Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Samuel (Folge 1)

Wie bei so manchen Helden und besonderen Persönlichkeiten der Antike, ist auch die Geburt von Samuel mit ungewöhnlichen Kennzeichen behaftet. Seine Mutter Hanna war kinderlos und betete um ein Kind und versprach für den Fall, dass sie einen Sohn bekäme, ihn als Diener Gottes JHWH zu weihen.

Sie gebar dann ihren Sohn Samuel, und als er entwöhnt war, brachte sie ihn nach Schilo in das Haus des Hohepriesters Eli, in dem auch die Bundeslade aufbewahrt war, damit er dort für immer bleibe. Als Samuel erwachsen wurde, anerkannte ganz Israel von Dan bis Beerscheba, dass er damit betraut war, Prophet JHWHs zu sein. Der Begriff Prophet war offensichtlich ungewöhnlich, denn es heißt da: der Prophet wurde früher Seher genannt. Also wahrscheinlich ein Hellseher. Und tatsächlich berichtet die Bibel später, als Samuel den Saul zum König salbte, sagte er ihm: „Wenn du jetzt von mir gehst, so wirst du zwei Männer finden bei dem Grabe Rahels; die werden zu dir sagen: Die Eselinnen sind gefunden, die du zu suchen ausgezogen bist. Wenn du von da weitergehst, wirst du zur Eiche Tabor kommen; dort werden dich drei Männer treffen, die hinaufgehen nach Bethel. Einer trägt drei Böcklein, der andere drei Brote, der dritte einen Krug mit Wein. Und sie werden dich freundlich grüßen und dir zwei Brote geben. Die sollst du annehmen. Danach wirst du nach Gibea kommen, dort wird dir eine Schar von Propheten begegnen, die von der Höhe herabkommen, und vor ihnen her Harfe und Pauke und Flöte und Zither, und sie werden in Verzückung sein. Und der Geist des JHWH wird über dich kommen, dass du mit ihnen in Verzückung gerätst; da wirst du umgewandelt und ein anderer Mensch werden. Wenn für dich nun diese Zeichen eintreffen, so tu, was dir vor die Hand kommt; denn Gott ist mit dir.“ Und alle diese Zeichen trafen ein an demselben Tag.

Samuel war nicht nur Hellseher, er sprach mit Gott von Du zu Du. Als er eines Tages das Volk zurechtwies, sprach er: „Ist nicht jetzt die Weizenernte? Ich will aber JHWH anrufen, dass er soll donnern und regnen lassen, damit ihr innewerdet und seht, dass ihr getan habt, was JHWH sehr missfiel, als ihr euch einen König erbeten habt. Und als Samuel JHWH anrief, ließ JHWH donnern und regnen an demselben Tage. Da fürchtete das ganze Volk JHWH und Samuel gar sehr.“

Die Söhne Samuels wandelten nicht in seinen Wegen, sondern suchten ihren Vorteil, beugten das Recht. Da versammelten sich alle Ältesten Israels und kamen und nahmen Geschenke mit zu Samuel und sprachen zu ihm: „Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen. So setze nun einen König über uns, der uns richte, wie ihn alle Völker haben. Das missfiel Samuel, dass sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte. Und Samuel betete zu JHWH. Dieser aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir sagen; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll. So wie sie mir immer getan haben, so tun sie nun auch dir.“ Mit den letzten Worten werden Gott und Samuel auf die gleiche Ebene gestellt.

Der von Samuel gesalbte König Saul, wurde zu selbstbewusst, was Samuel mit der Zeit missfiel, da er dadurch an Macht verlor, und er wollte einen Gefügigeren König salben*, der in seinem Sinne agierte. Und JHWH sprach zu Samuel: Wie lange trägst du Leid (= trauerst Du) um Saul, den ich verworfen habe, dass er nicht mehr König sei über Israel? Fülle dein Horn mit Öl und geh hin zu dem Isai in Bethlehem; denn unter seinen Söhnen habe ich mir David zum König ersehen. Samuel aber sprach: Wie kann ich hingehen? Saul wird es erfahren und mich töten. JHWH sprach: Nimm eine junge Kuh mit dir und sprich: Ich bin gekommen, JHWH zu opfern.“ Gott, wie ein anwaltlicher Ratgeber, erklärt Samuel, wie er ein Täuschungsmanöver vollziehen soll!

Der Unterschied zu den Mythologien anderer Völker besteht im wesentlichen darin, dass es sich in den biblischen Erzählungen meistens um einen einzigen Gott handelt. Die Bibel kennt kein Pantheon.

* War nicht Samuel selbst schuld daran, dass Saul sich beeilte, selber die Opferung zu vollziehen? (1. Samuel, Kap. 10, Vers 5-14)

Gabriel Miller