Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 7)

Von einer vieldiskutierten Verfehlung des Königs David berichtet die Geschichte, die man mit der Überschrift „David, Batseba und Uria“ bezeichnen kann. In der Bibel ist sie detailliert beschrieben. An einem heißen Tag in Jerusalem steigt der König gegen Abend auf das Dach seiner Residenz, um in der Abendbrise zu verschnaufen. Er erblickt, vermutlich auf einem anderen nahgelegenen Dach, eine badende schöne Frau. Er erkundigt sich nach ihr, es ist Batseba, die Frau des Uria, eines seiner Feldherren, der mit der Armee im Osten, jenseits des Jordan gegen eine feindliche Stadt kämpft. David lässt sie durch Boten holen. Sie kommt zu ihm, und er schläft mit ihr. Dann kehrt sie in ihr Haus zurück. Vor diesem letzten Satz erwähnt der Chronist, dass Batsebas Periode einige Tage zurücklag. Diese Bemerkung ist wichtig für meine Argumentation gegen Kommentatoren der letzten Jahrhunderte, die sogleich folgen wird. Zunächst aber die Fortsetzung des Chronisten:

Batseba war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger. Darauf sandte David zu Joab, dem Oberbefehlshaber und ließ ihm sagen: Schick den Hetiter Uria zu mir! Und Joab schickte Uria zu David. Als Uria zu David kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe. Dann sagte er zu Uria: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Was David bezweckt hatte ist wohl klar, wenn Uria in sein Haus gegangen wäre, hätte man später sagen können, dass er seine Frau geschwängert hat. Uria verließ das Haus des Königs, legte sich aber am Tor des Königshauses bei der Garde des Königs nieder und ging nicht in sein Haus hinab. Man berichtete David: Uria ist nicht in sein Haus hinabgegangen. David machte drei weitere Versuche, Uria in sein Haus zu bekommen, einmal lud David ihn sogar ein, bei ihm zu essen und zu trinken, und machte ihn betrunken. Am Abend aber ging Uria weg, um sich wieder auf seinem Lager bei der Garde des Königs niederzulegen; er ging nicht in sein Haus hinab.

Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab und ließ ihn durch Uria überbringen. Er schrieb in dem Brief: Stellt Uria nach vorn, wo der Kampf am heftigsten ist, dann zieht euch von ihm zurück, sodass er getroffen wird und den Tod findet!

So geschah es auch, und Joab schickte einen Boten zu David. Der Bote ging fort, kam zu David und berichtete ihm alles, was Joab ihm aufgetragen hatte. Der Bote sagte zu David: Die Männer waren stärker als wir und waren gegen uns bis aufs freie Feld vorgedrungen; wir aber drängten sie bis zum Eingang des Tores zurück. Da schossen die Schützen von der Mauer herab auf deine Krieger, sodass einige von den Kriegern des Königs starben; auch dein Krieger, der Hetiter Uria, ist tot. Da sagte David zu dem Boten: So sollst du zu Joab sagen: Betrachte die Sache nicht als so schlimm; denn das Schwert frisst bald hier, bald dort. Setz den Kampf gegen die Stadt mutig fort und zerstöre sie! So sollst du ihm Mut machen.

Als Batseba hörte, dass ihr Mann Uria tot war, hielt sie für ihren Gemahl die Totenklage. Sobald die Trauerzeit vorüber war, ließ David sie zu sich in sein Haus holen. Sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn. In den Augen des JHWH aber war böse, was David getan hatte.

Vielleicht waren diese letzten Worte der Grund für die Einstellung der meisten Gelehrten der letzten zweitausend Jahre, dass allein David, und keinesfalls Batseba, die Schuld an diese Geschichte trägt. David war aber kein sexhungriger Junggeselle, der unbedingt den Beischlaf nötig hatte. Er hatte bereits einige Ehefrauen, die sicherlich mit Freude seine körperlichen Bedürfnisse erfüllt hätten. Ich bin auch der Meinung, dass Batseba mindestens am Anfang die Verantwortung trägt. Sie hatte die Initiative ergriffen, hatte sich David nackt präsentiert, hat sich mit ihm eingelassen in den Tagen, wo die Frauen am besten empfangen. Sie war eine ehrgeizige Frau, die einen König zum Mann haben und Mutter eines Königs sein wollte. Als David alt wurde, hat Batseba den Propheten Nathan für einem Plan gewinnen können, David zu überreden, ihren Sohn Salomo zum Nachfolger auf dem Thron zu proklamieren, obschon Salomo nicht der älteste Sohn war und auch in der Reihenfolge nicht als Anwärter für den Thron in Frage kam. So wurde Batseba Königsmutter.


Gabriel Miller