Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Richter (Folge 1)

Ungewöhnlich für die biblischen Bücher findet man im Buch Richter gleich am Anfang (Kap. 2) eine Einleitung, vielmehr ein Inhaltsbeschreibung, die das Buch in Kürze sehr gut beschreibt; und zwar wie folgt:

Die Israeliten taten, was in den Augen JHWH böse ist, und dienten dem Baal. Sie verließen JHWH, den Gott ihrer Väter, und liefen anderen Göttern nach, Göttern der Völker, die rings um sie her wohnten. Als sie JHWH verließen und dem Baal und den Astarten dienten, entbrannte der Zorn des JHWH gegen Israel. Er gab sie in die Hand von Plünderern und in die Hand ihrer Feinde ringsum preis. Sooft sie auch in den Krieg zogen, war die Hand JHWHs gegen sie zum Unheil, wie JHWH gesagt und ihnen geschworen hatte. So gerieten sie in große Not. JHWH aber setzte Richter ein, und die retteten sie aus der Hand derer, die sie ausplünderten. Wenn aber JHWH bei ihnen Richter einsetzte, dann war JHWH mit dem Richter und rettete die Israeliten aus der Hand ihrer Feinde, solange der Richter lebte. Sobald aber der Richter gestorben war, wurden sie rückfällig, liefen anderen Göttern nach. Sie ließen nicht ab von ihrem bösen Treiben und von ihrem störrischen Verhalten.

Der erste Richter, der die Israeliten vor dem Feind rettete, hieß Otniël ben Kenas: Folgendes wird von ihm berichtet: Die Israeliten taten, was in den Augen des JHWH böse ist. JHWH gab sie der Hand des Kuschan- Rischatajim preis, des Königs von Aram in Mesopotamien. So mussten die Israeliten acht Jahre lang Kuschan- Rischatajim dienen. Als die Israeliten zu JHWH schrien, setzte er den Israeliten einen Retter ein: Otniël, Sohn des Kenas. Der Geist des JHWH kam über ihn, und er richtete Israel. Er zog in den Kampf, und JHWH gab Kuschan-Rischatajim in seine Hand. Darauf hatte das Land vierzig Jahre lang Ruhe.

Aber die Israeliten taten wiederum, was JHWH missfiel. Da machte er Eglon, den König von Moab, stark gegen Israel. Und der sammelte um sich auch die Ammoniter und Amalek und zog hin und schlug Israel. Und die Israeliten dienten Eglon, dem König von Moab, achtzehn Jahre. Da schrien die Israeliten zu dem HERRN, und der HERR erweckte ihnen einen Retter, Ehud ben Gera; der war linkshändig. Und als die Israeliten durch ihn Geschenke sandten an Eglon, den König von Moab, machte sich Ehud einen zweischneidigen Dolch, eine Hand lang, und gürtete ihn unter sein Gewand auf seine rechte Hüfte, und brachte Eglon, dem König von Moab, die Geschenke. Eglon aber war ein sehr fetter Mann. Und als er die Geschenke übergeben hatte, entließ er die Leute, die sie getragen hatten. Ehud selbst aber sagte: Ich habe dir, o König, etwas Geheimes zu sagen. Der aber gebot: Still! Da gingen hinaus von ihm alle, die um ihn standen. Und Ehud sprach: Ich habe ein Wort von Gott an dich. Da stand er auf von seinem Thron. Ehud aber streckte seine linke Hand aus und nahm den Dolch von seiner rechten Hüfte und stieß ihm den in den Bauch, dass nach der Schneide noch der Griff hineinfuhr und das Fett die Schneide umschloss; denn er zog den Dolch nicht aus seinem Bauch. Aber Ehud ging zur Halle hinaus, machte die Tür des Obergemachs hinter sich zu und verschloss sie. Als er nun hinausgegangen war, kamen die Leute des Königs und sahen, dass die Tür des Obergemachs verschlossen war, und sprachen: Er ist vielleicht austreten gegangen in die kühle Kammer.

Ehud aber war entronnen. Er floh in das Gebirge Ephraim (zu dem mächtigsten Stamm unter den Israeliten). Er blies die Posaune und rief das Volk auf zum Kampf. Die Israeliten zogen mit ihm, und er sprach zu ihnen: Schnell mir nach! Denn JHWH hat Moab, euren Feind, in eure Hände gegeben! Und sie zogen hinter ihm hinab und besetzten die Furten am Jordan, die nach Moab gehen, und ließen niemand hinüber und schlugen zu jener Zeit Moab, etwa zehntausend Mann, alles starke und streitbare Männer, sodass auch nicht einer entrann. So wurde Moab zu jener Zeit durch die Hand Israels gedemütigt. Und das Land hatte Ruhe achtzig Jahre.

„In jenen Tagen gab es keinen König in Israel; jeder tat, was ihn recht dünkte“. Diese Erwähnung findet man an mehreren Stellen im Buch der Richter. Seit dem Ende der Josua-Zeit und bis zu der Zeit der Könige, die mit König Saul begann, vergingen, nach biblischer Chronologie, drei bis vier Jahrhunderte. Und in dieser langen Zeit gab es Richter, die das Volk, so heißt es in der Bibel, richteten.


Gabriel Miller