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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

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Studium - Hausarbeiten - Die jüdische Gesetzgebung in einer Gegenüberstellung mit dem germanischen Recht

Studium

Die jüdische Gesetzgebung in einer Gegenüberstellung mit dem germanischen Recht

Anna Helene Gehbauer

Bei Dr. Gabriel Miller, Sommersemester 2004

Gliederung

  • A Die Gesetzeskorpora des Pentateuch
    • Vorwort
    • Die israelitischen Institutionen vor und während der Monarchie
      • a) Die ältesten von Israel
      • b) Die Stadtältesten
    • Die Gesetzeskorpora des Pentateuch
      • a) Der Dekalog
        • aa) Der Dekalog
        • bb) Der kultische Dekalog
      • b) Das Bundesbuch
      • c) Das Heiligkeitsgesetz
      • d) Der Priesterkodex
      • e) Das deutereonomische Gesetz
    • Die Ausdrucksweise des Gesetz
    • Verwandtschaft mit den Gesetzbüchern des
      • a) Mesopotamien
      • b) Hethitiern
    • Die Monarchie
      • a) Der König als Gesetzgeber
      • b) Der König als Richter
    • Berufsmäßige Richter und der oberste Gerichtshof
    • Eigenarten des israelitischen Gesetzes
      • a) Das Gesetz als Vertrag mit Gott
      • b) Der göttliche Ursprung des Gesetzes
      • c) Wirkungen des Gott gegebenen Gesetzes
      • d) Der Mensch vor dem Gesetz
      • e) Humanität des Gesetzes
  • B) Die Germanen
    • Die soziale Bedingungen
    • Der frühmittelalterliche Prozess
    • Die Volksrechte
    • Beeinflussung durch fremde Rechte
  • C) Gegenüberstellung des jüdischen und des germanischen Rechts
    • Die Haltung gegenüber der Ehe/Frau
      • a) Bei den Germanen
      • b) Bei den Israeliten
    • Die Haltung gegenüber Sklaven
      • a) Bei den Germanen
      • b) Bei den Israeliten
    • Abschließender Kommentar

Literaturverzeichnis

1. Bibel-Lexikon
Herbert Haag, Tübingen 

Biblisches historisches Handwörterbuch,
Bo Reiche und Leonhard Rose, 1962

Calwer Bibellexikon,
Theodor Schlatter, 2. Auflage, 1967

Der Gottesbund im AT,
Dennis J. McCarthy, 1966, Stuttgart

Die Bibel im heutigen Deutsch,
Deutsche Bibelgesellschaft, 1993, Stuttgart

Die Bibel und ihre Welt Band 1
Gerhard Johannes Botterweck und
G. Cornfeld, 1991, Bergisch Gladbach 

Die Bibel und ihre Welt Band 2,
Gerhard Johannes Botterweck und
G. Cornfeld, 1991, Bergisch Gladbach

Enciclopedia; Judaica Band 7,

Jüdisches Lexikon Band 2, 1930

Jüdisches Lexikon Band 4, 1930

Deutsche Rechtsgeschichte Band 1,
Karl Kroeschell, 3. Auflage, 2001,
Wiesbaden

A. Die Gesetzeskorpora des Pentateuch

1. Vorwort

Gesetzte sind Ausdruck von Gebräuchen, Ethik und Traditionen eines Volkes. In der  hebräischen Sprache ist Tora gleichbedeutend mit Gesetz. Tora ist ein vom Verb jarah („ werfen“) abgeleitetes Nomen, welches auch lehren oder unterweisen bedeutet. Bei dieser etymologischen Vorgeschichte ist es nicht verwunderlich, dass Gesetzgebung wörtlich dann auch Schenkung der Tora bedeutet. ( Jüdisches Lexikon Band IV 1930 S. 555) Die verschiedenen Gesetzgebungsakte der Bibel, werden als Ereignisse der göttlichen Offenbarung/ Schenkung verstanden.

Doch das Wort Gesetz hat in der hebräischen Sprache nicht nur eine einzige Bedeutung sondern vielfältige, so z.B. ist Gesetz auch der Name für die fünf Bücher Moses (Pentateuch). Diese fünf Bücher enthalten die Hauptlehren der jüdischen Religion, sowie das alte jüdische Recht, und kultische Vorschriften.

Dabei ist es nicht verwunderlich, dass Moses der große Gesetzgeber des  alten Israels ist, da das Recht der Gesetzgebung ausschließlich der Volksversammlung zu stand, während die Priester oder die königliche Gewalt keinen entscheidenden Einfluss darauf besaßen. Die Verpflichtung auf ein bestimmtes Gesetz erfolgte in Form eines Vertrages (des Bundesschlusses), bei dem das Volk die Befolgung der betreffenden Gesetze bekunden musste, und der Vertrag dadurch Gesetzeskraft erlangte.

- „Dann nahm er das Buch, in dem er das Bundesgesetz aufgeschrieben hatte, und las es den Israeliten laut vor. Wir werden alles gehorsam tun, was der Herr uns befiehlt.“ ( Ex. 24, 7) ( Gesetzgebung S. 381f.)

2 Israelische Institutionen vor und während der Monarchie

Die Juden waren ein Volk das laut biblischer Überlieferung aus 12 ( eigentlich 13).

Stämmen bestand. Die Israeliten waren Halbnomaden die, die kanaanitische Urbevölkerung Palästinas teilweise aus deren Territorium verdrängte, und dort sesshaft wurde. Im sozialen Gefüge der Israeliten spielten Familien eine tragende Rolle. Vor und teilweise auch während der Monarchie kam den Vertretern der Familien größte Bedeutung zu.

a) Die Ältesten von Israel

So z.B. der Institution der Ältesten von Israel. Sie waren eine knapp 70 Männer starke Gruppe, die in politischen Belangen die Vertreter der Israeliten waren. Ihre Stellung hervorstechende Stellung in der Gesellschaft gründete sich ursprünglich in der Würde ihres hohen Alters, denn in Familien und Sippen galt die Autorität der Alten.

Die israelitische Gesellschaft war patriarchisch strukturiert, die Ältesten hatten in ihrer Großfamilie die absolute Macht inne, konnten sogar über das Leben und den Tod der ihren verfügen. Obwohl im eigentlich alle Familienoberhäupter den gleichen Rang hatten, übten im größeren Verband des Stammes die Familienoberhäupter der mächtigsten Familien die Autorität aus, im Krieg als Anführer und im Frieden durch Rechtsprechung. So hatten sie auch die Aufgabe Streitigkeiten innerhalb ihres eigenen Stammes abspielten zu schlichten. Streitigkeiten die sich jedoch zwischen unterschiedlichen Stämmen abspielten, bedurftem der Schlichtung durch Sprecher der Stämme. Die Stammesältesten bildeten also eine Art Adel von Israel. Weshalb Verträge ( Bund) zwischen Gott und Israel nicht nur durch das Volk, sondern auch nur stellvertretend durch die Ältesten geschlossen werden konnten.

b) Die Stadtältesten

Durch die Landnahme veränderten sich Konfliktlösungsbedürfnisse der Israeliten. An die Stelle des verwandtschaftlichen Konfliktlösungssystems trat ein örtliches, denn mit der Entwicklung einer städtischen Kultur entstand auch eine Stadtaristokratie. Sie hatten im kleinen, städtischen die Macht und den Einfluss den die Ältesten für ganz Israel ausübten. Sie waren neben dem Stadtoberhaupt die wichtigste Institution für die Städte. Der Stadtrat umfasste etwa sieben Mitglieder, der aus den einzelnen Familienoberhäuptern bestand. In den kleineren Städten unterlag vor der Monarchie auch die Gerichtsbarkeit den Stadtältesten. Sie saßen vorm Stadttor und sprachen dort Recht in dem sie z.B. Verträge bestätigten oder Urteile fällten wobei jeweils eine große Menge von Stadtbürgern (freie Männer) zugegen waren. Die Entscheidungen, die die Stadtältesten am Stadttor trafen, waren bis zur Monarchie bindend, konnten aber in der Monarchie dem König „ in zweiter Instanz“ zur entgültigen entscheiden vorgelegt werden. Ein weiterer Aspekt ihrer Aufgabe bestand im Urteilsvollzug.

