Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 3)

In meinem neunten Kommentar zur Bibel schrieb ich über den Richter Jiftach, der vor einem Krieg gegen die Ammoniter seinem Gott JHWH für den Fall eines Sieges den ersten, der aus seinem Haus kommt, opfern würde. Und es war seine Tochter, die er opfern musste. König Saul geriet in eine ähnliche Situation, die jedoch anders ausging.

Als Saul drei Jahre König war, hatte er bereits dreitausend Krieger rekrutiert. Zweitausend waren mit ihm in Michmasch, auf dem Gebirge von Bethel, und eintausend mit seinem Sohn Jonatan zu Gibea in Benjamin. Da sammelten sich die Philister zum Kampf mit Israel, dreißigtausend Wagen, sechstausend Gespanne und Volk, so viel wie Sand am Meer, und lagerten bei Michmasch. Da zogen aus dem Lager der Philister drei Heerhaufen, das Land zu verheeren. Es begab sich eines Tages, dass Jonatan zu seinem Waffenträger sprach: Komm, lass uns hinübergehen zu der Wache dieser Unbeschnittenen! Vielleicht wird JHWH etwas für uns tun, denn es ist JHWH nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen. Werden sie dann zu uns sagen: Steht still, bis wir zu euch herankommen, so wollen wir an unserm Ort stehen bleiben und nicht zu ihnen hinaufgehen. Werden sie aber sagen: Kommt zu uns herauf, so wollen wir zu ihnen hinaufsteigen; dann hat sie JHWH in unsere Hand gegeben. Das soll uns zum Zeichen sein. Als sie sich nun beide der Wache der Philister zeigten, sprachen die Philister: Siehe, die Hebräer sind aus den Löchern hervorgekommen, in die sie sich verkrochen hatten. Und sie riefen Jonatan und seinem Waffenträger zu und sprachen: Kommt herauf zu uns, so wollen wir's euch schon lehren! Da sprach Jonatan zu seinem Waffenträger: Steig mir nach! JHWH hat sie in die Hand Israels gegeben. Und Jonatan kletterte mit Händen und Füßen hinauf und sein Waffenträger ihm nach. Da fielen sie vor Jonatan, und sein Waffenträger hinter ihm gab ihnen den Todesstoß. So traf der erste Schlag, den Jonatan und sein Waffenträger taten, ungefähr zwanzig Mann. Und es entstand ein Schrecken im Lager und auf dem freien Felde und im ganzen Volk; die Wache und die streifenden Rotten erschraken auch; und die Erde erbebte. Und so geschah ein Gottesschrecken.

Und die Wächter Sauls zu Gibea in Benjamin sahen, wie das Getümmel hin und her wogte. Da sprach Saul zu dem Volk, das bei ihm war: Zählt und seht, wer von uns weggegangen ist! Und als sie zählten, siehe, da waren Jonatan und sein Waffenträger nicht da. Das Getümmel im Lager der Philister wurde immer größer. Und Saul und das ganze Volk, das bei ihm war, sammelten sich und kamen zum Kampfplatz. Und siehe, da ging eines jeden Schwert gegen den andern, und es war ein sehr großes Getümmel. Und als die Männer Israels in Zeit-Bedrängnis kamen an jenem Tage, belegte Saul das Volk mit einem Fluch und schwor: Verflucht sei jedermann, der etwas isst bis zum Abend, bis ich mich an meinen Feinden räche! Da aß das ganze Volk nichts. Und das kämpfende Volk kam zu den Honigwaben im Wald, da floss der Honig. Aber niemand nahm davon etwas mit der Hand in seinen Mund; denn das Volk fürchtete den Schwur. Jonatan aber hatte nicht gehört, dass sein Vater das Volk mit einem Schwur belegt hatte. Und er streckte seinen Stab aus, den er in seiner Hand hatte, und tauchte die Spitze in den Honigseim und führte seine Hand zum Munde; da strahlten seine Augen. Da hob einer aus dem Volk an und sprach: Dein Vater hat das Volk mit einem Fluch belegt und gesagt: Verflucht sei jedermann, der heute etwas isst! So ist das Volk nun matt geworden. Da sprach Jonatan: Mein Vater bringt das Land ins Unglück; seht, wie strahlend sind meine Augen geworden, weil ich ein wenig von diesem Honig gekostet habe. Hätte doch das Volk heute gegessen von der Beute seiner Feinde, die es gemacht hat! Wäre dann die Niederlage der Philister nicht noch größer geworden? Und Saul befragte Gott: Soll ich hinabziehen den Philistern nach? Willst du sie in Israels Hand geben? Aber Gott antwortete ihm an jenem Tage nicht. Da sprach Saul: Tretet heran, alle ihr Obersten des Volks, und forscht und seht, an wem heute die Schuld liegt. Denn so wahr JHWH lebt: Auch wenn sie bei meinem Sohn Jonatan wäre, so soll er sterben! Aber niemand aus dem ganzen Volk antwortete ihm. Darauf sagte Saul zu JHWH: Gott Israels, gib uns volle Klarheit! Da fiel das Los auf Jonatan. Da sprach Saul: Gott tue mir dies und das; aber Jonatan du musst des Todes sterben! Aber das Volk sprach zu Saul: Sollte Jonatan sterben, der dies große Heil in Israel vollbracht hat? Das sei ferne! So wahr JHWH lebt: Es soll kein Haar von seinem Haupt auf die Erde fallen, denn Gott hat heute durch ihn geholfen. Und so löste das Volk Jonatan aus, sodass er nicht sterben musste.


Gabriel Miller