Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte-Propheten-Hosea

Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Das Buch Hosea

Allgemein bekannt sind die drei umfänglich großen Schrift-Propheten Jesaja, Jeremia und Ezekiel. Es sind zusätzlich zwölf kleinere Schrift-Propheten bekannt, da sie in einer ziemlich frühen Zeit in einem Buch zusammengefasst wurden und wahrscheinlich deshalb erhalten geblieben sind. (Ob es noch mehr gegeben hat, wissen wir nicht.) in dieser Zwölfer-Sammlung ist der erste in der Reihenfolge der Prophet Hosea.

Was wissen wir über ihn? Dass er in der ersten Hälfte des 8. Jhs. v. gelebt hat. Darüber hinaus wird es kompliziert. In den meisten seiner Prophezeiungen beschäftigt er sich mit dem Verhältnis zwischen Gott und dem Volk Israel. Er beklagt die Untreue des Volkes Gott gegenüber, er geht aber auch auf die politischen Verhältnisse ein. Hier beklagt er hauptsächlich die verworrene Einstellung in Fragen der Bündnisse. Die Staaten Juda und Israel lagen zwischen den Großmächten Ägypten im Süden und Assyrien im Norden. Und die Herrscher in den jüdischen Staaten konnten sich nicht entscheiden, auf welche Seite sie sich schlagen sollten, was ihnen den Ruf der Untreue anheftete und was ihnen auch politisch schadete.

Beide Themen, sowohl das Verhältnis zu Gott als auch der politische Aspekt, wurden zwar auch von anderen Propheten behandelt, d.h. kritisiert, ermahnt und angeprangert. Den Bund zwischen Gott JHWH und Israel vergleicht Hosea einem Ehebündnis, wobei er Gott die Rolle des Ehemanns und Israel die der Ehefrau zuteilt. Dieser Vergleich war nicht besonders originell, den finden wir auch bei anderen Propheten. Jedoch gab Hosea dem Verhältnis Israel – Gott seine besondere Note. Er schilderte die Untreue der Ehefrau in einer drastischen Art und Weise, die geeignet sein sollte, die Zuhörer oder die Leser zu schockieren.

Um die Situation der Untreue nicht nur abstrakt, sondern plastisch, anschaulich zu demonstrieren, übernahm er selbst die Rolle des betrogenen Ehemannes: JHWH sprach zu Hosea: Geh hin und nimm eine hurende Frau und Hurenkinder; denn das Land läuft von JHWH weg der Hurerei nach. Und er ging hin und nahm Gomer zur Frau. Noch hatte die Frau keine Hurenkinder, aber sie wurde schwanger und gebar ihm einen Sohn. Und JHWH sprach zu ihm: Nenne ihn Jesreel; denn will ich die Blutschuld von Jesreel heimsuchen am Königs-Haus Jehu und will mit dem Königtum des Hauses Israel ein Ende machen. Und sie ward abermals schwanger und gebar eine Tochter. Und JHWH sprach zu ihm: Nenne sie Lo-Ruhama (Heb. kein Erbarmen); denn ich will mich nicht mehr über das Haus Israel erbarmen noch ihnen vergeben. Und sie ward wieder schwanger und gebar einen Sohn. Und JHWH sprach: Nenne ihn Lo-Ammi (Heb. nicht mein Volk); denn ihr seid nicht mein Volk, so will ich auch nicht der Eure sein.

Danach zieht Gott das treulose Israel zur Rechenschaft: Rechtet mit eurer Mutter, sie ist ja nicht meine Frau und ich bin nicht ihr Mann! Sie soll die Zeichen ihrer Hurerei von ihrem Angesicht wegtun und die Zeichen ihres Ehebrechens zwischen ihren Brüsten wegwischen, damit ich sie nicht nackt ausziehe und hinstelle, und ich sie nicht mache wie die Wüste und sie zurichte wie dürres Land und sie nicht sterben lasse vor Durst!

Auch ihrer Kinder will Gott sich nicht erbarmen; denn Hurenkinder sind sie. Da ihre Mutter Hurerei trieb, sprach sie doch: Ich will meinen Liebhabern nachlaufen, die mir Brot geben und Wasser, Wolle und Flachs, Öl und Trank. Darum siehe, ich versperre ihren Weg mit Dornen und ziehe eine Mauer, dass sie ihre Pfade nicht findet. Nun aber decke ich ihre Scham auf vor den Augen ihrer Liebhaber, und niemand wird sie aus meiner Hand erretten.

Höret, ihr Israeliten, des JHWH Wort! JHWH rechtet mit denen, die im Lande wohnen; denn es gibt keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Lande, sondern Fluchen und Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen haben überhandgenommen, und eine Blutschuld kommt nach der andern. Mein Volk befragt sein Holz, und sein Stab soll ihm antworten. Ja, der Geist der Hurerei hat sie verführt, dass sie mit ihrer Hurerei ihrem Gott wegliefen um Baal nachzueifern. Hurerei, Wein und Most rauben den Verstand.


Gabriel Miller