Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
Schriftgröße verkleinern Trennstrichnormale Schriftgröße wiederherstellen Trennstrich Schriftgröße vergrößern

Suchen in dieser Webseite

Rechtsgeschichte-Propheten-Samuel-10

Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 10)

Bald darauf, nach der Verkündung der Strafen, die Nathan dem David prophezeit hatte, beginnen schwere Ereignisse das Haus des Königs zu erschüttern. Amnon, Davids ältester Sohn und Thronfolger war bedrückt. Und warum das? Er liebte seine Schwester Tamar (eine Halbschwester von Seitens des Vaters), die besonders schön war. Das an und für sich wäre nicht schlimm gewesen, aber „sie war Jungfrau und es schien Amnon unmöglich, ihr etwas anzutun“, also war seine Liebe nicht uneigennützig, er wollte mit ihr Sex haben. Und wie es so bei verwöhnten Prinzen, die keine Sorgen haben, halt ist, dachte er, alles stünde ihm zu. Er hatte auch einen privaten Berater (als Thronfolger stand ihm das offensichtlich auch zu), der ihm geraten hat, sich krankzustellen und beim Besuch des Vaters ihm zu erklären, er könne genesen, wenn Tamar ihm einen Eierkuchen zubereiten und ihn damit speisen würde. So geschah es auch, jedoch als Tamar ihrem Bruder die Speise brachte, forderte er sie auf, mit ihm zu schlafen. Sie sagte ihm: „rede doch mit dem König, er wird mich dir nicht verweigern“ (da eine Ehe zwischen Geschwistern mit einem gemeinsamen Vater nicht verboten war). Amnon wollte das aber nicht und er vergewaltigt sie. Danach empfand Amnon eine sehr große Abneigung gegen sie; ja, der Hass, den er dann fühlte, war größer als die Liebe, mit der er sie geliebt hatte. Amnon sagte zu ihr: Steh auf, geh weg! Er rief seine Diener und sagte: Bringt dieses Mädchen da von mir weg auf die Straße hinaus und schließt die Tür hinter ihr ab! Tamar aber streute sich Asche auf das Haupt und zerriss das Ärmelkleid, das sie anhatte, sie legte ihre Hand auf den Kopf und ging schreiend fort. (2. Samuel, Kap. 13)

Das Verhalten Amnons verdient eine psychologische Analyse, die jeder für sich versuchen könnte.

Der Bruder von Tamar (von beiden Elternteilen) Absalom (Hebr. = Avschalom) fragte sie: War dein Bruder Amnon bei dir? Man merke, wie rücksichtsvoll sich Absalom ausdrückt! Sprich nicht darüber, meine Schwester, er ist ja dein Bruder. Nimm dir die Sache nicht so zu Herzen! Von da an lebte Tamar einsam im Haus ihres Bruders Absalom. Zur Familien-Einstellung von Absalom sagt uns die Bibel: Und Absalom wurden drei Söhne geboren und eine Tochter, die hieß Tamar, und sie war eine sehr schöne Frau.

Und König David erfuhr von der ganzen Sache und wurde darüber sehr ärgerlich, jedoch unternahm er nichts, obschon es seine Pflicht als oberster Richter gewesen wäre. Absalom meinte jedoch, diese Aufgabe übernehmen zu müssen und wartete auf eine passende Gelegenheit.

Zwei Jahre später ließ Absalom seine Schafe scheren. Er ging zum König und sagte: Dein Knecht lässt gerade seine Schafe scheren. Der König möge doch samt seinen Söhnen mich dorthin begleiten. David wollte aber nicht zur Feier gehen. Absalom bedrängte ihn, und der König ließ seine anderen Söhne mit ihm gehen. Absalom befahl seinen Leuten: Gebt Acht: Wenn Amnon vom Wein guter Laune ist, werde ich zu euch sagen: Schlagt Amnon tot! Dann tötet ihn! Habt keine Angst! Ich selbst habe es euch ja befohlen. Seid mutig und tapfer! Absaloms Leute machten mit Amnon, wie ihnen befohlen wurde.

Als der König vom Tod Amnons erfuhr, stand er auf, zerriss seine Kleider und warf sich zu Boden. Auch alle seine Diener, die um ihn herumstanden, zerrissen ihre Kleider.

Absalom aber floh und ging zu Talmai, dem König von Geschur, und David trauerte lange Zeit um seinen Sohn. Absalom war also geflohen und nach Geschur gegangen; dort blieb er drei Jahre. Geschur war ein kleines Königreich auf der Ostseite des Sees Genezareth, dessen Bewohner zum Volk der Aramäer gehörten. Der König war ein Vasal des Reiches David. Die Mutter von Absalom war eine Geschur-Prinzessin, die König David möglicherweise aus politischen Erwägungen zur Frau nahm, vielleicht auch weil sie eine exotische Schönheit war. Über ihren Sohn heißt es: Es war aber in ganz Israel kein Mann so schön wie Absalom, und er hatte dieses Lob von allen; von der Fußsohle bis zum Scheitel war kein Makel an ihm. Dann aber hörte der König allmählich auf, gegen Absalom zu hadern; denn er hatte sich damit abgefunden, dass Amnon tot war.


Gabriel Miller