Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - FÜNFTE ABTEILUNG - Strafrecht - MEINEID

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



MEINEID

(schewuat scheker, "lügnerischer Eid", oder schewuat schaw,"falscher Eid"). Die hohe Auffassung von der unbedingten Heiligkeit des Eides im J.tum muß zur schärfsten Verurteilung des M.'s führen. Das dritte der zehn Gebote, "du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht zum Falschen aussprechen" (Ex. 20, 7; Deut. 5, 11) bezeichnet daher den M. geradezu als Entweihung des göttlichen Namens. Bes. wird das Verbot des M.'s in der Bibel bei den Bestimmungen über den Reinigungseid hervorgehoben, den der Besitzer fremden Eigentums leisten muß (Lev. 19, 12: "Schwöret nicht falsch bei meinem Namen, daß du entweihest den Namen deines Gottes"). Die feierliche Anrufung Gottes, die der wesentliche Inhalt des Eides ist, macht den M. im alten j. Recht, ähnlich wie bei den Griechen und Römern, zu einem Religionsdelikt, das von Gott selbst geahndet wird. Der Fluch Gottes trifft den Meineidigen; sein ganzes Haus "mit allem Holz und Gestein" wird von diesem Fluche getroffen (Sech. 5, 4). Der Eidesablegung soll eine Vermahnung vorangehen, in der auf die Wichtigkeit des Eides und die Bestrafung des M. hinzuweisen ist (b. Schew. 39a; vgl. Art. Eid). Die Bestrafung des M. ist bei den einzelnen Eidesarten verschieden. Ist ein gerichtlicher Eid (schewuat hadajjanim), vor allem der Depositen-Eid (schewuat hapikkadon), falsch abgelegt worden, so ordnet das weltliche Gericht außer der vorgesehenen Darbringung eines Opfers als weitere Strafe die Rückerstattungspflicht des durch M. abgeleugneten Betrages oder Wertobjektes an, unter Beifügung eines Fünftels (Lev. 5, 24). Als M. gilt auch der zu Unrecht geleistete Zeugnisablehnungseid (schewuat ha'edut; Lev. 5, lff.). Bezieht sich der M. nicht auf rechtlich bedeutsamen Tatbestand, sondern auf einen unerheblichen gleichgültigen Anspruch (schewuat bittuj), so wird an dem Meineidigen die Geißelstrafe (Malkut) vollzogen, obwohl hier eine Handlung, die allgemeine Voraussetzung der Geißelstrafe, fehlt. Dieser Falscheid gilt als M., auch wenn er außerhalb des Gerichts abgelegt wurde (Schew. 3, 11). Der Meineidige wird späterhin nicht mehr zum Eid zugelassen, auch sein Zeugnis ist nicht mehr beweiskräftig. Unter gewissen Umständen ist jedoch seine Rehabilitierung möglich.