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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Studium - Hausarbeiten - Einführung in das jüdische Rechts

Studium

Einführung in das jüdische Rechts

Sónia Maria Figueiredo Notário

Referat zum Thema: 

„ Einführung in das jüdische Recht“

Dr. G. Miller

SS 2001

Johann Wolfgang Goethe - Universität Frankfurt

Inhaltsangabe

Inhalt

1.Einteilung des Rechtsstoffes

2.Quellen des jüdischen Rechts

a)Die Tora

b)Die Mischna

c)Die Gemara

d)Der Talmud

e)Die Halacha

3.Entwicklung des Rechts

Literaturverzeichnis
 

1.Einteilung des Rechtsstoffes

Das jüdisches Recht ist ein Bestandteil des gesamten jüdischen Normensystems. Das Judentum unterscheidet insbesondere nicht zwischen religiösen und weltlichem Recht. Das Recht umfaßt alle Bestimmungen, welche die gegenseitigen Beziehungen der Menschen zueinander sowie der Gemeinschaft zum einzelnen betreffen, oder die in streitigen Fällen die Entscheidung regeln.

In der Bibel ist die Klassifizierung dieser Bestimmungen noch nicht sehr ausgeprägt. Die dort gebrauchten Ausdrücke für Recht sind mischpat und din. 

Mischpat, war das ältere ungeschriebene Recht, daß zunächst nur mündlich überliefert wurde. Din, das geschriebene Gesetz. 

Später im talmudischen Schrifttum unterscheidet man zwischen Vermögensrecht (dine mamonot), Familienrecht (dine mischpacha), Strafrecht (dine nefaschot) und Staatsrecht (dine hamalchut). 

Der Richter Schofet war der Schöpfer des Rechts. Recht und Gerechtigkeit wurden gemeinsam gefordert.

2. Quellen des jüdischen Rechts

a) Die Tora

Die Quellen des jüdisches Recht sind die Tora, als schriftliche Lehre; und die Tradition, als mündliche Lehre. Die Tora ist ein Teil des Tenach (hebräische Name für das Alte Testament). Sie hat in der Zeit ihrer Entwicklung keine so hohe Bedeutung gehabt, wie es später der Fall wurde. Seit Esra (ca. 445 v. Chr.) ist die Tora zum Grundgesetz der Jüdischen Tradition geworden. Esra, der ha Sofer genannt wurde (Schreiber, Gelehrter) hat in hohem Maße dazu beigetragen, daß die Tora wieder bekannt wurde. Erst als die Juden unter seiner Leitung aus Babylonien nach Jerusalem zurückkehrten (458 v. Chr.) gelang es ihm, die Tora wieder zum Mittelpunkt des jüdischen Lebens zu machen.

Tora bedeutet Belehrung. Die Hauptbedeutung der Tora liegt in der großen Zahl von Geboten und Verboten: sie sind der Kern der Lehre. Für die jüdisch-orthodoxe Tradition ist die Tora als ganze das von Gott gegebene Gesetz, das Mose auf dem Berg Sinai offenbart wurde.

b) Die Mischna

Die Gesetze der Tora beherrschten und regelten bis in Einzelheiten das tägliche Leben. Auf keinen Gebiet konnte man der Tora ausweichen. Sie war in jeder Beziehung maßgebend: Ehegesetze, Speisegesetze, Reinheitsgesetze, soziale Gesetze, Rechtsbegriffe. Der Grund dafür war, daß der Text von Gott gegeben war und von den Menschen nicht verändert werden durfte. Auch den Gelehrten war es nicht erlaubt eine abweichende Meinung zu vertreten.

Es zeigte sich damals, daß die Tora dem täglichen Leben nicht mehr angepaßt war. Sie entsprach den veränderten Lebensgewohnheiten und –umständen nicht mehr. Dies wurde nun der Anlaß für die Entstehung der Mischna gewesen.

Die Tradition der mündliche Lehre führte um 200 v. Chr. zur Entstehung zweier Parteien, der Partei der Pharisäer und die der Sadduzäer. Die letzteren wollten nur die Tora selbst anerkennen und nicht die darauf gegründete mündliche Lehre, für die die Pharisäer eintraten. Indessen stand das Studium der Mischna im Mittelpunkt des Interesses, zunächst nur in Palästina, vom Anfang des 3. Jh. n. Chr. auch in Babylonien.

Die Mischna greift auf zwei Traditionen zurück: Erstens auf die Tora, die Gott dem Mose auf dem Sinai gab: Die Tora das geschriebene Gesetz (die Tora schebichtab). Zweitens gab es daneben eine sogenannte mündliche Lehre (die Tora sche beal pe), die gleichfalls Mose auf dem Sinai offenbart wurde und welche Mose den Ältesten Israels weitergegeben hat. Beide Traditionen sind gleich heilig, und sie bilden zusammen die Grundlage der Mischna.

