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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Studium - Hausaufgaben - Strafen

Studium

Katja Riess

Referat im Rahmen des Seminars Jüdisches Recht
bei Dr. Gabriel Miller
SS 1998

Thema: Strafen im jüdischen Recht

Literaturverzeichnis

Bloch, Moses
Das mosaisch-talmudische Strafgerichtsverfahren
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Budapest 1901

Cohn, Marcus
Wörterbuch des jüdischen Rechts
Neudruck der im jüdischen Lexikon (1927-1930) erschienen Beiträge zum jüdischen Recht
München 1980

Fassel, Hirsch B.
Das mosaisch-rabbinische Strafgesetz
Neudruck der Ausgabe Gross Kanischa 1870
Scienta Verlag Aalen 1981

Fürst, Salomon
Das peinliche Rechtsverfahren im jüdischen Alterthum
Heidelberg 1870

Gotein, E.
Das Vergeltungsprinzip im biblischen und talmudischen Strafrecht
Zur Erlangung der Doktorwürde vorgelegt
Halle 1891

Einleitung

Im vorliegenden Referat wurde das Thema: "Strafen im jüdischen Recht" bearbeitet.
Um den Grundgedanken der Bestrafung im jüdischen Recht richtig verstehen zu können, also um den Sinn und Zweck der Strafe zu erfassen, habe ich dem Referat die Erklärung des Vergeltungsprinzips im jüdischen Recht vorangestellt.
Dem folgt die Aufzählung der Strafen, die jeweils einzeln erläutert und erklärt werden. Auf eine vollständige Darstellung des Prozeßverfahrens sowie der einzelnen Straftatbestände musste ich leider verzichten, da dies zu umfangreich geworden wäre.
Zum Schluß werden nochmals verschiedene Grundsätze der Bestrafung genannt, die in den vorangegangen Erklärungen der Strafen noch nicht deutlich zum Ausdruck gekommen sind.

Aus diesem Aufbau ergibt sich folgende Gliederung:

A Das Vergeltungsprinzip im jüdischen Recht

  • Allgemeine Erläuterung zu den Straftheorien
    • Absolute Straftheorien
    • Relative Straftheorien
    • Synkretistische Straftheorien
  • Einordnung des jüdischen Rechts in den Bereich der Straftheorien
  • Die Vergeltung durch Vorhersehung
  • Die Vergeltung durch die verletzte Einzelperson
  • Die Vergeltung durch die Richter
  • Abschließende Bemerkung zum Vergeltungsprinzip

B Die verschiedenen Strafarten

  • Mosaische Strafen
    • Die Todesstrafe
    • Die Leibesstrafe
    • Die Geldstrafe
    • Strafe der Ausrottung
    • Strafe des Todes durch Macht des Himmels
  • Talmudisch-rabbinische Strafen
    • Die Geldstrafe
    • Die Leibesstrafe
    • Strafen, die den Betreffenden aus dem Verkehr ziehen
  • Die Gefängnisstrafe
  • Allgemeine Grundsätze

1. Allgemeine Erläuterung zu den Straftheorien

Es sind drei Straftheorien bekannt:

a) Absolute Straftheorien
b) Relative Straftheorien
c) Synkretistische Straftheorien

a) Absolute Straftheorien

Der Grundgedanke dieser Theorien ist der der Vergeltung. Grund und Voraussetzung für die Bestrafung ist das Verbrechen, welches durch die Ausübung der Strafe gesühnt werden soll. Das begangene Unrecht soll durch gleiche oder gleichwertige Wiedervergeltung aufgehoben werden. Die Vergeltung auszuüben ist ein Muß und geschieht auf Grund eines göttlichen Auftrages an den Staat oder eines kategorischen Imperatives, einer ästhetischen oder logischen Notwendigkeit. Im Rahmen der absoluten Straftheorien ist die Negation des Verbrechens der einzige Sinn und Zweck der Strafe.

