings auch hier nur um profanes Recht, in dem die Rechtsgebiete Strafrecht, Zivilrecht, Handelsrecht, Familienrecht etc. vertreten sind.

 

Ferner spiegelt das jüdische Recht auch die Geschichte des jüdischen Volkes wieder. Es ist sehr verwoben mit der Geschichte, geprägt durch den göttlichen „Stempel“.

Etwa zum gleichen Zeitpunkt wie der Hammurapi-Kodex (ca. 1700 v.Chr.) beginnt auch die jüdische Geschichte.

 

Man muss sich eindeutig klarmachen, dass aufgrund des Alters der Überlieferungen der jüdischen Geschichte, diese nicht als Tatsachen  zu verstehen sind (ähnlich wie die Bibel selbst). Ab der Zeit von ca. 500 v.Chr. gibt es schriftliche Überlieferungen.

Diese Überlieferungen sind auch heute noch für aktuelle Probleme nicht nur als Denkanstöße interessant, sondern auch bestimmte Formulierungen und Paragraphen. Sie zeigen eindeutig, dass schon damals aktuelle Probleme behandelt worden sind. So z.B. der Tierschutz, die Gleichberechtigung der Geschlechter, Naturschutz.

 

Altes Testament

 

Abraham ist nach dem Wortlaut der Bibel der erste Jude und damit Urvater aller Hebräer (sowohl der jüdischen als auch der arabischen Stämme).

Interessant ist weiterhin, dass er laut dem Alten Testament zur Zeit Hammurapis in Ur lebte. Daraus lässt sich schließen, dass sich in etwa das gleiche Recht im semitischen Raum verbreitete, obwohl dort sehr viele unterschiedliche Völker lebten.

 

So lebten z.B. im Gebiet der heutigen Türkei damals die Hethiter. Ägypter und Hethiter stellten damals mindestens militärisch die eindeutigen Pole dar. Den Krieg, der zwischen beiden oft hin- und her wogte, verloren die Hethiter im heutigen Syrien letztendlich und endgültig. Denn schon bald nach ihrem Verlust verschwanden sie komplett von der Bildfläche.

 

Hintergrundinformation

 

Hammurapi (Chammurapi, Hammurabi), König (1728-1686) der altbabylonische 1. Dynastie von Babylon.

Schuf durch geschickte Verbindung von Bündnispolitik und Kriegszügen um 1700 v.Chr. wieder ein ganz Mesopotamien umfassendes Reich. Von seiner umsichtigen Politik im Inneren, die dem Lande wirtschaftliche Blüte schenkte, zeugt der sogenannte Kodex Hammurapi, wichtigste Rechtssammlung des Alten Orients; überliefert unter anderem auf der nach Susa verschleppten Dioritstele Hammurapi. (1902 wiedergefunden, heute im Louvre)

 

Ur, altorientalische Stadt in Sumer, heute Ruinenhügel Tall AlMukaijar im südlichen Irak, heute rund 15 km vom SW-Ufer des Euphrat entfernt. Ur war in frühdynast. Zeit  und vor allem unter der 3. Dynastie von Ur (etwa 2070-1950 v.Chr.) politisches Zentrum von Sumer. [...]

 

Babylon (hebräisch Babel, akkad. Bab-Ili) Ruinenstadt im mittleren Irak, etwa 6 km nördlich von Al Hilla, am alten Eurphratlauf. Babylon gelangte unter Hammurpi um 1700 v.Chr. zu politischen Bedeutung. Sein Stadtgott Marduk wurde in ganz Vorderasien verehrt. Seinen größten Glanz erlebte es im neubabylonischen Reichs der Chaldäer (626-539). Bis etwa 1000 n. Chr. blieb Babylon bewohnt.

 

Babylonisches Recht, das Recht im babylonischen-assyrischen Kulturbereich. Oberster Richter war der König, der wichtige Fälle selbst entschied, sonst wurde Recht anfänglich von Stadtältesten und Priestern, aber auch schon früh von Stadtältesten und Priestern, aber auch schon früh von Bundesrichtern gesprochen. Das Gewohnheitsrecht wurde in Sammlungen üblichen Entscheidungen fixiert. Das berühmteste, aber nicht älteste Beispiel ist der sogenannte Kodex Hammurapi (um 1700 v.Chr.) Mit seinem Prinzip der Talion (Vergeltung) unterscheidet er sich vom älteren sumerischen Recht, das mehr auf Wiedergutmachung abzielt, und enthält darin ein Erbe aus semitischen Stammesrecht.

 

 

2. Sitzung

 

 

Textauszug aus der hebräischen Bibel:

 

Das Buch Genesis

 

38:1 Um jene Zeit verließ Juda seine Brüder und begab sich hinunter zu einem Mann aus Adullam, der Hira hieß.

38:2 Juda sah dort die Tochter eines Kanaaniters namens Schua. Er nahm sie zur Frau und wohnte ihr bei.

38:3 Sie wurde schwanger, gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Er.

38:4 Sie wurde abermals schwanger, gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Onan.

38:5 Und noch einmal gebar sie einen Sohn und gab ihm den Namen Schela. Juda war in Kesib, als sie ihn gebar.

38:6 Juda nahm für seinen Erstgeborenen Er eine Frau namens Tamar.

38:7 Aber Er, der Erstgeborene Judas, missfiel dem Herrn, und so ließ ihn der Herr sterben.

38:8 Da sagte Juda zu Onan: Geh mit der Frau deines Bruders die Schwagerehe ein, und verschaff deinem Bruder Nachkommen!

38:9 Onan wusste also, dass die Nachkommen nicht ihm gehören würden. Sooft er zur Frau seines Bruders ging, ließ er den Samen zur Erde fallen und verderben, um seinem Bruder Nachkommen vorzuenthalten.

38:10 Was er tat, missfiel dem Herrn, und so ließ er auch ihn sterben.

38:11 Nun sagte Juda zu seiner Schwiegertochter Tamar: Bleib als Witwe im Haus deines Vaters, bis mein Sohn Schela groß ist. Denn er dachte: Er soll mir nicht auch noch sterben wie seine Brüder. Tamar ging und blieb im Haus ihres Vaters.

