Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Richter (Folge 2)

Man kann nicht sagen, dass die (hebräische) Bibel von Feministinnen geschrieben wurde, jedoch zur Ehrenrettung der männlichen Verfasser könnte man schon feststellen, dass in den Fällen, wo eine Frau in der Geschichte, nicht nur im häuslichen Leben, eine wichtige Rolle spielte, dies auch unumwunden dargestellt wurde.

Der bekannte Teufelskreis: Die Israeliten erbosten JHWH, und er lieferte sie in die Hand des Königs von Kanaan und dessen Heerführer Sisera. Da schrien die Israeliten zu JHWH, denn Sisera besaß neunhundert eiserne Kampfwagen und hatte die Israeliten zwanzig Jahre lang grausam unterdrückt.

Damals war die Prophetin Debora Richterin in Israel. Sie hatte ihren Sitz unter der Debora-Palme bei Bet-El im Gebirge Efraim, und die Israeliten kamen zu ihr hinauf zum Gericht. Sie sandte hin zu Barak ben Abinoam aus Kedesch-Naftali, rief ihn herbei und sagte zu ihm: JHWH, der Gott Israels, befiehlt: Geh hin, zieh auf den Berg Tabor und nimm zehntausend Mann vom Stamm Naftali und vom Stamm Sebulon mit dir; und ich werde Sisera, den Heerführer Jabins, mit seinen Wagen und seiner Streitmacht zu dir an den Bach Kischon lenken und ihn in deine Hand geben.

Was will man mehr? Aber Barak hat Zweifel; oder aber etwa Angst? Barak sagte zu ihr: Wenn du mit mir gehst, werde ich gehen, wenn du aber nicht mit mir gehst, werde ich nicht gehen. (Dieser Satz ist zu einem Sprichwort geworden). Was blieb der Prophetin übrig – sie sagte zu, jedoch warnte sie ihn, dass der Siegesruhm ihm nicht zuteilwürde, „sondern in die Hand einer Frau wird JHWH Sisera ausliefern“. Und Debora machte sich auf und ging zusammen mit Barak nach Kedesch. Barak rief Sebulon und Naftali in Kedesch zusammen, und zehntausend Mann folgten ihm auf den Tabor hinauf. Auch Debora ging mit ihm.

Als man nun Sisera meldete, dass Barak ben Abinoam auf den Berg Tabor gezogen sei, beorderte er alle seine Wagen - neunhundert eiserne Kampfwagen - und das ganze Kriegsvolk, das er bei sich hatte, an den Bach Kischon. Da sagte Debora zu Barak: Auf! Denn das ist der Tag, an dem JHWH Sisera in deine Hand gegeben hat. Ist doch JHWH vor dir hergezogen. Barak zog also vom Berg Tabor herab, zehntausend Mann hinter sich. Und JHWH brachte Sisera, alle seine Wagen und seine ganze Streitmacht mit ihren scharfen Schwertern in große Verwirrung. Barak verfolgte die Wagen und das fliehende Heer. Das ganze Heer Siseras fiel unter dem scharfen Schwert; nicht ein einziger Mann blieb übrig. Sisera aber sprang vom Wagen und floh zu Fuß.

Und nun kommt die zweite Heldin in dieser Geschichte zum Vorschein – Jaël. Sie war die Frau des Keniters Namens Heber. Der Stamm der Keniter lebte in Kanaan mit den israelitischen Stämmen. Aber auch zwischen Jabin, dem König von Sisera, und der Familie des Keniters Heber herrschte Frieden, also ist Sisera zu Fuß zum Zelt der Jaël geflohen. Jaël trat heraus, Sisera entgegen, und sagte zu ihm: Kehr ein, Herr, kehr ein bei mir, hab keine Angst! Da kehrte er ein bei ihr ins Zelt, und sie deckte ihn mit einer Decke zu. Er sagte zu ihr: Gib mir doch etwas Wasser zu trinken, ich habe Durst. Sie öffnete einen Schlauch mit Milch und gab ihm zu trinken; dann deckte sie ihn wieder zu. Er sagte zu ihr: Stell dich an den Zelteingang, und wenn einer kommt und dich fragt: Ist jemand hier? dann antworte: Nein. Doch Jaël holte einen Zeltpflock, nahm einen Hammer in die Hand, ging leise zu Sisera hin und schlug ihm den Zeltpflock durch die Schläfe. So fand der Tyrann den Tod. Barak, der Sisera nachjagte, kam vorbei, da trat ihm Jaël entgegen und sagte zu ihm: Komm, ich zeige dir den Mann, den du suchst. Er ging mit ihr hinein und siehe, Sisera lag tot da. Und das Land hatte vierzig Jahre Ruhe.

Für den Chronisten war damit die Geschichte um Debora und Jaël, die das Volk vom Joch des Feindes befreiten, zu Ende, nicht jedoch für den Dichter und Frauenbewunderer. Es folgt ein episches Lied, das die heroische Tat der beiden Heldinnen und den ganzen Hintergrund in einer Gedichtform (über 31 Verse im Kapitel 5) besingt. Wobei man nicht weiß, ob dieses Lied in der Zeit der Richter oder Jahrhunderte später verfasst und in das Buch an dieser Stelle eingebaut wurde.


Gabriel Miller