Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
Schriftgröße verkleinern Trennstrichnormale Schriftgröße wiederherstellen Trennstrich Schriftgröße vergrößern

Suchen in dieser Webseite

Rechtswörterbuch - FÜNFTE ABTEILUNG - Strafrecht - VERSUCH

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



VERSUCH

Das j. Recht setzt für die Bestrafung eines Verbrechens dessen Vollendung voraus; der bloße V. ist nicht strafbar. An Tauglichkeit des Mittels und des Objekts werden bestimmte Anforderungen gestellt. So ist z. B. ein Mensch, der einen andern tötet, welcher nach Aussage des Arztes an einer den Tod herbeiführenden Krankheit leidet, nicht des Todes schuldig (b. Sanh. 78a). Die Bedingungen, welche zur verbrecherischen Tat geführt haben, müssen hinlänglich und unmittelbar sein, so daß der Erfolg ausschließlich auf den Täter zurückgeführt werden kann und die Handlung aus dem Stadium des V. herausgetreten ist. Beim Delikte der Unterschlagung vertrat die Schule Schammajs die Meinung, daß der verbrecherische Wille allein schon den Tatbestand erfülle; diese Lehre würde somit in diesem Falle schon den V. für strafbar erklären. Doch hat die gegenteilige Meinung von Hillel, die eine wirkliche Handlung fordert, Gesetzeskraft erhalten. Nur bei einem Sonderdelikt des j. Rechts, der Tat der falschen Zeugen, ist der V. strafbar; der V. bildet hierbei nach der Auffassung der Pharisäer den Tatbestand des Verbrechens; ist jedoch das von dem falschen Zeugen versuchte Verbrechen, nämlich das dem Nächsten zugedachte Übel, verwirklicht worden, so tritt keine Strafe mehr ein.