Es entstanden Schulen, in denen Rabbiner mit ihren Studenten sich in die Texte der Tora und der mündlichen Lehre vertieften. Da es verboten war, Toratexte aufzuschreiben, wurden diese Diskussionen und deren Schlußfolgerungen generationlang mündlich weitererzählt.

Bestimmte Gebiete der Gesetzgebung wurden von der Tora nicht abgedeckt oder waren nicht deutlich genug abgegrenzt. Die Schriftgelehrten (die Tannaim) fingen an manche Bräuche anzuschaffen und bestimmte Gesetze einzufügen. Der Ehevertrag stammt bereits aus dieser Zeit. So entstand ein umfangreiches Material, das anfangs mündlich weitererzählt, schließlich aber doch aufgeschrieben wurde und später Mischna hieß.

Die Mischna entstand unter der Leitung von Rabbi Jehuda. Sie ist hauptsächlich auf neuhebräisch geschrieben, welches nicht mit dem heutigen modernen Hebräisch (Ibrith), das in Israel gesprochen wird, verwechselt werden darf.

Die Mischna ist sozusagen eine Gesetzessammlung, welche die schriftliche und mündliche Lehre zu einer Einheit werden ließ.

Die Mischna wurde in sechs Ordnungen aufgeteilt,

1.Zeraim (Saaten), enthält die Vorschriften für die Landwirtschaft und die Abgaben für die Armen, die Priester und Leviten.

2.Moed (Festzeiten), enthält die Vorschriften hinsichtlich der Festtage und anderer besonderer Tage im Jahr.

3.Naschim (= Frauen). Hier werden hauptsächlich die Gesetze in Bezug auf Ehe, Eherecht und Ehescheidung behandelt.

4.Nesikin (=Schäden). Der Band Nizikin ist wichtig und umfangreich, weil in ihm das Zivil- und Strafrecht behandelt werden. Zahlreiche Probleme kommen hier zur Sprache.

5.Kodaschim (=heilige Sachen). Hier werden die Opfergesetze und der Dienst in und bei dem Tempel behandelt.

6.Taharot (=Reinheit) . Hier wird die rituelle Unreinheit besprochen.

Die Mischna kann als Grundlage für die weiteren Forschungen auf allen Gebieten des Rechtslebens gesehen werden. Es zeigt zwar noch eine Vermischung von weltlichem und religiösem Recht aber es sind bereits die Anfänge einer systematischen Einteilung des Stoffes zu erkennen.

c)Die Gemara

Die Mischna wurde zum Gegenstand ausführlicher Diskussionen. Alle Aufzeichnungen dieser Diskussionen, alle Berichte davon, die während dreier Jahrhunderte aufgeschrieben wurden, sind unter den Namen Gemara, der auch „Belehrung“ bedeutet, zusammengefaßt. Die Gemarahat die Funktion des Kommentars und zugleich der Ergänzung. Die Sprache der Gamar ist unterschiedlich: Im babylonischen Talmud wird Hebräisch und das sogenannte Ostaramäisch gebraucht; der Jerusalemer oder palästinensische Talmud ist auf hebräisch und auf westaramäisch geschrieben.

Die Gelehrten, die sich mit dem Kommentaren auf die Mischna beschäftigten, werden die Aromaim genannt. Das Wort Amoraim bedeutet „Ausleger“.

Diese große Werke, die Mischna und die Gemara, bilden zusammen den Talmud.

d)Der Talmud

Der Talmud also ist eine ausführliche Sammlung von Kommentaren, Hinzufügungen und Anmerkungen zur Mischna. Der Talmud besteht, aus der Mischna und ihrer Diskussion, der Gemana. Es kann als ein Protokollbuch der Diskussionen, die in den verschiedenen Lehrhäusern stattgefunden haben, angesehen werden. Es ist kein von einer jüdischen legislativen Behörde geschaffenes Gesetzbuch. Es enthält auch keine festumschriebenen Regeln; man findet dort viele sich widersprechende Ansichten. Der eine Rabbiner dachte über ein bestimmtes Thema oft völlig anders als ein anderer.

Für die Juden ist der Talmud deshalb so wichtig, weil er ein Bild der Arbeitsweise der Rabbiner während viele Generationen mit den dazugehörigen Hintergrundinformationen vermittelt. Er enthält über jeden Aspekt des gesellschaftlichen und geistigen Lebens Aussagen und somit gilt sein Studium als das höchste Gut der Juden.

Es entstanden neben zwei Talmudim: der Palästinische oder Jerusalemer Talmud (um 425 n. Chr.) und der wesentlich umfangreichere Babylonische Talmud (6. Jh.).

