Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 12)

Es war hier schon die Rede von Absaloms königlichen Allüren, und zwar dass er sich einen Wagen anschaffte und Rosse und fünfzig Mann, die seine Leibwache waren. Er ging noch weiter, indem er Aufgaben des Königs übernahm: des Morgens machte er sich auf und trat an den Weg bei dem Tor. Und wenn jemand einen Rechtsstreit hatte und deshalb zum König vor Gericht gehen wollte, rief ihn Absalom zu sich und sprach: Aus welcher Stadt bist du? Wenn der dann sagte: Dein Knecht ist aus dem und dem Stamm Israels, so sprach Absalom zu ihm: Siehe, deine Sache ist gut und recht; aber du hast beim König keinen, der dich hört. Und Absalom sprach: Oh, wer setzt mich zum Richter im Lande, dass jedermann zu mir käme, der einen Streit oder eine Rechtssache hat, damit ich ihm zum Recht helfe! Und wenn jemand ihm nahte und vor ihm niederfallen wollte, so streckte er seine Hand aus, ergriff ihn und küsste ihn. Auf diese Weise tat Absalom mit allen Israeliten, wenn sie vor Gericht kamen zum König. So stahl Absalom das Herz der Männer Israels.

Nach vier Jahren sprach Absalom zum König: Ich will hingehen und mein Gelübde in Hebron erfüllen, das ich JHWH gelobt habe. Der König sprach zu ihm: Geh hin in Frieden! Und er machte sich auf und ging nach Hebron. Absalom aber hatte Kundschafter ausgesandt an alle Stämme Israels und sagen lassen: Wenn ihr den Schall der Posaune hört, so ruft: Absalom ist König geworden zu Hebron. Es gingen mit Absalom zweihundert Mann von Jerusalem. Als Absalom die Opfer darbrachte, sandte er auch zu Achitofel aus Gilo, Davids Ratgeber, und ließ ihn holen aus seiner Stadt Gilo. Und die Verschwörung wurde stark, und es sammelte sich immer mehr Volk um Absalom.

Da kam einer, der sagte es David an und sprach: Jedermanns Herz in Israel hat sich Absalom zugewandt. David aber sprach zu allen seinen Leuten, die bei ihm in Jerusalem waren: Auf, lasst uns fliehen! Denn hier wird kein Entrinnen sein vor Absalom. Eilt, dass wir gehen, damit er uns nicht einholt und uns ergreift und Unheil über uns bringt und die Stadt schlägt mit der Schärfe des Schwerts. Und der König zog hinaus und sein ganzes Haus ihm nach. Der König aber ließ zehn Nebenfrauen zurück, das Haus zu bewahren. Und alle seine Knechte zogen an ihm vorüber; dazu alle Söldner aus den Völkern der Kreter und Pleter, auch alle sechshundert Krieger aus Gat, die ihm nachgefolgt waren, zogen an dem König vorüber. Und der König kam mit allem Volk, das bei ihm war, müde an den Jordan und ruhte dort aus. Und David kam nach Machanajim. Aber Absalom zog über den Jordan und alle Männer Israels mit ihm.

Und David ordnete das Kriegsvolk, das bei ihm war, und setzte über sie Hauptleute über Tausend und über Hundert und stellte ein Drittel des Volks unter Joab und ein Drittel unter Abischai, Joabs Bruder, und ein Drittel unter Ittai aus Gat. Und der König trat ans Tor, und das ganze Kriegsvolk zog aus zu Hundert und zu Tausend. Und der König gebot Joab und Abischai und Ittai und sprach: Schont mir den jungen Absalom! Und das ganze Kriegsvolk hörte es, als der König allen Hauptleuten wegen Absalom diesen Befehl gab. Und als das Kriegsvolk hinauskam aufs Feld Israel entgegen, kam es zum Kampf im Wald Ephraim. Und das Volk Israels wurde dort geschlagen von den Kriegern Davids. Und der Kampf breitete sich dort aus über die ganze Gegend, und der Wald fraß an diesem Tage viel mehr Volk, als das Schwert fraß. Und Absalom begegnete den Kriegern Davids und ritt auf einem Maultier. Und als das Maultier unter eine große Eiche mit dichten Zweigen kam, blieb sein Haupt an der Eiche hängen, und er schwebte zwischen Himmel und Erde; denn sein Maultier lief unter ihm weg. Als das ein Mann sah, tat er's Joab kund. Da nahm Joab drei Stäbe in seine Hand und stieß sie Absalom ins Herz, als er noch lebend an der Eiche hing. Und zehn Knappen Joabs umringten Absalom und schlugen ihn tot. Da ließ Joab die Posaune blasen, und das Volk jagte Israel nicht weiter nach.

Vom Schlachtfeld kam ein Mohr mit Nachrichten zum Lager des Königs, da fragte der König: Geht es dem jungen Absalom gut? Der Mohr sprach: Es müsse den Feinden des Königs ergehen, wie es dem jungen Mann ergangen ist. Da erbebte der König und weinte, und im Gehen rief er: Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wollte Gott, ich wäre für dich gestorben! O Absalom, mein Sohn, mein Sohn!


Gabriel Miller