Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Richter (Folge 6)

Trojanischer Krieg

Die Geschichte von Agamemnon und seiner Tochter Iphigenie ist Teil des bekannten Mythos und stellt eine Episode im größeren Zusammenhang des Trojanischen Krieges dar. Zahlreiche verschiedene Versionen des Mythos sind bekannt. Das Drama des Euripides heißt: Iphigenie in Aulis. Als die Streitmacht der Griechen unter der Führung von Agamemnon die Insel Aulis wegen einer langanhaltenden Flaute nicht verlassen kann, wird Agamemnon prophezeit, er müsse seine Tochter opfern, um die Göttin Artemis wohlwollend zu stimmen. Agamemnon ist in der Fassung des Euripides der bloßen Willkür der Göttin ausgeliefert. Die Lage Agamemnons ist damit durchaus tragisch, zumal Euripides in seiner Fassung des Mythos den vorhergehenden Frevel Agamemnons eliminiert, der ursprünglich erst die Göttin erzürnt hatte.

In der Zwischenzeit hat Achill Iphigenie seinen Schutz angeboten, was zwangsläufig zum Kampf führen muss. In dieser Situation entschließt sich Iphigenie zum freiwilligen Opfertod. Sie sieht sich dem griechischen Volk im Kampf gegen Troja verpflichtet. Während der Opferzeremonie wird sie dann aber von der Göttin Artemis nach Tauris entrückt und an ihrer Stelle wird eine Hirschkuh geopfert. Nach dem Opfer kommt Wind auf, und die Griechen können in See stechen.

In Aischylos’ Tragödie wird Iphigenie am Ende tatsächlich geopfert.

Richter Kap. 11

Der neue Richter, bzw. Regent, Held, Feldherr, hieß Jiftach. Wie er es geworden ist, kann in der Bibel nachgelesen werden. Nun ging es darum, dass die Israeliten von den Ammonitern bedrängt wurden, und Jiftach musste gegen sie in den Kampf ziehen. Da kam der Geist des JHWH über Jiftach, und er zog gegen die Ammoniter. Jiftach legte JHWH ein Gelübde ab und sagte: Wenn du die Ammoniter wirklich in meine Hand gibst, und wenn ich wohlbehalten von den Ammonitern zurückkehre, dann soll, wer immer mir aus der Tür meines Hauses entgegenkommt, JHWH gehören und ich will ihn als Brandopfer darbringen.

Darauf zog Jiftach gegen die Ammoniter in den Kampf, und JHWH gab sie in seine Hand. So mussten sich die Ammoniter vor den Israeliten beugen.

Als nun Jiftach nach Mizpa zu seinem Hause kam, siehe, da ging seine Tochter heraus ihm entgegen mit Pauken im Reigen. Sie war sein einziges Kind, und er hatte sonst keinen Sohn und keine Tochter. Und als er sie sah, zerriss er seine Kleider und sprach: Ach, meine Tochter, wie beugst du mich und betrübst mich! Denn ich habe meinen Mund aufgetan vor JHWH und kann's nicht widerrufen. Sie aber sprach: Mein Vater, hast du deinen Mund aufgetan vor JHWH, so tu mit mir, wie dein Mund geredet hat, nachdem JHWH dich gerächt hat an deinen Feinden, den Ammonitern. Und sie sprach zu ihrem Vater: Du wollest mir das gewähren: Lass mir zwei Monate, dass ich hingehe auf die Berge und meine Jungfrauschaft beweine mit meinen Gespielinnen. Und nach zwei Monaten kam sie zurück zu ihrem Vater. Und er tat ihr, wie er gelobt hatte, und sie hatte nie einen Mann erkannt. „Und es ward zur Satzung in Israel, dass die Töchter Israel von Jahr zu Jahr hingehen, zu klagen um die Tochter Jiftach vier Tage im Jahr“.

Warum dieser Kommentar einen griechischen Mythos enthält?

Beide Geschichten stammen aus der Antike, jedoch aus unterschiedlichen Kulturen und vermutlich aus anderen Jahrhunderten. Es fällt jedoch auf, dass es sich in beiden Sagen um eine Opferung von Töchtern der Feldherren im Zusammenhang mit einem Krieg handelt, und die opfernden Väter leiden darunter. Ich will keinen Kommentar dazu anbieten, eher zum Nachdenken anregen. Dazu liefern die Sagen reichlich Ideen.


Gabriel Miller