Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Josua Kap. 9

Der Geschichtsschreiber vom Buch Josua hatte schon Humor! Nachdem die Kriegszüge der Israeliten sich im Land Kanaan herumgesprochen hatten, insbesondere ihre Methode, die anderen Völker, es lebten nämlich mehrere Volksstämme in Kanaan, auszurotten, haben sich die Bewohner von Gibeon, die dem Volksstamm der Hiwiter angehörten, eine List zum Überleben ausgedacht, und der Autor beginnt die Erzählung mit der Bemerkung, dass auch die Bürger von Gibeon sich eine List erdachten (da man eine List vermutlich nur den Israeliten zutraute). Wie sah die Überlebensstrategie aus?

Ich zitiere die biblische Beschreibung fast wörtlich: Sie versahen sich mit Speise und nahmen alte Säcke auf ihre Esel und alte, zerrissene, geflickte Weinschläuche, und alte, geflickte Schuhe an ihre Füße und zogen alte Kleider an, und alles Brot, das sie mit sich nahmen, war hart und hatte bereits schimmelige Punkte. Und sie gingen zu Josua ins Lager und sprachen zu ihm und zu den Ältesten Israels: Wir kommen aus fernen Landen; so schließt nun einen Bund mit uns.

Die Ältesten Israels waren jedoch misstrauisch und sagten zu den Hiwitern: Vielleicht wohnt ihr mitten unter uns, wie könnten wir dann einen Bund mit euch schließen?

Die Hiwiter versuchten es aber mit Josua und sprachen ihn direkt an: Wir sind deine Knechte. Josua war zunächst ebenfalls misstrauisch und sprach zu ihnen: Wer seid ihr und woher kommt ihr? Die Bürger von Gibeon erwiderten: Deine Knechte sind aus sehr fernen Landen gekommen um des Namens JHWH, deines Gottes, willen. Die Gibeoniter waren bereits gut informiert und wollten Josua schmeicheln, und fügten hinzu: Denn wir haben von JHWH gehört und von allem, was er in Ägypten getan hat, und alles, was er den beiden Königen der Amoriter jenseits des Jordans getan hat. Darum sprachen alle Bewohner unseres Landes zu uns: Nehmt Speise mit euch auf die Reise und geht ihnen entgegen und sprecht zu ihnen: Wir sind eure Knechte. So schließt nun einen Bund mit uns! Dies unser Brot, das wir aus unseren Häusern zu unserer Speise mitnahmen, war noch warm, als wir zu euch auszogen, nun aber ist es hart und zerbröckelt, und diese Weinschläuche waren neu, als wir sie füllten, und sie sind zerrissen; und diese unsere Kleider sind alt geworden durch die lange Reise. Da nahmen die Alten Israels von ihrer Speise als Zeichen des Friedens, JHWH aber befragten sie nicht. Und das war ein Fehler. Zwar nicht dramatisch, aber immerhin haben die Gibeoniter ihr Ziel erreicht. Josua schloss mit Ihnen daraufhin einen Bund, dass sie am Leben bleiben sollten. Auch die Obersten schworen es ihnen.

Dann aber, drei Tage nachdem sie mit ihnen einen Bund geschlossen hatten, kam die Ernüchterung. Die Israeliten hörten, dass jene aus ihrer Nähe wären und mitten unter ihnen wohnten. Und als die Israeliten weiterzogen, kamen sie am dritten Tage zu ihren Städten, die hießen Gibeon, Kefira, Beerot und Kirjat-Jearim. Wie anders nicht zu erwarten war, erschlugen die Israeliten sie nicht, weil es ihnen die Obersten der Gemeinde geschworen hatten bei JHWH. Als aber die ganze Gemeinde gegen die Obersten murrte, sprachen alle Obersten zu der ganzen Gemeinde: Wir haben ihnen geschworen bei JHWH, dem Gott Israels.

Antasten konnten die Israeliten sie nicht, jedoch ganz ungeschoren kamen die Gibeoniter nicht davon. Und die Obersten sprachen zum Volk: Lasst sie leben, damit sie Holzhauer und Wasserschöpfer seien für die ganze Gemeinde. Josua redete mit den Gibeoniter und sprach: Warum habt ihr uns betrogen und gesagt: »Wir sind sehr fern von euch«, wo ihr doch mitten unter uns wohnt? Darum sollt ihr verflucht sein und sollt nicht aufhören, Knechte zu sein, die Holz hauen und Wasser schöpfen für das Haus meines Gottes. Sie antworteten Josua: Es wurde deinen Knechten angesagt, dass JHWH, dein Gott, seinem Knecht Mose geboten habe, dass er euch das ganze Land geben und vor euch her alle Bewohner des Landes vertilgen wolle. Da fürchteten wir sehr um unser Leben und haben das so gemacht. Nun aber sind wir in deiner Hand; was dich gut und recht dünkt, uns zu tun, das tu. Und so errettete er sie aus der Hand der Israeliten, dass sie sie nicht töteten.
Was will man mehr - sie wollten am Leben bleiben und das gelang ihnen auch.


Gabriel Miller