Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Richter (Folge 5)

Gideon verstarb und hinterließ siebzig Söhne. Ein zusätzlicher Sohn, von einer Hure stammend, lebte in der Stadt Sichem. Dieser hieß Abimelech (Hebräisch = Königsvater); und da er schon so hieß, dachte er sich, ebenso gut könnte er es auch sein. Er ließ sich von den Ältesten der Stadt zum König ausrufen. Er sammelte um sich Taugenichtse und liquidierte alle seine Brüder. Ein junger Bruder, Jotam, konnte sich verstecken und dem Massaker entkommen. Jotam war nicht nur schlau, sondern auch gebildet. Er hat daraufhin ein schönes Gleichnis verfasst und es den Leuten von Sichem vorgetragen. Dieses literarische Werk des Altertums wird traditionell Jotams Fabel genannt. Jotam ging hin und stellte sich auf den Gipfel des Berges Garizim, erhob seine Stimme und sprach: Höret mich, ihr Herren von Sichem, dass Gott es auch mit anhöre.

Die Bäume gingen hin, um einen König über sich zu salben, und sprachen zum Ölbaum: Sei unser König! Aber der Ölbaum antwortete ihnen: Soll ich meine Fettigkeit lassen, die Götter und Menschen an mir preisen, und mich um die Bäume kümmern? Die Bäume haben die gleiche Würde anderen Fruchtbäumen angeboten und bekamen die gleiche ablehnende Antwort. Zum Schluss boten sie die Königswürde dem Dornbusch. Er war nicht abgeneigt und sprach: Ist's wahr, dass ihr mich zum König über euch salben wollt, so kommt und bergt euch in meinem Schatten; wenn nicht, so gehe Feuer vom Dornbusch aus und verzehre die Zedern Libanons.

Nun wandte sich Jotam an die Leute von Sichem: Habt ihr nun recht und redlich getan, dass ihr Abimelech zum König gemacht habt? Und habt ihr wohlgetan an Jerubbaal und an seinem Hause? Denn mein Vater hat für euch gekämpft und sein Leben gewagt und euch aus der Hand Midians errettet. Aber ihr habt euch heute gegen meines Vaters Haus aufgelehnt und seine Söhne getötet, siebzig Mann auf einem Stein, und habt Abimelech, seiner Magd Sohn, zum König über die Herren von Sichem gemacht, weil er euer Bruder ist. Habt ihr nun heute recht und redlich gehandelt an Jerubbaal und an seinem Hause, so seid froh über Abimelech, und er sei froh über euch. Wenn aber nicht, so gehe Feuer aus von Abimelech und verzehre die Herren von Sichem, und gehe auch Feuer aus von den Herren von Sichem und verzehre Abimelech. Und Jotam floh vor seinem Bruder Abimelech (im Kap. 9 ist diese Fabel ausführlicher und eindrucksvoller zu lesen).

Was es mit der Fabel auf sich hat – darüber berichtet die Bibel im Weiteren:

Als erstes lesen wir, wie Abimelech die Stadt Sichem zerstörte und ihre Bewohner erschlug. Es kam nämlich so: Ein Aufständischer aus Sichem, namens Gaal, versammelte kampflustige Männer um sich, um Abimelech fortzujagen. Gaal zog mit seinen Leuten vor das Stadttor. Abimelech, der das vorzeitig erfahren hatte, machte sich auf aus dem Hinterhalt samt dem Volk, das mit ihm war. Als nun Gaal das Volk sah, sprach er zu seinem angeblichen Vertrauten Sebul, der aber offensichtlich ein Anhänger von Abimelech war: Siehe, da kommt Kriegsvolk von den Höhen des Gebirges herab. Sebul aber sprach zu ihm: Du siehst die Schatten der Berge für Leute an. Nach einer Weile sagte Gaal: Siehe, Kriegsvolk kommt herab vom Nabel der Erde, und ein Heer kommt daher auf dem Wege. Da sprach Sebul zu ihm: Wo ist nun dein Maul, das da sagte: Wer ist Abimelech, dass wir ihm dienen sollten? Ist das nicht das Kriegsvolk, das du verachtet hast? Zieh nun hin und kämpfe mit ihm! Gaal zog aus von Sichem und kämpfte mit Abimelech. Aber Abimelech jagte ihm nach, dass er vor ihm floh, und viele blieben erschlagen liegen bis an das Tor. Als Abimelech hörte, dass sich alle Herren in der Burg von Sichem versammelt hatten, ging er mit seinem ganzen Kriegsvolk, nahm eine Axt in seine Hand und hieb einen Ast vom Baum. Da hieb jeder von seinem Volk einen Ast ab, und sie folgten Abimelech und legten die Äste auf das Gewölbe und setzten es in Brand, sodass auch alle in der Burg von Sichem starben. Abimelech zog dann zu einer anderen starken Burg. Als er sich dem Burgtor näherte, um es mit Feuer zu verbrennen, da warf eine Frau vom Dach des Turms einen Mühlstein auf Abimelechs Kopf und zerschmetterte ihm den Schädel und er starb.

Jotams Fabel erwies sich als Prophezeiung. Wie auch immer – es ist eine schöne Geschichte und lesenswert.


Gabriel Miller