2. Die Gesetzeskorpora des Pentateuch ( Thora)

Die Hauptgesetzessammlung des alten Israels ist die Gesetzeskorpora des Pentateuch( s.u.). Beim Pentateuch handelt es sich um kein einheitliches, in einem Guss entstandenes Gesetzeswerk, da es eine Sammlung voneinander unabhängiger Bestimmungen darstellt. Es gab also nicht wie im heutigen deutschen Recht üblich eine Trennung zwischen Strafrecht und Zivilrecht, sondern es standen im damaligen israelitischen Recht strafrechtliche Normen neben Sozialgesetzen. Wobei die kultischen Bestimmung in der Normenhierarchie über den sonstigen Normen des Pentateuch standen, da man annahm das sie doch im wesentlichen der göttlichen Natur näherstanden. (die Bibel und ihre Welt Band 1 Seite 555)

a) Der Dekalog

Das wohl bedeutendste und erste Gesetzeswerk des Pentateuch sind die Dekaloge. Sie enthalten die wichtigsten und ältesten Bestandteile des mosaischen Glaubens. Bei den Dekalogen handelt es sich um kurz Zusammenfassungen der wichtigsten Prinzipien und Forderungen der jüdischen Religion. Die Dekaloge haben aufgrund ihre Bedeutung die zukünftigen Gesetzestexte inhaltlich stark beeinflusst. In den Dekalogen sind Regeln niedergeschrieben, die das Verhältnis des Menschen zu Gott, und solche, die das Verhältnis der Menschen zu einander betreffen. D.h. die Dekaloge bestehen im wesentlichen aus religiösen ( z.T. auch kultischer Art) wie aus ethischen Normen. Die juristischen Bestimmungen haben in der Regel die Form einer sachlichen Erörterung, und werden durch eine Bedingung eingeleitet. D.h. auf ein ganz bestimmtes Verhalten folgt das und das.

Die religiös- sittlichen Gebote der Dekaloge stehen meist im Imperativ: „du sollst das und das tun oder nicht tun.“ An der Tatsache, dass Moses der Stifter der Dekaloge ist besteht kein Zweifel, fraglich ist jedoch, wie viel von der heutigen Fassung noch dem Original Mosestext entstammt. Von den übrigen Geboten und Satzungen des Pentateuchs heben sich die des Dekalogs dadurch heraus, dass sie unter gewaltigen Naturerscheinungen, als ein durch den Mund des Mittelsmanns Moses zu verkündendes erscheinen, und dass der Text als Ganzes zweimal erhalten ist, in Exodus und Deuteronomium.

aa) Der Dekalog ( Ex. 20. 1-18; Deut. 5, 5- 21)

Der ursprüngliche Dekalog sind die 10 Gebote Gottes an Israel. Laut biblischer Überlieferung führte Moses die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten in die Wüste. Bei einem der vielen Halte in der Wüste campierten die Israeliten am Fuße des Berges Sinai, welchen Moses bestieg und dort 40 Tage und Nächte verweilte. Nach genau 40 Tagen offenbarte sich Gott Moses, in einer gewaltigen Naturerscheinung und erhob seine Stimme. Nach dem Midrasch kamen die zehn Gebote zur gleichen Zeit aus dem Munde Gottes, wobei sich die Stimme Gottes dabei in 70 einzelne Stimmen teilte, und in alle Richtungen seine göttlichen Gebote und Verbote aussprach.

Während im gleichen Moment seine Weisungen an sein auserwähltes Volk in seiner Schrift auf Stein gemeißelt vom Himmel fielen.

Die 10 Gebote

  • Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt, ich habe dich aus der Sklaverei befreit. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
  • Du sollst Dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis
  • Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen der seinen Namen missbraucht.
  • Vergiss nicht den Tag der Ruhe
  • Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehren.
  • Du sollst nicht töten.
  • Du sollst nicht Ehebrechen.
  • Du sollst nicht töten.
  • Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
  • Du sollst nicht begehren Deines Nächsten, Frau, Sklaven, Rinder oder Esel, noch irgend etwas das ihm gehört.

Die 10 Gebote bestehen ausschließlich aus religiös- sittlichen Forderungen. Die Einleitung, in der Gott daran erinnert, dass er die Israeliten aus der Knechtschaft geführt hat, begründen geschichtlich Gottes Recht zur Gesetzgebung. (Bibellexikon S. 209).

Das erste und zweite Gebot, umfassen die Verkündung von Jahwe als dem Gott der die Israeliten aus Ägypten geführt hat. Die Abkehr vom Götzendienst wird zur Voraussetzung für den Bundesschluss zwischen Gott und Israel. Die Allmacht Gottes, sowie Lohn und Strafe werden ausführlich geschildert. Die ersten zwei Gebote heben sich stark von den übrigen acht ab, da sie als einzige der 10 Gebote, im Ich-Ton gehalten sind, d.h., dass sie die unmittelbare wörtliche Rede Gottes wiedergeben.

Während von Gott im 3. Gebot bereits nur in der dritten Person die Rede.

Inhaltlich untersagt es den Missbrauch vom Gottesnamen. Damit soll allen heidnischen Versuchen durch Magie über Jahwe Macht zu gewinnen Einhalt geboten werden. ( Bibellexikon S. 210) 

Das 4. und 5. Gebot weisen eine positive Form auf. Im 4. Gebot wird die Heilighaltung des Ruhetags angeordnet. Bemerkenswert ist, dass das 4. Gebot die einzig kultische Norm des ursprünglichen Dekalogs ist.

Das 5. Gebot ordnet die Ehrung der Eltern durch die Kinder an, bei Befolgung des Gebots wird dem Kind irdischer Lohn verheißen.

Die Gebote 6.- 8. befassen sich mit dem Verbot des Mordes, Ehebruchs und Diebstahls, und heben sich stilistisch von der mehr epischen Form der vorangegangenen Gebote scharf ab.

Und schließlich befassen sich die beiden letzten Gebote mit dem Umgang mit seinen Mitmenschen, sie sind verneinend gehalten und verbieten das Lügen, und die Gier nach fremden Eigentum, aus welchem in  Ex. das Haus welches man nicht für sich begehren solle, in Deut. das Ehefrau herausgehoben werden.

bb) Der kultische Dekalog ( Ex. 34, 14- 26)

  • Ihr dürft keinen anderen Gott anbeten. Ich der Herr, heiße der Anspruchsvolle, und Ich beanspruche ungeteilte Liebe. Schließt keinen Bund mit den Bewohnern des Landes, damit ihr nicht zu ihren Opfermählen einladen, und verheiratet eure Söhne und Töchter nicht mit Ihnen.
  • Ihr dürft keine Götterbilder machen.
  • Ihr sollt das Fest der ungesäuerten Brote halten, wie ich es euch befohlen habe.
  • Jede Erstgeburt gehört mir. Wenn eure Rinder, Schafe und Ziegen als erstes Junges ein männliches Tier werfen, müsst ihr es für mich aussondern. Für ein erstgeborenes Eselsfohlen sollt ihr mir als Ersatz ein einjähriges Schaf oder eine einjährige Ziege geben, und ihm das Genick brechen.
  • Nur sechs Tage in der Woche sollt ihr arbeiten, am siebten Tag dürft ihr keine Arbeit tun.
  • Das Pfingstfest sollt ihr feiern, wenn die Weizenernte vorüber ist, und im Herbst das Fest der Lese. Dreimal im Jahr müssen alle Männer Israels zum Heiligtum des Herrn, ihres Gottes, kommen.
  • Ihr dürft zum Fleisch des Mahlopfers kein Brot essen, das mit Sauerteig zubereitet ist. Das Fleisch des Passaopfers darf nicht bis zum anderen Morgen aufbewahrt werden.
  • Die ersten Früchte euer Felder müsst ihr in das Heiligtum des Herrn, eures Gottes, bringen
  • Ihr dürft ein Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen.

