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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 9)

Nach den Vorwürfen, die der Prophet Nathan König David vorgetragen hatte, bereut David seine Taten und es wird ihm auch verziehen, jedoch seinem Haus werden mehrere Strafen angekündigt. Als erstes: „der Sohn, der dir geboren wird, muss sterben“. Dann ging Natan nachhause. JHWH aber schlug das Kind, das die Frau des Uria dem David geboren hatte, das heißt, das Kind erkrankte und verstarb nach wenigen Tagen.

Über den Verlauf der Krankheit ist es interessant etwas zu sagen, vorher jedoch zur Frage, woher wusste Nathan, dass das Kind erkranken und sterben wird? Sehr wahrscheinlich wusste er es nicht. Er war ja kein Hellseher, zumal es Hellseher gar nicht gibt. Und von Gott hat er es auch nicht erfahren, da Gott mit Menschen nicht redet. Die Antwort des Rätsels ist ganz einfach. Der Geschichtsschreiber hat ja nicht mitstenografiert. Er hat die Ereignisse im Nachhinein aufgrund von Hörensagen oder Aufzeichnungen nach seinem Dafürhalten dokumentiert.

Wie ging es weiter? David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde. Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewegen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen. Am siebten Tag aber starb das Kind. Davids Diener fürchteten sich, ihm mitzuteilen, dass das Kind tot war; denn sie sagten: Wir haben ihm zugeredet, als das Kind noch am Leben war; er aber hat nicht auf uns gehört. Wie können wir ihm jetzt sagen: Das Kind ist tot? Er würde ein Unheil anrichten. David jedoch sah, dass seine Diener miteinander flüsterten, und merkte daran, dass das Kind nicht mehr lebte. Er fragte seine Diener: Ist das Kind tot? Sie antworteten: Ja, es ist tot. Da erhob sich David von der Erde, wusch sich, wechselte seine Kleider, ging zum Haus Gottes und warf sich nieder. Als er dann nach Hause zurückkehrte, verlangte er zu essen. Da fragten ihn seine Diener: Was soll das bedeuten, was du getan hast? Als das Kind noch am Leben war, hast du seinetwegen gefastet und geweint. Nachdem aber das Kind tot ist, stehst du auf und isst? Er antwortete: Als das Kind noch am Leben war, habe ich gefastet und geweint; denn ich dachte: Wer weiß, vielleicht ist JHWH mir gnädig, und das Kind bleibt am Leben. Jetzt aber, da es tot ist, wozu soll ich fasten? Kann ich es zurückholen? Ich gehe zu ihm, es kehrt aber nicht zu mir zurück.

Diese Geschichte schien mir lehrreich genug zu sein, um sie ausführlich zu wiederholen, da sie in der letzten Zeile eine philosophische Erkenntnis enthält, die sprichwörtlich geworden ist. Nach dem Ableben meiner Mutter besuchte ich meinen Vater, und er zitierte diesen Satz: Ich gehe zu ihr, sie kehrt aber zu mir nicht zurück.

Danach erfahren wir, dass David seine Frau Batseba tröstete; er ging zu ihr hinein und schlief mit ihr. Und sie gebar einen Sohn und er gab ihm den Namen Salomo, und JHWH liebte ihn, und er sandte den Propheten Nathan, damit er ihn Seinetwillen Jedidja (= Gottesfreund) nennt.

Nathan sprach aber noch mehr von den Strafen, die David ereilen würden, und die, nebenbei bemerkt, auch eintrafen: Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. So spricht JHWH: Ich will Unheil über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, dass er bei deinen Frauen schlafen soll vor ganz Israel an der lichten Sonne.

Tatsächlich kam es alsbald zu Mord und Totschlag in der Familie des Königs. Auch hat dazu ein anderer auf dem Dach vor den Augen der Öffentlichkeit mit Davids Frauen geschlafen. Die Einzelheiten werde ich in der kommenden Woche beschreiben. Auch woher der Geschichtsschreiber genau wusste, was Nathan prophezeit hatte und dass die Prophezeiung in Erfüllung ging – auch da ist die Erklärung so simpel wie bereits oben: Der Schreiber hat die ganzen Informationen erst später erhalten und nach seinem besten Wissen und Gewissen (und natürlich nach seinem Gutdünken) geordnet.


Gabriel Miller