Neujahrsausgabe, Oktober 2006


 

 

Einführung in das Jüdische Recht -
ein Ansatz

"Wenn du siehst, wie der Esel deines Gegners unter der Last zusammenbricht, dann leiste ihm Hilfe!" So steht es in der Tora, im 2. Buch Mose. Die Frage: Ist das eine Gesetzesnorm oder ein Empfehlung?


 

Meineid oder kein Meineid?

Im Talmud (Nedarim 25 a) findet sich folgende Geschichte: „Einst verklagte jemand seinen Nächsten vor dem Richter Rava zur Rückgabe eines Darlehens. Der Richter sprach zum Schuldner: Geh, bezahl es ihm! Der Schuldner erwiderte: Ich habe es bereits bezahlt.


Am Anfang stand das mosaische Recht, das kein kodifiziertes Recht war, jedoch ein Rechtssystem begründete:
Über die Jurisdiktion jener Zeit gibt es kaum Informationen. Eine allgemeine Regel in 5. Mose besagt, dass man, wenn eine Frage auftaucht, vor den Richter treten und sich an den von ihm verkündeten Spruch halten soll. Wie aber die Rechtsfindung in der Praxis aussah, darüber kann man nur spekulieren.


 

 


 

Da sprach Rava zu ihm: So schwöre, dass du es ihm bezahlt hast. Da ging der Schuldner fort und tat das Geld in einen Rohrstab, und auf diesen gestützt kam er vor das Gericht. Alsdann sagte er zum Gläubiger, er sollte ihm den Rohrstab halten und schwor, dass er ihm alles zurückgab, was er von ihm erhalten hatte. Als der Gläubiger vor Zorn den Rohrstab hinwarf, zerbrach der und das Geld verstreute sich auf dem Fußboden."
Formal gesehen, so stellt der Talmud fest, hat der Schuldner die Wahrheit geschworen, da er mit dem Rohrstab dem Gläubiger das Geld übergeben hatte und im Augenblick des Eides das


 


 


 

 


 

In späterer Zeit wurden Grundsätze formuliert, die von der Tora abgeleitet wurden. Ein Beispiel: Die Idee der Gleichheit der Menschen zieht sich wie ein roter Faden durch die Tora. Sie kommt schon bei der Sabbat-Gesetzgebung zum Ausdruck.
Die Gelehrten stellten also fest, dass die Gleichheit aller Menschen in der Tora verankert ist. Im Talmud kommt dies in folgender Diskussion zum Ausdruck: „Ben Asai sagt: 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst’ ist ein wichtiger Grundsatz. Rabbi Akiva sagt, die Worte ‚im Antlitz Gottes schuf er den Menschen’, sind noch wichtiger“. R. Akiva meinte damit, wenn Gott Adam nach seinem Bilde schuf, dann sind alle seine Nachkommen im Antlitz Gottes geschaffen worden.
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Geld sich im Besitz des Gläubigers befand.
Diese Fabel diente zur Illustrierung eines nur scheinbar richtigen Verhaltens, dem abgeholfen werden musste; eine genau formulierte Eidesformel sollte solche Hinterlist ausschließen.
In einem kürzlich erschienenen Buch der in Israel sehr bekannten Bibelkommentatorin Nechama Leibowitz wird diese Geschichte in einem Kapitel erwähnt, das den Tora-Wochenabschnitt Mischpatim (= Satzungen) bespricht. Das in diesem Abschnitt postulierte Lügenverbot werden behandelt, sowie die Schlussfolgerungen daraus für das Verhalten von Gerichten.
 
 

 

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