Nachdem Moses von Gott die ursprünglichen 10 Gebote erhalten hatte, stieg er den Berg wieder herab, um dem Volk die Tafeln zu zeigen. Als er dort an kam zeigte sich das Volk anzügig, und sündig. Sie hatten sogar in seiner Abwesenheit einen Stiergott aus ihrem Goldschmuck gefertigt, weil sie annahmen das Jahwe sie verlassen hätte. Als Moses das alles sah, wurde er sehr wütend und ließ die ursprünglich Tafeln zu Boden fallen. Was zur Folge hatte, dass er erneut auf den Sinai steigen musste, um ein zweites Mal Gottes Gebote zu empfangen.

Während der erste Dekalog nach der Überlieferung von Gott selbst stammen soll, und auch die Schrift Gottes aufweist (Ex. 32, 15-16), soll der kultische Dekalog Moses Handschrift tragen. Seinen Namen verdankt der kultische Dekalog dem Umstand, dass er fast ausschließlich kultische Vorschriften enthält. So z.B. das Verbot des Götzendienstes, die Verpflichtung auf die drei Hauptfeste des Jahres und die dreimalige Wallfahrt, sowie die Bestimmung von der Gottgeweihtheit der Erstgeborenen aller Lebewesen. Abgesehen von dieser Abweichung zum ursprünglichen Dekalog, kehren fast ausnahmslos die Gebote des eigentlichen Dekaloges wieder, sie werden eben nur durch eine Reihe von ethischen und kultischen Normen ergänzt. Die auf göttlichen Befehl von Moses dem ganzen Volk verkündet wurden und das Kennwort: „ ihr sollt heilig sein“ tragen.

b) Das Bundesbuch

Der Name Bundesbuch erhielt das Gesetz aufgrund seines jetzigen literarischen Zusammenhangs mit der Bundschließung am Sinai (2. Moses 24,7).  Von den meisten Gelehrten wird behauptet, dass es sich beim Bundesbuch um das älteste israelitische Gesetzbuch ( Ex. 20, 22- 23, 33) handelt. Das Bundesbuch enthält kultische Vorschriften über Gottesbilder, Altarbau, und heilige Abgaben.

Diese leiten dann über zu einer größeren Sammlung von Rechtssprüchen (Ex. 21, 1- 22, 16), die vor allem durch ihre im wenn-Stil gefasste Rechtsformulierungen einheitlich wirkt, z. B:

- „Wenn jemand seinen Knecht oder seine Magd (Sklave) ein Auge schlägt und verderbt es, der soll sie frei loslassen um das Auge“ (2Moses 21, 26)

- „Wenn ein Israelit einen hebräischen Sklaven kauft, darf er ihn höchstens sechs Jahre lang für sich arbeiten lassen. Im siebten Jahr muss er ihn freilassen und darf kein Lösegeld verlangen.“ (2Mose 21, 2)

Sie befassen sich mit dem Schuld- und Blutrecht, mit der Schadensersatz- und Haftpflicht, mit Depot-, Pfand –und Asylrecht, kurz mit allem was rechtliche Relevanz.

Obwohl das Bundesbuch nicht genau datiert werden kann, sprechen einige Normen des Bundesbuch für eine Entstehungszeit um das 10 Jh. v. Chr. So z.B. werden sowohl Getreidebau und Rinderzucht ( 21, 28- 31ff.),

- „Wenn ein Mann sein  Vieh auf seine Felder treibt und es nicht beaufsichtigt, so dass es auch das Feld eines anderen abweidet, muss dem Geschädigten das Beste vom Ertrag seines eigenen Feldes oder Weinbergs geben.“( 2. Moses 22, 4)

- „Aber am siebten Jahr lass alles brachliegen und sich erholen. Was dann von selbst wächst, sollen die Armen essen, den Rest überlass dem Wild. Ebenso sollst du es mit deinen Weingärten und Ölbäumen halten.“ ( 2. Moses 23, 11)

Auch werden im Bundesbuch Darlehen bereits in Geld erstattet (21, 22, 34). An den Bestimmungen zum Schutze des Eigentums lässt sich auch ablesen, dass die Gesetzgeber ( 21, 33-22, 14) bei der Gesetzgebung bäuerliche Verhältnisse im Auge gehabt haben. Wirtschaftliche Themen wie der Handel oder der Verkehr spielen in der Gesetzgebung hingegen noch keine große Rolle. Die Normen des Bundesbuches  sind auf die Bedürfnisse eines bereits sesshaft gewordenen Volkes aus Hirten und Landwirten ausgerichtet. Was zusätzlich zu parallelen mit dem babylonischen Kodex Hamurabi dazu führt, dass die Bibelwissenschaftler das Bundesbuch auf die zweite Hälfte des 10. Jh. v. Chr. datieren. ( Bibellexikon)

Der 3.Teil  22, 17 bis 23, 19  enthält sowohl kultische als auch sittliche Forderungen, die meist als unbedingte Rechtssätze formuliert sind, z.B:

- „Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen.“ (2. Moses 22, 17)

- „Wer anderen Göttern opfert außer dem Herrn, muss aus Israel ausgerottet werden“ (2. Moses 22, 19)

Diese Formulierungen wurden vermutlich gewählt, weil es sich hier um Gebote handelt, die sich mit der Heilighaltung des religiösen Lebens (2. Moses 22, 17- 19) beschäftigen. Weiterhin enthält das Bundesbuch Gebote die der Rücksichtsnahme gegenüber Schwächeren dienen sollen, so z.B. das Gebot der Feindesliebe (2. Moses 23, 4f.), sowie Normen zur Durchsetzung der sozialen Gerechtigkeit (2. Moses 22, 21,) und das Wucherverbot und das Sabbatjahr.

