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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Könige (Folge 2)

Also legte sich David zu seinen Vätern und wurde begraben in der Stadt Davids. Die Zeit aber, die David König gewesen ist über Israel, ist vierzig Jahre: Sieben Jahre war er König zu Hebron und dreiunddreißig Jahre zu Jerusalem (1. Könige, K. 2, Vers 10).

Dies berichtet uns das Buch der Könige in der Mitte von Kapitel 2. Davor wird das Testament Davids, seinem Nachfolger König Salomo mündlich vorgetragen, bekanntgegeben. Nach seinem Ableben wird über die Umsetzung des Testaments berichtet.

Als erstes ermahnt David seinen Sohn Salomo: bewahre den Dienst JHWHs, deines Gottes, dass du wandelst auf seinen Wegen und hältst seine Satzungen …, wie geschrieben steht im Gesetz des Moses, damit dir alles gelinge. Diese Ermahnung ist nichts Ungewöhnliches und gehört eigentlich nicht zum letzten Willen. Denn das sagten alle Könige ihren Nachfolgern, bevor sie sich verabschiedeten. Danach kommt die Anweisung, seinen früheren Feldherrn Joab nicht friedlich im Alter sterben zu lassen, weil er zwei dem König treu dienende Offiziere, Avner ben Ner und Amasa ben Jeter, ermordet hat. Dann war da noch Schimi ben Gera, „der mich schändlich verfluchte, als ich nach Mahanajim ging. Dann aber kam er mir entgegen am Jordan. Da schwor ich ihm bei JHWH: Ich will dich nicht töten mit dem Schwert. Du aber lass ihn nicht ungestraft; denn du bist ein weiser Mann und wirst wohl wissen, was du ihm tun sollst, dass du ihn nicht friedlich im Alter sterben lässt“. Man könnte meinen, dass Davids Motiv die Rache war. Aus der Sicht des Königs war es mindestens auch Staatsraison, wenn auch ein Gefühl der Rache seine Befriedigung suchte, denn Joab war unzuverlässig, und er hätte, als früherer Oberster Befehlshaber, jederzeit eine Militäreinheit für irgendwelche Zwecke mobilisieren können, die ihm gefolgt wäre. Schimi war vermutlich noch gefährlicher, denn er gehörte zum Klan des ersten Königs Saul, der noch immer den Anspruch auf das Königtum nicht ganz aufgegeben hatte.

Was ist aber mit Adonija? Der hat sich ja zum König ausrufen lassen, noch vor der Krönung Salomos, war er denn nicht gefährlich? Ich würde sagen – durchaus. David hat ihn in seinem Testament nicht erwähnt. Was sollte David sagen? Er war schließlich auch sein Sohn, und sein Vater, wie es heißt, ließ ihn immer gewähren. Zur Lösung des Problems hat Adonija durch sein eigenes Dazutun (Dummheit oder Leichtsinn) beigetragen. Zunächst, nach der Krönung Salomos, hatte Adonija Angst um sein Leben und floh zum Altar in das Zelt Gottes. Salomo jedoch verschonte ihn und schickte ihn nachhause. Adonija ging aber zu Batseba, Salomos Mutter und sprach: Du weißt, dass das Königtum mein war, und ganz Israel hatte seine Augen auf mich gerichtet, dass ich König sein sollte; aber nun hat sich das Königtum gewandt und ist meinem jüngeren Bruder zugefallen. Er bat sie, beim König vorzusprechen und um die Witwe Abischag, die frühere Nebenfrau von König David, zu bitten. Dass Adonija Abischag begehrte, sollte nicht verwundern, sie war die schönste Frau im Lande und wurde bestimmt von vielen begehrt. Brauch war es aber, dass der Erbe des Königs auch dessen Frauen bekam. Abischag war somit ein Symbol des Königtums, im übertragenen Sinn könnte man sagen, sie gehörte zu den Insignien des Königs. König Salomo durchschaute die verborgene List seines älteren Bruders, als seine Mutter ihn um die „Kleinigkeit“ bat, Adonija möge Abischag zu Frau bekommen. Salomo antwortete ihr sarkastisch: Warum verlangst du nicht für ihn gleich das Königtum? Und kurzerhand entschied er: Heute noch soll Adonija sterben! Und König Salomo sandte seinen Feldherrn, der stieß Adonija nieder, dass er starb.

Noch waren aber nicht alle Widersacher des Davidischen Königtums erledigt. Noch war da der Priester Ebjatar, der sich auch gegen David gewandt hatte und sich zu dem rebellischen Königssohn Adonija gesellte und ihn sogar zum König ausgerufen hatte. Und zu dem Priester Ebjatar sprach König Salomo: Geh hin nach Anatot zu deinem Besitz, denn du bist des Todes. Aber ich will dich heute nicht töten, denn du hast die Lade Gottes JHWH vor meinem Vater David getragen und hast alles mitgelitten, was mein Vater gelitten hat.

So verstieß Salomo den Ebjatar, dass er nicht mehr Priester JHWHs sein durfte.


Gabriel Miller