b) Relative Straftheorien

Der Zweck der Strafe soll hier ausschließlich dem Schutze und dem Wohle der Gesellschaft dienen. Somit ist im Gegensatz zu den absoluten Straftheorien nicht die Vergeltung ausschlaggebend, sondern die Berechtigung zur Bestrafung liegt allein in dem zukünftigen Zweck, die Sicherung der Gesellschaft und ihrer Güter gewährleisten zu können. Ob dieser Schutz schon allein durch die Androhung der Strafe oder erst durch deren Ausführung, beides soll zur Abschreckung dienen, gewährleistet werden kann ist innerhalb einer Theorie der relativen Straftheorien stark umstritten. Eine andere Theorie geht davon aus, dass der Zweck des Schutzes durch die Prävention erreicht werden kann. Wiederum andere Theorien, die so genannten Besserungstheorien, betrachten das Vergehen entweder als eine Art von Krankheit, die der Heilung bedarf oder einer Art von Unmündigkeit, die der Nacherziehung bedarf. Die Strafe, die hier also zur Heilung bzw. Nacherziehung dient, ist somit zum Besten des Täters. Drei Prinzipien lassen sich aus den bisher genannten relativen Theorien herleiten: Abschreckung, Unschädlichmachung und Besserung, welche, wenn überhaupt, sehr schwer zu vereinen sind. Allgemein geht man bei den relativen Straftheorien von dem Gedanken aus, dass ein erneutes Übel, womit hier die Strafe gemeint ist, kein bereits passiertes Übel, also das Verbrechen, ungeschehen machen kann. Somit erhält der Staat als strafzuweisende Macht die Aufgabe als Beschützer, wobei er auch den Eingriff in das Rechtsgut eines Einzelnen mit dem allgemeinen Schutz der Rechtsgüter für die Gesellschaft rechtfertigen kann.

c) Synkretistische Theorien

Darunter fallen die Versuche die relativen Straftheorien mit den absoluten Straftheorien zu vereinen. Die Fülle der synkretistischen Theorien auszuführen wäre hier zu umfangreich, jedoch lässt sich die Vielfalt schon aus den vielen Möglichkeiten der absoluten und relativen Straftheorien erdenken. Zu sagen ist wohl noch, dass die Versuche beide Straftheorien, gemeint ist die absolute und relative, in der synkretistischen Theorie zu vereinen am häufigsten waren und sind. Selbst unser heutiges Strafrecht gründet in einem solchen Vereinigungsversuch.

2. Einordnung des jüdischen Rechts in den Bereich der Straftheorien

Allgemein erscheint es als einleuchtend, dass der Gedanke des Vergeltungsprinzips, welcher dem natürlichen Rechtsgefühl am ehesten entspricht, in der Vergangenheit und auch heute noch erheblich auf das Recht und dessen Verständnis eingewirkt hat. Besonders deutlich erscheint dies beim jüdischen Recht, welches keinen unerheblichen Einfluss auf das spätere römische Recht, mittelalterliche und neuere Recht hatte und bei dem der Vergeltungsgedanke besonders stark ausgebildet ist. Nach jüdisch-rechtlicher Ansicht wurde durch das Verbrechen, auch einer Einzelperson aus der Gesellschaft, die gesamte jüdische Gemeinde verletzt und betrogen; durch die Vergeltung geschah der notwendige Akt der Sühne zum Ausgleich für die Gerechtigkeit, wodurch das Gleichgewicht wiederhergestellt werden sollte. Dieser Gedanke kommt besonders ausgeprägt in dem Grundsatz zur Geltung, dass die Strafe der Schuld gegenüber gleichwertig sein soll; diese wohl bekannte Regel findet sich im 2. Buch Mose 21, 23 ff.: "...Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde." Wichtig ist hier noch anzumerken, dass das jüdische Recht keineswegs nur auf die absolute Theorie aufbaut. Vielmehr überwiegt der Gedanke der Vergeltung gegenüber der relativen Theorie stark, wodurch diese jedoch keineswegs völlig ausgeschlossen wird.