- „Wenn du einem Armen aus meinem Volk Geld leihst, verhalte dich ihm gegenüber nicht wie ein Wucherer.“ (2. Moses 22,24)

Den Abschluss (2. Moses 23, 20- 33) bilden Mahnungen und Verheißungen für den Fall das Israel den Weisungen Gottes gehorcht. (Bibellexikon S. 179)

- „Ehrt mich alleine, den Herrn, euren Gott, dann werde ich dafür sorgen, dass es in eurem Land genug zu essen gibt und ihr reichlich Wasser habt.“(2. Moses 23, 25)

Die meisten Normen des Bundesbuches bestehen aus einem Rechtsfall erörternden Konditionalsatze ( Tatbestand), dem der die Strafe bestimmende Nachsatz folgt ( Rechtsfolge), sowie es in fast allen alten jüdischen oder orientalischen Gesetzessammlungen der Fall war. Die Normen sind vermutlich dem Gerichtsverfahren kleinerer Stämme oder lokaler Gerichte entlehnt. Andere Rechtssätze sind aber auch in Befehlsform, oder bzw. als strenges Verbot ( „Du sollst nicht“) geschrieben, so z.B. die kultischen und moralischen Vorschriften. (Bibellexikon S. 274.) (S. 1237. Jüdisches Lexikon Band 1)

c) Das Heiligkeitsgesetz (Lev 17- 26)

Gliederung

  • Schlachtung von Tieren nur am gesetzlichen Heiligtum ( 3. Moses 17)
  • Verbot geschlechtlicher Verwirrung ( 3. Moses 18)
  • Ihr sollt heilig sein denn ich bin heilig ( 3. Moses 19) ( Anlehnung an die 10 Gebote)
  • Strafen für schwere Verwirrungen ( 3. Moses 20)
  • Besondere Reinheitsvorschriften für Priester ( 3. Moses 21)
  • Wer von den Opfergaben essen darf ( 3. Moses 22)
  • Vorschriften für Opfertiere ( 3. Moses 22)
  • Gottesdienste am Sabbat und an den großen Festen ( 3. Moses 23)
  • Sabbatjahr und Erlassjahr ( 3. Moses 25)
  • Gehorsam bringt Glück und Segen. ( 3. Moses 26)

Seinen Namen verdankt das Heiligkeitsgesetz der in Levitikus 17- 26 öfters belegten Formel: „Seid heilig, denn ich bin heilig, Jahwe euer Gott“, die seit A. Klostermann um 1877 für den Komplex Levitikus 17- 26 geprägt wurden. Das Heiligkeitsgesetz ist vermutlich der älteste Teil des Priestergesetzes, der  zu Anfang oder Mitte der Königszeit entstanden ist. Und wurde als Lebensordnung und Maxime für die Zeit konzipiert, da die Exzilierten nach Palästina heimkehren werden. Eingeleitet wird das Heiligkeitsgesetz durch die Worte:„ wenn ihr in das Land kommt ...“ ( 3. Moses 19, 23). Diese Formulierung wählte der Sammler (der Heiligkeitsgesetze) auch, um einen Bogen zur exilischen Situation mit jener vor der ersten Landnahme zu machen. In der Hoffnung Jahwe werde sich ein zweites mal als der Gott Israels beweisen, und sein Volk erneut befreien und herausführen. ( Bibellexikon S. 694) Es diente aber nicht nur dazu die Hoffnung auf die Heimkehr zu stärken, sondern sollte auch den Bundesgedanke fördern, was sich der häufig belegten Formel: „Ich bin der Herr euer Gott“ wiederspiegelt. Diese Formel im Heiligkeitsgesetz verpflichtet Israel zu einem bundesgemäßen Verhalten, und in ihr bekennt sich Jahwe auch zugleich zu seinem Bundesvolk, das er einst aus Ägypten geführt hat. entsteht das Heiligkeitsgesetz.

In ihm kommt dem Kultus eine tragende Rolle zu. Bezeichnend für das Heiligkeitsgesetz sind die Ehe- und Keuschheitsgesetze, die in zwei Ausführungen vorliegen ( Lev. 18, 1- 30; 20, 1- 21).

-„ Keiner von Euch darf mit einem Blutsverwandten geschlechtlich verkehren. Ich bin der Herr!“ ( 3. Moses 18, 6)

-„ Du darfst nicht mit einer Frau schlafen, die ihre monatliche Blutung hat, denn sie ist in dieser Zeit unrein.“ ( 3. Moses 18, 19)

Das Heiligkeitsgesetz zeigt sich sowohl in der Anredeform, dem Inhalt, sowie dem ermahnenden Ton stark vom Deuteronominum beeinflusst. Auch die wichtigsten sozialen Forderungen des Deut. Kehren hier, z.T. in veränderter Form, wieder: so das Verbot des Wuchers,

-„ Fordere keine Zinsen von ihm, wenn du ihm Geld leihst, und verlange die Lebensmittel die du ihm gibst nicht mit Aufschlag zurück. Nehmt meine Weisungen ernst und sorgt dafür, dass euer Bruder neben euch leben kann.“ ( 3. Moses 25, 36- 37)

die Bestimmungen zugunsten der Schutzbedürftigen, wie Tagelöhner und Fremdlinge ( 19, 9. 10. 13. 33),

-„ Auch eure Weinberge sollt ihr nicht ganz ablesen und die heruntergefallenen Trauben nicht aufheben. Lass etwas übrig für die Armen und die Fremden, die in eurem Land wohnen. Ich bin der Herr, euer Gott.“ ( 3. Moses 19, 10)

-„ Beugt niemals das Recht. Bevorzugt weder den Armen und Schutzlosen noch den Reichen und Mächtigen. Wenn jemand einen Rechtsfall zu entscheiden hat, muss allein die Gerechtigkeit kein Maßstab sein.“ ( 3. Moses 19, 15)

und vor allem die Jobel- Gesetzgebung ( Lev. 25), eine Umarbeitung der älteren Sklavengesetze. Neu ist die Bestimmung über die Unverkäuflichkeit des Grundbesitzes. Grundstücke dürfen nur bis zum Jobeljahr verpachtet werden. Das fünfzigste Jahr ( das Jobeljahr) soll ein Jahr der Befreiung sein: „ da sollt ihr ein jeder wieder zu seinem Geschlecht kommen“ ( 3. Moses 25, 10).

d) Der Priesterkodex

Beim Priesterkodex handelt es sich um eine Quellenschrift des Pentateuch, die häufig gleich bleibende Formulierungen verwendet. Inhaltlich hat das Pentateuch eine Vorliebe für Genealogien ( z.B. 1 Mose 5, 1 ff...) sowie für genaue chronologische Angaben. Einen großen Teil des Priestercodexes macht die Gottesrede aus, der der Mensch schweigend gehorcht. Und erst nach der dritten Rede Gottes 1Mose 17, 18 spricht der Mensch zum ersten Mal.( Bibellexikon) Weit mehr als im Heiligkeitsgesetz dominiert der Kultus im sog. Priesterkodex ( s. Gen. 9, 1- 7; 17...) Denn rechtliche Bestimmungen enthält der Priestercodex nur wenige. So z.B. über das Erbrecht ( Num. 27, 1- 11; 36, 1- 12),

- „ Die  Töchter Zelofhads haben Recht sie sollen neben den Brüdern des Vaters erbberechtigt sein und den väterlichen Grundbesitz erben.“ ( 4. Moses 27, 7) über die Verteilung des Landes ( Num. 33, 50- 54)

- „ Nehmt das Land und teilt es durch Los unter euch auf und gebt jedem Stamm einen Anteil der der Zahl seiner Angehörigen entspricht.“ ( 4. Moses 33, 53- 54), über Mord und Totschlag  ( 35, 9- 34)

- „ Wenn aber jemand einen anderen mit einem Stein oder einem eisernen oder hölzernen Gegenstand erschlagen hat, ist er ein Mörder und muss mit dem Tod bestraft werden.“ ( 4. Moses 35, 16- 18) und das Verfahren gegen die der Untreue beschuldigten Ehefrau ( Num. 5, 11-31).