38:12 Viele Jahre vergingen. Die Tochter Schuas, die Frau Judas, war gestorben. Als die Trauer vorbei war, ging Juda mit seinem Freund Hira aus Adullam hinauf nach Timna zur Schafschur.

38:13 Man berichtete Tamar: Dein Schwiegervater geht gerade nach Timna hinauf zur Schafschur.

38:14 Da zog sie ihre Witwenkleider aus, legte einen Schleier über und verhüllte sich. Dann setzte sie sich an den Ortseingang von Enajim, der an der Straße nach Timna liegt. Sie hatte nämlich gemerkt, dass Schela groß geworden war, dass man sie ihm aber nicht zur Frau geben wollte.

38:15 Juda sah sie und hielt sie für eine Dirne; sie hatte nämlich ihr Gesicht verhüllt.

38:16 Da bog er vom Weg ab, ging zu ihr hin und sagte: Lass mich zu dir kommen! Er wusste ja nicht, dass es seine Schwiegertochter war. Sie antwortete: Was gibst du mir, wenn du zu mir kommen darfst?

38:17 Er sagte: Ich werde dir ein Ziegenböckchen von der Herde schicken. Sie entgegnete: Du musst mir aber ein Pfand dalassen, bis du es schickst.

38:18 Da fragte er: Was für ein Pfand soll ich dir dalassen? Deinen Siegelring mit der Schnur und den Stab in deiner Hand, antwortete sie. Er gab es ihr. Dann ging er zu ihr, und sie wurde von ihm schwanger.

38:19 Sie stand auf, ging weg, legte ihren Schleier ab und zog wieder ihre Witwenkleider an.

38:20 Juda schickte seinen Freund aus Adullam mit dem Ziegenböckchen, um das Pfand aus der Hand der Frau zurückzuerhalten, er fand sie aber nicht.

38:21 Er fragte die Leute aus dem Ort: Wo ist die Dirne, die in Enajim an der Straße saß? Sie antworteten ihm: Hier gibt es keine Dirne.

38:22 Darauf kehrte er zu Juda zurück und sagte: Ich habe sie nicht gefunden, und außerdem behaupten die Leute aus dem Ort, es gebe da keine Dirne.

38:23 Juda antwortete: Soll sie es behalten! Wenn man uns nur nicht auslacht! Ich habe ja dieses Böckchen geschickt, aber du hast sie nicht gefunden.

38:24 Nach etwa drei Monaten meldete man Juda: Deine Schwiegertochter Tamar hat Unzucht getrieben und ist davon schwanger. Da sagte Juda: Führt sie hinaus! Sie soll verbrannt werden.

38:25 Als man sie hinausführte, schickte sie zu ihrem Schwiegervater und ließ ihm sagen: Von dem Mann, dem das gehört, bin ich schwanger. Auch ließ sie sagen: Sieh genau hin: Wem gehören der Siegelring mit der Schnur und dieser Stab?

38:26 Juda schaute es sich genau an und gab zu: Sie ist mir gegenüber im Recht, weil ich sie meinem Sohn Schela nicht zur Frau gegeben habe. Später verkehrte er mit ihr nicht mehr.

38:27 Als sie niederkam, waren Zwillinge in ihrem Leib.

 

Von uns in der ersten Runde ermittelte Verständnisfragen:

 

1)      Wie geht die Geschichte weiter?

2)      Woher kommen die Namen und Orte?

3)      Was für einen Plan hatte Tamar?

4)      In welcher Zeit hat sich das alles zugetragen?

5)      War das alles mit dem Familienrecht vereinbar?

 

Kurzantworten:

 

1)      Die Geschichte an sich ist abgeschlossen, keine inhaltlichen Fortführungen kommen nach diesem Textauszug, nur noch weitere Daten für den Stammbaum bis zum König David (14. Generation)

2)      Israelitische Namen und Orte

3)      Noch nicht geklärt

4)      Das alles trug sich in Kanaan ca. 1700 v.Chr. zu, wenn wann die Bibel wörtlich nimmt. Jakob, Sohn des Isaaks, der seinerseits Sohn des Abrahams war, hatte 12 Söhne. Aus diesen entwickelten sich die 12 Stämme. Der Name jedes einzelnen Sohn wurde auch zum jeweiligen Stammesnamen. Juda war einer der Söhne Jakobs und sein Stamm war der stärkste der 12 israelitischen Stämme und außerdem der einzige, der nicht im Laufe der Zeit in Vergessenheit geriet. Demnach stammen alle heutigen Israeliten von Juda ab, sie sind alle Söhne Judas.

 

 

Zusammenfassung der Geschichte:

 

Juda, der Sohn Jakobs hat 3 Söhne. Sein erster Sohn Er heiratet Tamar, bleibt allerdings ohne Nachkommen. Nachdem er gestorben ist, soll der jüngere Bruder mit der Witwe die Schwagerehe eingehen, damit Er doch noch Nachkommen bekommt. Dieser verhindert in der Ehe jedoch, dass Tamar schwanger wird, indem er seinen Samen zur Erde fallen lässt. Sein ausgesprochen egoistisches und unmoralisches Verhalten missfiel Gott und deshalb lies er ihn sterben. (Dies ist jedoch nur der Wortlaut. Fraglich ist, ob dieser auch wörtlich genommen werden kann. Diese eindeutige Wertung wurde höchstwahrscheinlich erst hinterher getroffen.)

Der dritte und letzte Sohn Judas mit Namen Schela ist aber noch zu klein um Tamar zur Frau zu nehmen. Deshalb soll diese zu dem Haus ihres Vaters zurückkehren, bis Schela groß genug ist um sie zu heiraten.

Nachdem dieser jedoch groß geworden war, merkte Tamar, dass Juda sein Versprechen, ihr Schela zum Mann zu geben nicht einhalten wollte. Dieser hatte Angst, dass sein letzter Sohn auch noch sterben würde, sobald er Tamar geheiratet hat.