3. Die Vergeltung durch Vorhersehung

Gemeint ist hier die Bestrafung durch Gott selbst. "Ich, der Ewige, durchforsche das Herz, prüfe die Nieren, um zu vergelten einem Jeden nach seinen Wandel, nach der Frucht seiner Handlungen." Jeremia 17,10 Diesem liegt der Gedanke der Allwissenheit und Allmacht Gottes zu Grunde, der das wahre Ich eines jeden kennt und dementsprechend bestraft. Der Glaube, dass Gott einen jeden kennt und nach dessen Handeln und Wirken bestraft, war allezeit feste Überzeugung des jüdischen Volkes. Die Vorsehung sollte ein Ausgleich zwischen Verdienst und Schicksal erstellen. Die Vergeltung durch Vorhersehung war somit ein Zeichen der Gerechtigkeit Gottes ( Psalm 62,13 ) und lehrte die Ehrfurcht vor Gott (Hesekiel 6,10).

Gott allein war auch die Vergeltung mit oder durch Rache erlaubt.

4. Die Vergeltung durch die verletzte Einzelperson

Generell war die Vergeltung durch die Einzelperson streng untersagt.

Im 3. Buch Mose 19,18 heißt es: "Du sollst dich nicht rächen." und in den Sprüchen 20,22 heißt es: "Sprich nicht, ich will das Böse vergelten! Harre des Herrn, der wird dir helfen." Hier finden wir wieder den Verweis auf die Vergeltung durch die Vorhersehung. Nicht der Verletzte und Geschädigte soll die Strafe vollziehen, weil ihm eine objektive Beurteilung der Lage nicht möglich ist und er deshalb keine gerechte Strafe erteilen könnte. Somit soll verhindert werden, dass sich in der Strafe persönliche Rache verwirklicht und manifestiert. Diese Aufforderung geht sogar so weit, dass eine göttliche Vergeltung nicht zur persönlichen Freude des Verletzten gedeihen soll, er sogar seinem Feinde noch Liebesdienste erbringen soll und nicht einmal durch Unterlassung seiner Rache Ausdruck geben darf. ( Sprüche 24,17 und 2. Buch Mose 23,4 und 5 ) Wichtig ist hier festzuhalten, dass das Vergeltungsprinzip keine Form der persönlichen Rache darstellte.

5. Die Vergeltung durch die Richter

Um nun eine Verbindung zwischen Gott und dem Geschädigten, der dadurch nicht mehr allein auf die göttliche Vorsehung zu hoffen braucht, herzustellen, steht der Richter als vermittelndes Medium. Er selbst ist von Gott eingesetzt ( 5. Buch Mose 1,17 :) und untersteht wiederum dessen Gericht, dem gegenüber er sich für seine Rechtsprechung verantworten muss. In dem Richter findet der Verletzte bzw. Angeklagte einen unparteiischen Dritten, der das Urteil und Verhängung von Strafen ohne Beeinflussung persönlicher Rachegefühle fällen kann und die Strafe damit objektiviert.
Auch die richterliche Strafe gründet in der Idee der Vergeltung, was sich in den Strafgesetzen deutlich zeigt. Die Form der Gesetze und Fassung der Strafandrohung zeigt indes deutlich, dass schon der Gesetzgeber von dem Gedanken ausgleichender Gerechtigkeit geleitet wurde.
Auch hier bleibt zu betonen, dass die Vergeltung durch das Richterurteil nicht zur Befriedigung des persönlichen Rachegefühls des Verletzten dienen sollte.

6. Abschließende Bemerkung zum Vergeltungsprinzip

Allgemein lässt sich somit festhalten, dass das Vergeltungsprinzip, welches das jüdische Recht wesentlich beherrscht, und die daraus verhängten Strafen nicht ein Akt der Rache darstellen, was im Gegenteil von der Thora streng verboten ist, sondern zur Wiederherstellung des Heils der Gesellschaft dienten, abschrecken sollten und zur Sühne des Verbrechens ausgeübt wurden.

Die Strafen werden in mosaische und talmudisch-rabbinische Strafen unterteilt.

Mosaische Strafen werden in der Thora selbst angeführt, talmudisch-rabbinische Strafen sind später festgesetzte.