- „ ... Das Wasser gibt er der Frau zu trinken, damit es in ihr wirken kann. Hat sie tatsächlich Ehebruch begangen, so wird das Wasser ihr bittere Qualen verursachen: ihr Bauch wird anschwellen und ihre Geschlechtsorgane werden einschrumpfen.“ ( 4. Moses 5, 27- 28)

Die restlichen Normen befassen sich fast durchweg mit dem Tempel, Opfern oder den Priestern. Daraus lässt sich folgern, dass die Gesetzgebung in der Wüstenzeit, mehr dem einer religiösen Gemeinde als dem einer weltlichen, politischen Gemeinschaft entsprochen hat. Der religiöse Charakter des Priestercodex kommt auch in seinem Stil zum Ausdruck. In ihm wird die Tonart des Volksredners durch den juristischen, reglementierenden Stil des priesterlichen Gesetzgebers ersetzt. Die Verfasser des Priesterkodex sucht die Bibelwissenschaft in den Kreisen der exilierten Priester in Babylonien.

e) Das deuteronomische Gesetz ( Deut 12- 26)

  • Ein zentrales Heiligtum für ganz Israel (5.Moses 12)
  • Unterscheidung von Opfer und Schlachtung( 5.Moses 12)
  • Warnung vor der Nachahmung fremder Bräuche( 5.Moses 12)
  • Der zehnte Teil der Ernte gehört dem Herrn (5.Moses 14)
  • Schuldenerlass im siebten Jahr (5.Moses 15)
  • Freilassung von Sklaven im siebten Jahr( 5.Moses 15)
  • Bestimmung für die Darbringung von Erstgeburten ( 5.Moses 15)
  • Das Passafest (5.Moses 16)
  • Das Pfingstfest (5.Moses 16)
  • Das Laubhüttenfest (5.Moses 16)
  • Reinheit des Gottesdienstes ( 5.Moses 17)
  • Der Unterhalt der Priester ( 5.Moses 18)
  • Asylstädten für Todschläger (5. Moses 19)
  • Verfahren bei einem unaufgeklärten Mord ( 5. Moses 21)
  • Scheidung und Wiederverheiratung ( 5. Moses 24)
  • Schutz der Schwachen ( 5. Moses 24)
  • Begrenzung der Prügelstrafe ( 5. Moses 25)

Beim deuteronomischen Gesetz handelt es sich um eine Sammlung von Gesetzen die vermutlich zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten entstanden und sukkeziv zustande gekommen sind, so wie es die Umstände erforderten. Darum werden sie im Pentateuch nicht systematisch sondern verstreut wiedergegeben( Bibellexikon S. 578). In welcher Zeit das deuteronomische Gesetz erlassen wurde ist unklar, da aus dem deuteronomischen Gesetz selbst keine Zahlen hervorgehen die eine Datierung des deuteronomischen Gesetzes möglich machen könnten. Es wird aber in einer Darstellung des Königsbundes ausdrücklich bezeugt, dass der König Joschija im Beisein der Priester und Ältesten einen Bund mit dem Volk geschlossen hat um es auf dieses Gesetz zu verpflichten. ( II. Kön. 23, 1-3; vgl. Deut. 29, 9- 14). So dass man seine Entstehung wohl auf das 8-7  Jh. vor Chr. datiert wird, d.h. also erst gegen Ende der Königszeit ( S. 377 Gesetzgebung). Außer der eigentlichen Gesetzessammlung über die ausführliche Berichte vorliegen ( Deut Kap. 12- 26) die staatliche, soziale und privatrechtliche Bestimmungen umfasst, enthält das deuteronomische Gesetz die wichtigste, in das religiöse Leben einschneidende Kultreform. So wird der Opferdienst der in jeder israelitischen „Provinz“ stark ausgeprägt war, auf eine einzige Kultstätte in Jerusalem beschränkt.

4. Ausdrucksweise der Gesetze

In der im Laufe der Zeit veränderten Ausdrucksweise in der die Gesetzesbücher abgefasst sind, zeichnet sich die Veränderung der Lebensverhältnisse ab. Archaische Gesetze wie die des Bundesbuches stehen ohne Erklärungen oder Motiv trocken formuliert, als kaususistisches oder apodiktisches Gebot. Im Gegensatz dazu steht der fließende, rhetorische Stil des Deuteronominum und die ursächlich begründete Art seiner Gesetze. Auf dieser Entwicklungsstufe will der Gesetzgeber seinen Leser überreden und gibt Erklärungen und Gründe, um seine Vorschriften zu festigen. ( Die Bibel und ihre Welt Band 1 S. 559)

5. Verwandtschaft mit den Gesetzbüchern des Vorderorient

Da die Israeliten vor der Landnahme quasi ein  Nomadenvolk waren und ständig in den Ungrenzenden Ländern im Laufe der Jahrhunderte hin und her wanderten ist es nicht verwunderlich, dass diese Gesetzessammlung starke Parallelen zu den anderen Gesetzesbüchern im Vorderorient aufweist.

a) Mesopotamien

Die israelitischen Gesetzesbücher haben dem mesopotamischen Recht die gemeinsame Richtung auf die Erziehung gemein. Jedoch weist ein direkter Vergleich der mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten auf, sowohl in den Gesetzen selbst als auch in den sozialen und ethischen Wertungen auf denen sie beruhen. Durch die mesopotamischen Gesetze war der König die oberste Autorität, und er alleine entschied in allen Sachen der Regierung und Rechtsprechung. Der Stein selbst auf den sie geschrieben waren, sollte das Denkmal eines gerechten Königs sein; in der Nachschrift zu seinem Gesetzbuch bedroht Hamurabi jeden, der versuchen sollte, seine Entscheidungen umzustoßen mit schwerer Strafe.“  ( Die Bibel und ihre Welt Band 1 S. 552.)

In den Israel hatte der König jedoch andere Aufgaben.

b) Hethien

Aufbauschema hethitischer Vasallenverträge:

  • Präambel, in der der Großkönig eingeführt wird.
  • Der geschichtliche Prolog, der die vorgängigen Beziehungen zwischen den beiden vertragsschließenden Parteien beschreibt.
  • Die Bestimmungen, die den Charakter des Verhältnisses umschreiben, das durch den Vertrag geschaffen wird.
  • Die Urkundenklausel, eine Verordnung über die Aufbewahrung der Vertragsurkunde im Tempel und ihre regelmäßige öffentliche Vorlesung
  • Die Liste göttlicher Zeugen des Vertrages
  • Die Fluch- und Segensformel, wobei der Fluch von der Untreue, der Segen von der Treue zu Vertrag abhängig gemacht wurde.

Der Dekalog beginnt mit der Selbstvorstellung: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat. Was der Präambel im hethitischen Vertragsformular entspricht(s.o.), und auch gleichzeitig die Voraussetzung 2 eines historischen Prologs erfüllt. Und zwar wird die vorgängige Beziehung zwischen Gott und Israel  Gott beschrieben, indem im ersten Gebot Gott seinen Eingriff in die Geschichte des Volkes, mit dem er den Bund schließt geschildert wird. Sein Anspruch auf dessen Lehnstreue ist begründet oder wenigstens nochmals motiviert durch den Hinweis auf seine in der Geschichte erwiesene Großmut. Dann kommt unmittelbar der Übergang zur Willenserklärung des Oberherrn, der weniger auf Einzelheiten als auf grundlegende Prinzipien geht. Man findet die parallelen zur hethitischen Vertragsform aber nicht nur im Dekalog sondern vielmehr in allen Gesetzesbüchern die im Pentateuch verstreut sind. ( Dennis Mc Carthy Der Gottesbund im AT S. 32.)

