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Rechtsgeschichte - Rezensionen - Studien zu den wöchentlichen Tora-Vorlesungen

Rechtsgeschichte

Rezensionen

Studien zu den wöchentlichen Tora-Vorlesungen von Nechama Leibowitz

Rezensiert von Gabriel Miller

Meineid oder kein Meineid?

Im Talmud (Nedarim 25 a) findet sich folgende Geschichte: „Einst verklagte jemand seinen Nächsten vor dem Richter Rava zur Rückgabe eines Darlehens. Der Richter sprach zum Schuldner: Geh, bezahl es ihm! Der Schuldner erwiderte: Ich habe es bereits bezahlt. Da sprach Rava zu ihm: So schwöre, dass du es ihm bezahlt hast. Da ging der Schuldner fort und tat das Geld in einen Rohrstab, und auf diesen gestützt kam er vor das Gericht. Alsdann sagte er zum Gläubiger, er sollte ihm den Rohrstab halten und schwor, dass er ihm alles zurückgab, was er von ihm erhalten hatte. Als der Gläubiger vor Zorn den Rohrstab hinwarf, zerbrach der und das Geld verstreute sich auf dem Fußboden.“

Formal gesehen, so stellte der Talmud fest, hat der Schuldner die Wahrheit geschworen, da er mit dem Rohrstab dem Gläubiger das Geld übergeben hatte und im Augenblick des Eides das Geld sich im Besitz des Gläubigers befand. Diese Fabel diente zur Illustrierung eines scheinbar richtigen Verhaltens, dem abgeholfen werden musste; eine genau formulierte Eidesformel sollte solche Hinterlist ausschließen.

In einem kürzlich erschienenen Buch der in Israel sehr bekannten Bibelkommentatorin Nechama Leibowitz wird diese Geschichte in einem Kapitel erwähnt, das den Tora-Wochenabschnitt Mischpatim (= Satzungen) bespricht. Das in diesem Abschnitt postulierte Lügenverbot wird behandelt, sowie die Schlussfolgerungen daraus für das Verhalten von Gerichten.