1. Mosaische Strafen

a) Die Todesstrafe
b) Leibesstrafe
c) Geldstrafe

Darüber hinaus gibt es noch die von Gott verhängten und somit dem weltlichen Gericht entzogenen Strafen:

d) Strafe der Ausrottung
e) Tod durch die Macht des Himmels


a) Die Todesstrafe

Die Todesstrafe war wiederum Ausdruck des Vergeltungsprinzips. Im 1. Buch Mose 9,6 heißt es: "Wer Menschen Blut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschenhand vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht." Wer das Leben eines Menschen, der als Gottes Ebenbild gilt, zerstört, der verwirkt dadurch sein eigenes. Auch ist hier wiederum die Sühnung der Gemeinschaft der Sinn der Strafe ( 4. Mose 35,33 ). Ursprünglich sollte die Einführung der Todesstrafe die Ausübung der Blutrache eindämmen. Später wurde sie allgemein für Mordvergehen, aber auch für andere schwere Verbrechen, z.B. die Untergrabung des Gottesglauben, verhängt. Jedoch war ihre tatsächliche Ausübung äußerst selten, da strenge Bedingungen zu Gunsten des Angeklagten gestellt wurden. Ein Geständnis des Täters reichte für eine Verurteilung nicht aus. Der Täter musste zum einen mit Vorsatz gehandelt haben, zum anderen musste er im vollen Bewusstsein der Strafbarkeit seiner verbrecherischen Handlung gehandelt haben. Damit man sich diesem Bewusstsein des Täters sicher sein konnte, verlangte man eine dem Täter gegenüber unmittelbar bei der Tat ausgesprochene Verwarnung. Diese hatte von einem der Zeugen oder einer anderen Person erfolgen müssen. Auch musste man davon ausgehen können, dass der Täter diese Verwarnung richtig verstanden hatte und in dem Bewusstsein "Ich tue es trotzdem" gehandelt hatte. Diese besondere Regel der Verwarnung galt bei der Todesstrafe und bei der Geißelstrafe. Weiterhin mussten die Zeugen getrennt voneinander, jedoch stets in der Anwesenheit des Angeklagten befragt werden und durften dem Inhalte nach in ihren Hauptaussagen nicht voneinander abweichen. Letztendlich entschied ein Gerichtshof von 23 Richtern über den Angeklagten, wobei ein qualifiziertes Mehr von mindestens zwei Stimmen vorliegen musste; andererseits durfte kein einstimmiges Todesurteil vorliegen, weil dann der Verdacht eines Vorurteils gegen den Angeklagten nahe lag. Am Tage einer Hinrichtung durften die Richter weder Essen noch Trinken zu sich nehmen. Es gab vier Arten der Todesstrafe: Die Steinigung, das Verbrennen, die Enthauptung und die Erdrosselung. Bei der Steinigung wurde der Verurteilte gebunden und vom ersten Zeugen von der erhöhten Gerichtsstätte gestoßen, wodurch er sich das Genick brechen sollte. War er aber durch den Sturz nicht Umgekommen, so warf der Zeuge den ersten Stein, darauf das ganze Volk. Diese Art der Hinrichtung hatte außerhalb der Stadt zu erfolgen und wurde nur an Männern vollzogen.
Das Verbrennen ist hier nicht wörtlich zu verstehen und bedeutet keinen Flammentod im ursprünglichen Sinne. Der Verurteilte wurde erwürgt und der Leiche daraufhin geschmolzenes Blei in den Mund gegossen. Somit könnte man dies als innerliches Verbrennen bezeichnen.
Bei der Enthauptung wurde dem Verurteilten mit einem Schwert das Haupt abgeschlagen.
Die Erdrosselung erfolgte mit einem Tuch, das man dem Verurteilten um den Hals legte und durch das er erwürgt wurde. Bei allen Todesstrafen bekam der Verurteilte vor der Hinrichtung einen betäubenden Trank, damit er die Schmerzen nicht so spürte.

b) Geiselstrafe

Die Geißelung, auch Malkut genannt, sollte den Übeltäter durch die Schmerzen der Geißelhiebe und die ihm dadurch zugefügte Demütigung bestrafen. Dabei verlor der Bestrafte jedoch nicht seine Ehre. Es galt der Grundsatz. "Sobald er bestraft ist, ist er wieder dein Bruder." ( 5. Mose 25,3 )

Die Verurteilung zur Geißelstrafe geschah durch ein Dreirichterkollegium. Daher genügte auch das Mehr einer Stimme zur Verurteilung oder zum Freispruch. Auch hier genügte weder das alleinige Geständnis des Angeklagten oder ein einziger Indizienbeweis. Eine Verwarnung des Angeklagten hatte ebenfalls zu erfolgen gehabt.

