Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte-Propheten-Obadja

Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Obadja

Zunächst einige Klarstellungen:

Jakob, einer der Erzväter des jüdischen Volkes, hatte einen Zwillingsbruder namens Esaw und nicht Esau, wie er fälschlicherweise von Luther umgeschrieben wurde (der Name hat mit einer Sau nichts zu tun). Das W im Namen Esaw wird im hebräischen wie in den Worten Wenn oder Wenig ausgesprochen. Ähnlich verhält es sich mit dem Namen Jakob, der eigentlich im Hebräischen Jaakow geschrieben und ausgesprochen wird. Bloß ist es bei dem Namen Jakob nicht so wichtig wie bei Esaw, weshalb ich bei der eingebürgerten Form bleiben kann.

Genau wie die Juden laut der Bibel drei Erzväter hatten, Abraham, Isak und Jakob, war der Stammvater der Edomiter der Zwillingsbruder von Jakob, nämlich Esaw. Das Land Edom lag im Süden des heutigen Jordaniens, also in direkter Nachbarschaft zum Königreich Juda. Auch sprachlich konnten sich die Völker verständigen, da die beherrschenden Sprachen in der ganzen Region, Mesopotamien, hebräische bzw. aramäische Dialekte waren.

Das Buch Obadja besteht aus lediglich einem einzigen kleinen Kapitel mit 21 Versen. Es enthält keine Informationen über die Zeit und die politischen Verhältnisse. Deshalb wurden in den vielen Jahrhunderten seit Bekanntwerden des Buches viele Spekulationen darüber und über die Person Obadja angestellt. Allein der Überblick darüber enthält ca. fünfzig Seiten.

Das Thema von Obadja ist das Königreich Edom und die Gemeinheiten und Feindseligkeiten seitens der Edomiter gegenüber dem Land Juda vor und zurzeit der Zerstörung von Juda und Jerusalem durch Babylon und der Vertreibung in die babylonische Gefangenschaft im Jahr 586 v.d.Z.

Das erste Drittel des Kapitels eröffnet der Autor mit einem dramatischen Klagelied über die göttliche Bestrafung von Edom: So spricht Gott JHWH über Edom: Siehe, ich habe dich gering gemacht und sehr verachtet unter den Völkern. Der Hochmut deines Herzens hat dich betrogen, weil du in den Felsenklüften wohnst, in deiner erhabenen Höhe, und sprichst in deinem Herzen: Wer will mich zu Boden stoßen? Wenn du auch in die Höhe führest wie ein Adler und machtest dein Nest zwischen den Sternen, dennoch will ich dich von dort herunterstürzen.

Im zweiten Drittel des Kapitels betont der Autor die Sünden und Verbrechen von Edom an Juda während der Zerstörung von Juda und Jerusalem und deren Bestrafung: Fürwahr, an jenem Tag spricht JHWH, will ich zur selben Zeit die Weisen in Edom zunichtemachen und dass alle auf dem Gebirge Esaw ausgerottet werden. Um des Mordens willen, um der Gewalttat, an deinem Bruder Jakob begangen, sollst du zuschanden werden und für immer ausgerottet sein. Zu der Zeit, als du dabeistandest und sahst, wie Fremde sein Heer gefangen wegführten und Ausländer zu seinen Toren einzogen und über Jerusalem das Los warfen, da warst auch du wie einer von ihnen. Du hättest nicht herabsehen sollen auf deinen Bruder zur Zeit seines Elends und dich nicht freuen über die Söhne Juda zur Zeit ihres Untergangs und mit deinem Mund nicht so stolz reden zur Zeit der Not. Du hättest nicht zum Tor meines Volks einziehen sollen zur Zeit seines Verderbens, gerade du als sein Bruder, nicht herabsehen auf sein Unglück zur Zeit seines Verderbens, nicht nach seinem Gut greifen zur Zeit seines Verderbens.

Der dritte Teil des Kapitels ist eine apokalyptische Prophezeiung über Edom und die Errettung Israels: Aber auf dem Berge Zion wird Rettung sein, und er soll heilig sein, und das Haus Jakob soll seine Besetzer besiegen. Und das Haus Jakob soll ein Feuer werden und das Haus Josef eine Flamme, und sie werden das Haus Esaw, das ein Stroh sein wird, anzünden und verzehren, sodass vom Hause Esaw keiner entrinnen wird; denn Gott JHWH hat's gesprochen.


Gabriel Miller