Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
Schriftgröße verkleinern Trennstrichnormale Schriftgröße wiederherstellen Trennstrich Schriftgröße vergrößern

Suchen in dieser Webseite

Rechtsgeschichte-Propheten-Amos4

Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Amos (4)

In den ersten drei Beiträgen zum Buch Amos, wobei das Buch lediglich neun Kapitel enthält, konnten wir vieles über die sprachliche Begabung und den Reichtum des Propheten erfahren und seine Gleichnisse und bildhaften Darstellungen bewundern. Einige Beispiele sollen hier gesondert Erwähnung finden:

Die folgenden Worte sind zu einem geläufigen Spruch avanciert: „Darum muss der gebildet Kluge zu dieser Zeit schweigen.“ Wenn nämlich Jemand eine Information nicht vollständig preisgeben will, oder wenn man jemanden von der Weitergabe einer Information oder eigener Meinung abhalten will.

Die folgenden Sprüche bedürfen keiner weiteren Erklärung: „Hasst das Böse und liebt das Gute.“ „Weil sie den Gerechten für Geld verkaufen und den Armen für ein Paar Schuhe.“

Wenn religiöse Nationalisten sich auf das Auserwähltsein berufen, kann man sie mit den folgenden Worten von Amos zur Bescheidenheit ermahnen: „Seid ihr Kinder-Israels nicht gleich für mich wie die Moren-Kinder?“

Die folgenden Worte haben in einem israelischen populären Lied Platz gefunden: „Und die Berge werden von Most triefen, und alle Hügel erfreuen sich des Überfließens.“

Zu einem anderen Aspekt von Amos` Charakter: Mut

Bethel war die Hauptstadt des Königreichs Israel (das nebenbei bemerkt größer und viel mächtiger war als das Königreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem) und sie besaß auch den Haupttempel des Reichs. Der Oberpriester hieß zu der Zeit Amazja, der verständlicherweise eine enge Beziehung zum König Jerobeam besaß. Er kannte die Reden von Amos und sah es als seine Pflicht an, den König über diese Reden, die an Verrat grenzten, zu informieren, und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht ertragen. Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden.

Amazja war im Grunde ein gutwilliger Mensch, und vielleicht mochte er auch den sonderbaren Amos und sprach zu ihm: Du Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iss dort dein Brot und weissage daselbst. Aber weissage nicht mehr in Bethel; denn es ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs. Amazja betrachtete Amos offensichtlich als Seher, der von seinen Weissagungen seinen Lebensunterhalt bestreitet. Amos antwortete und sprach zu Amazja: Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern ich bin ein Hirt. Amos wollte damit klarstellen, dass er sich nicht als berufsmäßiger Prophet, der damit seinen Lebensunterhalt bestreitet, betrachtet, sondern: JHWH nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!

Da der Oberpriester Amazja sich erdreistete gegen die verkündeten Worte Gottes zu sprechen, musste er von Gott bestraft werden, und Amos verkündet ihm dementsprechend: So höre nun das Wort des JHWH! Du sprichst: Weissage nicht wider Israel und eifere nicht wider das Haus Isaak! Darum spricht JHWH: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Messschnur aufgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen fremden Lande sterben, und Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden. (Das alles sollte sich nach der Niederlage gegen den nördlichen Feind, die Assyrer, ereignen).

So geschah es auch. Israel wurde Mitte des 8. Jhs besiegt, und hörte auf, als Staat zu existieren.

Wie auch immer – es bleibt noch eine letzte Frage zum Mut und Draufgängertum von Amos: War er ein religiöser Extremist, ein Fanatiker oder ein engagierter Intellektueller und Patriot mit Pflichtbewusstsein?


Gabriel Miller