Die Ausführung der Geißelstrafe erfolgte mit einem Lederriemen vor- und rückwärts auf den nackten Oberkörper. Es durften höchstens 39 Hiebe erteilt werden. Die Bestrafung hatte in Anwesenheit der Richter zu erfolgen. Ein Gerichtsdiener, der mehr Herz und Verstand als Kraft haben sollte, musste mit voller Wucht zuschlagen; einmal auf die Brust, zweimal auf den Rücken - solange bis die Anzahl der Strafhiebe erfüllt war.

Die Anzahl der Hiebe musste immer durch drei teilbar sein. Die Zumessung der Anzahl erfolgte nach der Leibesbeschaffenheit des Angeklagten. Dieser sollte keinen bleibenden Schaden von der Bestrafung davontragen. War die zu bestimmende Anzahl der Schläge fraglich, so wurde ein ärztliches Urteil herangezogen. War die Zahl dieses Urteils nicht durch drei teilbar, so wurde die nächst kleinere Anzahl für die Bestrafung angenommen.

c) Die Geldstrafe

Die Geldstrafe war immer vom Verurteilten an den Geschädigten, nicht etwa an den Tempel oder Fiskus zu zahlen. Sie war unabhängig von Wert oder Eigentumsverhältnissen festgesetzt und stellte eine eigentliche Strafe dar; sie war genau vom Schadensersatz abgegrenzt.

Die Verurteilung zur Geldstrafe geschah ebenfalls durch ein Dreirichterkollegium. Der Zeugenbeweis war ebenfalls unerlässlich, jedoch war eine vorherige oder unmittelbare Warnung dem Angeklagten gegenüber nicht notwendig.

Die Bibel nennt folgende Geldstrafen:

50 Schekel bei Vergewaltigung einer Jungfrau (5. Mose22,29) 100 Schekel bei Verleumdung der Ehefrau durch den Ehemann ( 5. Mose 22,19 ) 30 Schekel bei Tötung eines Sklaven durch einen Ochsen ( 2. Mose 21,32 ), wobei die Strafe vom Ochsenbesitzer an den Sklavenbesitzer zu zahlen war. Bei einem Diebstahl war der doppelte Wert des gestohlenen Gutes zu entrichten.

Konnte ein Verurteilter die Strafe nicht in Geld oder sonstigen Mobilien bezahlen, so wurde dem Beschädigten eines der besten Grundstücke des Verurteilten im Wert der Geldstrafe übergeben. Hatte der Schuldige dies nicht, so musste er dem Geschädigten eine Schuldurkunde aushändigen.

Von den mosaischen Geldstrafen wurde man durch ein Geständnis befreit. Es galt der Grundsatz: "...wer hinsichtlich einer Geldstrafe eingesteht ist frei..." ( b. B. K 41b )

d) Strafe der Ausrottung

Die Strafe der Ausrottung, auch Karet-Strafe genannt, war eine Art der Todesstrafe. Sie war eine nicht vom weltlichen Richter zu fällende Entscheidung, sondern wurde nach jüdischem Glauben durch Gott selbst ausgesprochen.