Über die Autoren des Jerusalemer Talmud ist so gut wie nichts bekannt.

In Palästina gab es vier wichtige Schulen: In Tiberias, wo Rabbi Jochanan die Leitung hatte. Weiter in Cäsarea, in Lud und in Sepphoris. Von diesem Zeitpunkt an wurde es notwendig, alles Material, das in diesen Schulen gesammelt worden war, aufzuschreiben. Ende des 4. Jh, oder Anfang des 5.Jh. wird der palästinensische Talmud zum Abschluß gekommen sein.

Was Form und Umfang betrifft, gleichen sie einander sehr. Der Stoff, der in beiden Talmudim gesammelt wurde, ist jedoch sehr unterschiedlich.

Ursprünglich waren der Jerusalemer und der babylonische Talmud gleichwertig. Der eine war für die Juden in Palästina bestimmt, der andere für die Juden in Babylonien. Der babylonische Talmud ist jedoch immer stärker in den Vordergrund getreten.

Er erreichte kanonische Geltung und verdrängte den älteren Palästinischen Talmud fast völlig. Dies hat dazu geführt, daß, wenn man heute über den Talmud spricht, man immer den babylonischen meint.

Von 375 bis 424 n.d.Z. arbeitete in Sura der berühmte Rab Aschi, der an der endgültigen Fassung des Talmud einen maßgeblichen Anteil gehabt hat. Er starb im Jahr 427 n.d.Z.. Seine Nachfolger haben sein Werk Ende des 5. Jahrhunderts abgeschlossen.

Der Talmud ist als Kommentar zur Mischna auch in Ordnungen und Traktate eingeteilt. 1520-23 wurde der Babylonische Talmud erstmals von Daniel Bomberg in Venedig gedruckt.

Etwa hundert Jahre später haben die Saboräer letzte Entscheidungen in den Talmud eingefügt und ihm seine heutige Gestalt gegeben. In ihrer Zeit ist auch eine Anzahl halachischer und ethischer Vorschriften zusammengestellt worden.

Bis zum heutigen Tage wurde das jüdisches Recht durch umfangreiche Rechtsgutachten fortgebildet.

e) Die Halacha

Halacha bedeutet wortwörtlich: „Das Gehen, das Folgen“. Aber es hat eine etwas andere Bedeutung bekommen: Das Gesetz, dem, oder die Vorschrift, der man folgt, das religiöse Gesetz.

Im Singular meint die Halacha „Das Gesetz“, den normativen Teil der Tora und im besonderen der mündlichen Lehre. Im Plural „Halachot“, meint man die Ganze Sammlung der Gesetze.

Wie wird ein Gesetz zur Halacha? Diese Halacha muß aus den folgenden Fünf Quellen entstehen:

1.Die Tora

2.Die Traditionen, so wie sie in den anderen Büchern erscheint

3.Die mündliche Lehre

4.Aussagen von Weisen

5.Das Gewohnheitsrecht

Um 200 n.d.Z. war die Halacha abgeschlossen. Für die orthodoxe Judentum hat die Halacha eine große Bedeutung. Sie ist die Basis, auf der man als Jude steht. Die Halacha schützt bis zum heutigen Tage die jüdische Religion, und sie liefert die praktische Anwendung der Tora in allen Situationen.

4. Entwicklung des Rechts

Gewohnheitsrecht und Sitte beeinflußten auch weiterhin das Recht, es vorbereitend und gestaltend.

Veränderte wirtschaftliche und staatspolitische Verhältnisse insbesondere nach der Rückkehr aus Babylonien, beeinflussen die Rechtsentwicklung entscheidend. Eine entscheidende Neuerung war ferner im Gebiete des Strafrechts die praktische Abschaffung der Todesstrafe. Alle Ergänzungen werden formell stets auf die Tora selbst zurückbezogen.

Die Berührung mit anderen Rechten, vor allem mit dem persischen, griechischen und römischen Recht hat die Entwicklung mancher jüdische Rechtsbestimmungen bewirkt.

Das jüdische Recht hat überall verpflichtende Kraft. Es ist für die Juden, ein bis heute geltendes Recht. Es wird so gepflegt als wäre es ein mit staatlicher Macht ausgestattetes Recht.

Im 19. Jahrhundert verdrängte jedoch die Einführung des allgemeinen Zivilrechts das jüdische Recht.

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Literaturverzeichnis

Cohn, Marcus inWörterbuch des jüdischen Rechts

Gradwohl, RolandGrundgesetze des Judentums

Stuttgart; 1984

Grübel, MonikaSchnellkurs des Judentums

Köln: DuMont, 1996