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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - FÜNFTE ABTEILUNG - Strafrecht - SPIEL und WETTE

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



SPIEL und WETTE

In der bibl.  Literatur findet sich kein Hinweis auf besondere Glücksverträge, Gewinnspiele und Wetten.  Erst zur Zeit des zweiten Staates mögen diese durch die Griechen, zusammen mit hellenistischen Sitten und Vergnügungen, in Palästina eingeführt worden sein. Einen Anhaltspunkt hierfür bilden die griech. Benennungen der Gewinnspiele und Wetten im Talmud.  Vielfache Verordnungen traten diesen Glücksverträgen entgegen, in denen eine Schwächung der Sittenstrenge und eine Ablenkung vom Studium der Gotteslehre erblickt wurde. Von Spielen werden im Talmud und im späteren j. Schrifttum u. a. erwähnt: das Würfelspiel, das Brettspiel und andere Glücksspiele (Sabb. 23, 2; b. Sanh. 24b ff.). Von Wetten kennt der Talmud vor allem den Taubenflug (mafriche jonim),wobei von mehreren Teilnehmern, die Tauben fliegen ließen, derjenige gewann, dessen Taube zuerst zurückkehrte.  Bemerkenswert ist die Wette in einer in b. Sabb. 30b erwähnten Anekdote, die zwei Männer hinsichtlich der Sanftmut Hillels eingingen.  Dort wird übrigens die Gültigkeit der Wette ohne weiteres anerkannt.

Als Typus des unzulässigen Spiels gilt im Talmud stets das Würfelspiel (kuwja), und "Würfelspieler" (messachek bakuwja und kuwjostoss) wurde zu einer entehrenden Bezeichnung (b. Sabb. 149b). Als Grund des Spielverbotes und damit auch der Nichteinklagbarkeit des Gewinnes wurde von einigen darauf hingewiesen, daß der Spieler wie bei der Assmachta nicht ernstlich an die Preisgabe des Gewinneinsatzes denke; er habe nur die ihm günstige Möglichkeit des Ausgangs von Sp. u. W. im Auge. Andere, vor allem Maimonides, sehen den Grund des Verbotes darin, daß der Gewinn, weil es an der wirtschaftlichen Gegenleistung fehlt, als Raub zu werten ist. Manche unterscheiden nach dem Gesichtspunkt, wann der Einsatz einbezahlt wird; geschieht dies vorher, so ist er als verfallen zu betrachten, weil die Hingabe des Gewinnes die Assmachta auszuschließen scheint; hat die Leistung jedoch erst später zu erfolgen, so ist sie nicht einklagbar.

Das Spiel, nach der Ansicht der meisten Gelehrten jedoch nur das gewerbsmäßig betriebene, gilt als Diebstahl und bewirkt darum auch, daß der Spieler zeugnisunfähig wird (Sanh. 3, 3; R. H. 1, 8).

Die Zahl der unter den J. aller Länder verbreiteten Glücks-, Kombinations- und unterhaltenden Gesellschaftsspiele vermehrte sich im Laufe der Jahrhunderte, so daß bisweilen durch die Rabbinen mit Bann- und sonstigen Strafverfügungen dagegen eingeschritten wurde.