Über die Strafarten innerhalb der Strafe der Ausrottung gibt es verschiedene Meinungen. Die einen sagen, dass sie sich in Kinderlosigkeit oder frühem Tod der Nachkommen ausdrückt ( b. Sabb. 25A ); andere meinen, sie drücke sich in einer Verkürzung der Lebensdauer aus ( b. M. K. 28a ). Eine nächste Meinung wiederum spricht von einer Ausschließung aus dem zukünftigen Leben (b. Sanh. 64b ). Jedoch sollte bei Anwendung der Geißelstrafe die Karet-Strafe nicht mehr in Betracht kommen. Eine Ausnahme zu dieser Regelung kam allerdings dann in Betracht, wenn ein Verbrecher bereits mit einer Geißelstrafe bestraft worden war und nun die selbe Straftat erneut begangen hatte und weitere Geißelungen auch ohne den gewünschten Erfolg blieben. Dann wurde er als unverbesserlicher Frevler in einen engen Raum gesperrt und bei kärglicher Kost bis an sein Lebensende gehalten. Dieselbe Strafe der Einsperrung ereilte auch einen Mörder, bei dem die Tat feststand, er aber auf Grund der gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen nicht zur Todesstrafe verurteilt werden konnte.

e) Der Tod durch die Macht des Himmels

Auch die Strafe des Todes durch die Macht des Himmels war keine vom irdischen Gericht ausgesprochene Strafe, sondern ein durch Gott ergangenes Urteil.

Sie galt im Bezug auf die Karet-Strafe als die Schwächere und traf nur den Täter selbst, nicht aber dessen Verwandte bzw. Nachkommen ( b. Sabb. 20a ).

2. Talmudisch-rabbinische Strafen

a) Geldstrafe
b) Leibesstrafe
c) Strafen, die den Betreffenden für eine bestimmte Zeit aus dem Verkehr ziehen

aa) Strenge Rüge, die mit Verachtung verbunden ist
bb) Bann ohne Verwünschung
cc) Bann mit Verwünschung


a) Die Geldstrafe

Die Festsetzung der talmudisch-rabbinischen Geldstrafe wurde im Gegensatz zur mosaischen Geldstrafe mit Rücksicht auf den Stand der jeweiligen Verhältnisse des Angeklagten vollzogen.
Diese Art der Geldstrafe wurde bei Ehrverletzungen oder Beleidigungen verhängt, wobei damit insbesondere auch die Beleidigung eines Schriftgelehrten gerügt wurde.

b) Die Leibesstrafe

Die Geiselstrafe nach talmudisch-rabbinischer Vorschrift wurde auch Makkat-marud-Strafe genannt.
Diese Art der Strafe war eher ein Zwangsmittel, da sie über jene verhängt wurde, die ein mosaisches Gebot oder eine rabbinische Vorschrift freventlich nicht erfüllen wollten.

Die Anzahl der Geiselhiebe war nicht festgesetzt. Eine Meinung vertrat, dass die Geißelung so lange vollzogen werden sollte, bis der Verurteilte Besserung gelobte. Eine andere Meinung war der Ansicht, dass die Erteilung von 13 Schlägen anzunehmen sei.

Die Strafe der Makkut mardut wurde im Gegensatz zur Strafe der Malkut auch außerhalb des Landes, so z.B. in Babylonien, vollzogen.

c) Strafen, die den Betreffenden für eine bestimmte Zeit aus dem Verkehr ziehen

aa) Eine mit Verachtung verbundene strenge Rüge

Diese Art der Strafe dauerte in Palästina sieben Tage, in Babylonien allerdings nur einen Tag. Der Betreffende musste sich für die Zeit der Strafe verpflichten, einsam und Buße übend zu Hause zu bleiben und jeder Freude schmerzerfüllt fernzubleiben.

bb) Bann ohne Verwünschung

Durch den Bann ohne Verwünschung wurde der Verurteilte "ausgestoßen". Der Bann dauerte im allgemeinen dreißig Tage und wurde automatisch verlängert, wenn der Verurteilte nicht um dessen Aufhebung ersuchte. Während der Zeit des Banns durfte niemand Kontakt mit Verurteilten pflegen oder sich in seine Nähe setzen und der Verurteilte durfte keinen Gottesdienst besuchen.

cc) Bann mit Verwünschung

Durch den Bann mit Verwünschung wurde der Verurteilte "verbannt". Es galten die gleichen Regeln für den Verurteilten wie bei einem Bann ohne Verwünschung; zusätzlich durfte der Verurteilte in kein Dienstverhältnis gestellt werden und keine Geschäfte abwickeln. Der Bann mit Verwünschung wurde verhängt, wenn der Verurteilte nach einem Bann ohne Verwünschung nach Ablauf der 30 Tage die Aufhebung des Banns nicht beantragte. Wenn der Verurteilte weiterhin in seiner Widerspenstigkeit verharrte und auch diesen Bann nicht aufzuheben ersuchte, so wurde die "Verbannung" über ihn ausgesprochen.