Daraufhin fasste sie einen kühnen Plan. Als Juda sich zur Schafsschur auf den Weg machte, verkleidete sie sich als Dirne und Juda wohnte ihr bei. Bis zur Bezahlung hinterließ er auf ihr Geheiß hin seinen Siegelring und seinen Wanderstab. Daraufhin eilte sie zurück und legte wieder ihre Witwenkleidung an.

Sie wurde von Juda schwanger. Sobald es ersichtlich wurde, wurde sie der Unzucht beschuldigt. Sie jedoch schickte Juda seinen Ring und Stab, welche er ja ihr als Pfand hinterlassen hatte. Nun musste er sich eingestehen, dass sie im Recht war und er selbst im Unrecht, weil er sein Versprechen ihr gegenüber nicht gehalten hat.

Tamar gebar Zwillinge, Perez und Serach.

 

Aufgabenstellung:

 

Sammelt in 3 Gruppen à 4 Leuten juristische Fragen zu der Geschichte. Je eine Frage aus nachfolgenden Gebieten:

 

1)                  Was für juristische Fragen ergeben sich

2)                  Sozialgeschichtliches Umfeld

3)                  Ethische Aspekte

 

Entstandener Fragenkatalog

 

Gruppe 1:

  • Institut der Schwagerehe
  • Was gibt Schwiegervater das Recht Tamar zu bestrafen
  • Moralischer Gesichtspunkt von Tamars Rache

Gruppe 2:

  • Welche Ansprüche haben die Söhne gegenüber Juda?
  • Was wäre die Alternative für Juda zur Verheiratung mit seinem jüngsten Sohn gewesen?
  • Ist die Unzucht der Tamar besser zu bewerten, da sie mit dem verwitweten Schwiegervater begangen wurde?

Gruppe 3:

  • Wem wurden die Kinder zugesprochen?
  • Die Stellung der Frau in der Ehe?
  • Gesellschaftliche Anerkennung der Kinder des Schwiegervaters?

Gruppe 4:

  • Inwieweit lässt sich zwischen weltlicher und göttlicher Bestrafung unterscheiden?
  • Problem: Abgrenzung zwischen sozialem Umfeld & ethischen Grundsätzen.
  • Wie begründet sich die Geburtenhierarchie.

 

Erste Besprechungsergebnisse:

 

Erstgeborener hatte Vorrechte (angedeutet durch den Krieg der Zwillinge schon im Laib der Mutter).

Warum ist es für Juda von so großer Bedeutung, dass sein toter Sohn noch Kinder bekommt? 1.) Damit der Stamm Er weitergeführt wird.

2.) Das Erbe Ers

Während der Ständegesellschaft in Deutschland war es üblich, dass der Erstgeborene alles erbte. Dies war jedoch in Israel zu Zeiten Judas nicht der Fall. Damals erbte der Erstgeborene nicht alleine alles.  Wenn er keine Nachkommen hatte, wurde seine Frau zur Erbin.

Diese aber könnte ursprünglich aus einem anderen Stamm gewesen sein. Damit würde das Erbe dem Stamm Er verloren gehen. Demnach gab es wirtschaftliche, traditionelle und gesellschaftspolitische Gründe für Judas Verhalten.

 

Frage am Ende der Stunde:

 

Werden die Kinder nun Judas Kinder sein, oder die von Er?   Hätte einer der Brüder für Er Kinder gezeugt, wären diese dann Ers Kinder gewesen oder die Kinder seines Bruders? (Ziel der nächsten Stunde: Klärung der Rechtsfolgen der Schwagerehe).

 

3. Sitzung

 

Noch offene Frage der letzten Stunde:

Klärung der Rechtsfolgen der Schwagerehe

 

Anfang der Stunde:

Kurzzusammenfassung der Geschichte zwischen Tamar und Juda (insbesondere für die Teilnehmer des Seminars, die das letzte Mal nicht teilnehmen konnten.)

 

Klärung noch offener Verständnisfragen zu der Geschichte:

 

1)                  Was hätte Juda ansonsten machen können?

 

Da Juda Angst um das Leben seines jüngsten Sohns Schela hatte, hätte er auch selbst Tamar schwängern können, da das Institut der Schwagerehe zu dieser Zeit sich auch auf den Schwiegervater erstreckte.

 

2)                  Ist Tamars Unzucht besser zu bewerten, nun da sie mit Juda geschlafen hat und nicht mit einem anderen Mann, außerhalb der Familie?

 

Da Tamar mit Juda, ihrem Schwiegervater, geschlafen hat, stellt dieser Umstand überhaupt keine Unzucht aus der damaligen Sicht dar. Sie hat sich nur selbst zu  ihrem Recht verholfen. Sichtbar wird das, als Juda zugibt, dass sie im Recht ist und er im Unrecht.

 

3) Stellung der Frau in der Ehe

 

Die schwache  Stellung der Frau in der damaligen hebräischen Stammesgesellschaft wird sehr deutlich in dieser Geschichte. Juda hat alles für sie entschieden, sie hatte keinerlei Mitspracherecht.  Eine Frau in der damaligen Zeit hatte faktisch kaum Rechte. Sie ist lediglich verantwortlich für die Nachkommen. Obwohl ihr erster Ehemann Er schon tot ist, bekommt er durch sie Nachkommen. Damals war auch die Mehrehe erlaubt. Das schwächt weiterhin die schon sehr schwache Rolle der Frau in der frühen jüdischen Geschichte.

 

4) Unterscheidung zwischen weltlicher und göttlicher Bestrafung

 

Idee aus der Stunde: Gott bestraft in der Geschichte nur Männer, die einzige Frau der Geschichte Tamar, wird von Juda bestraft. Ist das exemplarisch für die damalige Zeit zu verstehen? D.h. werden alle Männer prinzipiell nur von Gott bestraft, Frauen hingegen von dem Stammesältesten (weltlicher Richter)?

Diese These stellte sich schon recht bald als falsch heraus. Als eins von vielen Gegenbeispielen lässt sich die Vertreibung aus dem Paradies nennen, da Gott nicht nur Adam, sondern auch Eva verbannte.

