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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Jona

Der Prophet Jona ist einer der zwölf kleinen Propheten. Sie werden klein genannt, da sie nur wenig Text enthalten, manchmal lediglich ein Kapitel. Der Jona-Text, obwohl aus vier Kapiteln bestehend, liefert uns keine Information, weder über die Person Jona noch über seine Zeit, so es überhaupt einen Propheten dieses Namens gegeben hat. Das Buch Jona wird vorherrschend als eine Lehrerzählung, nicht etwa als Geschichtsdarstellung erklärt, und zwar allgemein, nicht nur im Bereich der historisch-kritischen Bibelwissenschaft.

Allerdings wurde die Figur Jona durch die darstellenden Künste sehr bekannt, insbesondere Maler, aber auch Bildhauer wurden durch die Erzählung von dem Wal, der den Propheten verschluckte und nach drei Tagen wieder ausspie, angeregt; was im Google-Wikipedia bildhaft dargestellt zu sehen ist.

Die Geschichte lässt sich einfach und kurz darstellen: Jona wird von Gott beauftragt, die Stadt Ninive aufzusuchen und ihr wegen der Missetaten ihrer Bewohner die Vernichtung anzukündigen. Jona will aber diesen Auftrag nicht annehmen. Der Grund hierfür - wie am Ende des Buches klar wird – ist seine Befürchtung, dass die Bewohner Ninives bereuen werden und der barmherzige Gott von seinem Vorhaben abrückt und dadurch die Prophezeiung von Jona sich nicht erfüllt und er als Prophet unglaubwürdig wird.

Jona erhält erneut denselben Auftrag, und diesmal geht er nach Ninive und verkündet die Apokalypse. Wie erwartet bereuen die Bewohner, und es kommt wie von Jona befürchtet. Währenddessen wartet Jona außerhalb der Stadt in der zermürbenden Hitze.

Da ließ Gott JHWH einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen, der seinem Kopf Schatten geben und seinen Ärger vertreiben sollte. Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch. Aber am nächsten Tag schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, sodass er verdorrte. Und als die Sonne aufging, schickte Gott einen heißen Ostwind. Die Sonne stach Jona auf den Kopf, da sagte er: Es ist besser für mich zu sterben als zu leben. Gott aber sagte zu Jona: bist du recht zornig wegen des Rizinusstrauches? Er antwortete: Ja, es ärgert mich bis zum Todeswunsch. Darauf sagte JHWH: Du hast Mitleid mit einem Rizinusstrauch, der über Nacht da war und über Nacht eingegangen ist. Soll ich da nicht Mitleid haben mit Ninive, der großen Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, einschließlich der Kinder - und außerdem so viel Vieh?

Wenn die einzige Lehre aus dieser Erzählung darin besteht, dass Gott JHWH nicht nur für die Juden da ist, ist das vielleicht nicht sehr viel. Diese Erkenntnis kann man aus vielen anderen Bibelbüchern entnehmen. Kein Kommentator erwähnte eine andere Idee, die dahinterstecken könnte:

Diese Erzählung wurde für die Israeliten verfasst. Diese waren sündige Menschen, nicht anders als die Bewohner von Ninive. Ihnen wurden bereits von vielen Propheten die Leviten gelesen, aber sie sind wie die meisten Menschen: Es wird schon nicht so schlimm kommen! Die anderen haben auch gesündigt, und es passierte ihnen nichts. Nach der Devise, „warum geht es dem Gerechten schlecht und die Wege der Bösen sind erfolgreich?“, was der Prophet Jeremia explizit beklagt hat. Also dachte sich der Autor, er wird eine Geschichte schreiben, die nicht nur predigt, sondern bildhaft und berührend darstellt, wie so etwas ablaufen sollte.

Die Leute von Ninive glaubten Gottes Ankündigung. Sie riefen ein Fasten aus und alle Bewohner, auch Kinder, zogen Bußgewänder an. Als der König von Ninive das hörte, stand er von seinem Thron auf, tauschte sein Königs- gegen ein Bußgewand und setzte sich in die Asche. Er ließ in Ninive ausrufen: Alle Menschen und Vieh sollen nichts essen, nicht weiden und kein Wasser trinken. Sie sollen sich in Bußgewänder hüllen. Sie sollen mit aller Kraft zu Gott rufen und jeder soll umkehren von seinem bösen Weg und von der Gewalt, die an seinen Händen klebt. Wer weiß, vielleicht reut es Gott und er lässt ab von seinem glühenden Zorn, sodass wir nicht zugrunde gehen. Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht.


Gabriel Miller