Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Das Buch Joel

Ein schreckliche Umwelt-Katastrophe ereignete sich im Land Israel. Wir wissen, dass es um das Jahr 300 v. war, da in dem Buch Griechen erwähnt werden, und diese siedelten dort erst nach Alexander dem Großen. Der Autor kann sich an ein ähnliches Ereignis nicht erinnern; und er fragt (wohl rhetorisch) die ältesten Bewohner des Landes, ob solches geschehen sei zu ihren Zeiten oder zu ihrer Väter Zeiten!

Ferner sagt er ihnen, sie sollten es ihren Kindern berichten und diese ihren Kindern und diese wiederum ihren Nachkommen. In drastischen Worten und erschreckenden Bildern beschreibt der Autor ein seltenes Ereignis, eine noch „nie dagewesene Heuschrecken-Plage“: Was die Larven übrigließen, fraßen die Raupen und was diese übrigließen, das fraßen die Heuschrecken.

Wer ist denn der Autor des Buchs Joel? Es ist eben der Prophet Joel, der Sohn des Petuëls. Mehr wissen wir über ihn nicht. Es fragt sich, warum ein Prophet sich dazu berufen fühlt, sich mit sachlicher Geschichtsschreibung zu beschäftigen. Da wir bereits wissen, dass in alter Zeit jedes Schicksal eines Individuums (vielleicht sogar anderer Lebewesen) und eines Volkes von Gott gelenkt und bestimmt wurde, ist es nur natürlich, dass ein Prophet sich von selbst oder auf Geheiß Gottes zu Wort meldet und die Lage beschreibt:

Es zog herauf gegen mein Land ein Volk, mächtig und ohne Zahl; das hatte Zähne wie die Löwen und Backenzähne wie die Löwinnen. Es verwüstete meinen Weinstock und fraß meinen Feigenbaum kahl, schälte ihn ab und warf ihn hin, dass seine Zweige weiß dastehen. Das Feld ist verwüstet und der Acker ausgedörrt; das Getreide ist verdorben, der Wein steht jämmerlich und das Öl kläglich da. Auch der Feigenbaum ist kläglich, auch die Granatbäume, Palmbäume und Apfelbäume, ja, alle Bäume auf dem Felde sind verdorrt. Umgürtet euch und klagt, ihr Priester, heult, ihr Diener des Altars! Kommt, schlaft im Trauergewand. Denn Speisopfer und Trankopfer sind vom Hause eures Gottes weggenommen. O wie seufzt das Vieh! Die Rinder sehen kläglich drein, denn sie haben keine Weide, und die Schafe verschmachten.

Der Prophet spricht zum Volk: Sagt ein heiliges Fasten an, ruft einen Feiertag aus! Versammelt die Ältesten und alle Bewohner des Landes zum Hause des JHWH, eures Gottes, und schreit zu ihm. Der Prophet sieht in diesen Schrecknissen bereits ein Zeichen von Armageddon; so schlimm kann es nur vor dem Jüngsten Tag sein, und er ruft aus: O weh des Tages! Denn der Tag des JHWH ist nahe und kommt wie ein Verderben vom Allmächtigen. Blast die Posaune zu Zion, ruft laut auf meinem heiligen Berge! Erzittert, alle Bewohner des Landes! Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen.

Deshalb betet der Prophet zu JHWH: schone dein Volk und lass dein Erbteil nicht zuschanden werden, dass Völker über sie herrschen! Warum willst du unter den Völkern sagen lassen: Wo ist nun ihr Gott?

Gottes Gnade: Da eiferte der JHWH um sein Land und verschonte sein Volk. Und er sprach: Ich will den Feind von euch wegtreiben und ihn in ein dürres und wüstes Land verstoßen, seine Spitze in das östliche Meer und sein Ende in das westliche Meer; er soll verfaulen und stinken, denn er hat Großes getan.

Man hat so den Eindruck, wo nun der Prophet Gott auf seiner Seite hat, ist es eine gute Gelegenheit, über die benachbarten Feinde, die Jahr und Tag in das Land einfallen, herzuziehen: Denn siehe, in jenen Tagen und zur selben Zeit, da ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, will ich alle Völker zusammenbringen und will sie ins Tal Joschafat hinabführen und will dort mit ihnen rechten wegen meines Volkes und meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Völker zerstreut und sich mein Land geteilt haben; dazu habt ihr die Judäer und die Leute von Jerusalem an die Griechen verkauft, um sie weit weg von ihrem Lande zu bringen. Sie haben Knaben für eine Hure hingegeben und Mädchen für Wein verkauft und vertrunken.

Eilends und bald lasse ich euer Tun zurückfallen auf euren Kopf.


Gabriel Miller