Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Richter (Folge 3)

Vierzig Jahre herrschte Frieden im Land der Israeliten, nach dem Sieg der Deborah über das Kanaanitische Heer unter der Leitung des Feldherrn Sisera mit seinen neunhundert Panzerwagen; und dann… die Israeliten taten, was JHWH missfiel, und er gab sie in die Hand Midians sieben Jahre. Und die Hand Midians wurde stark über Israel. Und immer, wenn Israel gesät hatte, kamen Midian und Amalek und lagerten gegen sie und vernichteten die Ernte des Landes und ließen nichts übrig an Nahrung in Israel, weder Schafe noch Rinder noch Esel.

Da schrien die Israeliten zu JHWH. Ein Engel des JHWH kam und setzte sich unter die Eiche bei Ofra, die gehörte Joasch, und sein Sohn Gideon drosch Weizen in der Kelter, damit er ihn verberge vor Midian. Da erschien ihm der Engel des JHWH und sprach zu ihm: JHWH mit dir, du wackerer Held! Gideon aber sprach zu ihm: Ach, mein Herr! Ist JHWH mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren? Und wo sind alle seine Wunder, die uns unsere Väter erzählten und davon sprachen? Nun aber hat uns JHWH verstoßen und in die Hand Midians gegeben. JHWH aber wandte sich zu ihm und sprach: Geh hin in dieser deiner Kraft; du sollst Israel erretten aus den Händen der Midianiter. Siehe, habe ich dich doch gesandt! Er aber sprach zu ihm: Ach, mein Herr, womit soll ich Israel erretten? Siehe, mein Geschlecht ist das geringste in Menasse, und ich bin der Jüngste in meines Vaters Hause. JHWH aber sprach zu ihm: Ich will mit dir sein, dass du Midian schlagen sollst wie einen Mann. Er aber sprach zu ihm: Habe ich Gnade vor dir gefunden, so mach mir doch ein Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet. Geh nicht fort, bis ich wieder zu dir komme und meine Gabe bringe und sie vor dir hinlege. Der Engel sprach: Ich will bleiben, bis du wiederkommst.

Wir unterbrechen kurz die biblische Erzählung und machen auf folgendes aufmerksam: Gideon will einen Beweis erhalten, dass der Mann, der mit ihm spricht, ein Gesandter Gottes ist. Nicht dass er misstrauisch ist, aber sicher ist sicher. Wir haben in dem ersten Kommentar zum Buch Richter gesehen, dass Eglon, der König von Moab, seine Naivität mit dem Leben bezahlen musste. Der Israelit Ehud, der dann Richter wurde, brachte dem König Steuern der unterdrückten Israeliten und sagte ihm, er habe ihm eine Botschaft von Gott mitzuteilen. Da schickte der König seine Leute hinaus und stand vom Thron auf, so konnte Ehud ihn erstechen. Ich vermute, dass zu jener Zeit es einigen Gaunern gelungen ist, sich bei naiven Menschen, glaubhaft als Gottes Boten auszugeben, um etwas, was immer es auch gewesen sein mag, zu erreichen. (Nicht anders als heute, wenn man z.B. in der Zeitung liest, dass Betrüger sich am Telefon bei alten Menschen als Polizeibeamte ausgeben, ihr Vertrauen gewinnen, und letztendlich ihr Bankkonto ausräumen).

In der Bibel ist öfter die Rede von Engeln, die in menschlicher Gestalt einer gewissen Person erscheinen und eine Botschaft oder Weissagung im Namen Gottes verkünden. Wenn der Engel seine himmlische Herkunft nicht unter Beweis stellt, kann die Person einem Gauner in die Falle geraten und so in echte Bedrängnis kommen. Wie es aber unserem Helden Gideon ergangen ist, erfahren wir ausführlich aus der Bibel:

Gideon ging hin und richtete ein Ziegenböcklein zu und ungesäuerte Brote von einem Scheffel Mehl und legte das Fleisch in einen Korb und tat die Brühe in einen Topf und brachte es zu ihm (dem Boten) hinaus unter die Eiche und setzte es ihm vor. Aber der Engel Gottes sprach zu ihm: Nimm das Fleisch und die Brote und lege sie hin auf den Felsen hier und gieß die Brühe darüber. Und er tat es. Da streckte der Engel des JHWH den Stab aus, den er in der Hand hatte, und berührte mit der Spitze das Fleisch und die Brote. Da fuhr Feuer aus dem Felsen und verzehrte das Fleisch und die Brote. Und der Engel des JHWH entschwand seinen Augen. Als nun Gideon sah, dass es der Engel des JHWH war, sprach er: Ach, Herr JHWH! Fürwahr, ich habe den Engel des JHWH von Angesicht zu Angesicht gesehen. Aber JHWH sprach zu ihm: Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben. Da baute Gideon dem JHWH dort einen Altar und nannte ihn »JHWH ist Frieden«. Der steht noch bis auf den heutigen Tag in der Stadt Ofra.


Gabriel Miller