6. Die Monarchie

a) Der König als Gesetzgeber

In der Zeit der Monarchie wurden die Gesetze dann genauer ausgearbeitet und entwickelt, dem König fiel dabei aber eine äußerst geringe Rolle zu. Denn im Gegensatz zu den anderen Monarchien im Vorderorient, kam dem König der Israeliten nicht auch automatisch die Rolle des Gesetzgebers zu. Die israelitischen Wurzeln der Gesetzgebung findet man in der Zeit vor der Monarchie, was auf die Vorstellung zurückzuführen ist, dass die Gesetze göttlichen Ursprungs sind und nur durch diesen geändert werden könnten. So blieben die religiösen Vorschriften trotz der sich änderten Lebensbedingungen im Laufe der Zeit nahezu unwandelbar. Kurz und knapp gesagt, war Gott der einzige Gesetzgeber, und die Thora war sein Gesetzbuch, dem auch der König unterworfen war. ( Dt. 17, 2. 18- 20 ) So ist es nicht verwunderlich, dass in der gesamten Geschichte Palästinas nur ein Gesetz zustande gekommen ist, welches von einem König ( David) erlassen wurde. (die Bibel und ihre Welt Band 2)

b) Der König als Richter

Wenn dem König in der Gesetzgebung auch eine schwindend geringe Rolle zugekommen ist, hat das aber nicht dazu geführt, dass er in den Tagen der Monarchie keinen großen richterlichen Einfluss gehabt hätte. Das die Rechtsprechung eine der Hauptaufgaben des Königs war, lässt sich vor allem aus der Tatsache ableiten, dass das Volk von Samuel verlangte, dass er diesem einen Könige salbe, damit dieser sie richte. Jeder Israelit hatte das Recht seinen Fall dem König vorzutragen ( 2 Sam 12 ). So wie der König bei bestimmten Fällen, beim ersten Verhör anwesend war, und auch die Einsprüche gegen die Entscheidung anderer Richter zu entscheiden hatte. ( 2 Sam 14). So ist es wahrscheinlich, dass der König die Position des höchsten Richters am obersten Gerichtshofs innehatte, und dadurch Entscheidungen des Königs die Qualität eines Präzedenzfalls hatten.

7. Berufsmäßige Richter und der oberste Gerichtshof

Nachdem die Monarchie in Israel Einzug gehalten hatte, blieb es nicht mehr nur den Stadtältesten oder dem König vorbehalten Recht zu sprechen, sondern es wurde eigens durch den König ( Josephat) der Berufsstand des Richters eingeführt und bestellt. Unklar bleibt wie sich die Kompetenz zwischen den Stadtältesten und den berufsmäßigen Richtern aufgeteilt haben. D.h. ob die berufsmäßigen Richter nur in besonderen Fällen zurate gezogen wurden, oder ob sie gleichberechtigt mit den Stadtältesten tätig wurden. Sicher belegt ist nur, dass ausgesprochen schwierige Fälle vor dem obersten Gerichtshof in Jerusalem verhandelt wurden. ( Dt. 17, 8- 13). Die Mitglieder des ersten obersten Gerichtshofs in der Geschichte waren eine Gruppe von Priestern, Leviten und Familienoberhäuptern. Es ist schwer zu differenzieren welchen Autoritätsbereich der bürgerliche Richter gegenüber dem religiösen Richter hatte. Fest steht nur, dass trotz  der Vorstellung, dass alle Rechte von Gott gegeben sind und somit kein formaler Unterschied zwischen zivilrechtlichen oder religiösen Normen bestehen müsste, ausschließlich der Priester in allen Angelegenheiten des Rituals, der Heiligkeit, oder Unreinheit zu entscheiden hatte. Diese Fallzuteilung lässt darauf schließen, dass wohl kein formaler Unterschied zwischen weltlichem und religiösen Recht bestand, ein Unterschied faktischer Natur aber nicht geleugnet werden kann.

Während dem Richter in der deutschen Aufklärung die Rolle eines Subsumtionsautomaten zugedacht wurde, d.h. der Richter an den Wortlaut des Gesetzes gebunden war, sind die sog. Mosaischengesetz, ursprünglich nicht als bindende Satzung für die Richter gedacht gewesen, unter welche sie die vorgetragenen  Fälle zu subsumieren hatten gedacht gewesen. Sondern entsprach es ursprünglich der Sitte die vorgetragenen Fälle nach gängigem Brauch und Verhalten d.h. gewohnheitsrechtlich zu beurteilen.

Die Aufgabe des Rechts bestand also vornehmlich darin, die Auffassung der Gemeinschaft von Recht und Gerechtigkeit auszudrücken, anstatt nur ein starres Regelwerk zu sein. Dem israelitischen Recht und der Rechtsprechung kam also vielmehr eine erzieherische und nicht alleine richtende Absicht wieder.

8. Eigenart des israelitischen Gesetzes

a) Das Gesetz als Vertrag mit Gott

Der Bund zwischen Gott und Israel war im großen und Ganzen wie ein Varsallenvertrag konstruiert, und wurde auch wie ein solcher aufgefasst. Was sich vor allem aus den ersten Sätzen des Pentateuch ablesen lässt, die wie ein solcher aufgebaut sind. Nach Überzeugung der Israeliten wurde dieser Vertrag, der die Israeliten zu Gottes ausgewähltem Volke machte am Sinai durch den Bund geschlossen. Durch welchen die Existenz der Israeliten als eigene Volksgemeinschaft mit eigener Religion und eigenem Gesetzessystem begründet wird.

Der Dekalog durch den der Bund am Sinai geschlossen wurde, machte die Halbnomadenstämme zu einer religiösen Gemeinschaft. Der Bund hat jeden Israelit mit Gott verbunden, und die einzelnen Stämme durch ihre Eide zu einem Volk vereinigt. Durch den Bund haben sich die Israeliten von den anderen Völkern in ihrem Umfeld abgehoben, da sie fortan anderen Götter abschwören mussten, und somit das erste monotheistische Volk im Orient waren. Auch mussten sie nun alle Regeln des Bundes im täglichen Miteinander umzusetzen.

Der Bund gab jedem Israelit quasi die Stellung eines Vasallenfürsten, der nur dem Willen Gottes, wie er im Bund manifestiert ist unterworfen war. Die Verantwortlichkeit und die Freiheit jedes Israeliten wurde durch das religiöse Band des Bundes umgrenzt. So wie auch alle Verpflichtungen der Gottesverehrung durch den Bund genauestens umrissen wurden.

b) Göttlicher Ursprung

Die Israeliten glauben wie oben geschildert an den göttlichen Ursprung der Gesetze. Aufgrund der Gottgegebenheit der Gesetze hat der einfachste Bürger ebenso wie auch der König selbst den Gesetzen bedingungslos folge zu leisten. Die einzige Stelle in der der König überhaupt genannt ist, weist ihn darauf hin, sich der Autorität Gottes zu unterwerfen.

-„ Wenn er den Thron bestiegen hat, muss er sich dieses Gesetzbuch abschreiben lassen, das die Priester aus dem Stamm Levi aufbewahren. Er soll die Abschrift stets greifbar haben und alle Tage darin lesen. So lernt er, den Herrn, seinen Gott, ernst zu nehmen und alle Gebote dieses Gesetzbuches sorgfältig zu beachten.“

(Dt 17, 14- 20) Gott ist der einzige Gesetzgeber und Richter, da sie das mosaische Recht Gott selbst zu schreiben.

c) Wirkung des gottgebenen Gesetzes

Der Glaube, dass ein Gesetz buchstäblich von Gott stammt, bedeutet, dass es absolut und unaufhebbar bindet. Wenn dagegen ein Gesetz von einer menschlichen Autorität erlassen ist, kann es immer verändert werden, wobei nicht entscheidend ist ob es von der gleichen oder einer anderen menschlichen Autorität geändert wird. Gebote und Verbote können sich verändern, aber die ihnen zugrunde liegende Macht des göttlichen Willens gilt für immer.

Bei dieser Betrachtungsweise wird klar, wieso Mesopotamier und Israeliten Gesetzesübertretungen unterschiedlich gehandhabt haben.