 

5) Hat Juda in Hinsicht auf Gott Tamar strafen wollen? (um Gott zu gefallen)

 

Das ist nicht komplett ausgeschlossen, aber sehr unwahrscheinlich. Juda wollte sie aufgrund der herrschenden sittlichen Normen verurteilen, welche eine in Unzucht lebende Witwe zum Tode verurteilten.

 

6) Lässt sich die weltliche Bestrafung auf Gott zurückführen?

 

Indirekt lässt sich die weltliche Bestrafung auf jeden Fall auf Gott zurückführen, alleine schon aus dem Gedanken heraus, dass Gott bei den Menschen damals einen ganz anderen Stellenwert einnahm, als das heute der Fall ist.

 

7) Warum hat Juda nicht auch seinen letzten Sohn Schela Tamar zum Mann gegeben?

 

Juda hatte Angst auch noch seinen letzten Sohn zu verlieren. „Denn er dachte: Er soll mir nicht auch noch sterben wie seine Brüder.“ Deshalb schickte er auch Tamar zurück zu ihrer Familie, mit dem Hintergedanken, dass sie so Schela nicht gefährlich werden konnte. Ohne jeden Zweifel hielt er sie für mitverantwortlich, wenigstens auf eine indirekte Art und Weise (Fluch oder ähnlicher Aberglaube).

 

Lesen des Textes von Marcus Cohn, um das Institut der Schwagerehe näher zu untersuchen (s. in dieser Homepage: Jüd. Lexikon – Familienrecht – Leviratsehe)

 

Auszug:

 

(von Lat. levir = Schwager; Schwagerehe). Die Wiederverehelichung der kinderlosen Bruderwitwe mit dem Schwager, die sich in den Rechten vieler alter Völker findet, wird in Deut. 25, 5ff. als gesetzliche Pflichtehe angeordnet. Der Vorfall mit Tamar (Gen. 38, 6ff.) zeigt, dass die L. bereits in sehr alter Zeit in Israel geübt wurde (Ber. R. z. St.: “Juda hat bereits das Gebot der Leviratsehe erfüllt“). Während Deut. nur von der Pflicht der Brüder des Verstorbenen zur L. spricht, war offenbar in alter Zeit auch der nächste Blutsverwandte verpflichtet die Witwe von ihrem Witwensein zu befreien und eventuell die Ehe mit ihr einzugehen.

 

DEUTERONOMIUM (5. Buch Moses)

 

Die Schwagerehe: 25,5-10

Wenn zwei Brüder zusammen wohnen und der eine von ihnen stirbt und keinen Sohn hat, soll die Frau des Verstorbenen nicht die Frau eines fremden Mannes außerhalb der Familie werden. Ihr Schwager soll sich ihrer annehmen, sie heiraten und die Schwagerehe mit ihr vollziehen.

Der erste Sohn, den sie gebiert, soll den Namen des verstorbenen Bruders weiterführen. So soll dessen Name in Israel nicht erlöschen.

Wenn der Mann aber seine Schwägerin nicht heiraten will und seine Schwägerin zu den Ältesten ans Tor hinaufgeht und sagt: Mein Schwager will dem Namen seines Bruders in Israel keinen Bestand sichern und hat es deshalb abgelehnt, mit mir die Schwagerehe einzugehen!,

wenn die Ältesten seiner Stadt ihn dann vorladen und zur Rede stellen, er aber bei seiner Haltung bleibt und erklärt: Ich will sie nicht heiraten!,

dann soll seine Schwägerin vor den Augen der Ältesten zu ihm hintreten, ihm den Schuh vom Fuß ziehen, ihm ins Gesicht spucken und ausrufen: So behandelt man einen, der seinem Bruder das Haus nicht baut.

Ihm soll man in Israel den Namen geben: Barfüßerhaus.

 

Begriffserläuterungen:

Synode:       „Gipfeltreffen“ der kirchlichen Oberhäupter

Chaliza:     Möglichkeit aus der Pflicht der Schwagerehe entlassen zu werden.

Mischna:     Sammlung von Gesetzestexten (ca. 0-200 Jahre n. Chr.)

Karäer:     jüdische Sekte (8./9. Jahrhundert)

Sarduzäer:     Rechtsschule (von 100 v.Chr. – 100 n.Chr.)

Samaritaner:     = Samariter; wohnten im Norden (nördlich von Jerusalem), bildeten eigene

                Religion (heute gibt es nur noch wenige Tausend Anhänger).

Septuaginta:    erste Übersetzung des Alten Testamentes (um ca. 200 v.Chr. ins Griechische)

Tosafisten:    Gruppe von Gelehrten aus dem Mittelalter

 

Zusammenfassung:

Die Schwagerehe hat die Voraussetzung, dass aus der Ehe des verstorbenen Bruders keine Kinder hervorgegangen sein dürfen. Bei der Schwagerehe handelt es sich um eine Pflichtehe, welche die nächsten Verwandten des Verstorbenen mit der Witwe eingehen müssen. Wer alles die Schwagerehe eingehen musste, war dem Wandel der Zeit unterworfen. Zur Zeit Moses waren nur die Brüder des Verstorbenen verpflichtet, die Witwe ihres Bruders zu heiraten. Vor dieser Zeit war auch der nächste Blutverwandte dazu verpflichtet, wie in der Geschichte um Tamar und Juda.

Von Bedeutung ist weiterhin, ob die Ehe kinderlos oder nur ohne männlichen Nachfolger geblieben ist. Das Deuteronomium geht als Voraussetzung für die Schwagerehe noch von dem Fehlen eines männlichen Nachkommens aus, doch schon die Septuaginta als auch der Talmud gehen schon von der kompletten Kinderlosigkeit als Voraussetzung für die Schwagerehe aus.

Sobald eine der Voraussetzungen nicht gegeben ist, fällt nicht nur die Verpflichtung fort, das Eingehen der Schwagerehe, würde dann als Blutschande angesehen werden.

