Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Könige (Folge 6)

Die jüdische Geschichte wird in zwei Königreichen fortgesetzt, dem Königreich Israel und dem Königreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem. Die Bibel liefert wenig Informationen über die Könige und verweist oft auf die Geschichtsbücher der Könige des einen bzw. des anderen Reiches, die, wie so viele andere, nicht erhalten geblieben sind. Ich werde mich hinfort lediglich mit solchen Personen und Ereignissen beschäftigen, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Das sind zum Beispiel die Könige Ahab und sein Vater, König Omri des Nordreichs, also des Reiches Israel mit der Hauptstadt Samaria (heb. Schomron).

Im Jahr 1868 ereignete sich eine archäologische und kulturhistorische Sensation. Östlich des Toten Meeres, wo sich in früher Zeit das kleine Königreich Moab befand, wurde eine Stele mit einer Inschrift aus der Mitte des 9. Jh. v. gefunden, die eine in der Bibel vorkommende Darstellung ebenfalls beschreibt. In der Bibel (2. Könige, Kap. 3, Vers 4) wird von Mescha, dem König der Moabiter berichtet, der Zahlungen an Ahab, den König von Israel zu entrichten hatte. In der Inschrift auf der gefundenen Stele rühmt sich der moabitische König Mescha der Befreiung seines Volkes aus der Abhängigkeit vom Nordreich Israel unter König Ahab aus der Dynastie Omri. Hierdurch wurde zum ersten Mal die Historizität eines biblischen Ereignisses und biblischer Personen bestätigt. Dies kann zu weiteren Schlussfolgerungen führen.

Dieser König Ahab, der nach dem Bibel-Chronisten böse war, da er sich nicht an die Gebote JHWHs gehalten hat, war ein tüchtiger und erfolgreicher König.

Eine ruchlose Tat, für die Ahab eigentlich die Verantwortung trägt ist in die Geschichte als „Nabots Weinberg“ eingegangen (1. Könige, Kap. 21): Nabot aus Jesreel besaß einen Weinberg bei dem Palast Ahabs. Und Ahab redete mit Nabot: Gib mir deinen Weinberg; ich will mir einen Gemüsegarten daraus machen, weil er so nahe an meinem Hause liegt. Ich will dir einen besseren Weinberg dafür geben oder, wenn dir's gefällt, will ich dir Geld dafür geben. Aber Nabot sprach zu Ahab: Das lasse JHWH fern von mir sein, dass ich dir meiner Väter Erbe geben sollte! Da kam Ahab heim voller Unmut und Zorn um des Wortes willen, das Nabot zu ihm gesagt hatte. Und er legte sich auf sein Bett und wandte sein Antlitz ab und aß kein Brot. Da kam seine Frau Isebel zu ihm hinein und redete mit ihm: Was ist's, dass dein Geist so voller Unmut ist und dass du nicht isst? Er sprach zu ihr: Ich habe mit Nabot geredet und gesagt: Gib mir deinen Weinberg für Geld oder, wenn es dir lieber ist, will ich dir einen andern dafür geben. Nabot sagte aber: Ich will dir meinen Weinberg nicht geben. Da sprach seine Frau Isebel zu ihm: Du willst König über Israel sein?! Steh auf und iss Brot und sei guten Mutes! Ich werde dir den Weinberg Nabots verschaffen. Und sie schrieb Briefe unter Ahabs Namen und versiegelte sie mit seinem Siegel und sandte sie zu den Ältesten und Oberen, die mit Nabot in einer Stadt wohnten. Und schrieb in den Briefen: Lasst ein Fasten ausrufen und setzt Nabot obenan im Volk und stellt ihm zwei ruchlose Männer gegenüber, die da zeugen und sprechen: Du hast Gott und den König gelästert! Und führt ihn hinaus und steinigt ihn, dass er stirbt. Und die Ältesten und Oberen taten, wie Isebel in den Briefen geschrieben hatte, und sie ließen ein Fasten ausrufen und ließen Nabot obenan im Volk sitzen. Da kamen die zwei ruchlosen Männer und stellten sich ihm gegenüber und zeugten gegen Nabot vor dem Volk und sprachen: Nabot hat Gott und den König gelästert! Da führten sie ihn vor die Stadt hinaus und steinigten ihn. Und sie sandten zu Isebel und ließen ihr sagen: Nabot ist gesteinigt und tot. Als Isebel hörte, dass Nabot tot war, sprach sie zu Ahab: Steh auf und nimm in Besitz den Weinberg Nabots, denn er ist tot. Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, stand er auf, um hinabzugehen zum Weinberg Nabots, des Jesreeliters, um ihn in Besitz zu nehmen. Aber das Wort des JHWH kam zu Elia, dem Propheten: Geh hinab Ahab entgegen – siehe, er ist im Weinberge Nabots, um ihn in Besitz zu nehmen, und rede mit ihm und sprich: So spricht JHWH: Hast gemordet und geerbt? (diese Worte sind bis heute ein Sprichwort geblieben). An der Stätte, wo Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen Hunde auch dein Blut lecken. Und auch über Isebel hat JHWH geredet und gesprochen: Die Hunde sollen Isebel fressen an der Mauer Jesreels. Und beide wurden bestraft.


Gabriel Miller