Im Mesopotamien in dem die Könige die Gesetze erließen, hatte das Gesetz die Aufgabe, den Staat und seine Bürger zu schützen. In welcher Weise das geschehen sollte, bestimmte der König, der zu den Gesetzen seines Landes in gleicher Beziehung stand wie Gott zu dem Gesetz der Bibel. Wer in Mesopotamien ein Gesetz übertrat, zeigte damit seinen ungehorsam gegen seinen König war damit, womit auch dieser die Macht hatte zu entscheiden, wie und ob er den Missetäter bestrafen sollte.

So war bei den umliegenden Völkern ( Babylon, Assyrien und bei den Hethitern) Ehebruch ein öffentliches Verbrechen, dass den Tod des Ehebrechers zur Folge hatte. Aufgrund der Mesopotamischen Rechtsvorstellung, konnte der König in einem solchen Fall, den Ehebrecher begnadigen, wenn der beleidigte Gatte seiner Frau vergab ( die Frau des Ehebrechers wurde dabei nicht gefragt). Das Gesetz schütze den Gatten in seinen Rechten, aber wenn er nicht darauf bestand, brauchte das Gesetz nicht gegen seinen Willen durchgesetzt werden.

Nach dem israelitischen Gesetz wurde weder der Gatte der Ehebrecherin gefragt, noch konnte das eingreifen des Königs angerufen werden. Denn Ehebruch war ein Verbrechen gegen das göttliche Gesetz, das weder der Ehemann noch der König (als oberste menschliche Autorität) vergeben konnte. Die Strafe war in diesem Fall der Tod. Weil diese Strafe von Gott gesetzt war, musste sie unbedingt verhängt werden. Vergeben konnte nur Gott. Der unterschied zwischen dem Mesopotamischen Recht und dem israelitischen Recht bestand also nicht darin, dass Verbrechen nicht vergeben werden konnten, sondern dass keine menschliche Autorität aus sie vergeben konnte. Es konnte also nur ein Vertreter Gottes solch eine Vergebung aussprechen.

Das Gesetz hatte eine zentrale Bedeutung in der israelischen Religion. Jede Übertretung irgendeines Teilgesetzes war ein Verstoß gegen Gott. Das Gesetz war der wichtigste Bestandteil der Erziehung und bestimmte folglich die Mentalität der israelitischen Gemeinschaft.

d) Der Mensch vor dem Gesetz

In der Orientalischen Welt, so z.B. bei den Mesopotamiern, maß sich der Wert eines Menschens bzw. seine Rechte und Pflichten vor dem Gesetz an der Klasse der er zugehörte.

In Israel lag der Gesetzgebung jedoch ein anderes Menschenbild zugrunde. Vor dem israelitischen Gesetz zumindest theoretisch alle Menschen gleich. Da nach biblischer Überlieferung alle Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen hat. ( Vergleiche Schöpfungsgeschichte Adam und Eva), waren somit theoretisch alle Menschen ohne Rücksicht auf ihre Klassenzugehörigkeit gleich. Gott gibt allen das Gleiche Gesetz so wie alle nach Gottesebenbild geschaffen wurden. Job 31, 13-15. Faktisch waren in Palästina aber auch manche Menschen gleicher als andere.

e) Humanität des Gesetzes

So ist es verständlich, dass das Gesetz Israels in Relation zu dem der anderen Völker im Vorderorient überaus human war. Das israelitische Recht zeugt von großen Respekt gegenüber dem Leben, dem und Eigentum, denn sie haben einen unvergleichbaren Wert im Judentum. Wie es vor allem am Beispiel der Sklavenhaltung deutlich ins Auge springt (s.u.).

B. Die Germanen

1. Die sozialen Bedingungen

Die Germanen setzten sich aus verschiedenen Stämmen zusammen. Die Stammesgröße der Germanen variierte etwa zwischen 100- mehrere Tausend Angehörige, abhängig von der Größe der Verwandtschaftsgruppen auf denen sie aufbauten.  Das soziale Gefüge der Germanen, war im wesentlichen durch die Sippen- und Großfamilien bestimmt. Ähnlich wie auch bei den Juden hatten die Germanen in ihrem Familienverband ein Oberhaupt. Das Familienoberhaupt hatte gegenüber den Haus- und Familienangehörigen die absolute Gewalt inne, so dass besonders Sklaven und Hausknechte praktisch keinen Rechtsschutz genossen.

„Dass man einen Sklaven peitscht und mit Gefängnis oder Strafarbeit züchtigt, ist selten: niederzuschlagen pflegen sie ihn, nicht mit Beherrschung und Strenge, sondern in Wut uns Zorn wie einen Feind; abgesehen davon ist es straflos.“

Das patriarchische Familienoberhaupt hat auch nach außen die Belange der Familie vertreten. Ähnlich wie der Ältestenrat der Israeliten, gab es bei den Germanen eine Institution namens Thing, dort trafen sich die waffenfähigen Männer der Gemeinschaft in regelmäßigen Abständen. Thingversammlungen standen als Opferversammlungen unter göttlichem Friedenschutz, und bildeten so auch verfeindeten Gruppen die Möglichkeit sich dort problemlos zu begegnen. Im Thing wurden die Häuptlinge und Führer gewählt, und das Thing entschied über Krieg und Frieden.

Alle wichtigen Entscheidungen die bei uns heute die Gerichte fällen würden, wurden damals im Thing getroffen. War ein Mitglied einer Sippe verletzt oder gar getötet worden, so bestand für die übrigen Sippengenossen die Möglichkeit der Blutrache. Das Thing konnte aber auch wegen Tötungen, Körperverletzungen oder Eingriffen in das Eigentum angerufen werden. Die Zahlung von Bußen z.B. in Gestalt von Vieh an die Sippe war die Regelmäßigkeit Sanktionen, die das Thing für Rechtsverletzungen verhängte. In den einzelnen Stämmen lebten die Germanen, wie auch die Juden, von Landwirtschaft und Viehzucht.

2. Der frühmittelalterliche Prozess

In den Volksrechten finden sich auch wenige Regelungen über den Prozess. Das Verfahren unterlag bereits bestimmten strengen Formen. Nicht alle Streitigkeiten wurden bei „ Gericht“ ausgetragen. Sehr vieles ist hier unsicher.

Das „ Gericht“ bestand zu Beginn des Frühmittelalters aus einem Verhandlungsleiter und dem Umstand. Dem die waffenfähige männliche Bevölkerung angehörte, und deren Aufgabe es war zu jedem der feststehenden Gerichtstage erscheinen und im Kreis um die Gerichtsstätte zu stehen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich bei den Germanen das Schöffentum. Die Schöffen traten zwischen den Verhandlungsleiter ( Stammeshäuptling) und die waffenfähigen Männer, und machten dann die Urteilsvorschläge, die vom Umstand gebilligt wurden, oder nicht. Kam es aber zu einer besonders schweren Anschuldigung, so konnte den Schöffen der Eid nicht mehr ausreichend erscheinen, und sie ordneten ein Gottesurteil an, ein Orakel.

3. Volksrechte

Wie auch die Israeliten, waren die Germanen zu anfangs nicht sesshaft gewesen. Nach Ablauf der Völkerwanderungszeit wurden die germanischen Stämme rund ums heutige Deutschland sesshaft, und es entstanden die sogenannten Volksrechte ( z.B. leges barbarorum).

Darin wurde i.d.R. das Gewohnheitsrecht des entsprechenden germanischen „ Volkes“ aufgezeichnet.

