Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - FÜNFTE ABTEILUNG - Strafrecht - VERSUCH

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



UNTERSCHLAGUNG

 (schelichut jad) Hat jemand Sachen, die ihm in Verwahrung gegeben wurden, dem Eigentümer vorenthalten resp. deren Besitz bestritten, so ist er verpflichtet, sie zurückzugeben oder zu ersetzen; hat er auch noch einen Meineid geleistet, so muß er 1/5 des Wertes des unterschlagenen Objekts beifügen und ein Schuldopfer darbringen (Lev. 5, 21ff.). Die Strafe für U. ist somit dieselbe wie für Raub.

Im Gegensatz zum Diebstahl, der Wegnahme einer fremden Sache aus fremdem Besitz, handelt es sich bei der U. stets um die Vorenthaltung von Sachen, die aufgrund eines bestimmten Rechtsverhältnisses im Besitz des Täters sind. Die biblische Quelle nennt das in Verwahrung gegebene Gut sowie das in die Hand Gegebene, sc. Geld (d. h. das Darlehen). Der Verwahrer ist nicht berechtigt, das verwahrte Gut für seine eigenen Zwecke zu gebrauchen. Eine Wertverminderung des Objekts ist mit dem Begriff der U. nicht verbunden, doch muß die Möglichkeit dazu, als Folge der U., gegeben sein (B. M. 4la); im Talmud wird freilich auch noch eine andere Meinung vertreten, die auch von Josephus erwähnt wird, wonach der Tatbestand der U. erst durch die Wertverminderung erfüllt ist. Nach der strengeren Ansicht von Bet Schammaj ist die U. schon durch die verbrecherische Absicht des Verwahrers als vollzogen zu betrachten (B. M. 3, 12). Die U. ist eines der drei Delikte, bei denen der Grundsatz der Vertretung gilt, d. h. bei einer Anstiftung zur U. ist der Anstifter, nicht der Täter, schuldig.

Die U. bewirkt die Verschärfung der Haftung des Verwahrers für den eintretenden Schaden; in Mischna und Talmud werden die zivilrechtlichen Folgen, die sich aus einer U. für den Verwahrer ergeben, in allen Einzelheiten erörtert (Schew. 8).