Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtsgeschichte - Tora - Wochenabschnitt - Achare Mot - Kdoschim 2020

Rechtsgeschichte

Tora

Wochenabschnitt: Achare Mot, Kdoschim; 3. Moses Kap. 16 – 20;          Schabbat, 2. Mai 2020

Ein Grund, weshalb ich mir manchmal erlaubt habe, mich über die katholische Religion zu mokieren, war der Heiligenkult. Nicht nur die Kirchenväter gelten als heilig, alle paar Jahre kommen zu den vielen Heiligen der Vergangenheit noch einige dazu. Von Zeit zu Zeit werden vom Papst Verstorbene für heilig erklärt. Die Gläubigen pilgern zu den Grabstätten und erbitten oft die Heilung von Krankheiten. Manchmal hilft die Pilgerfahrt zur Heilung, ich glaube aber kaum, dass dies durch die Anrufung von Jesus, der Jungfrau Maria oder eines oder einer Heiligen geschah.

Für Juden erschien das befremdlich. In meiner Jugend kannte ich keine Heiligen. In der jüdischen Geschichte gab es keine Heiligen. Sogar der Erzvater Abraham, der erste Mensch, der Gott erkannte, galt nicht als heilig. Aber auch Moses, der Gründer des jüdischen Volkes und der jüdischen Religion, wurde nicht als heilig bezeichnet. Das Attribut wurde allein Gott überlassen. Da Gott keine Eigenschaften zugeschrieben werden können, ausgenommen das Attribut heilig, ist bekannt. Wie in der Vision Jesajas (Kap. 6, 3) die Engel ausrufen:

Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth….

Wobei ich gestehen muss, dass mir die Eigenschaft heilig wenig sagt, ich kann sie mir einigermaßen vorstellen, jedoch nicht beschreiben.

In den letzten Jahrzehnten erleben wir im Staat Israel ein Aufblühen und sich Ausweiten der jüdischen Religion, wogegen an sich nichts einzuwenden wäre. Jedoch mit der Erstarkung der jüdischen Frömmigkeit muss man feststellen, dass es eine Schwemme von Heiligkeiten gibt. Es sind nicht nur Personen, Rabbiner, Kabbalisten und Mystiker, die sich für heilig erklären oder von anderen religiösen Kapazitäten für heilig erklärt werden, die wiederum gegen eine Geldspende Heilung, Kindersegen, Eheschließung etc. versprechen. Es werden auch profane Gegenstände für heilig erklärt: Land, Boden, Nation udg. mehr.

Die Verleihung der Eigenschaft Heilig ist allein Gott möglich. ER kann den Boden für heilig erklären wie bei seiner ersten Erscheinung vor Moses im brennenden Dornbusch: Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

Der Ort des Dornbusches war lediglich für eine begrenzte Zeit heilig, solange Gott mit Moses sprach. Ähnlich verhält es sich mit dem Berg Sinai, wo die Zehn Gebote von Gott dem Volk gegeben wurden. Nach diesem Ereignis hatte er für die Juden keine besondere Bedeutung mehr. Die Gelehrten des Talmuds sagten, dass danach die dort lebenden Tiere zurückkehrten und ihr übliches Leben aufnahmen, einschließlich der Benutzung für Ausscheidungen.

Wenn die säkularen Juden in Israel respektlos den Begriff Heiligkeit für nationale Zwecke gebrauchen, kann man ihren Mangel an religiöser Feinfühligkeit, wenn auch nicht tolerieren, so verstehen.

Wenn sich aber der Brauch, die sogenannte Heiligkeit für privaten Profit oder für nationalistische Interessen mehr und mehr in den frommen und orthodoxen Kreisen ausbreitet und der jüdischen Religion einen heidnischen Zug verleiht, wird in absehbarer Zeit die monotheistische jüdische Religion Schaden nehmen


G. Miller