Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 6)

Eine der wenigen Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte, die allgemeine Bekanntheit auch außerhalb von jüdischen Kreisen, erlangten, ist König David, dessen Existenz auf das 10. Jh. v. datiert wird. Es handelt sich um ein fabelhaftes (hat auch etwas mit Fabeln zu tun) Ereignis in seinen jungen Jahren: Sein Kampf gegen Goliath. Es herrschte Krieg zwischen den Israeliten und den Philistern. Auf der Seite der Philister trat ein riesiger und bis auf die Zähne bewaffneter Krieger auf, der die gegenüberstehenden Israeliten aufforderte, einen Kämpfer gegen ihn zu stellen. Keiner der Israeliten traute sich zu, dieser Aufgabe zu stellen, was die ganze Truppe, einschließlich König Saul, demütigte. Fast zufällig kam ein junger Hirte dazu, der von seinem Vater zum Kriegsschauplatz geschickt worden war, um nach seinen älteren Brüdern zu schauen und ihnen etwas Proviant zu bringen. Der junge Hirte, David, konnte diese Beschimpfung seitens des Philisters nicht erdulden und äußerte seinen Willen, sich dieser Aufforderung zu stellen. Dem König gegenüber, der von dieser Opferbereitschaft nicht viel hielt, erklärte David, dass er bereits einen Bären und einen Löwen besiegt habe, die ein Schaf seiner Herde reißen wollten.

So kam es zum Kampf zwischen David und Goliath, der sehr kurz und unspektakulär war, aber bis zum heutigen Tag in der Weltgeschichte nachhallt. David holte sich Fluss-Steine, und während die Kontrahenten sich entgegengingen, tat er einen Stein in seine Schleuder und schleuderte ihn direkt auf die Stirn von Goliath, worauf dieser auf das Gesicht fiel. Mit dem Schwert des Goliaths schlug ihm David den Kopf ab (1. Samuel, Kap. 17).

Der Sieg eines Kleinen und Schwächeren über einen übermächtigen Gegner ist zu einem Symbol geworden, das Generationen von benachteiligten Menschen, Gruppen und auch Völker inspirierte. Für David selbst war es wahrscheinlich ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Königtum, was den Hass von König Saul noch verstärkte. In der Bibel wird es beschrieben: „Als die Israeliten nach Davids Sieg über den Philister heimkehrten, zogen die Frauen aus allen Städten Israels König Saul singend und tanzend mit Handpauken, Zimbeln und Freudenrufen entgegen. Die Frauen spielten und riefen voll Freude: Saul hat Tausende erschlagen, David aber Zehntausende. Saul wurde darüber sehr zornig“. Saul versuchte auch mehrmals, David umzubringen, hingegen hatte David die Möglichkeit den König zu beseitigen, was er aber klugerweise nicht tat. Sogar nach dem Tod Sauls, als David von seinem Stamm Juda zum König ernannt wurde, hörten die Anfeindungen gegen David nicht auf. David war sieben Jahre König über den Stamm Juda und dann weitere dreiunddreißig Jahre über ganz Israel.

Es war in der Antike in Herrscherhäusern durchaus üblich, potentielle Gegner aus dem Weg zu räumen (heutzutage machen es Politiker etwas eleganter – sie stellen aussichtsreiche Rivalen kalt). David wollte nicht die gesamte Verwandtschaft von Saul umbringen; hier kam Gott JHWH ins Spiel:

„Zur Zeit Davids herrschte drei Jahre hintereinander eine Hungersnot. Da suchte David das Angesicht des JHWH. Gott sagte: Auf Saul und seinem Haus lastet eine Blutschuld, weil er die Gibeoniter getötet hat. Da rief der König die Gibeoniter zu sich und redete mit ihnen. Die Gibeoniter stammten nicht von den Söhnen Israels ab, sondern von einem Rest der Amoriter. Obwohl die Israeliten sich ihnen gegenüber mit einem Eid verpflichtet hatten, suchte Saul in seinem Eifer für die Kinder Israels, sie zu vernichten. David sagte also zu den Gibeonitern: Womit kann ich Versöhnung erwirken, damit ihr das Land segnet? Die Gibeoniter antworteten ihm: Wir wollen weder Silber noch Gold von Saul und seinem Haus; auch steht es uns nicht zu, jemand in Israel zu töten. David sagte: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zum König: Der Mann, der uns vernichten wollte und der darauf aus war, uns auszurotten, sodass wir uns in keinem Gebiet Israels mehr hätten halten können, von dessen Söhnen soll man uns sieben Männer geben. Wir wollen sie vor JHWH hinrichten. Der König antwortete: Ich will sie euch geben. Er gab sie (die sieben Männer werden namentlich aufgeführt) in die Hand der Gibeoniter, die sie auf dem Berg vor dem Angesicht JHWHs hinrichteten; so kamen alle sieben auf einmal um. Sie wurden in den ersten Tagen der Gerstenernte getötet“ (2. Samuel Kap. 21).

Wer hätte gedacht, dass JHWH sich derart für die Rachegefühle der Gibeoniter einsetzt und das Land sogar drei Jahre hungern lässt?


Gabriel Miller