Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Rabbiner Gabriel Müller

Justitia
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Rechtsgeschichte-Propheten-Amos2

Rechtsgeschichte

Tora - Kommentare, Beschreibungen


Amos (2)

Nachdem Amos die Nachbarn der hebräischen Staaten abgestraft hatte, ging er dazu über, Juda mit der Hauptstadt Jerusalem und Israel mit der Hauptstadt Bethel, ein ähnliches Schicksal zu prophezeien. Er tadelte die beiden hebräischen Staaten, Juda und Israel, nach dem gleichen thematischen Muster. Die drei und die vier Frevel, die jeder von ihnen beging. Hauptsächlich ging es bei der Bevölkerung von Juda um religiöse Sünden, um das Ritual. Dafür soll das Feuer die Paläste von Jerusalem verzehren.

Bei den Freveln des Königreiches Israel, wobei die Frevler eher der wohlhabenden Bevölkerung angehörten, handelte es sich mehr um soziale Vergehen: Weil sie die Unschuldigen um Geld und die Armen um ein Paar Schuhe verkaufen; sie treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Wege. Dann fällt Amos eine weitere Sünde ein, womit Gott JHWH direkt erzürnt wird: Sohn und Vater gehen zu demselben Mädchen, um meinen heiligen Namen zu entweihen.

Dann wirft Amos im Namen JHWHs den Israeliten Undankbarkeit vor: Auch habe ich euch aus Ägyptenland geführt und vierzig Jahre in der Wüste geleitet, damit ihr der Amoriter Land besäßet. Und ich habe aus euren Söhnen Propheten erweckt und Gottgeweihte aus euren Jünglingen. Ist's nicht so? spricht JHWH. Aber ihr habt den Gottgeweihten Wein zu trinken gegeben und den Propheten geboten: Ihr sollt nicht weissagen! Siehe, ich will Euch erdrücken, dass ihr schwankt, wie ein Wagen voll Garben schwankt, sodass, auch wer schnell laufen kann, nicht entfliehen noch der Starke etwas vermögen soll, und der Mächtige soll nicht sein Leben retten können. Die Bogenschützen sollen nicht standhalten, und wer da reitet, soll sein Leben nicht retten, und wer unter den Starken der mannhafteste ist, soll nackt entfliehen müssen an jenem Tage, spricht JHWH.

Danach folgen sehr schöne Gleichnisse: Können etwa zwei miteinander wandern, sie hätten sich denn verabredet? Brüllt etwa ein Löwe im Walde, wenn er keinen Raub hat? Schreit etwa ein junger Löwe aus seiner Höhle, er habe denn etwas gefangen? Fällt etwa ein Vogel zur Erde, wenn kein Fangnetz da ist? Oder springt eine Falle auf von der Erde, sie habe denn etwas gefangen? Bläst man etwa das Horn in einer Stadt, und das Volk entsetzt sich nicht? Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und JHWH hat es nicht getan?

Danach folgt eine Beschreibung des Verhältnisses zwischen Gott und den Propheten: Gott JHWH tut nichts, er offenbarte denn seinen Ratschluss seinen Knechten, den Propheten. Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten? Gott JHWH redet, wer sollte nicht Prophet werden?

Gericht über Samaria (das Land des Königreichs Israel): Gott will die Bestrafung in aller Welt öffentlich machen: Lasst hören über den Palästen der Philister-Städte und in den Palästen im Lande Ägypten und sprecht: Sammelt euch auf den Bergen um Samaria und seht, welch ein großes Zetergeschrei und Unrecht darin ist! Sie achten kein Recht, spricht JHWH; sie horten Gewalttat und Raub in ihren Palästen. Darum, so spricht Gott: Man wird dies Land ringsumher bedrängen und deine Macht niederreißen und deine Paläste plündern. Gleichwie ein Hirte dem Löwen zwei Beine oder ein Ohrläppchen aus dem Maul reißt, so sollen die Israeliten herausgerissen werden. Zurzeit, da ich Israels Frevel an ihm heimsuchen werde, will ich die Altäre in Bethel heimsuchen und die Hörner des Altars abhauen, dass sie zu Boden fallen, und will Winterhaus und Sommerhaus zerschlagen, und die Elfenbeinhäuser sollen zugrunde gehen und viele Häuser werden vernichtet, spricht JHWH. Amos erwähnt auch die lüsternen Frauen, die die Geringen ausbeuten und die Armen schinden und ihren Männern sagen: Bringt her, lasst uns saufen! und nennt sie sehr bildhaft fette Milchkühe, für die er besondere Strafen parat hat.

Hört dieses Wort, ihr Hebräer, das ganze Geschlecht, das ich aus Ägyptenland geführt habe: Aus allen Geschlechtern auf Erden habe ich allein euch erkannt (und dieser Verrat ist sehr enttäuschend und für menschliche Gefühle besonders verletzend), darum will ich auch an euch heimsuchen all eure Sünden.


Gabriel Miller