In diesem Institut der Schwagerehe ist auch ein Verbot für die Witwe auf Wiederheirat enthalten, womit sowohl die Integrität des Familiengutes, die Erhaltung des Geschlechts des Verstorbenen als auch die Sicherung des Erbackers gewährleistet wurde.

Diese Pflicht traf zunächst den ältesten Schwager, konnte jedoch auch vom den jüngeren wahrgenommen werden.

Diese Pflicht musste wahrgenommen werde, außer der Schwager unterzog sich dem Chaliza-Akt, einem entehrenden Akt für den verweigernden Schwager um darauf aufmerksam zu machen, dass er nicht für Nachkommen im Namen seines Bruders sorgen wollte.

Erst nach Durchführung entweder des Chaliza-Aktes oder der Schwagerehe, konnte die Witwe erneut heiraten.

Mit der Zeit vollzog sich ein starker Wandel. Schon bald wurde die Leviratsehe nicht mehr aus den genannten Gründen eingegangen, sondern aus viel egoistischeren. Abba Saul zählte exemplarisch hierfür die Schönheit der Witwe, den Geschlechtsverkehr auf.

Nach dem Verbot der Polygamie durch Gerschom, ist die Schwagerehe gänzlich durch die Chaliza verdrängt worden.

 

Frage: Warum hat Juda nicht den Chaliza-Akt auf sich genommen, wenn er seinen jüngsten

             Sohn Schela schützen wollte?

 

Die Geschichte von Tamar und Juda trug sich (soweit sich das heute anhand der Bibel belegen lässt) ca. im Jahre 1700 v. Chr. zu, und ist damit viel älter, als das Deuteronomium (ca. 1300 v.Chr.). Daraus lässt sich folgern, dass Juda dieser noch nicht offen Stand. Der Chaliza-Akt stellt demnach eine Weiterentwicklung dar.

 

4. Sitzung

 

Das hebräische Sklavenrecht

 

Ethisch-rechtshistorischer Definitionsversuch in Gruppenarbeit:

 

1) Was ist ein Sklave?

2) Welche Rechte fehlen Sklaven?

3) Wozu brauchte man in der Antike Sklaven?

4) Wie wurde jemand versklavt?

5) Warum gibt es keine Sklaven mehr (rechtlich gesehen)?

 

Ergebnis meiner Gruppe nach der Diskussion :

 

1)                  Mensch ohne Rechte, billige Arbeitskraft, Recht- und Gesetzloser, Leibeigener

2)                  Alle Rechte, die Qualität als Mensch und nicht nur als Sache behandelt zu werden

3)                  Zum Arbeiten in jeder Form z.B. als Bergarbeiter, zum Pyramidenbau, Hauslehrer

4)                   

·        durch Abstammung/ Geburt

·        durch freiwillige Abtretung der eigenen Rechte

·        durch Krieg

5)                  Naturrechte, absolute Rechtsgüter sind heute nicht mehr disponibel bzw. abdingbar.

 

Allgemeine Ergebnisse aller Gruppen:

 

1)      Person, die einem Gegenstand angenähert ist

2)      Wie viele Rechte ein Sklave hatte, bzw. nicht mehr hatte, ist abhängig von der Zeit und der Kultur, darüber hinaus auch von seinem Rang, der ihm durch seinen Herrn verliehen wurde. So wurde ein Sklave der lesen und schreiben konnte deutlich besser behandelt und hatte auch mehr Rechte.

 

Im Römischen Recht verfügte der Herr über seinen Sklaven, wie er wollte.

„Instrumenti genus vocala“ (Übersetzung: „Werkzeug, das sprechen kann“)

 

Sowohl der Status als auch die Rolle des Sklaven war von der Kultur und der Zeit abhängig, in welcher der Sklave lebte. Daher ist es naheliegend zu fragen, wie es genau in Israel war. Dazu dient die Textanalyse der nachfolgenden Texte.

 

Das Buch Exodus

 

Das Bundesbuch:

21:1 Das sind die Rechtsvorschriften, die du ihnen vorlegen sollst:

Hebräische Sklaven:

21:2 Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, soll er sechs Jahre Sklave bleiben, im siebten Jahr soll er ohne Entgelt als freier Mann entlassen werden.

21:3 Ist er allein gekommen, soll er allein gehen. War er verheiratet, soll seine Frau mitgehen.

21:4 Hat ihm sein Herr eine Frau gegeben und hat sie ihm Söhne oder Töchter geboren, dann gehören Frau und Kinder ihrem Herrn, und er muss allein gehen.

21:5 Erklärt aber der Sklave: Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder und will nicht als freier Mann fortgehen,

21:6 dann soll ihn sein Herr vor Gott bringen, er soll ihn an die Tür oder an den Torpfosten bringen und ihm das Ohr mit einem Pfriem durchbohren; dann bleibt er für immer sein Sklave.

21:7 Wenn einer seine Tochter als Sklavin verkauft hat, soll sie nicht wie andere Sklaven entlassen werden.

21:8 Hat ihr Herr sie für sich selbst bestimmt, mag er sie aber nicht mehr, dann soll er sie zurückkaufen lassen. Er hat nicht das Recht, sie an Fremde zu verkaufen, da er seine Zusage nicht eingehalten hat.

21:9 Hat er sie für seinen Sohn bestimmt, verfahre er mit ihr nach dem Recht, das für

Töchter gilt.

21:10 Nimmt er sich noch eine andere Frau, darf er sie in Nahrung, Kleidung und Beischlaf nicht benachteiligen.

21:11 Wenn er ihr diese drei Dinge nicht gewährt, darf sie unentgeltlich, ohne Bezahlung, gehen.

 

»Wenn ein Mann seinen Sklaven - oder seine Sklavin - mit einem Stock schlägt, so dass er ihm unter der Hand stirbt, so soll er unbedingt gerächt werden. (21) Falls er jedoch einen oder zwei Tage am Leben bleibt, so soll er nicht gerächt werden, denn er ist sein Geld« (Ex 21,20-21). »Wenn ein Mann ein Auge seines Sklaven - oder seiner Sklavin - schlägt und es zerstört, so soll er ihn für sein Auge als Freigelassenen entlassen. (27) Falls er einen Zahn seines Sklaven - oder seiner Sklavin - ausschlägt, so soll er ihn für seinen Zahn als Freigelassenen entlassen« (Ex 21,26-27).