Es gab jedoch in deren Rechtsauffassung der Germanen und der Juden gravierende Unterschiede. Im jüdischen, hatte wie bereits oben erwähnt, dass kultische und moralische den höchsten Stellenwert. Die germanischen Gesetzbücher enthielten dagegen bevorzugt straf-, erb- und prozessrechtliche Regelungen.

Auch die Intention hinter der Gesetzgebung weist große Unterschiede zwischen Juden und Germanen aus. Bei den Juden, hatte die Gesetzgebung erzieherische Motive.

Bei den Germanen die unter großen Einfluss der Rechte römischer Föderalen standen, und so automatisch mit dem römischen Vulgarrecht in Kontakt kamen, erschien es dagegen geboten, ihr eigenes Gewohnheitsrecht aufzuzeichnen. Bzw. bei der immer größer gewordenen Rechtsgemeinschaft auch geboten ihr Recht schriftlich zu fixieren.

4. Beeinflußung durch fremde Rechte

Im Rahmen der Erforschung der Volksrechte ergab sich die Frage, inwieweit die Volksrechte römisches Recht enthielten. Heute ist allseits anerkannt, dass die Volksrechte eine wohl kaum zu entwirrende Mischung aus germanisch-gewohnheitsrechtlichen Rechtssätzen und solchen des römischen Vulgarrechts darstellen.

C. Gegenüberstellung des jüdischen- und des germanischen Rechts

1. Die Haltung gegenüber der Ehe/Frau

a) Bei den Germanen

Die Stellung der Frau in der germanischen Gesellschaft, war überaus schlecht, da sie nahezu unmündig war. Die Frauen konnten sich im Gegensatz zu den Männern nur an einen Ehepartner binden, während es den Männer grundsätzlich möglich war mehrere Ehefrauen gleichzeitig zu haben. Wenn ein Mann eine Frau heiraten wollte, mussten er mit dem Vater der Braut oder deren Vormund einen Verlobungsvertrag  abschließen.

Die Frau die vor der Ehe vom Willen ihres Vaters abhängig war, wechselte nach der Ehe von einer Abhängigkeit gegenüber ihrem Vater in ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Ehemann. Denn selbst über die mit in die Ehe gebrachten Güter durfte die Ehefrau nicht frei verfügen. Sie war quasi das Eigentum ihres Mannes, da ihr Mann im Falle eines Ehebruchs der Frau das Recht hatte diese zu töten.

Grundsätzlich endete die Ehe der Germanen mit dem Tod eines Ehepartners, oder durch eine einvernehmliche Trennung durch beide Ehepartner. Es bestand aber auch für den Ehemann die Möglichkeit sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Konnte der Ehemann dafür keine rechtfertigen Gründe vorlegen ( z.B. Unfruchtbarkeit), hatten die Verwandten der Frau die Möglichkeit eine Fehde gegen den Ehemann anzuzetteln.

b) Bei den Israeliten

Auch bei den Juden hatten die Frauen wenig zu lachen. Sie konnte sich durch die Ehe nur an einen Partner binden, während dem Mann die Mehrehe erlaubt war. Erst waren sie von ihrem Vater abhängig, während der Ehe übernahm dann der Ehemann den die „ Verantwortung für die Frau, und nach ihrer Verwitwung unterstand die Frau ihrem ältesten Sohn in dessen Haushalt. War die Frau jedoch mit dem Erstgeborenen einer Familie verheiratet, konnte ihr Schwiegervater sie mit einem weiteren seiner Söhne verheiraten, und der erste Sohn welcher durch eine Schwagerehe gezeugt wurde, wurde dann dem verstorbenen Bruder zu gerechnet.

In diesem Abhängigkeitskreislauf war die Frau zur Unabhängigkeit verdammt. Aufgrund der Verantwortung die der Vater mit der Ehe an den Ehemann abtrat, bedurfte es auch der Zustimmung des Vaters der seine Tochter freigeben musste. Nachdem der Bräutigam sich die Einwilligung des Brautvaters eingeholt hatte, musste er den für die Tochter festgelegten Brautpreis zahlen. Außer der Einwilligung des Brautvaters bedurfte es der Zahlung eines Brautpreises, welcher vom Schwiegersohn an den Vater der Braut gezahlt wurde.

Da die Frau im jüdischen Rechtsleben wenig Bedeutung hatte, konnte sie rechtlich nicht gegen einen untreuen Ehemann vorgehen. Eine untreue Ehefrau musste im Fall der Entdeckung ihrer Affäre jedoch mit ihrem Tode rechnen.

2. Die Haltung gegenüber Sklaven

a) Bei den Germanen

Grundsätzlich waren die Germanen eine Volksgemeinschaft von Freien. Diese Freiheit erlangten sie im Normalfall mit ihrer Geburt. Es bestand aber auch die Möglichkeit diese Freiheit wieder zu verlieren, so z.B. durch Kriegsgefangenschaft, Verkauf oder Selbsthingabe.

Fremde waren grundsätzlich rechtlos, konnten aber als Gäste freundschaftlichen Schutz erlangen.

Die Unfreien der Germanen, hatten oftmals sogar eine eigene Behausung. Und konnten sogar einen kleinen Teil des von ihnen erwirtschafteten behalten.

Im germanischen Rechtskreis bestand jedoch für Unfreie die Hoffnung auf Freilassung, in einem solchen Fall war die rechtliche Stellung der freigelassenen aber nur wenig besser als die der Unfreien.

b) Bei den Israeliten

Bei den Juden gehörten zur Familie ihres Herrn.

Auch bei den Juden waren grundsätzlich alle Menschen frei, sie konnten jedoch auch in die Sklaverei hinein geboren werden, oder durch Verkauf,  Gefangenschaft sowie Verpflichtung unfrei werden.

Bei den Israeliten gab es jedoch bereits festgelegte Regeln nach denen ein Unfreier seine verlorene Freiheit wiedererlangen konnte.

- „ Wenn ein Israelit einen hebräischen Sklaven kauft, darf er ihn höchstens sechs Jahre lang für sich arbeiten lassen. Im siebten Jahr muss er ihn freilassen und darf kein Lösegeld verlangen.“ (2. Moses 21,2)/ (5. Moses 15, 12)

- (siehe Blatt der letzten Unterrichtsstunde)

Schuldsklaven mussten, so die Quelle ( 5. Moses 15, 12), nach sechs Jahren freigelassen werden.

Aufgrund der bereits oben geschilderten Humanität des jüdischen Rechts, hatten Unfreie eine relativ sichere Rechtsstellung. Der Schutz der Sklaven hatte im jüdischen Recht eine höhere Priorität, als die Interessen des Eigentümers wichtiger.

3. Abschließender Kommentar

Die Gesellschaftsstruktur und Vorstellung von Ehe und Familie, weisen in beiden Kulturen parallelen auf. Auch weisen beide Völker eine große Humanität im Umgang mit Sklaven auf, mit dem einzigen Unterschied das bei den Israeliten die Sklaven nach einer bestimmten Anzahl von Jahren freigelassen werden mussten und bei den Germanen die Sklaven einen Teil ihres erwirtschafteten behalten durften.

Die größten Differenzen zwischen dem germanischen- und dem jüdischen Recht, bestanden jedoch in der Intention der Gesetzgebung bzw. in der Person des Gesetzgebers selbst. Bei den Germanen war die Gesetzgebung eine weltliche Angelegenheit, so dass es auch verständlich ist, dass die Gesetzestexte so gut wie keine religiös-kultischen Vorschriften enthält. Während die israelitischen Gesetzestexte nur so gespickt sind von kultisch- religiösen Vorschriften. War doch bei den Juden die Vorstellung verbreitet das alle Gesetze auch die mündlichen von Gott erlassen wurden.