Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte - Tora - Wochenabschnitt - Tetzawe 2021

Rechtsgeschichte

Tora

Exodus, Kap. 28-29; Parascha Tetzawe         Schabbat, 27. Februar 2021

Wir sehen im Fernsehen einen Kulturbericht. Ein Stamm ist versammelt, und in der Mitte, auf einem großen freien Platz, steht ein Altar, der der Opferung von Tieren dient. Ein großer, eindrucksvoller Mann leitet eine Zeremonie. Neben ihm stehen drei Männer in weißen Umhängen, ein Vater mit zwei Söhnen. Diese drei werden von dem Leiter in ihre Ämter als Priester eingeweiht.

Ein Widder wird in die Runde gebracht. Die drei weißgekleideten Männer legen ihre Hände auf den Kopf des Widders, wahrscheinlich um ihn zu segnen. Danach wird der Widder geschlachtet. Der Zeremonieleiter nimmt von dem Blut und tüpfelt es auf die rechten Ohrläppchen der werdenden Priester, dann werden ihre Daumen an der rechten Hand mit dem Blut bestrichen und ebenso ihre großen Zehen an den rechten Füßen. Danach wird der Altar rundherum mit Blut besprengt, und mit dem Rest des Blutes werden die Kleider des Vaters und der beiden Söhne besprengt, wodurch die Männer samt ihren Kleidern als Priester eingeweiht wurden.

Man muss gestehen, dass dieser Film im Fernsehen so noch nicht gelaufen ist. Würde jedoch ein Regisseur auf die Idee kommen, einen Film über die Einweihung der ersten Jahwe-Priester in der Wüste Sinai, in der Zeit des Auszugs aus Ägypten, zu drehen, würde er das genauso zeigen müssen. Dazu würden noch viel mehr einzelne Vorbereitungen notwendig sein, so wie die Herstellung der Kleider der Priester, die mit Gold bestickt sein müssen, und noch verschiedene anderen Utensilien, wie Glöckchen, und auf genaue Farbstoffe muss geachtet werden. Wer sich die Mühe macht, die obengenannten zwei Kapitel zu lesen, wird noch mehr köstliche Einzelheiten erfahren.

Da fragt sich der heutige Skeptiker und Agnostiker, ob Gott Jahwe das wirklich nötig hatte. Natürlich war das für Jahwe nicht notwendig, zumal er überhaupt nichts nötig hat. Jedoch Moses, dessen Aufgabe es war, dieses ungebildete, teilweise aus Heiden und Gesindel zusammengewürfelte Volk nach Kanaan zu führen und es an den Glauben an Jahwe zu gewöhnen - wie anders hätte er diese Menschen allmählich zum Umdenken erziehen können, als eben solche Praktiken vorzuführen.

Nicht so klug wie Moses waren einige seiner Nachfolger, geistliche Führer des Volkes, und zwar bis zum heutigen Tag. Was sie wirklich von den biblischen eher heidnischen Erzählungen halten, wird schwer zu erraten sein. Allerdings kann man in Israel mindestens eine religiöse Sekte beobachten, die die alten Praktiken wiedereinzuführen anstrebt. Es geht um die Wiedererrichtung des alten Tempels zu Jerusalem. Als symbolische Vorbereitung hat eine Gruppe von in weiße Mäntel gekleideten Männern eine Ziege geschlachtet und geopfert. Wie genau der Opferungsakt vor sich ging, wurde im Fernsehen nicht gezeigt. Selbstverständlich könnte man diese primitive Darstellung als lächerlichen Akt abtun, wie in der Szene anfangs bereits nahegelegt.

Andererseits muss man sich doch ernsthaft fragen, wie die Einstellung der geistlichen Führer zu all dem ist? Sind sie mit diesem Gehabe einverstanden? Sehen sie darin eine Erneuerung der jüdischen, der altisraelitischen, Religion? Man könnte solche Verdachtsmomente hegen.

Die Sorglosigkeit der Geistlichkeit in Israel gegenüber Randerscheinungen in der praktischen Ausübung des monotheistischen jüdischen Glaubens und gegenüber archaischen Tendenzen von noch so kleinen Gruppierungen bestärkt den Verdacht, dass ihre Sorgen vor allem dem unmittelbaren Effekt dienen.


G. Miller