3. Die Gefängnisstrafe

Die Gefängnisstrafe ist dem mosaischen Recht fremd. Zwar kannte man das Festhalten einer Person an einem bestimmten Ort, jedoch stellte dies lediglich eine Sicherung der Person und nicht eine Art der Strafe dar (z.B.: 4.Mose 15,32).

Eine große Ausnahme bildet hierzu das Festhalten des Verbrechers aus der Karat-Strafe, wobei man diese Maßnahme streng gesehen zu den rabbinischen Vorschriften zählen sollte.

Die Beschränkung der Freiheit war ferner als Ersatz für den Beschädigten denkbar, aber wiederum nicht als Strafe zu verstehen. Solche Fälle lagen vor, wenn ein Dieb den Wert der gestohlenen Sache nicht ersetzen konnte. Dann wurde er selbst als hebräischer Knecht verkauft und durch den Verkaufspreis dem Geschädigten der Wert ersetzt.

Ein andere Fall für den Grund einer Freiheitsbeschränkung war die fahrlässige Tötung eines Menschen. Hierauf wurde der Betroffene ins Exil, als Verbannung bekannt, verwiesen. Dies war nicht als Bestrafung für den Betroffenen zu verstehen, sondern galt als eine Zufluchtsstätte, um ihn vor Bluträchern zu schützen. Diese Zufluchtsstätte hatte der Verurteilte unter keinen Umständen zu verlassen. Die Dauer des Exils war mit dem Ableben des zum Zeitpunkt des Urteils eingesetzten Hohenpriesters verbunden und konnte somit auch lebenslänglich für den Betroffenen wirken. War zu der Zeit des Urteils zur Verbannung kein Hohenpriester im Amt, so galt sie lebenslänglich.

Das Exil stellte somit teils einen Schutz des "unfreiwilligen Mörders" vor der Blutschande dar, andererseits war es aber auch zur Sühne zu Gunsten der Blutrache zu verstehen.

Das Exil wurde auch vor einem Urteil vorübergehend zum Schutze des Angeklagten verhängt. Wenn das Gerichtsurteil nicht sofort gesprochen werden konnte, so wurde der Betroffene in eine Zufluchtsstätte gebracht, um ihn vor einem vorschnellen Übergriff durch die Blutschande zu bewahren. Sobald ein kompetentes Gericht die Verhandlung aufnehmen konnte, war er diesem vorzuführen, worauf er den Freispruch oder seine Strafe zu erwarten hatte.

Später entwickelte sich die Verbannung, entgegen ihrem ursprüngliche Sinn, zu einer Art der Strafe.

4. Allgemeine Grundsätze zur Bestrafung

Hatte der Täter bei einem Verbrechen mehrere Straftaten gleichzeitig begangen, so war er nur nach der schwersten Tat zu bestrafen. Es galt der Grundsatz: "Die größere Strafe hebt die kleinere auf.". Das Gerichtsverfahren hatte sich somit auf die schwerste Anklage zu beschränken.

Die Strafe durfte nie härter als die gesetzlich vorgeschriebene ausfallen und durfte nur den Täter selbst treffen. Es galt der Grundsatz: "Kinder dürfen nicht bestraft werden wegen der Vergehen ihrer Eltern." (5. Mose 24,16)

Das Recht des Beschädigten war mit der Strafe an dem Verurteilten erloschen; der Beschädigte durfte nach einem Gerichtsurteil zu dem an ihm geschehenen Verbrechen keine weiteren Ansprüche dem Verurteilten gegenüber geltend machen. Die Strafe allein stellte die erforderliche Sühne dar.