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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - FÜNFTE ABTEILUNG - Strafrecht - FREIHEITSSTRAFE

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



FREIHEITSSTRAFE

Die Beschränkung der Freiheit als Strafe ist dem j. Recht fremd. Die F. wurde als Maßnahme angesehen, die weder für das Volksganze noch für den Täter Vorteile bot, und kam schon deshalb im j. Recht, das durchaus auf dem Gedanken der Vergeltung (Talion) aufgebaut ist, nicht zur Entfaltung, weil nicht die Möglichkeit besteht, diese Strafe absolut gleichwirkend und in einer vergeltenden Beziehung zum Delikt zur Durchführung zu bringen. Nur für die Freiheitsberaubung, die jedoch dem j. Recht auch unbekannt ist, wäre die F. im Sinne der Vergeltung adäquat. Sie kommt daher im j. Recht nur in Ausnahmefällen und in besonderer Prägung zur Anwendung. Zunächst wird die F. nur als Präventivhaft in der Bibel erwähnt (Lev. 24, 12; Num. 15, 24; II. Chron. 18, 26). In weitergehendem Maße findet sie erst zur Zeit von Esra (Esr. 7, 26; 10, 8) Anwendung. Eine Art F. ist sodann die Verbannung in eine der Zufluchtsstädte (are miklat), die für fahrlässigen oder zufälligen Totschlag vorgesehen ist (b. Makk. 7a ff.). Der Täter muß bis zum Tode des amtierenden Hohenpriesters seinen dauernden Wohnsitz in einer dieser Städte nehmen (Num. 35, 25). Bei dieser Internierung handelt es sich jedoch eigentlich nicht hauptsächlich um eine Strafe, sondern mehr um eine Maßnahme zum Schutz des Lebens des Täters, der vor den Angriffen des Bluträchers gesichert werden mußte. Zur Wiedergutmachung des zugefügten Schadens fand indirekt die F. beim Diebstahl Anwendung, wenn der Dieb nicht imstande war, das gestohlene Gut dem Eigentümer zu ersetzen; er wurde dann als unfreier Arbeiter (hebräischer Knecht, ewed iwri) verkauft, um durch den entsprechenden Kaufpreis den geschädigten Eigentümer zu entschädigen (Ex. 22, 2). Dieser Zwangsverkauf erfuhr jedoch nach talmudischer Auffassung so viele Einschränkungen, daß er wohl äußerst selten zur Anwendung gekommen sein dürfte (b. Kidd. 18a). Eine eigentliche, vielleicht nur bedingte F. oder Sicherheitsmaßnahme scheint sodann die Kippa-Strafe (Gefängnis) gewesen zu sein, deren Anwendung in bestimmten Fällen vorgesehen war; ihre Bedeutung ist in der Literatur allerdings sehr umstritten.