Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 2)

Ein Mann aus dem Stamm Benjamin Namens Kisch hatte einen Sohn mit Namen Saul, der war ein junger, guter Mann, niemand war so gut wie er, von der Höhe seiner Schulter größer als alles Volk (1. Sam. Kap. 9).

Mit diesen Worten wird der spätere erste König Israels vorgestellt. Er besaß eine weitere positive Eigenschaft, die jedoch für einen König nicht unbedingt hilfreich ist. Er war sehr bescheiden. Als der Prophet Samuel ihn zum König bestimmt hatte, versuchte Saul es mit folgenden Worten abzuwehren: Er sei aus dem kleinsten Stamm der Israeliten und seine Familie sei unbedeutend. Als er später im Angesicht der anderen Stämme zum König gesalbt werden sollte, versteckte er sich und es war problematisch, ihn ausfindig zu machen.

Das tragische Schicksal des Saul nimmt seinen Lauf mit der Begegnung mit dem Propheten Samuel. Vom Anwesen der Familie Kisch sind Eselinnen verschwunden, sie haben sich irgendwie verlaufen, und Vater Kisch hat den Sohn Saul mit einem Mitarbeiter zur Suche ausgeschickt; sie begegneten während der Suche Samuel, der Saul auf das angebliche Geheiß Gottes hin die Königswürde aufdrängte, was er sehr widerwillig tat. Samuel war nämlich der anerkannte Richter und Führer der Israeliten. Als er aber alt wurde, kamen die Ältesten der Stämme zu ihm und forderten ihn auf, einen König zu ernennen. Das passte Samuel gar nicht. Er versuchte die Delegierten von dem Gedanken abzubringen, indem er die Nachteile schilderte, die sie unter einem König würden erleiden müssen: Der König wird Steuern erheben, er wird Männer zum Wehrdienst einziehen, Mädchen für die Besorgung seines Haushalts von ihrem Zuhause wegnehmen und Getreide von den Feldern in Beschlag nehmen. Die Volksvertreter blieben jedoch bei der Forderung nach einem König, der sie gegen die kriegerischen Philister verteidigen würde. Samuel schickte die Stammesvertreter heim, womit er sich Bedenkzeit aushandelte, er befragte Gott, der ebenfalls die Errichtung eines Königtums empfahl (so wird es berichtet, wobei ich der Meinung bin, dass Samuel die Bedenkzeit nutzte, um einen passenden Menschen für diese hohe Aufgabe zu finden, der aber gleichzeitig auf ihn hören würde).

Die Geschichte der Krönung des ersten Königs Israels war der Grund für die Entstehung des folgenden verbreiteten Spruchs: Er suchte die Eselinnen und fand das Königtum. Es ereignete sich tatsächlich so, dass ein junger stattlicher Mann in die Landschaft zog, um entlaufene Eselinnen zu suchen, sie zwar nicht findet, stattdessen aber eine Königskrone erlangt. Es ist eine Metapher für den Fall, dass man nach etwas von geringem Wert sucht und hingegen etwas sehr Wertvolles findet.

Die Wahl Sauls war zunächst vorzüglich. Er bewies alsbald, dass er mutig, tatkräftig und entschlossen handeln konnte: Als der gesalbte Saul zuhause angekommen war, vernahm er, dass die Bewohner von Jawesch-Gilad wehklagten und verzweifelt waren. Auf Befragen berichtete man ihm, dass die Stadt von dem Ammoniter-König Nachasch belagert wurde, der angeboten hatte, auf die Vernichtung der Stadt samt ihren Bewohnern zu verzichten, wenn die Einwohner sich ihr rechtes Auge ausreißen ließen. Da entbrannte sein Zorn sehr:

„Er nahm ein Gespann Rinder und zerstückelte sie und sandte die Stücke in das ganze Gebiet Israels durch Boten und ließ sagen: Wer nicht auszieht hinter Saul und Samuel, mit dessen Rindern wird man ebenso tun. Da fiel der Schrecken des JHWH auf das Volk, dass sie auszogen wie ein Mann. Und er musterte sie zu Besek, und die Israeliten waren dreihunderttausend Mann und die Männer Judas dreißigtausend. Und er sagten den Boten, von Jawesch: Morgen soll euch Hilfe werden, wenn die Sonne aufgeht. Als die Boten heimkamen und das den Männern von Jawesch verkündeten, wurden diese froh. Und die Männer von Jawesch sprachen zu den Ammonitern: Morgen wollen wir zu euch hinausgehen, dass ihr mit uns alles tut, was euch gefällt. Am andern Morgen teilte Saul das Volk in drei Heerhaufen, und sie kamen ins Lager um die Zeit der Morgenwache und schlugen die Ammoniter, bis es Mittag wurde. Die übriggebliebenen Ammoniter wurden so zerstreut, dass von ihnen nicht zwei beieinanderblieben“ (1. Sam. Kap. 11).


Gabriel Miller