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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte - Tora - Wochenabschnitt - Lech Lcha 2020

Rechtsgeschichte

Tora

Wochenabschnitt Genesis, 3. Pericope, Lech Lcha;         Schabbat, 31. Oktober 2020

Manche Bibelforscher sind der Meinung, die Erzväter, Abraham, Isak und Jakob, seien nicht historisch, sie seien eine reine Legende. Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob und wann es Abraham gegeben hat. Laut biblischer Chronologie sollen sich die Geschichten um Abraham im 19. Jhd.v.d.Z. ereignet haben.

Niemals wird man Beweise für die Echtheit der Geschichten finden, noch für das Gegenteil.

Wie dem auch sei, die Tora ist ein Mythos und gehört als solcher zur jüdischen Geschichte, mehr als das: die jüdische Geschichte ist ohne den Glauben an die Tora nicht denkbar. Nicht nur Juden denken so, das ist die gängige Meinung bei Menschen mit christlichem und moslemischem Hintergrund.

Ein Mythos kann einerseits die gleiche Wirkung ausüben wie eine wahre Geschichte, und andererseits kann man nicht, so man nicht ein religiöser Fanatiker ist, alle Erzählungen im biblischen Mythos für wahre Historie halten. Gespräche und Verhandlungen etwa zwischen Gott und Mensch (aber auch andere biblische Geschichten) können allenfalls als Allegorien zwecks einer Deutung betrachtet werden, wovon die Gelehrten im Talmud und im Mittelalter auch reichlich Gebrauch gemacht haben.

Zum Beispiel heißt es in Gen. Kap. 12, 7: „Da erschien Jahwe Abram und sprach“. (Das Wort erschien heißt im hebräischen Originaltext „er ließ sich sehen“.) Dazu die Gelehrten: Kann es sein, dass mit dem Wort sehen tatsächlich erblicken mit den Augen gemeint ist? Nein, hier ist vielmehr erschauen gemeint, erkennen mit dem Verstand. Der Text der Tora lautet weiter: „deinen Nachkommen will ich dies Land geben“.

Dieser Gedanke oder vielmehr dieses Versprechen, wird im Kap. 15 fortgesetzt. Es geht hier auch darum, dass Abraham keine leiblichen Nachkommen hatte und somit das Versprechen Gottes nur für kurze Zeit gelten würde.

Jahwe sprach zu ihm… der von deinem Leibe kommen wird, der soll dein Erbe sein. Und sprach: Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein! Und er glaubte Jahwe und das rechnete dieser ihm als Gerechtigkeit an…. Ich bin Jahwe, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu eigen zu geben. Da sagte Abraham, woran soll ich erkennen, dass ich es zu eigen bekomme? Er sprach zu ihm: Bringe mir eine dreijährige Kuh, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine andere Taube.

Der Text scheint nicht eindeutig zu sein. Gott verspricht Abraham, dass derjenige, der von seinem Leibe kommen wird, sein Erbe sein soll, und seine Nachkommen werden zahlreich sein. Der Text lautet weiter, dass Abraham Jahwe glaubte. Jedoch dann fragt Abraham, woran er erkennen soll, dass er dieses Land so zu eigen bekommt, dass es seine Nachkommen erben werden. Er hat, so die Gelehrten, nicht an Gottes Versprechen gezweifelt, er wollte lediglich wissen, ob seine Nachkommen ebenfalls einen begründeten Anspruch auf das Land haben werden. Als Antwort fordert Gott Abraham auf, ihm Opfer zu bringen. Die Gelehrten und auch Raschi (11. Jhd., bekanntester Bibel-Kommentator) erklären Gottes Antwort: Durch die Opfer (heutzutage Gottesdienst) müssen die Erben jeweils ihren Anspruch auf das Land erneuern. Sie sollen beweisen, dass sie verdienen, Abrahams Erben zu sein.

Die Gründer des modernen Staates Israel waren im Allgemeinen nicht besonders religiös, leiteten aber ihren Anspruch auf das ehemalige Palästina dennoch von der Bibel ab. Die meisten Juden in Israel halten sich nicht an die religiösen Gesetze, denken aber trotzdem, ihr Anspruch auf das Land sei gottgegeben. Auch wenn sie wissen, dass es ohne Waffengewalt keinen Staat Israel gegeben hätte. Ihr Anspruch auf das Land wird jedoch mit Gottes Zusage propagiert.


G. Miller

Abraham in der Wueste

Abraham in der Wüste