Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - FÜNFTE ABTEILUNG - Strafrecht - MALKUT

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



MALKUT

(malkut) Die Geißelung, insbes. die gerichtliche Bestrafung mit Geißelhieben, nach Deut. 25, lff.  In der rabb. Literatur wird diese Strafe bisweilen auch als Makkot ("Schläge") bezeichnet. Die mit M. verbundene Demütigung sollte den Übeltäter ebenso hart treffen wie der zu erleidende Schmerz. Andererseits wirkte die M.-Strafe nicht entehrend; selbst der Hohepriester durfte nach ihrer Vollziehung weiter in seinem Amt fungieren (j. Hor. 3, 6), da in Anlehnung an Deut. 25, 3 der Grundsatz galt: "Sobald er bestraft ist, ist er wieder dein Bruder." Über die Prozedur der Strafe wird im Talmud vorgeschrieben, daß sie in Gegenwart eines Dreierkollegiums erfolgen muß; der eine zählt, der zweite ordnet die Schläge an (die vom Gerichtsdiener ausgeführt werden), der dritte liest die bibl. Stellen (Deut. 28, 58f.; 29, 8; Ps. 78, 38), die von der Reue und der Buße handeln, vor (b. Makk. 22b ff.; Sanh. 10b).

In der Mischna (Makk. 1, 3) wird unter M. die Bestrafung mit 40 Geißelhieben bei Übertretung von bibl. Verboten verstanden.  Falls nach dem Gutachten des Gerichtes der Delinquent die M. nicht mehr ertragen konnte, wurden ihm die restlichen Geißelhiebe erlassen. Die Geißelung wurde mit einem Riemen aus Kalbleder vollzogen. Die M.-Strafe kam, wie alle Strafen, nur dann zur Anwendung, wenn eine Verwarnung (Hatra'a) vorausgegangen war. In der Mischna (Makk.  III, lff.) werden die bibl. Bestimmungen, die mit den Worten "Du sollst nicht", "Hüte dich" usw. beginnen, als Verbote, deren Übertretung mit M. bestraft wird, behandelt. Maimonides zählt 207 solcher Verbote auf. Besonders erwähnt wird die M.Strafe als Ersatz für die nicht zur Ausführung kommende Karet-(Ausrottungs-)Strafe (Makk. III. 15).  Ist die M.-Strafe bereits zweimal (nach anderer Ansicht dreimal) zur Anwendung gekommen, wird der Missetäter mit Gefängnis bestraft.

Bei Übertretung einer rabbinischen Vorschrift kommt nicht M., sondern Makkat mardut ("Strafe für Auflehnung") zur Anwendung, d. h. die Strafe, die an dem gegen Tora und die rabb. Vorschriften Widerspenstigen (mored) vollzogen wird (b. Sabb. 40b u.a.O.). Diese Makkat-mardut-Strafe ist als Ersatz für M. auszusprechen, wenn M. aus einem formalen Grunde nicht angewendet werden kann. Die Zahl der Geißelhiebe bei Makkat mardut war nach einer Ansicht der Dezisoren nicht festgesetzt, sondern die Schläge wurden solange vollzogen, bis der Delinquent Besserung gelobte.  Nach anderer Ansicht waren es 13 Geißelhiebe, d. h. 1/3  von M. Diese rabb. Strafe wurde auch - im Gegensatz zur M.-Strafe, die nur bei der Übertretung von Verboten .Anwendung fand - bei Unterlassung von Geboten, um deren Ausübung zu erzwingen, und ohne vorangehende Hatra'a vollzogen. Im Gegensatz zu M., die nur in Palästina vollzogen wurde, konnte Makkat mardut auch außerhalb des Landes, somit auch in Babylonien, zur Anwendung gelangen.

Unter M. werden heute noch die Geißelhiebe verstanden, die sich nach altem Brauche in manchen Orten die Bußfertigen am Tage vor dem Jom kippur als Sühne für etwa begangene Übertretung von Verboten in der Synagoge verabreichen lassen (O. Ch. § 607, 6).