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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Josua Kap. 1 - 6

Moses hatte seine Aufgabe, das Volk der Israeliten, die zwölf Stämme, nach Kanaan zu führen vollbracht, jedoch durfte er, aus welchen Gründen auch immer, nicht in das verheißene Land einziehen und starb jenseits des Jordan.

Diese Aufgabe übernahm sein Jünger Josua ben Nun. Abgesehen von der unter Archäologen und Historikern herrschenden Überzeugung, dass es keine Landnahme, wie in der Bibel beschrieben, und auch keine vierzigjährige Wüstenwanderung gegeben hatte, behandeln wir die Erzählungen der Bibel, als ob sie wahr seien, mit der Ausnahme von einzelnen notwendigen Bemerkungen.

Als solche Bemerkung kann man auch folgende Stelle im ersten Kapitel Josua bezeichnen, die mich übrigens etwas erheiterte: Es ist die Rede von den Grenzen des von Gott verheißenen Landes der Israeliten, das an einigen Stellen in der Tora bereits beschrieben ist, jedoch kommt bei Josua noch zusätzlich das Land der Hetiter hinzu: 1, 4 Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang, das ganze Land der Hetiter, soll euer Gebiet sein. Dieses Land ist die heutige Türkei. Die Hetiter waren ein mächtiges Volk, das nach mehreren Schlachten mit Ägypten letzten Endes besiegt wurde. Mir scheint aber, dass die Autoren des Buches Josua in der Geographie nicht besonders bewandert waren. Andererseits wundert es mich, dass von israelischer Seite, mindestens seitens der national-orthodoxen jungen Siedler, dieses biblische Versprechen noch nicht, mindestens aus propagandistischen Gründen, aufgegriffen wurde.

Als erste Eroberung in Kanaan fällt die Stadt Jericho durch eine psychologische Kriegsführung in die Hand der Israeliten. Es ist eine sehr schöne List, auch falls sie sich lediglich in der Phantasie der Autoren abgespielt hat (wer weiß schon wie es wirklich war?). Es ist nicht zweckmäßig, dass ich die ganze Geschichte mit meinen Worten wiederhole, zumal sie im Original viel schöner klingt und in wenigen Minuten gelesen ist, allerdings habe ich hierzu zwei Bemerkungen: Die Kundschafter, vielmehr die Spione, die Josua ausschickte, um die Lage zu eruieren: 2, 1 Die gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, die hieß Rahab, und kehrten dort ein. In der Schule erklärten uns die Lehrer, dass Rahab mit Lebensmitteln handelte, da im Hebräischen das Wort Hure einen ähnlichen Klang wie Lebensmittel hat (ob die Lehrer das selbst geglaubt hatten? Doch kaum!).

Ein weiterer Punkt, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die Beschreibung der Vernichtung der Stadt Jericho. Alles ist dem Schwert oder dem Feuer zum Opfer gefallen, einschließlich Kinder, Frauen, das Vieh und natürlich die Behausungen samt Inhalt. Erstaunlich: In Amerika wird der Kampf Josuas gegen Jericho in dem bekannten Spiritual „Joshua Fit The Battle Of Jericho“ von vielen Interpreten, auch von Elvis Presley besungen, wobei das Schicksal der Einwohner einfach ignoriert wird. In der Bibel ist öfter von ethnischen Säuberungen die Rede wie auch in der ganzen Antike. In der kommenden Woche werde ich als Beispiel aus diesem Buch ein ähnliches Vorgehen gegen eigene Volksgenossen beschreiben.

Bemerkenswert erscheint mir noch ein weiterer Bericht von der Landnahme. Ich meine die Überquerung des Jordan beim Einzug in Kanaan. Es wird öfters erklärt, dass wenig Wasser im Jordan floss und dass die Überquerung überhaupt kein Problem darstellte. Vielleicht war es auch so, aber Genaueres werden wir nie erfahren, jedoch glaube ich mit ziemlicher Sicherheit sagen zu können, dass die Autoren vor ca. dreitausend Jahren genau das geschrieben haben, was nach ihrem Wissensstand die Tatsachen waren: „3, 16 da blieben die Fluten des Jordan stehen. Das von oben herabkommende Wasser stand wie ein Wall“. Die Autoren haben an solche Wunder geglaubt; warum sollte sich das fließende Wasser nicht zu einer Mauer auftürmen? Gott konnte ja alles bewirken, und er war im Leben der Menschen eben gegenwärtig.


Gabriel Miller