               

Das Buch Levitikus

 

Die Freilassung israelitischer Sklaven:

 

25:39 Wenn ein Bruder bei dir verarmt und sich dir verkauft, darfst du ihm keine Sklavenarbeit auferlegen;

25:40 er soll dir wie ein Lohnarbeiter oder ein Halbbürger gelten und bei dir bis zum Jubeljahr arbeiten.

25:41 Dann soll er von dir frei weggehen, er und seine Kinder, und soll zu seiner Sippe, zum Eigentum seiner Väter zurückkehren.

25:42 Denn sie sind meine Knechte; ich habe sie aus Ägypten herausgeführt; sie sollen nicht verkauft werden, wie ein Sklave verkauft wird.

25:43 Du sollst nicht mit Gewalt über ihn herrschen. Fürchte deinen Gott!

 

Das Buch Deuteronomium

 

Die Selbstverknechtung:

15:12 Wenn dein Bruder, ein Hebräer - oder auch eine Hebräerin -‚ sich dir verkauft, soll er dir sechs Jahre als Sklave dienen. Im siebten Jahr sollst du ihn als freien Mann entlassen.

15:13 Und wenn du ihn als freien Mann entlässt, sollst du ihn nicht mit leeren Händen entlassen.

15:14 Du sollst ihm von deinen Schafen und Ziegen, von deiner Tenne und von deiner Kelter so viel mitgeben, wie er tragen kann. Wie der Herr, dein Gott, dich gesegnet hat, so sollst du ihn bedenken.

15:15 Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat der Herr, dein Gott, dich freigekauft. Darum verpflichte ich dich heute auf dieses Gebot.

15:16 Wenn dieser Sklave dir aber erklärt: Ich will nicht von dir freigelassen werden - denn er hat dich und deine Familie liebgewonnen, weil es ihm bei dir gut ging -‚

15:17 so nimm einen Pfriem und stich ihn durch sein Ohr in die Tür: Dann ist er dein Sklave für immer. Bei einer Sklavin sollst du das gleiche tun.

15:18 Halt es nicht für eine Härte, wenn du ihn als freien Mann entlassen musst; denn was er in den sechs Jahren für dich erarbeitet hat, entspricht dem, was du einem Tagelöhner als Lohn hättest zahlen müssen. Dann wird der Herr, dein Gott, dich in allem segnen, was du tust.

 

Das Verbot der Auslieferung von Sklaven:

23:16 Du sollst einen Sklaven, der vor seinem Herrn bei dir Schutz sucht, seinem Herrn nicht ausliefern.

23:17 Bei dir soll er wohnen dürfen, in deiner Mitte, in einem Ort, den er sich in einem deiner Stadtbereiche auswählt, wo es ihm gefällt. Du sollst ihn nicht ausbeuten.

 

Verständnisfragen zum Text:

Jubeljahr:

[zu hebräisch jobel „Widderhorn“ (weil es zu Beginn eines solchen Jahres geblasen wird)] (Jubeljahr, Halljahr, Erlassjahr), im Alten Testament Bezeichnung für das Heilige Jahr der Juden; nach 7 Sabbatjahren (= 49 Jahren) das 50. Jahr, verbunden u.a. mit Schuldenerlaß, Freilassung der israelitischen Sklaven und Rückgabe von verkauftem Boden (Quelle: Meyers Grosses Taschenlexikon in 24 Bänden, 2. Auflage, ©1987).

Sabbatjahr:

Bezeichnung für das alle sieben Jahre gefeierte Brachjahr, das im alttestamentlichen Gesetz geboten ist. Es galt als allgemeines Erlassjahr, in dem Schulden erlassen und Sklaven freigelassen werden sollten. Nach sieben Sabbatjahren wurde ein Jobeljahr begangen.*

Pfriem: Stichel um Löcher zu machen.

 

Beantworten Sie die Fragen unter Einbeziehung der entsprechenden Rechtsvorschriften! In Partnerarbeit

Vorläufige Ergebnisse

 

a)  Welchen sozialen und rechtlichen Status haben hebräische Sklaven?

·        Recht auf Leben (denn wenn ihr Herr sie totschlägt, so sollen sie gerächt werden)

·        Eingeschränktes Recht auf körperliche Unversehrtheit (wenn sie bleibende Schäden durch schlechte Behandlung ihres Herrn erleiden, so werden sie als Wiedergutmachung freigelassen).

·        Recht auf Familie, seine Familie, die er hatte bevor er Sklave wurde, darf am Ende seiner „Dienstzeit“ auch mit ihm gehen.

·        Möglichkeit eine Frau von seinem Herren zu bekommen. Die aus dieser Verbindung hervorgehenden Kinder verbleiben jedoch, genau wie die Frau, am Ende der Dienstzeit bei seinem Herren.

b) Besondere Merkmale des Sklavendaseins herausfinden (z.B. Freilassung nach dem 7. Jahr = Sabbatjahr, Entlohnung, rechtliche Unterschiede zwischen männlichen Sklaven und weiblichen Sklavinnen! etc.)

In den Texten wird zunächst stark unterschieden, ob der Sklave sich seinem Herrn selbst verknechtet hat, oder ob dieser ihn schon bereits als Sklave gekauft hat.

 

Unterschiede: (so viele wie wir bis Stundenende herausfinden konnten)

 

Gekaufter Sklave

Selbstverknechteter

·        Kein Entgelt nach 7 Jahren

·        Sicheres Entgelt (so viel er tragen kann)

·        Wenn er vorher verheiratet war, dann durfte seine Frau auch wieder mit ihm gehen

 

·        Hebräer dürfen nicht weiterverkauft werden

·        Hebräer dürfen nicht weiterverkauft werden

 

c) Wie sind diese Besonderheiten zu erklären? Anhaltspunkte im Text?

