Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 8)

Das Drama, das sich um das Dreieck „David, Batseba, Uria“ abgespielt hatte (haben wir in der vergangenen Woche hier behandelt), muss einen schweren, vielleicht sogar schockierenden Eindruck auf die Einwohner von Jerusalem hinterlassen haben. Das lässt sich aus der Tatsache schließen, dass der Prophet Nathan sich genötigt sah, dem König David eine Strafpredigt zu halten (was man einem König gegenüber äußerst ungern tut). Zwar steht in der Bibel wörtlich: „In den Augen von JHWH aber war böse, was David getan hatte, darum schickte JHWH den Natan zu David“, wir wissen jedoch, dass Gott sich mit Menschen nicht unterhält. Weder heute noch in der Vergangenheit hat Gott mit Menschen verbal kommuniziert, auch nicht wenn jemand der Überzeugung war, mit Gott gesprochen zu haben. Wir müssen akzeptieren, dass in der biblischen Zeit die Menschen (nicht nur Israeliten), der Überzeugung waren, dass Gott die Handlungen der Menschen (einzeln aber auch in Gemeinschaften) beobachtet und bestimmt, weshalb in der Bibel das auch so dargestellt wird.

Warum, könnte man sarkastisch fragen, wird in unserer Geschichte nicht berichtet, dass Gott die Begegnung David-Batseba arrangiert hat? Weil es dann keinen Schuldigen gegeben hätte, den man hätte bestrafen können. Man könnte hier endlos weiter diskutieren, was jedoch unsere Erkenntnisse nicht erhellen würde. Auch heute gibt es noch viele Menschen, die an die göttliche persönliche Vorsehung glauben.

Nathan muss ein sehr kluger Mann gewesen sein, sonst hätte er auch nicht die Bezeichnung „Prophet“ erhalten. Nathan hätte sich gehütet, den König zu tadeln oder zurechtweisen; auch einem Propheten würde es schlecht bekommen, einen König zu verärgern. Nathan erzählt dem König eine mehr oder weniger harmlose Geschichte:

In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder, der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf, und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter. Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann, und der brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den Besucher zuzubereiten. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war. Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr JHWH lebt, der Mann, der das getan hat, verdient den Tod. Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat. Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann.

Der König, kann man sich vorstellen, ist von dieser Aussage Nathans verblüfft und sprachlos, so dass Nathan nun fortfahren und ihm seine Verfehlung bildhaft und präzise vorführen kann:

So spricht JHWH, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt, und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet. Ich habe dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn in den Schoß gegeben und ich habe dir das Haus Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, gebe ich dir noch manches andere dazu. Aber warum hast du das Wort des JHWH verachtet und etwas getan, was ihm missfällt? Du hast den Hetiter Uria mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht.

Jetzt kann Nathan unbeschadet das Urteil Gottes vortragen.

Über das Urteil und über die Frage, woher Nathan gewusst haben soll, welche Strafen von Gott vorgesehen sind und welche in Erfüllung gehen werden, darüber werde ich in der kommenden Woche meine Gedanken (auch Spekulationen) vortragen.


Gabriel Miller