Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Josua Kap. 7 - 10

In der vergangenen Woche schrieb ich bereits, dass die Israeliten auch ihren Volksgenossen gegenüber nicht weniger grausam sein konnten als zu den Feinden. Nun hat Gott bei der Eroberung von Jericho alles unter einen Bann gestellt. Weder Lebendes noch Gegenstände durften verschont werden. Alles fiel dem Schwert und dem Feuer zum Opfer. Allerdings hat sich Achan ben Karmi aus dem Stamm Juda an die Verordnung nicht gehalten und hat wertvolle Gegenstände mitgehen lassen. Daraufhin entbrannte der Zorn JHWHs. Bei der darauffolgenden kriegerischen Auseinandersetzung erlitten die Israeliten eine Niederlage. Die Stimmung im Volk wurde mit dem wunderbaren plastischen Bild beschrieben: Da schmolz das Herz des Volkes und wurde zu Wasser. Um die Straftat des Achan zu sühnen, wurde er mit seinem gesamten Hab und Gut, einschließlich der Kinder, gesteinigt und verbrannt. Hatte solche Grausamkeit einen Sinn? Sollte es der Abschreckung dienen?

Allerdings war die Bestrafung von Achan für die Autoren dieser Geschichte offenbar zu grausam (eine Vermutung von mir) und sie erkannten wohl, dass die Mitnahme von Feindesgut nicht total verboten werden kann, denn vor der Eroberung der zweiten Stadt, Ai, wurde nicht mehr alles unter einen Bann gestellt: es heißt da: K. 8, 2 Und du sollst mit Ai … tun, wie du mit Jericho … getan hast, nur dass ihr die Beute und das Vieh unter euch teilen sollt. Und dies galt auch für die folgenden Eroberungen. Die menschliche Natur hat also doch gesiegt? Bei der Eroberung von Ai wurde übrigens seitens Josua eine interessante kriegerische Taktik angewandt (nachzulesen im Kapitel 8).

Zum Namen Gottes: Im ganzen hebräischen Testament gibt es keinen Hinweis auf die Alleinherrschaft von JHWH, dem Gott der Israeliten. Es wird oft von Völkern gesprochen, die jeweils einen Gott mit einem eigenen Namen hatten. Als Beispiel im K. 7, 7 wird es schön demonstriert: im Zusammenhang mit der erwähnten Niederlage im Gefecht wandte sich Josua an Gott: Aha, mein Herr JHWH…. Josua sprach Gott mit seinem Namen an. In der nachbiblischen Zeit bekamen die Juden Angst, den Namen JHWH auszusprechen, als ob Gott das verübeln und als ob die Aussprache des Namens eine magische, negative Wirkung hervorrufen würde. Diese atavistische Befürchtung spiegelt sich auch in den späteren Übersetzungen.
Luther übersetzt: Ach, Herr HERR… Die Einheitsübersetzung: Ach, Herr und GOTT…
Der jüd. Übersetzer Turczyner: Weh, Herr, Gott, …
Auf die Klage Josuas antwortet ihm Gott: Steh auf… Denn so spricht JHWH, der Gott Israels: Es ist Gebanntes in deiner Mitte; darum kannst du nicht bestehen vor deinen Feinden. Gott bezeichnet sich also selbst mit seinem Namen JHWH und erklärt gleichzeitig, er sei der Gott der Israeliten.

Mit dem Namen Gottes wurde noch viel Unsinn, Aberglauben und Scharlatanerie getrieben. Die alten Israeli waren nach meiner Meinung zwar abergläubisch, was der Zeit entsprach, jedoch ehrlicher. Sie glaubten z.B., dass Gott in ihrer Mitte war, und das von Achan entwendete Gut legten sie nieder vor JHWH.

Ohne Wunder kommen wir auch hier nicht davon. Als Josua im Kampf gegen einige Stadtkönige diese verfolgte: Als sie auf der Flucht vor Israel an den Abhang von Bet-Horon kamen, warf JHWH große Steine auf sie vom Himmel her, sodass viele umkamen. Es kamen mehr durch die Hagelsteine um, als die Israeliten mit dem Schwert töteten (K. 10, 10 ff). Das Eingreifen Gottes im Gefecht war nicht erforderlich, die Feinde flohen ja bereits. Warum ließen also die Autoren Gott auf solch ungewöhnliche Art handeln? Ist mir rätselhaft.

Ein weiteres Wunder folgte: Damals redete Josua zu JHWH, … und sprach vor den Augen Israels: Sonne, stehe still über Gibeon / und du, Mond, über dem Tal Ajalon! Und die Sonne blieb stehen / und der Mond stand still, / bis das Volk an seinen Feinden Rache genommen hatte…. Die Sonne blieb mitten am Himmel stehen und beeilte sich nicht, unterzugehen, ungefähr einen ganzen Tag lang. Nie hat es einen Tag gegeben wie diesen, an dem JHWH auf die Stimme eines Menschen gehört hätte; JHWH kämpfte nämlich für Israel (K. 10, 12). Dieses Wunder hat im Laufe der Geschichte die Fantasie vieler Autoren und Künstler inspiriert.


Gabriel Miller