2. Ausgabe, März 2006

Raschi: Wer weiß heute noch etwas vom bedeutendsten jüdischen Rechtsgelehrten des Mittelalters? Wer den Talmud oder die hebräische Bibel studiert, kommt ohne den Raschi-Kommentar

 
Seminarthema: Die Kunst der Interpretation juristischer Texte und das demokratische Mehrheits- prinzip wurden in zwei Seminarsitzungen im Januar 2006 behandelt ausgehend vom biblischen Text zur
nicht aus. Das Studium dieser beiden zentralen und konstitutiven Werke des Judentums ist ohne Raschi nicht denkbar. Die meisten Menschen, die diese Bücher lesen, wissen allerdings gar nicht, wer dieser Raschi war oder wann er gelebt hat.

Und eigentlich ist das auch nicht so wichtig wie die Tatsache, dass dieser großartige Geist im 11. Jh., lange vor dem Buchdruck, diese Werke für das Judentum gerettet hat.
Einen Einblick in die Persönlichkeit Raschis vermittelt der Beitrag von Rabb. Dr. Arthur Cohn, der vor einhundert Jahren geschrieben, in anregender Weise ein lebendiges Bild Raschis vermittelt.

 

 

 
Bestrafung ungehorsamer Kinder (s.Kasten Mitte).
Nicht wie das jüdische Recht Kinder behandelt, stand im Mittelpunkt, sondern folgendes Thema:
Beschäftigt man sich mit dem jüdischen Recht, entsteht stets die Frage, wie dieses mit den veralteten Gesetzen des hebräischen Testaments, der Tora, umgeht. Konnten Rechtsnormen wie "Auge um Auge" in späterer, gar in unserer Zeit aufrechterhalten werden? Und wenn nicht, welchen Ausweg gab es?
Eine ziemlich "tendenziöse" biblische Textanalyse haben schon die Talmudgelehrten vorgenommen:
Sanhedrin, Kap.8 Mischna 1-4:
"Von wann ab kann er als ein unbändiger und wider- spenstiger Sohn verurteilt werden?"
An diesem Beispiel haben wir besprochen, wie ein in der Tora formuliertes rechtliches Gebot durch eine methodische Analyse außer Kraft gesetzt wurde.

 

So sagt es das Gesetz:

"Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen, und zu dem Tor des Ortes und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Schlemmer und Trunkenbold. So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt ."(5.Moses, Kap.21)


 

 

 

 

Preisausschreiben:* Zum Beitrag Raschi.

Phantasie ist gefragt. Da niemand genau wissen kann, wie Raschi ausgesehen hat, wird hier als Preis ein Büchergutschein von 50 Euro für eine gelungene Darstellung von Raschi und/oder seiner Zeit gegeben. Der Phantasie sollen keine Grenzen gesetzt werden. Zeichnungen, Fotos, Collagen von Raschi in unterschiedlichem Alter, mit seiner Familie, bei verschiedenen Tätigkeiten, mit anderen Persönlichkeiten, etc. etc.


 

Preisausschreiben:* Zum Beitrag Raschi.

Gelehrsamkeit ist gefragt. Im Hebräischen gibt es viele geflügelte Worte, die ihren Ursprung in den Raschikommentaren haben. Einen Preis in Form eines Büchergutscheines über 50 Euro erhalten gelungene Einsendungen. Hier ein Beispiel für solch einen Spruch: Woran erkennt man den Charakter eines Menschen? An seinem Verhalten in Geldangelegenheiten, im Zorn und im Rausch. Hebräisch lautet es: B’kisso, b’kosso, b’kaasso; Kiss = Börse; Koss = Glas; Kaas = Zorn

*Über die Preisvergabe entscheidet die Forschungsstelle.
 

 
*Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
 

Englische Texte:
Fünf Professoren aus Harvard beschäftigen sich mit zentralen Themen des jüdischen Rechts angesichts der Notwendigkeit, seine Stellung in der Moderne neu zu bestimmen.
Frauenemanzipation: Dass Frauen als Zeugen aussagen dürfen, die Scheidung einreichen, erben und Geschäfte abwickeln können ist nach jüdischem Recht immer noch keine Selbstverständlichkeit. Diese Problematik greift Frau Tikva Frymer-Kensky auf.
Moshe Halbertal untersucht Beitrag drei verschiedene Modelle, die die Akzeptanz und Fortbestand des jüdischen Rechts begründen könnten. Es sind Theorien, mit den sich das jüdische Recht bereits seit dem Mittelalter auseinandersetzt.
Welche Macht besitzen die Rechtsgelehrten, die Rabbiner, die Entscheidungen in der Halacha treffen sollen? Gibt es auch Möglichkeiten, diese Macht zu missbrauchen? Jacob Katz geht dieser Frage nach.
Die Beiträge von Suzanne Last Stone und Ze'ev W. Falk setzen sich ebenfalls mit dem jüdischen Recht in der Moderne auseinander.
Hinweis: Diese englischen Beiträge werden demnächst auf der Webseite in deutscher Überarbeitung erscheinen.


 

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