 

Besonderheiten:

  • Recht der Töchter; darüber gibt es keinerlei Überlieferungen
  • Das Sklavenrecht ist gegenüber anderen Kulturkreisen ziemlich human. Als einen Grund hierfür kann man die Geschichte der Juden anführen, da sie ja selbst über eine sehr lange Zeit in Ägypten versklavt waren und nur Gott selbst in der Lage war, sie zu befreien. So heißt es auch im Text :“Denn sie sind meine Knechte; ich habe sie aus Ägypten herausgeführt; sie sollen nicht verkauft werden, wie ein Sklave verkauft wird.“
  • Unter diese sehr humanen Bedingungen fällt auch das Verbot der Auslieferung von Sklaven. In den meisten anderen Kulturen wurde das Verstecken eines entlaufenen Sklaven hart bestraft (meistens mit dem Tod). Im Deuteronomium steht jedoch ein eindeutiges Auslieferungsverbot für Sklaven. Weiterführend soll dieser aufgenommen werden und darf sich sogar seinen neuen Lebensbereich auswählen, außerdem wird er auch noch vor Ausbeutung geschützt. Hier handelt es sich praktisch um eine Umkehrung des ägyptischen Sklavenrechtes, was sich wiederum mit der hebräischen Geschichte erklären lässt.

 

5. Sitzung

 

Abschluß des Themas „Sklaven“

 

Ein kontinuierlicher Handel mit Sklaven war in Israel dadurch nicht möglich, da alle Sklaven nach 6 Jahren freigelassen wurden.

Der hebräische Sklave war atypisch für die Antike. Er genoss deutlich mehr Rechte, als Sklaven in anderen Kulturen. Die Stellung des hebräischen Sklaven glich am meisten einem Arbeitsverhältnis. So musste zum Beispiel dem Sklaven am Ende seiner Dienstzeit eine Abfindung gezahlt werden. Dieses Recht auf Abfindung wurde bei uns, im europäischen Kulturkreis erst in der jüngsten Geschichte eingeführt (Mitte des 20. Jahrhunderts).

Wie fortschrittlich und vergleichsweise human das hebräische Sklavenrecht war, kann man besonders gut daran erkennen, dass in der Talmud-Zeit (ca. 0-500. AD) sich das neu entstehende Arbeitsrecht an dem Sklavenrecht orientierte. Es diente quasi als Mindestvoraussetzung für das, was man dem Arbeiter gewähren wollte, bzw. in wie weit man diesen schützen wollte.

In dieser Tradition steht auch heute noch das israelitische Arbeitsrecht, was man durchaus als das fortschrittlichste der heutigen Zeit bezeichnen kann. So steht z.B. jedem Arbeitnehmer bei Beendigung seines Arbeitsverhältnisses eine Abfindung zu, unabhängig davon, ob er selbst gekündigt hat, oder ob ihm gekündigt worden ist.

 

Die etwas unterschiedlichen Regelungen im mosaischen Sklavenrecht lassen sich dadurch erklären, dass jedes Buch der Tora (die 5 Bücher Moses) jeweils zu einer anderen Zeit geschrieben worden ist.

 

 

Wie kann ein Mensch im Staat frei bleiben und sich doch einer verfassungsmäßigen Ordnung unterstellen ?

 

Ergebnisse der Gruppenarbeit:

 

-         Abwehrrechte gegenüber dem Staat (klassisches Element des Liberalismus)

-         Aufgabe gewisser Teile subjektiver und individueller Freiheiten um Freiheit des Einzelnen in der Gesellschaft zu maximieren, da eine Gesellschaft mit schrankenlos gewährten Grundrechten nicht vorstellbar ist.

-         Rechte & Pflichten des Individuums → INTERDEPENDENZ

-         Widerstandsrecht

-         Ausarbeitung von ethischen und rechtlichen Grundsätzen schafft Freiraum für das Individuum

-         Individuum nimmt gewisse Pflichten in Kauf und bekommt dafür Rechte

-         Gesellschaftliche und staatliche Rechte

-         Es gibt keine objektive Definition für Freiheit, für jeden schließt Freiheit andere Elemente ein; diese enthaltenen Elemente sind auch dem Wandel der Zeit unterworfen.

è   Definitionen wandeln sich im Laufe der Zeit

-         gewisse Rechte müssen festgeschrieben sein, soll der Mensch möglichst frei sein

è   „Die Würde des Menschen ist unantastbar“

 

Das Buch Deuteronomium

 

30:11 Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern

von dir.

30:12 Es ist nicht im Himmel, so dass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt

es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können?

30:14 Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es

halten.

30:15 Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Gute, den Tod und das Schlechte vor.

 

18:9 Wenn du in das Land hineinziehst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, sollst du nicht lernen, die

Greuel dieser Völker nachzuahmen.

18:10 Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt,

keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert,

18:11 Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der

Verstorbene um Rat fragt.

18:12 Denn jeder, der so etwas tut, ist dem Herrn ein Greuel. Wegen dieser Greuel vertreibt sie der

Herr, dein Gott, vor dir.

18:13 Du sollst ganz und gar bei dem Herrn, deinem Gott, bleiben.

18:14 Denn diese Völker, deren Besitz du übernimmst, hören auf Wolkendeuter und Orakelleser. Für

dich aber hat der Herr, dein Gott, es anders bestimmt.

18:15 Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen

Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören.

18:16 Der Herr wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der

Versammlung, den Herrn, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme

des Herrn, meines Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen,

ohne dass ich sterbe.

18:17 Damals sagte der Herr zu mir: Was sie von dir verlangen, ist recht.

18:18 Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will

ihm meine Worte in den Mund legen, und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage.

18:19 Einen Mann aber, der nicht auf meine Worte hört, die der Prophet in meinem Namen

verkünden wird, ziehe ich selbst zur Rechenschaft.

18:20 Doch ein Prophet der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen

Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe, oder der im Namen anderer Götter spricht, ein

solcher Prophet soll sterben.

18:21 Und wenn du denkst: Woran können wir ein Wort erkennen, das der Herr nicht

gesprochen hat?,

18:22 dann sollst du wissen: Wenn ein Prophet im Namen des Herrn spricht und sein Wort sich

nicht erfüllt und nicht eintrifft, dann ist es ein Wort, das nicht der Herr gesprochen hat. Der

Prophet hat sich nur angemaßt, es zu sprechen. Du sollst dich dadurch nicht aus der Fassung bringen

lassen.

 

 

13:2 Wenn in deiner Mitte ein Prophet oder ein Traumseher auftritt und dir ein Zeichen oder Wunder

ankündigt,

13:3 wobei er sagt: Folgen wir anderen Göttern nach, die du bisher nicht kanntest, und verpflichten

wir uns, ihnen zu dienen!, und wenn das Zeichen und Wunder, das er dir angekündigt hatte,

eintrifft,

13:4 dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten oder Traumsehers hören; denn der Herr, euer

Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr das Volk seid, das den Herrn, seinen Gott, mit ganzem

Herzen und mit ganzer Seele liebt.

13:5 Ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, nachfolgen, ihn sollt ihr fürchten, auf seine Gebote sollt ihr

achten, auf seine Stimme sollt ihr hören, ihm sollt ihr dienen, an ihm sollt ihr euch festhalten.

13:6 Der Prophet oder Traumseher aber soll mit dem Tod bestraft werden.

Besprechung der Zeilen 30:11 – 30:15

 

Gott verpflichtet sein Volk auf die nachfolgenden Gesetze. Hierbei handelt es sich nicht um göttliches Recht, sondern um irdische, menschliche Gesetze, an die sich der Mensch halten soll. Damit wird sichergestellt, dass Gott von den Menschen nichts unmögliches verlangt.

Noch bedeutender ist jedoch, dass dem Menschen die Fähigkeit eigene Entscheidungen zu treffen eingeräumt wird. Der Mensch hat die Möglichkeit und Freiheit sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden.

Das ist eine klare Absage an den Determinismus, der in vielen Ländern der Antike vorgeherrscht hat. Die Menschen waren nach dieser Weltanschauung nur „Spielbälle der Götter“. Alles geschah nach dem Plan des „Schicksals“, d.h. dem Menschen wurde die Verantwortung für sein handeln abgenommen und die Fähigkeit eigene Entscheidungen zu treffen aberkannt.

Wenn das menschliche Leben wirklich determiniert wäre, wären sowohl Rechtsetzung als auch Rechtsprechung unbedeutend, ja sogar sinnlos, da man den einzelnen Menschen nicht mehr für seine Handlungen zur Rechenschaft ziehen könnte.

Nach der Entscheidung, die der Mensch nach hebräischem Glauben trifft, wird er beurteilt werden. Später wurde noch „wähle das Gute“ eingefügt, Moses jedoch war viel objektiver, er überließ dem Menschen die absolut freie Wahl.

Widerstandsrecht

Artikel 20

(1)    Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4)          Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

 

Widerstandsrecht. Das GG sieht in Art. 201V GG gegen jeden, der es unternimmt, die verfassungsmäßige Ordnung der BRep. zu beseitigen (also auch gegen die öffentliche Gewalt), ein W. vor, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Das W. war vorher schon, als äußerstes Mittel zur Wiederherstellung der rechtsstaatlichen Ordnung (also in konservierendem, nicht in revolutionärem Sinne) anerkannt, wenn das bekämpfte Unrecht offenkundig ist und die von der Rechtsordnung zur Verfügung gestellten Rechtsbehelfe so wenig Aussicht auf wirksame Abhilfe bieten, dass der Widerstand das letzte verbleibende Mittel zur Erhaltung oder Wiederherstellung des Rechts ist. Bei der Ausübung des W. ist der Grundsatz der Güterabwägung zu beachten. Kein W. besteht jedenfalls gegen Entscheidungen, die von den zuständigen Staatsorganen im Rahmen der rechtsstaatlichen Ordnung getroffen wurden.

 

Textanalyse bzw. –besprechung

 

-         Das Widerstandsrecht steht jedem zu

-         Gegenüber jedem, selbst dem Staat an sich, der die verfassungsmäßige Ordnung gefährdet.

 

Geschichtlicher Hintergrund: Während der NS-Zeit gab es willkürliche Rechtsetzung und Rechtsprechung. Die Rechtsprechung war durch Rechtsbeugung geprägt, d.h. Rechtsanwendung gegen den eigentlichen Sinn des Gesetzes. Selbst heute noch kann die Verfassung, trotz zahlreicher (Selbst)schutzmechanismen, stark eingeschränkt werden, aufgrund des Vorbehalt des Gesetzes. Allerdings sind viele bedeutende Grundrechte schrankenlos gewährt worden und diese können dementsprechend nur durch Verfassungsrecht eingeschränkt werden.

 

18:9 Wenn das Volk nach Kanaan kommt soll es nicht die Sitten der dort lebenden Völker annehmen. Hier handelt es sich um die Festlegung des Monotheismus und um eine Festschreibung der Gesetze (die Gesetze sind auf ewig gültig, jedoch mit der Möglichkeit neuer Interpretation, durch einen von Gott gesandten Propheten). Diesen neuen Propheten soll man an der Wahrheit seiner Worte erkennen, denn nur wenn er wahres spricht kann er überhaupt ein Prophet Gottes sein. Spricht er wahres, so muss man das was er sagt genauer begutachten und abwägen, ob das was er sagt in Gottes Sinne sein kein.

 

→ Parallele: Prophet/ neuer Prophet mit neuer Ideologie/Einstellung; wie unterscheidet man zwischen richtigen und falschen Propheten?

→ Weder das Grundgesetz noch das mosaische Recht kann darauf eine klare Antwort geben

→ beide Rechtssysteme (müssen) vertrauen auf den Menschenverstand ihrer Bürger

→ hier handelt es sich immer um Einzelfallunterscheidungen, was eine großartige Leistung darstellt, da dem Menschen die Freiheit der Wahl gelassen wird

→ der Mensch wird von diesen Normensystemen für intelligent und mündig genug gehalten, seine Entscheidungen selbst zu treffen

 

Der Mensch hat die positiven Werte genug verinnerlicht, dass eine Gesellschaft möglich wird.